Wie der „Fränk. Cour." aus Ansbach meldet, wurde Montag Abend im städt. Walde am Blaseberg der Kon- troleur des dortigen Landwirthschaftlichen Kreditvereins für Mittelfranken, Adolf Greiner, erhängt aufgefunden. Die Polizei erhielt Kenntniß von einem Briefe, den Greiner zurückgelassen, und worin er von der Schande spricht, die er nicht überleben könne, weshalb er in den Tod gehe. Auf eine Anfrage bei den Vorgesetzten Greiners, dem Direktor des genannten Vereins, Georg Schneider, zeigte es sich, daß auch dieser seit Sonnabend fehlt; angeblich soll er nach München gereist sein. Eine weitere Umfrage beim ersten Vorsitzenden des Kreditvereins, Privatier und Gemeindebevollmächtigten Dorn, ergab, daß dieser ebenfalls fehlte. Eine sofort durch Mitglieder des Aufsichtsraths und Polizeibeamte vorgenommene oberflächliche Nachforschung in den Kassen ergab genügende Anhaltspunkte dafür, daß die drei Genannten zusammen den Verein schwer geschädigt haben. Wie hoch sich die Fehlbeträge belaufen, kann augenblicklich noch nicht angegeben werden, da heute erst eine genauere Revision stattfindet. — Wie die „Fränk. Ztg." in Ansbach hierzu noch meldet, hat noch gestern Abend eine Sitzung des des Aufsichtsrathes stattgefunden, wobei es sich heraus- gestellt hat, daß von dem über 300 000 Mk. betragenden Reservefonds nur noch ein geringer Betrag vorhanden ist und Fälschungen in den Büchern vorgenommen wurden.
Ausland
Wien, 15. Jan. Mit Ende des Jahres 1900 hat die Los von Rom-Bewegung zu 20000 Uebertritten geführt. Seit den Toleranz-Edikt Kaiser Josefs II. von 1782 ist die Zahl der Protestanten in Oesterreich von 73000 auf 450000 gestiegen, nimmt man hinzu die zur altkatholischen Kirche Uebergetretenen und die konfessionslos Gewordenen, so beziffert sich der Verlust der römisch-katholischen Kirche in den letzten zwei Jahren auf fast 20 000 Personen. Voriges Jahr wurden 22 evangelische Kirchen und Bethäuser eröffnet.
London, 14. Jan. Nach hiesigen Blättermeldungen läßt das Befinden der Königin Viktoria seit geraumer Zeit sehr zu wünschen. Es heißt, die Monarchin leide an Appetitmangel und Schlaflosigkeit. Die Krankheit der Kaiserin Friedrich, der Tod des Prinzen Christian Viktor von Schleswig-Holstein, gepaart mit den Sorgen, die der Feldzug in Südafrika ihr bereite, hat die bisher so robuste Gesundheit der Königin erschüttert.
Italien. Die Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe, die schon zu wiederholten Malen im Laufe der Jahr-> taufende, leider aber stets vergeblich, versucht worden ist, scheint jetzt aufs Neue tn Angriff genommen werden zu sollen. Die sich dicht an die Stadt Rom anlegenden Sümpfe bedecken einen Flächenraum von etwa 750 Quadratkilometer. Während die Sümpfe gegenwärtig nur die Quelle typöser Erkrankungen der Adjacenten sind, würden sie nach ersolgter Austrocknung ein sehr ergiebiges Ackerfeld geben. Die römischen Kaiser haben daher schon Hunderte von Jahren vor Christi Geburt an der Trockenlegung dieser Sümpfe gearbeitet, auch Julius Cäsar hat das viel erprobte Projekt ausgenommen, auch die hervorragendsten Päpste haben dem Kulturwerk ihre Aufmerksamkeit zugewandt. Selbst der gewaltige Unternehmungsgeist eines Napoleon hat, ohne irgend welchen Erfolg erreicht zu haben, die Aufgabe fallen lassen müssen. Jtalienischerseits sind bisher alle Experimente und Versuche erfolglos geblieben. Seit einer Reihe von Jahren beschäftigt sich ein Deutscher, der Graf von Donat früher in Cassel Major beim Infanterieregiment von Wittich Nr. 88) mit der in Frage stehenden Kulturaufgabe, die der Trockenlegung des Zuidersees in Holland an die Seite zu stellen ist. Der Vertreter des Grafen Donat und das preußische Herrenhausmitglied Graf Hutten- Czapski (früher ebenfalls in Cassel Rittmeister bei den Husaren) hatten soeben eine Audienz beim König Viktor Emanuel und erhielten vom Monarchen das Versprechen wirksamster Förderung ihres Planes. Die Besitzer der Sümpfe, die bisher von den deutschen Unternehmern nichts wissen wollten, haben sich jetzt gleichfalls zu Verhandlungen mit den Graf Donat'schen Vertretern bereit erklärt, so daß Aussicht vorhanden ist, daß deutscher Fleiß und Unternehmungsgeist in Italien einen Triumph bei einem Werke feiern werden, das den Jahrhunderten und den Jahrtausenden hartnäckig getrotzt hat.
Rußland. Furchtbare Schneestürme wüthen andauernd in der Krim, im Kaukasus und im Südwesten Rußlands. Der Eisenbahnverkehr erleidet große Störungen. In den bessarabischen und taurischen Steppen sind ganze Dörfer vom Schnee verweht. Viele Menschen werden vermißt. Es werden täglich viele Erfrorene auf- gefunden. In Tannen sind 100000 Schafe vom Schneetreiben überrascht worden und umgekommen; über die Schäfer fehlt noch jede Nachricht. Das von der russischen Regierung abkommandirte Militär vermag nur wenig zu helfen, da die freigelegten Wege sofort wieder zugeweht werden.
Aus Abessinieu wird gemeldet: Nach Berichten aus Harrar fand zwischen den Stämmen des Ras Olie und des Ras Tessama eine furchtbare Schlacht statt. Wie man erzählt, längsten die beiden Günstlinge Meneliks mit je 30 000 Mann gegen einander; 7000 Mann blieben todt oder verwundet auf dem Schlachtfeld.
In England scheint der Verdruß über die traurige
Lage der Dinge in Südafrika dem Lord Roberts die Heimkehr ein wenig verbittert zu haben. Nach einer Londoner Meldung ersuchte er privatim den Lord-Major von London und die andern Mayors, die beabsichtigte feierliche Ueberreichung des Ehrenbürgerrechts an ihn aufzuschieben; er habe, wie er sagte, die Empfindung, daß unter den gegenwärtigen unglücklichen Umständen in Südafrika für einige Zeit keinerlei Festlichkeiten statt- finden sollten. — Dieser Krieg kostet den Engländern nach ihren eigenen Angaben 51,000 Mann an Todten und Verwundeten, ohne die an Krankheiten Gestorbenen. Und warum? Fochten die Engländer dort für die höchsten Güter eines Volkes, seine Freiheit, seine Ehre? Nein, für die Dividenden der Aktionäre der Diamanten- und Goldgruben, dafür starben 60,000 blühende Menschen. Gott sei Dank, das kann bei uns nicht vorkommen. Die Buren schlagen sich mit derselben unerschütterliches Zähigkeit gegen die Engländer, wie ihre Vorfahren, die Geusen, vor 300 Jahren gegen die Spanier; mögen sie gleich diesen endlich siegreich sein. Die Engländer werden, selbst wenn sie das tapfere Holländer-Geschlecht endlich niederwerfen sollten, noch lange an den blutigsten Krieg denken, den sie je geführt haben.
— Wiederholt ist in der Presse die Nachricht au^ge- taucht, daß General Bullers Verschwinden vom Kriegsschauplatz in Südafrika sich dadurch erkläre, daß General Buller in die Kriegsgefangenschaft der Buren gefallen und gegen sein Ehrenwort, sich nicht mehr am Kriege zu betheiligen, freigelassen worden sei. Diese Meldung wird jetzt von der in Daressalaam (Deutschostafrika) erscheinenden Zeitung bestätigt. Das Blatt schreibt: General Buller, einer seiner Adjutanten und mehrere Ordonanzoffiziere wurden in einem der Gefechte unweit Lydenburg von einer starken Burenpatrouille überfallen und in General Bothas Lager gebracht. Dort blieb Sir Redvers Buller drei Tage lang der unfrei- willige Gast des Burengenerals. Dann wurde ihm, weil man nicht wußte was man mit ihm anfangen sollte, die Freiheit zurückgegeben, unter Verpfändung seines Ehrenwortes, nicht wieder gegen die Buren zu kämpfen Dieselbe Darstellung erhält mit einigen weiteren Einzelheiten die „Rhein.-Wests. Ztg." noch von dritter Seite folgendes Schreiben aus Werden a. d. Ruhr: „Von meinem Schwager, welcher vor einigen Tagen von Natal zurückkam, hörte ich, daß sich die Geschichte mit General Buller ganz richtig so verhält, wie es seinerzeit durch die Blätter ging. Eine Burenpatrouille hatte Buller mit seinem Stäbe beim Baden überrascht und die ganze Gesellschaft gefangen genommen. Da sie aber zu schwach waren, haben die Buren Buller wieder laufen lassen, nachdem sie ihn haben Urfehde schwören lassen. Aus diesem Grunde ist auch der festliche Empfang in London unterblieben."
Nordamerika. Der Nordamerikanische ^Bundessenat hat der „Franks. Ztg." zufolge einen Antrag auf Einstellung der Feindseligkeiten auf den Philippinen und Gewährung einer Amnestie an die Aufständischen verworfen. — Die Einwanderung in die Vereinigten Staaten von Nordamerika hat im Laufe der Zeit einen sehr be- merkenswerthen Wechsel in den Bedingungen und Umständen erfahren. Es gab eine Zeit, in welcher die meisten Einwanderer den intelligentesten Klassen Englands, Deutschlands, Skandinaviens usw. angehörten; fast ein Jeder konnte lesen und schreiben. Im Jahre 1900 wirrten aber die drei größten Ziffern in der Gesammt- einwanderung von den Italienern mit 84346, von den galizischen Juden mit 60 764 und von den polnischen Juden mit 46 938 gestellt, während die Jrländer 35 607, die Skandinavier 32 052 und die Deutschen 29 682 aus- machten. Diese Zahlen bilden einen großen Kontrast zu der Statistik des Jahres 1869, aus welcher hervor- geht, daß damals die Auswanderung von Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Skandinavien drei Viertel des ganzen Menschenstromes ausmachte, der in Amerika eine neue Heimath suchte, und auch im Jahre 1895 stellten diese Länder noch mehr als Hälfte der gesammten Einwanderung. 1898 aber war es nur noch ein Drittel der Gesammtziffer, 1900 nur noch ein Viertel. .
Lokale- und Provinzielles.
* Schlächtern, 18. Januar.
* — Der Tag des Beginns der Aufnahmeprüfung in's hiesige Lehrerseminar ist auf den 10. September, der der Entlassungsprüfung auf den 12. September und der der zweiten Volksschullehrerprüfung auf den 9. Mai festgesetzt worden. — Am Lehrerseminar zu Fulda beginnt die Aufnahmeprüfung am 27. September, die Entlassungsprüfung am 30. August und die Volksschul. lehrerprüfung am 20. Mai.
* — Der heutigen Nr. unser Zeitung liegt ein Jubiläumsblatt zur 200jährigen Jubelfeier des Königreichs Preußen bei, worauf wir die geehrten Leser aufmerksam machen wollen.
* — Nachdem die vor 3'/» Jahren begründete Spar- und Spielkasse „Fortuna" sich in diesen Tagen aufgelöst hat, soll wieder eine neue ins Leben gerufen werden (s Inserat). Die alte Kasse kam mit einem Einlagebetrag von über 77,000 Mark, wovon ca. 47,000 in Prämien- loosen, unter die Mitglieder zur Verthcilung.
* — Alle Radfahrer machen wir daraus aufmerksam, daß sie — sowohl beim Radeln in der Stadt als auch
auswärts — im Besitz einer Radfahrkarte sein müssen, die von der Polizeibehörde ausgestellt wird. Die Karte muß revidierenden Polizeibeamten auf Verlangen vorge. zeigt werden, ist daher bei Radtouren stets mitzunehmen.
* — Der Landwirthschaftsminister hat anläßlich bet zahlreichen ausgedehnten Waldbrände bei dem Bautenminister verschiedene Anregungen in Vorschlag gebracht, die durch den Funkenauswurf der Lokomotiven entstehen- den Geiahrcn einzuschränken. Namentlich sollen die Sicherheitsstreifen mit Hackfrüchten bebaut, die Schutz- streifen verbreitert, der Patrouillendienst der Bahnwärter in Zeiten der Dürre ausgedehnt, die in der Nähe feuer- gefährdeter Waldungen belegenen Bahnwärteahäuser mit den Bahnstationen telephonisch verbunden werden.
Gersfeld, 13. Januar. Eine ganz besondere Seltenheit zu jetziger Jahreszeit dürfte ein blühendes Kirsch- bäumchen sein, das sich am Hause des Rich. Gutermuth zu Lahngraben (Gem. Attenfeld) befindet. Die Blüthen haben sich bei der gelinden Dezemberwitterung bestens entwickelt und sind auch jetzt trotz großer Kälte dadurch, daß der Besitzer des Nachts und bei mangelndem Sonnenschein das Bäumchen durch Verhängung mit Tüchern vor Frost geschützt, noch gut erhalten. — Das Aschaffen- burger Jägerbatataillon hält z. Zt. wieder in der bayerischen Rhön, wo hoher Schnee liegt, Uebungen im Schneeschuhlaufen ab.
Kassel (Kreis Gelnhausen), 15. Januar. In letzter Nacht gegen 7211 Uhr zersprang im hiesigen Dorfe ein Rohr der Frankfurter Quellwasserleitung. Die ungeheuere Waffermaffe brach, weil der Boden so festgefroren ist, unter dem Hause des Adam Schum, Bauer, in die Keller, hoch die Balken, die Diele fußhoch, ja das ganze HauS, daß es in allen Fugen krachte. Die Bewohner meinten, es sei im oberen Stocke des Hauses Feuer ausgebrochen. Aber schon kamen die Wasserfluten. Die Leute retteten aus dem unteren Stockwerk nur das nackte Leben. DaS Wasser suchte sich Ausgänge, brach ein Gefach durch die Giebelwand und als es aus der geöffneten Hausthür herausströmen konnte, nahm die Flut die beweglichen Haus- und Küchengeräthe, Kleidungsstücke rc. mit sich fort. Die Kellervorräthe kamen der Straße entlang gerollt und noch heute sieht man in größeren und kleineren Mengen dieselben angefroren, da wo die Flut ihren Weg hergenommen hat. Der Schaden für die Stadt Frankfurt mag sich wohl auf einige Tausende belaufen.
Büdingen, 9. Jan. Gestern trat der große Festausschuß für die Feier des 300jährigen Bestehens deS Büdinger Gymnasiums zusammen, um über einige wichtige Fragen Beschluß zu fassen. Als Festtage wurden endgültig der 1. bis 4. August dieses Jahres bestimmt; zum Festplatz will der Ausschuß die Wiese am Salinen- Hose gewinnen, auf der eine für 50tMßerionen ausreichende Halle errichtet werden wird. Ferner wurde beschlossen, die Festordnung in der Weise, wie sie bereits früher Anklang gefunden hatte, durchzuführen. Nach dieser Enlscheidang kann man erwarten, daß das Fest; allseitig befriedigen wird. Hoffentlich erscheinen, was i die Hauptsache ist, recht viele ehemalige Schüler bei der, Feier; so weit mun ihren Aufenthaltsort kennt, werden | besondere Einladungen an sie ergehen. Recht eindring- ] lich wird deshalb an ehemalige Schüler die Bitte ge- [ richtet, ihre eigenen Adressen und solche ehemaliger Mitschüler recht bald einsenden zu wollen.
Ravolzhausen bei Hanau, 13. Januar. Als Seltenheit dürfte zu verzeichnen sein, daß auf Bruderdiebacher« [ Hof ein Mutterschwein 30 Ferkel zur Welt gebracht hat. I
Frankfurt a. M., 14. Jan. Die hiesiegen Kolonial- waarenhändler haben, um Warenhäusern und Konsumvereinen gegenüber konkurrenzfähig zu bleiben, hier eine Groß- > einkaufsgenossenschaft für Kolonialwaarenhändler und'ähn- liche Berufe für Stadt- und Landkreis Frankfurt a.^M. gegründet.
Marburg, 15. Jan. Ein akademisch gebildeter Bauernknecht aus Roßdorf hat sich in heutiger Sitzung der Strafkammer wegen gefährlicher Körperverletzung und t Sachbeschädigung in zwei Fällen zu verantworten. Es " ist dies der 30 Jahre alte Knecht Ludwig Hof. Hof besuchte früher die Gymnasien zu Feldkirch und Fulda. Hier in Marburg studirte er mehrere Jahre und wurde dann Einjähriger bei den Jägern. Nach Vrlühriger Dienstzeit verschwand er dann nach der Schweiz; später ging er nach Frankreich und kehrte hierauf zum Bataillon l zurück, bei welchem er, nachdem er ein halbes Jahr j Festung verbüßt, noch drei volle Jahre nachdienen mußte. i Bei seinem Abgänge vom Militär wurde er zunächst Privatförster und dann in Roßdorf — Dienstknecht. ; Bei dem Bauern P. war nun im Oktober v. I. mit i der Dreschmaschine gedroschen worden, wobei 15—20 Arbeitsleute, unter ihnen Hof, geholfen hatten. Am Abend wurde beim Essen tüchtig Schnaps getrunken, und als Hof kurz vor Mitternacht nach Hause zurück- kehrte, beschloß er, einige Juden, wegen denen er zweimal mit je 10 Mk. bestraft worden war, weil er sie bedroht und beleidigt hatte, zu ärgern. Er nahm einen abgebrochenen Mistgabelstiel und schlug damit dem David Ehrlich wiederholt an die Fensterläden. Dieser ’ nahm einen Knüppel und ging hinaus, um dem Thäter aufzupassen. Hof aber stand draußen schon parat und t schlug ihn mit dem Mistgabelstiel auf den Kopf. Ehrlich > trug eine Gehirnerschütterung davon, welche ihm beinahe das Leben gekostet hätte, wenigstens lag er mehrere Tagj