MchternerAltung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis
rannmnrananHKH auf b'e -Schlüchterner Zeitung" werben nod) fortwährend von allen I '.'." ^ ^- • Postanstalten und Landbriefträgern,
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Zur Zweihundertjahrfeier des Königreichs Preußen.
18. Januar 1701 — 18. Januar 1901.
In Königsberg, der Pregelstadt, Steht eine Burg gar mächtig, Die vor zweihundert Jahren hat Geseh'n ein Schauspiel prächtig. Dort wurde Preußens Königthum Durch Friedrichs Macht begründet. Laut wird der Hohenzollern Ruhm Seit jener Zeit verkündet.
Der Deutsche Ritterorden war Gesunken längst in Trümmer, Und Kriege tobten Jahr für Jahr — ES kam zum Frieden nimmer.
Da trieb des Großen Kurfürst Heer Die Feinde aus dem Lande,
Der Wohlstand hob sich mehr und mehr, Gerächt war Schmach und Schande.
~ Dem Großen Kurfürst folgte dann Sein Sohn, Friedrich der Dritte. Der fühlte es als ganzer Mann, Daß Preußen dennoch litte!
Es konnt' nur eine Königskron' Glanz ihm und Macht erweiten, Und darum sollt' ein Königsthron Preußens Geschicke leiten.
Zum Segen für das Preußenland Hat sich der Plan bewähret, Dem ganzen deutschen Vaterland Hat Einheit er bescheeret.
Geachtet steht und machtvoll da Heut unter Preußens König Das Deutsche Reich, und deshalb ja Gefürchtet auch nicht wenig.
Was Hohenzollern-Weisheit schuf, Laßt treu und fest uns halten!
Mög' über uns'rer Fürsten Ruf Ein guter Stern stets walten! Zweihundert Jahr' ziert Preußens Aar Heut eine Königskrone. —
Sei, Gott, noch viele Tausend Jahr'
Ein starker Schutz dem Throne! (,,$. W.")
Zum LOOjährigcn Gedenktage des Königreiches Preußen.
Am 18. Januar 1901 feiert das Königreich Preußen seinen zweihundertjährigen Gedenktag Dieser Tag lenkt den Blick zurück auf die nähern geschichtlichen Begebenheiten und Umstände, unter denen einst die Erhebung des Kurfürstenthnms Brandenburg zum Königreich Preußen sich vollzog.
Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, hinterließ seinem Sohne Friedrich III. ein wohlgeordnetes, blühendes Staatswesen. Kurfürst Friedrich III. trat die Regierung mit den edelsten Absichten an. Sein höchstes Bestreben ging dahin, das überkommene Ansehen des Branden, burgischen Kurstaates nach Möglichkeit zu vermehren: er trachtete nach der Königskrone. Gerade damals war eine Reihe anderer Fürstenhäuser mit neuen Ehren und neuer Machtfülle bedacht worden. Kurfürst Augurt II. von Sachsen war 1697 zum König von Polen gewählt worden, Kurfürst Georg von Hannover hatte Aussicht, König von England zu werden, und auch der Kurfürst von Bayern strebte nach neuen Ländern und Kronen — sollte denn Brandenburg allein zurückbleiben in dem unruhigen Vorwärtsdrängen der deutschen Fürsten? Aber zum Erwerbe der Königskrone bedurfte es der Zustimmung des deutschen Kaisers. Diese war nur dadurch zu erlangen, daß Brandenburg sich verpflichtete, die Erbfolge- Ansprüche des kaiserlich österreichischen Hauses auf Spanien zu unterstützen. So wurde also von Friedrich III. im spanischen Erbfolgekriege den Habsburger» ein Hilsskorps gestellt und in Folge dessen gab der Kaiser seine Ein- ttllligung zur Annahme des preußischen Königstitels. \ Entsprechend der Bedeutung des Ereignisses wurde t Feier der Erhebung Brandenburg-Preußens zum
mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 19. Januar 1901.
52. Jahrgang
Königreiche mit großem Glänze vollzogen. Bereits am 15. Januar ward zu Königsberg unter dem Geläute der Glocken und dem Donner der Geschütze, in pomphaftem Aufzuge, die feierliche ..Publikation" verlesen, welche kundgab, daß „dieses bisher gewesene souveräne Herzog- thum Preußen zu einem Königreiche aufgerichtet" werde. Am Sonntag, den 16. Januar, wurde alsdann von allen Kanzeln der göttliche Beistand zum bevorstehenden Krönungsfeste erbeten und am 17. Januar stiftete Friedrich III. den „Hohen Orden vom Schwarzen Adler", der den Wahlspruch „Jedem das Seine" trägt. Der 18. Januar aber war der Tag des Krönungs-Aktes selber. Im Audienzsaale setzte sich Friedrich III. eigenbändig die königliche Krone aufs Haupt, um damit symbolisch an« zudeuten, daß kein weltlicher oder geistlicher Oberer sie ihm gegeben, daß er sie vielmehr nach eigenem Willen und aus eigener Macht nehme und trage. Hierauf begab sich der König im neuen Ornat in die Gemächer der Königin, um ihr ebenfalls die Krone aufzusetzen. Im feierlichem Aufzuge ging das Königspaar alsdann vom Schlosse nach der Schloßkirche, wo zwei eigens vom Könige zu evangelischen Bischöfen ernannte Geistliche, ein lutherischer und ein reformirter, die Salbung vollzogen. Eine Reihe weiterer Festlichkeiten folgte diesem hochbedeutsamen Akte; auch wurden vom Könige zu bleibendem Gedächtniß neue Armenhäuser und Spitäler gegründet, sowie reiche Gn iden-Geschenke ausgetheilt. Den Abschluß aller Feierlichkeiten bildete endlich der festliche Einzug, den das Königspaar am 6. März 1701 in Berlin hielt. So war der große Schritt vollendet. Der brandenburgische Staat nahm von nun an als „Königreich Preußen" nicht nur seiner thatsächlichen Macht, sondern auch seinem Namen und Titel nach die ihm gebührende, achtunggebietende und selbstständige Stellung unter den Mächten ein, die er in glorreicher Weiter- entwickelung bis auf den heutigen Tag sich erhalten hat, mit Gottes Hilfe auch für alle Zukunft bewahren wird, zu Gesammt-Deutschlands Heil und Ehre.
Deutsches Reich.
Berlin. Die Feierlichkeiten des zweihundertjährigen Krönungsjubiläums sind heute Vormittag durch ein glänzendes militärisches Schauspiel im Zeughause eingeleitet worden, dem ältesten und neben dem königlichen Schlosse werthvollsten Baudenkmal Berlins aus der Zeit König Friedrichs I., der als Kurfürst den Bau ausführen ließ. Wie bei anderen festlichen Gelegenheiten wurde von 9 Uhr ob der Raum um das Zeughaus herum bis über den Lustgarten hinaus abgesperrt, und bald sah man nur noch königliche Equipagen oder mit Generälen besetzte Miethskutschen ab und zufahren. Mit klingendem Spiele marschierte die Leibkompagnie des ersten Garderegiment im Paradezuge mit den hohen Grenadiermützen und angezogenen Mänteln an, ebenso die Leibeskadron des Regiments der Garde du Corps, um die sämmtlichen Fahnen und Standarten des Gardekorps, die Tags zuvor im königlischen Schlosse vereint t waren, abzuholen Kurz nach 9’/a Uhr trat die Leibkompagnie mit 47 lor- beergeschmückten Fahnen aus dem Schloß wieder heraus und marschierte unter den Klängen des Preußenmarsches nach dem Zeughause, vor dem sie mit der Front nach dem Eingang und den Feldzeichen auf dem rechten Flügel Aufstellung nahm. Ihr folgte die Leibeskadron mit sämmtlichen Standarten des Gardekorps, um sich der Kompagnie anzuschließen. Gegen 98/4 Uhr kamen die Prinzen des königlichen Hauses, dann die Kaiserin, die einen dunklen Mantel mit Hermelinbesatz trug, in geschlossenem Wagen. Punkt 10 Uhr kam vom königlichen Schlosse her zu Fuß der Kaiser mit Gefolge. Der Kaiser trug große Generalsuniform und das Örangeband des Schwarzen Adlerordens unter dem grauen Hohenzollern- mantel. Reben und hinter ihm gingen die kaiserlichen Gäste, der Kronprinz und die Herren vom Ehrendienst. Der Kaiser hielt eine Ansprache. Bald nach 10'/a Uhr war schon die Feier im Zeughause zu Ende.
— Zur 200-Jahresfeier werden durch fürstliche Personen vertreten sein: Rußland, Oesterreich, Italien, Dänemark, England, Portugal, Sachsen, Rumänien, Bayern, Württemberg, Baden, Mecklenburg-Schwerin, Anhalt, Sachsen-Weimar und Sachsen-Altenburg. Weiter werden vertreten sein: Belgien, Niederlande, Schweden, Spanien, Türkei, Oldenburg, Mecklenburg-Strelitz, Lübeck, Bremen, Hamburg, Griechenland, die Schweiz und die Vereinigten Staaten.
Zum 18 Januar soll es mancherlei Ueberraschungen geben, der „Königsb. Allgem. Ztg " zufolge, vielleicht auch neue Uniformen. Es handelt sich im Wesentlichen um Abschaffung des sogenannten Ueberrockes, an dessen Stelle für den Dienst ein litewkenartiger Waffenrock nach österreichischem Schnitt in grauem Tuch treten soll, während der bisherige hellblaue Waffenrock nur für Parade- und Gesellschaftszwecke dienen soll. Auch sollen in der 1 ganzen Armee die gelben, naturfarbigen Stiefel, wie sie bisher nur die Jäger trugen, eingeführt werden.
— Tausend Brände. Im Laufe dieses Monats hat die Berliner Feuerwehr schon 300 Brände zu löschen gehabt, bet der Polizei und der städtische» Feuersozietät wurden außerdem noch mehr als 600 Feuer gemeldet, so daß die Zahl der Brände in Berlin in diesem Monat fast 1000 erreicht hat, das heißt eine Zahl, die bis jetzt noch in keinem Monat in der ersten Hälfte erreicht worden ist.
Magdeburg. Die Raffinadepreise wurden um 1,10 Mark durch das Kartell erhöht. Durch die seitherigen Erhöhungen stellt sich die Belastung des Jnlandsvcr- brauches auf über 5,25 Mark pro Centner, also bei 15 Millionen Centner Konsum auf über 75 Millionen Mark.
Das neueste aus Konitz ist die Meldung, daß am Dienstag auch der Ueberzieher des ermordeten Gymnasiasten Winter aufgefunden worden ist, sodaß sich jetzt Rock, Weste, Hose und Paletot in den Händen der Behörden befinden. Die Staatsanwaltschaft hatte vorher ein Schreiben erhalten, daß der Ueberzieher am Dienstag auf dem Grabe Winters liegen werde. Während nun dort nach dem Ueberzieher gesucht wurde, erfolgte auf dem Schul- Hofe die Auffindung des Ueberziehers. Der Ueberzieher ist frei von Blutflecken. Er muß kurz vorher erst an diese Stelle gebracht sein, er ist weder bereift, noch feucht, sodaß er nur ganz kurze Zeit im Freien gelegen haben kann. Er sieht aus, als ob er soeben j erst aus dem Spind genommen worden ist. Der Fundort ist völlig unzugänglich und kann nur ein mit den Lokalitäten genau Vertrauter dieses Versteck gewählt haben. — Einem Stadtrath in Könitz ist aus Danzig eine Postsendung zugegangen, die ein Halstuch enthielt, daS angeblich von Winter stammt. Die Bevölkerung hat die Nachricht von dem neuen Fund mit Ruhe ausgenommen; ,man glaubt, daß der Schuldige durch überschlaurs Vorgehen sich selbst verrathen hat und hofft auf dessen baldige Verhaftung. Das Monogramm, das in dem Futter des Ueberziehers Winters eingestickt worden war, ist, wie es scheint, ausgetrennt worden.
Kottbus, 14. Januar. Eine sensationelle Meldung erstattete heute bei der hiesigen Polizeibehörde ein Tischler- geselle Max Wolff, as Bromberg gebürtig, der bei der Fremdenlegion in Belabbcs diente und jetzt auf der Wanderschaft ist. Wolff theilte mit, ein deuticher Fremdenlegionär habe ihm erzählt, er wolle, anstatt von den Vorgesetzten sich bedrücken zu lassen, nach Deutschland lieber zurückkehren, um den in Gemeinschaft mit einem Anderen in der Trunkenheit verübten Mord an Winter in Konitz zu sühnen. Der Name des Mörders ist unbekannt. Er dient in der 25. Kompagnie des ersten Regiments in Bclabbes, Provinz Oran und war Fleischergeselle in Konitz. Wolff macht einen glaubwürdigen Eindruck. Die Polizei hat die Verhandlungen eingeleitet.
Gern, 15. Januar. Das neue Jahrhundert hat in den beiden Fürnenthümern Reuß trotz des bekannten Bundesrathsbeschlusses erst am letzten 1. Januar begonnen. Die beiden Fürstenthümcr haben sich an das Bundesrathsdckrcl, daß das neue Jahrhundert schon am 1. Januar 1900 zu beginnen habe, nicht gekehrt und nicht kehren können, weil der Beschluß den geschichtlichen Thatsachen, den Regeln der Rechenkunst und namentlich auch den reußischen Hausgesetzen widersprach. Alle Fürsten von Reuß führen bekanntlich den Namen Heinrich. Die ältere Linie in Greiz setzt die Nummerirung der Heinrich von 1 bis 100 fort, um dann wieder von vorn anzufangen, während die jüngere Linie in Gera jahr- hundertweise zählt und mit jedem Jahrhundert wieder mit 1 beginnt. Das neue Jahrhundert endet dabei selbstverständlich mit Ablauf des letzten der hundert Jahre, diesmals also mit Ablauf des 31. Dezembers 1900. Der erste Prinz, der im Jahre 19ul der jüngeren Linie Reuß geboren werden sollte, wird wieder ein Heinrich I. und die Zählung der nach ihm Geborenen geht weiter bis zur letzten Stunde des Jahres 2000,