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Schlüchterner Intung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 23. Januar 1901

52. Jahrgang

auf dieSchlüchterner Zeitung" ^pTIlFUlUWyil'Sl roerben nod) fortwährend von allen 11 ~~--------------------' Postanstalten undLandbriefträgern,

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Die Kanalvorlage.

Der in der Thronrede angekündigte Gesetzentwurf, betreffend die Herstellung und den Ausbau von Kanälen und Flußläufen tm Interesse des Schifffahrtsoerkchrs und der Landeskultur ist dem Landtag nunmehr zuge- gangen. Dem Gesetzentwurf sind als Anlagen angefügt: 1. Denkschrift, betreffend den Bau eines Schifffahrts­kanals vom Rhein bis zur Elbe, nebst zwei angehefteten Plänen; 2. Denkschrift, betreffend die Herstellung eines Großschifffahrtsweges BerlinStettin (Wasserstraße Ber­linHohensaathen), nebst fünf angehefteten Plänen; 3. Denkschrift, betreffend den Ausbau der Wasserstraße zwischen Oder und Weichsel, nebst zwei angehefteten Plänen; 4. Denkschrift, betreffend die Verbesserung der Schifffahrtsstraße der Warthe von der Mündung der Netze bis Posen; 5. Denkschrift, betreffend die Verbesserung der Vorfluth in der unteren Oder, nebst zwei angehefteten Plänen; 6. Denkschrift, über die Verbesserung der Vor­fluth- nnd Schifffahrtsverhältnisse in der unteren Havel, nebst zwei angehefteten Plänen; 7. Denkschrift, betreffend den Ausbau der Spree, nebst zwei angehefteten Plänen. Angesügt ist endlich ein Staatsvertrag zwischen Preußen und Bremen über die Kanalisirung der Weser von Minden bis Bremen. (Die Erwägungen über die Ausführung des masurischen Schifffahrtskanals schweben noch. Eine Kanalisirung der Lippe ist seitens des Staats nicht in Aussicht genommen.) Im § 1 der Vorlage werden

anderen Vortheilen abgesehen, eine sehr wesentliche För­derung zu Theil werden.

Was den Kostenaufwand anlangt, so hätte der Staat bei einem Zinsfuß von 3 v. H. und einer Tilgung von Vr ö« H- nach vollständiger Fertigstellung aller Anlagen jährlich 13,6 Millionen Mark aufzubringen, von denen indessen 4,1 Millionen Mark von den Interessenten im Falle mangelnder Einnahmen zuzuschießen sind. Die Jahresleistung des Staates würde also ohne Berücksich­tigung etwaiger Einnahmen jährlich 9,5 Millionen Mark betragen, zu denen noch Unterhaltungskosten von 0,4 Millionen Mark träten, sodaß insgesammt 9,9 Millionen Mark erforderlich wären. Die finanzielle Belastung des Staates wird sich jedoch voraussichtlich beträchtlich günstiger gestalten, weil die unmittelbar Betheiligten einen Theil der Kosten auf sich zu nehmen verpflichtet sein werden, weil die Einnahmen aus den Schifffahrtsabgaben die Ausgaben stark herabdrücken werden, weil endlich die Eisenbahnen, welche naturgemäß anfangs in Folge der Konkurrenz der neuen Wafferverkehrsstraßen eine starke Einbuße erleiden dürften, späterhin von der durch die Kanäle bewirkten Verkehrssteigerung große Vortheile ernten würden.

Die Ausführung der Bauten soll sich über einen Zeitraum von 15 Jahren erstrecken. Innerhalb dieses Zeitraums bleibt der Staatsregierung freie Hand, die Bauten unter Berücksichtigung der Orts- und Zeitver- Hältnisse ohne vorherige Bindung nach eigenem Ermessen zu bewerkstelligen. Fast überall wird sich die Möglichkeit ergeben, mit den dringendsten Arbeiten binnen Kurzem zu beginnen.

*

*

die Gesammtkosten veranschlagt

1. RheinElbe-Kanal . . .

260784700

2.

3.

4.

Außerdem: Großschifffahrtsweg BerlinStettin Wasserstraße zwischen Oder und Weichsel, sowie die Schiffahrtsstraße der Warthe von der Mündung der Netze bis Posen...... Schifffahrtsweg zwischen Schlesien und dem OderSpree-Kanal . .

41500 000

22631000

4100000

Mk.

*

Der strategischen Bedeutung der geplanten Wasser­straßen gebührt eine besondere Beachtung. Zur Erfüllung der vielfachen Anforderungen, die während eines Krieges an die öffentlichen Verkehrswege sowohl seitens der Krieg-

Ferner zur Betheiligung des Staates an:

5.

6.

7.

der Verbesserung der Vorfluth in der unteren Oder bis zu . . . der Verbesserung der Vorfluth- und Schifffahrtsverhältnisse in der unteren Havel bis zu....... dem Ausbau der Spree bis zu .

40989000

9 670000 9336000

ff

ff

zusammen also: 369010700 Mk.

Bezüglich der Einzelheiten des veranschlagten Kosten­aufwandes muß auf die dem Gesetzentwurf angefügten sieben ausführlichen Denkschriften verwiesen werden. Zu bemerken wäre zum Punkt 4, daß die Staatsregierung, welche die Ausgestaltung der Wasserstraße zwischen Ober­schlesien und Berlin auf Staatskosten für durchaus ge­boten erachtet, zur völligen Klarlegung der erforderlichen Anlagen zunächst eine Reihe von vorbereitenden Arbeiten auszuführen gedenkt, welche übrigens schon an sich der Schiffbarkeit der Oder in gewissem Maße zu Gute kommen werden.

Aus der Begründung zum Gesammtplan der Kanal­vorlage ist hervorzuheben: Nachdem die Binnenschifffahrt Deutschlands in Folge der Verbesserung des Fahrwassers der großen Ströme und der Herstellung leistungsfähiger künstlicher Wasserstraßen seit einer Reihe von Jahren, wie sich ziffernmäßig nachweisen läßt, in hohem Maße sich entwickelt hat, werden die geplanten Kanaldauten für ihren^weiteren Aufschwung von großer Tragweite sein. Die Transportkosten, namentlich für Massengüter werden sich bei Inanspruchnahme der neuen Wasserstraßen sehr beträchtlich verbilligen und dadurch der deutschen Produk­tion breitere Absatzgebiete erschließen. Die Eisenbahnen, welche insbesondere im rheinisch-westfälischen Jndustrie- gebiete überlastet sind, werden in den Kanälen nicht nur willkommene Abnehmer ihrer Ueberbürde, sondern auch Zuträger neuer Zufuhrartikel willkommen heißen. Der Landwirthschaft, welche durch die ungünstigen Wasser- stände der Flüsse in manchen Gegenden schweren Schaden erleidet, wird einestheils durch Verbesserung der Vorfluth, wie sie namentlich in der unteren Oder, an der unteren

auch über eine leistungsfähige Binnenschifffahrt verfügt. Indem diese die Eisenbahnen entlastet und ergänzt, können die Schienenwege in umfassendster Weise als strategische Waffe" für die eigentlichen Truppentrans­porte ausgenutzt werden. Diese Ausnutzung der Eisen­bahnen ist nicht nur beim ersten Aufmarsch des Feld­heeres geboten, sondern auch während des ganzen Krieges, um am entscheidenden Punkte möglichst starke Streitkräfte schnell und überraschend zu versammeln. Dies gilt be­sonders, wenn wir gleichzeitig die West- und Ostgrenze vertheidigen müssen. Wenn in dieser schwierigen Knegs- lage die Binnenschifffahrt unsere Eisenbahnen entlastet, so ist das ein großer Gewinn für die aktive Vertheidigung des Vaterlandes. Durch Ausführung der geplanten Wasserstraßen wird daher die Defensivkraft des preußischen Staates sehr erheblich gesteigert.

sührung wie auch seitens der nationalen Volkswirthschaft s tafel statt.

gestellt werden, ist es von größter Bedeutung, daß neben den Landstraßen und Eisenbahnen Wasserwege zur Ver­fügung stehen, die die anderen Verkehrswege, im Be­sonderen die Eisenbahnen, entlasten und ergänzen können. Während die Wasserstraßen vorzugsweise zur Beförderung von Massengütern und zum Transport von Kranken und Verwundeten sich eignen, können die Schiffsgefäße mit ihrem großen Fassungsraum als schwimmende be, wegliche Magazine, deren Standort je nach der Kriegs­lage sich verlegen läßt, und als bewegliche Kriegslazarethe nutzbar gemacht werden. Die Bedeutung der Wasser­straßen im Einzelnen für militärische Zwecke ist von ihrer Lage zum Kriegsschauplatz, ihrer Leistungsfähigkeit und den vorhandenen Schiffen nach Anzahl und Fassungs- raum abhängig. Unter den projektirten Wasserstraßen ist die strategisch wichtigste der Rhein-Elbe-Kanal, weil er in Verbindung mit den bereits vorhandenen natür­lichen und künstlichen Wasserstraßen einen Zubringer sowohl zu unserer Operationsbasis im Westen (Rhein), wie rm Osten (Weichsel, Warthe, Oder) darstellt und weil er eine selbstständige Operationsbasis bei einer Vertheidigung unserer Nordseeküste bildet. Alle anderen geplanten Ausbauten von Wasserstraßen verbessern zu­nächst die Leistungsfähigkeit des großen strategischen Wasserweges zwischen der Operationsbasis an der West- und Ostfront. Außerdem aber bilden die verbesserten Wasserläufe östlich der Elbe (Havel, Finow- und Oder Spree-Kanal, Warthe mit Netze, Weichsel mit Frischem und Kurischem Haff) eine Operationsbasis bei einem feindlichen Angriff auf unsere Ostseeküste. Zwischen dieser und der Operationsbasis bilden die verbesserte Havel mit der Elbe und dem ElbeTrave-Kanal, sowie der Kanal BerlinHohensaathen mit der Oder Ver­bindungsglieder, die für die Landesverthcidigung von hohem Werth sind.

Durch die geplante Verbindung der fünf großen, in die Nord- und Ostsee mündenden Ströme (Rhein, Weser, Elbe, Oder, Weichsel) untereinander wird ein leistungs­fähiges Wafferstraßennetz geschaffen, das mit seinen viel­fachen Verzweigungen fast das gesummte preußische Staats­gebiet umfaßt. Die Wasserstraßen werden bei einem eindlichen Angriff auf die West-, Nord- und Ostgrenzen >es preußischen Staates für die glückliche Durchführung des Krieges von allergrößtem Werthe sein. Die Schlag- i

fertigfeit der in einem künftigen Kriege auftretenden ge-

Havel und an der Spree ausgeführt werden soll, andern-1 wattigen Hceresmasscn wird wesentlich gefördert, wenn theils durch Hebung des Grundwasserstandes, von allen die Kriegleitung neben den Landstraßen und Eisenbahnen

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser ist Montag Abend 6 Uhr mittels Sonderzuges nach England abgereist. Wie eine imReichsanzeiger" heute mitgetheilte Hofansage bekannt giebt, finden wegen schwerer Erkrankung der Königin von Großbritanien und Irland und Abreise des Kaisers nach England die für den 21. und 23. ds. Mts in Aussicht genommenen großen Soirren nicht statt.

Berlin, 18. Januar. Gestern Abend fand bei dem Kaiserpaare in der Bildergallerie im Königsschlosse Tafel von etwa 120 Gedecken statt. Dem Kaiser gegenüber saß die Kaiserin. Der Kaiser saß zwischen dem Herzog von Gotha und dem Großfürsten Wladimir, die Kaiserin zwischen dem Erzherzog Franz Ferdinand und dem Herzog von Connanght. Es nahmen ferner theil die hier ein­getroffenen Fürstlichkeiten, der Reichskanzler, die Bot­schafter, die den Schwarzen Adlerorden besitzen, wie Lanza, Osten-Sacken, Scögyeni. Mittags und Abends fand für die Umgebungen der Fürstlichkeiten Marschall-

Die Jubelfeier des Königsreichs Preußen hat einen überaus großartigen und glänzenden Verlauf ge­nommen. Von nah und fern waren Vertreter deutscher und fremder Staaten herbeigeilt, dem Oberhaupte des Hauses Hohenzollern Gruß und Glückwunsch zu entbieten. Kaiser Wilhelm II. hat zur Erinnerung an die Jubel­feier einen neuen Orden gestiftet, denVerdienst-Orden der preußischen Krone". An Heer und Marine ergingen besondere kaiserliche Erlasse. Die Jubiläumsfeierlichleiten in der Reichshauptstadt gestalteten sich äußerst glanzvoll. Am Donnerstag den 17. d. Mts. fand zunächst im Zeughause die Feier für das Heer statt. Mittags empfing darauf der Kaiser die Mitglieder des Bundes­rathes, die Präsidien des Reichstages und der beiden Häuser des preußischen Landtages. Nachmittags holte er eine Anzahl fürstlicher Gäste vom Bahnhof ab, Abends fand im Schlosse eine große Galatafel statt. Am Freitag empfing er im Schlosse die Botschafter, Gesandten und Abordnungen fremder Fürsten und Staaten. Hieran schloß sich die Feier des Krönungs- und Ordensfestes mit dem Gottesdienst in der Schloßkapelle und der Tafel im Weißen Saal sowie der Empfang der Deputationen aus Ostpreußen. Bei dem Ordensfeste trug der Kron-

prinz die Krone.

Am Abend des 18. Januar endlich

erstrahlte Berlin in einem wahren Meer von Farben- schmuck und Lichterglanz; es war eine Illumination, wie sie selbst die Reichshauptstadt kaum jemals gesehen hat.

DerReichs- und Staatsanzeiger" veröffentlicht folgende Urkunde, betreffend die Stiftung des Verdienst­ordens der Preußischen Krone:Wir Wilhelm von Gottes Gnaden König von Preußen u. s. w. haben beschlossen, aus Anlaß des 200jährigen Jubiläums des Königsreichs Preußen einen Orden zu stiften. Derselbe soll den NamenVerdienstorden der Preußischen Krone" führen, aus einer Klasse bestehen und zwischen dem Schwarzen Adlerorden und dem Großkreuz des Rothen Adlerordens rangireu. Die Abzeichen des Ordens sollen das an einem blauen gewässerten Bande von der linken Schulter zur rechten Hüfte zu tragende Kreuz und ein achtspitziger auf der linken Brust zu tragender Stern nach dem von Uns genehmigten Modelle bilden."

Im preußischen Abgeordnetenhause kam es heute zu einer lauten spontanen Kundgebung, als der Präsident von Kröcher mittheilt, daß er dem Kaiser die Wünsche des Hauses zur Jubiläumsfeier überbracht habe. Der Kaiser lasse dem Hause Dank sagen. Es sei sich wohl bewußt, so fügte der Monarch hinzu, daß die Könige