SchlüchternerZettung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
5. Mittwoch, den 16. Januar 1901. 52. Jahrgang.
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Amtliches.
137 K.»A. Die Herren Standesbeamten (excl. der 4 Städte) werden ersucht, die Liquidationen über die den Standesbeamten-Stellvertretern aus der Staatskasse zu gewährenden Remunerationen pro 1900 bis zum 20. Januar 1901 mit Erläuterungsbericht hierher ein- zureichen.
Schlüchtern, den 10. Januar 1901.
Der Vorsitzende des KreisAusschusses: Roth.
ZumUnuar 1701—1901.
Am 18. Januar begeht das Königshaus der Hohen- zollern und mit ihm das ganze preußische Volk einen bedeutsamen Gedenktag. Zweihundert Jahre sind an diesem Tage verflossen, seit Kurfürst Friedrich 111. sich in Königs, berg als König von Preußen krönen ließ, oder richtiger, mit eigener Hand die Krone aufs Haupt setzte, um an- zudeuten, daß er seine königliche Würde keinen auf Erden zu danken, sondern sich selbst gegeben habe.
Wir blicken an dem heutigen Gedenktage nicht allein auf den 18. Januar 1701 zurück, sondern auch auf die 200 Jahre preußischer Geschichte und preußischen Königthums, die seitdem verronnen sind, Und da tritt dem geschichtlichen Rückblick in großer Klarheit die Wahrheit des Wortes vor Augen, das Heinrich von Treitschke ge sprachen hat: „Was Preußen geworden ist, daß ist es durch seine Könige geworden.« Das bedeutet ein Glauben an ein Walten der göttlichen Vorsehung auch in den Zeiten, wo es durch Schwachheit und Fehler, durch Abwege und Irrungen, durch Schuld und Sühne unir selbst durch schwere Heimsuchungen, wie in der napoleonischen Zeit, hindurchgehen mußte. Immer wieder hat Gottes Hand die Männer bereitet und die Bedingungen geschaffen, die nöthig waren, um Preußen zur Vormacht in Deutsch land zu erheben und durch Preußen das deutsche Reich wieder in neuer Blüthe erstehen zu lassen.
Jst's aber wahr, daß nicht menschliche Ueberlegung sondern Gottes Hand uns in den 200 Jahren uns ge führt hat, wir könnten nicht anders, als zuerst und vor allem mit den Sängern der Freiheitskriege in die Worte ausbrechen:
Wem soll der erste Dank erschallen?
Dem Gott der groß und wunderbar
Aus langer Schande Nacht uns allen
In Flammen aufgegangen war;
Der unsrer Feinde Trotz zersplittert,
Der unsre Kraft uns schön erneut.
Und auf den Sternen waltend sitzend
Von Ewigkeit zu Ewigkeit!
An den Dank gegen Gott schließt sich aber von selbst der Dank gegen die Könige an, die seine Werkzeuge waren im Gang der Geschichte. Und dieser Dank wird zur That, wenn er sich umsetzt in die königliche Tugend der Treue. Ein kräftiges, weitblickendes Königthum und ein treues, vertrauendes Volk — so ist's gewesen und so sollte es bleibeu in alle Zukunft, so sollte es werden in den Kämpfen, die uns noch bevorstehen, nachdem unser Reich ein Weltreich geworden ist.
Aber kann es so werden? Wohnt noch in unserem Volke der Geist der Vorfahren, die Kraft der Väter? Wird ein markiges Geschlecht unsre Adler tragen von Welttheil zu Welttheil? Oder ist's wahr, was nicht die Schlechtesten sagen, daß es abwärts geht mit unserem Volke? Sind wir eingetreten in die Reihe der sinkenden Nationen, deren Fall nur eine Frage von absehbarer Zeit ist?
Die Sache ist ernst genug, sie zu bedenken und an Zeichen der Zeit fehlt es nicht, die deutlich genug darauf Hinweisen, daß die Tugenden der Genügsamkeit, Sparsamkeit, Gewissenhaftigkeit, Unbestechlichkeit furchtbar ins Wanken gekommen sind, d. h. gerade die Tugenden, die Preußen und Deutschland groß und stark gemacht haben.
Sollen wir aber darum verzagen? Gewiß nicht, wir wollen uns die Lebenskräfte, die wir zum Wachsen, Blühen und Gedeihen des Volkes brauchen, da holen, wo sie allein in aller Frische zu haben sind, bei dem Evangelium. Darum soll dieses das Ergebniß des Gedenk- und Festtages sein: die klare Erkenntniß, daß wir
groß als Volk nur bleiben können, wenn wir die christlich- deutschen Tugenden beweisen, die uns groß gemacht haben; das Gebet, daß Gott der Herr nns Könige gebe, die nicht sein wollen, als Werkzeuge in seiner Hand und das Gelübde in alle Zukunft, daß wir diesen Königen die Treue halten wollen, die Treue bis in den Tod.
Und in diesem Sinne preußischer Königstreue stimmen wir ein in die Worte des patriotischen Sängers: Wem soll der zweite Wunsch ertönen? Des Vaterlandes Majestät!
Verderben allen, die es höhnen, Heil dem, der mit ihm fällt und steht!
. Es geh, durch Tugenden bewundert, Geliebt durch Redlichkeit und Recht, Stolz von Jahrhundert zu Jahrhundert, An Kraft und Ehren ungeschwächt! Pf.
den Unterricht für die gewerblich Heranwachsende Jugend bis zum 18. Jahre in den Fortbildungsschulen, die sachlich zu organisiren sind, obligatorisch zu gestalten und für einen weiteren Ausbau der Fachschulen Sorge zu tragen. Vereinzelnte Redner sprachen sich allerdings gegen den Fortbildnngsschulzwang aus. So meinte ein Meister aus Neustadt: „Man darf das Handwerk auch nicht als zu dumm darstellen. Ich habe auch keine Fortbildungsschule besucht und schmeichle mir doch, ein guter Meister zu fein."
Züllichau i. S. Die mancherlei Gründe, aus denen Auflösungen von Zwangsinnungen beschlossen werden, hat die Züllichauer Schuhmacherzwangsinnung um einen neuen und recht sonderbaren verwehrt. Den dortigen Schuhmachermeistern wird angeblich durch die Fabrik- konkurrrenz und die Gewohnheit des Publikums, nur fertige Waaren zu kaufen, fast jede Neuarbeit entzogen, sodaß sie nur noch auf Reparaturarbeit angewiesen seien und sich nicht mehr Schuhmachermeister, sondern, wie ausgeführt wird, mit Fug und Recht Schuhflicker nennen dürften. Diesen aber biete das Jnnungswesen und besonders die Zwangsinnung keinerlei Vortheile. Den Mitgliedern leuchtet daher nicht ein, warum sie eine Einrichtung unterhalten sollen, die zwar Forderungen an sie stellt, Gegenleistungen jedoch nicht bietet. Die bisherige Innung soll nun in einen geselligen Schuhmacherverein umgewandelt werden, von dem die Mitglieder sich mehr versprechen.
, Aus Celle wird geschrieben: Vor etwa 15 Jahren pflanzte der Lehrer Schulz in dem zur Schule in Stedden a'.s Dienstland ihm zugewiesenen Schulgarten mehrere Hundert junger Obstbäume an. Er pflegte diese, ließ sie rechtzeitig beschneiden, suchte die Raupen ab und hatte nach wenigen Jahren als Erfolg seines Fleißes das , Vergnügen, daß einige Bäume schon Früchte trugen. Jetzr tragen sie bereits alle und zwar nur Tafelobst, weshalb der Lehrer daraus eine schöne Einnahme, so hoch, wie sie bei anderer Bestellung dem Sandboden nicht abzugewinnen ist, erzielt. Das Dienstland im Schulgarten ist dem Lehrer mit jährlich 18 Mark angerechnet, dieses Geld bringt ihm bereits seit drei Jahren ein einziger der von ihm gepflanzten Apfelbäume ein. Die Pflanzung hat auch noch den Vorzug, daß Lehrer Schulz bie Schulkinder in der Obstbaumzucht unterrichten und auf die Schädlichkeit der Raupen u. s. w. Hinweisen kann.
Von der Sieg, 12. Jan. Zu Weidenau schoß ein Jäger auf eine Wildkatze. Das getroffene Thier flüchtete in einen hohlen Baum. Als der Jäger mit einem Stück Holz auf den Baum schlug, um die Katze hinaus- zutreiben, sprang das Thier plötzlich hervor und hing, wüthend beißend und kratzend, am Halse seines Verfolgers, noch ehe dieser von der Büchse Gebrauch machen konnte. Wenngleich die Bestie bald von einem Jagdgenosscu ge- lödtet wurde, so hatte der Jäger doch derartige Verwundungen erlitten, daß er nach kurzer Zeit in Folge eingetretener Blutvergiftung starb.
Zum Kouitzer Mord wird aus Konitz gemeldet: Donnerstag Vormittag trafen auf dienstliches Ersuchen der Staatsanwaltschaft der Vater und eine Schwester des ermordeten Ernst Winter in Konitz ein. Sie erkannten auf das Bestimmteste Jacke und Weste, sowie las Stück des Taschentuches wieder. Zur weiteren Bestätigung dieser Thatsache ist für Freitag Morgen noch der Schneider- aus dem Hcimathsdorfe Prechlau dienstlich nach Konitz bestellt worden. Für die Echtheit der Kleidungsstücke und der übrigen Gegenstände spricht auch, daß Professor Oberlehrer Dr. Papenfuß die Schriftzüge der auf dem Zettel enthaltenen physikalischen Bemerkungen als von der Hand Ernst Winters herrührend erkannt hat. Die Schellente des Regiments Nr. 14 hatten Vormittags an derselben Stelle geübt, damals aber nichts Auffälliges bemerkt; erst als sie Nachmittags gegen 3 Uhr wieder an jener Stelle (Lichtung) im Wäldchen erschienen, fanden sie die Sachen vor. Jacke und Weste lagen frei und offen am Fuß einer Tanne, während das abgerissene Stück des Taschentuches, mit dem Namenszuge E. W. welches nach den früheren Meldungen in der Westentasche gefunden sein sollte, an einem Aste des Baumes hing. Die Kleidungsstücke sind offenbar am hellen lichten Tage zwischen 12 und 2 Uhr an die Fundstelle von Mitwissern des,Mordes gebracht worden. Im Laufe des Donnerstag" fanden sowohl in dem von dem Synagogn-
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin sind nach Berlin übergesiedelt. Der Kaiser hat die Marinestiftung Frauen- gabe Berlin-Elberfeld zur Annahme der ihr von dem Rhein.-Westfäl.-Kohlensyndikate überwiesenen 100000 Mk. und der ihr von dem Kommerzienrathe H. Manske in Lehrte geschenkweise zur Verfügung gestellten 10000 Mk. ermächtigt und das Reichsmarineamt beauftragt, den Gebern seine besondere Anerkennung für die hochherzigen Zuwendungen auszusprechen.
— Die Prinzen Rupprecht von Bayern und Georg von Sachsen, sowie Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich kommen als Vertreter ihrer Staatschefs zur Theilnahme an den Festlichkeiten der 200-Jahresfeier nach Berlin.
— Zur Heirath des Herzogs von Mecklenburg wird geschrieben: Der Herzog Heinrich von Mecklenburg scheint eine wahre Liebesheirat schließen zu wollen. Nur ^ es gerade kein Glück für ihn, daß seine Liebe aus eine Königin gefallen ist. Sein Einkommen mit dem seiner Gemahlin gestatten dem Ehepaare gewiß, standesgemäß zu leben- Aber als Gemahl der Königin hat er große Ausgaben. Er muß z. B. seiner Gemahlin und seinen Kindern zu Neujahr, an Geburtstagen usw. Geschenke machen, welche schon der eigenen Ehre halber einer Königin würdig sein müssen. Auch die Lehrer der Kinder, Hofbeamte usw. erwarten Geschenke von ihm Zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken muß er auch namhafte Spenden beisteuern, um nicht von den geldstolzen Holländern bekrittelt zu werden. Er wird auch einige Male auf die Jagd gehen, hierzu andere vornehme Herren einladen, die er als erster unter ihnen bewirthen muß. Auch Jäger, Reitpferde usw. wird er sich halten müssen. Wird er seinerseits zu einer Jagd, Fahrt auf einem Staats- oder sonstigen Schiffe ein- geladen, oder ist er dazu verpflichtet, so entstehen wiederum Unkosten, ebenso wenn er einmal die Königin bei einer öffentlichen Feier vertreten muß. Und wie gesagt, seiner Ehre als deutscher Peinz halber, darf er in allem nicht knickerig sein. Dazu die rein persönlichen Ausgaben. Sein eigenes Einkommen wird dazu keinesfalls ausrerchen. Von seiner Frau darf er keinen Zuschuß annchmcn, was jedermann als selbstverständlich voraus- setzen muß. Die Königin ihrerseits hat überdies auch keine überflüssigen Mittel. Ihre Zivilliste beträgt nicht viel über eine Million Gulden; im ganzen wird ihr Einkommen höchstens 2'/, Millionen Mark betragen.
— Eine soeben veröffentliche Statistik über die Berliner Wohnungsverhältnisfe giebt ein Bild von der Wohnungsnoth, die in der Reichshauptstadt herrscht. Während im Jahre 1890 insgesammt 3376 unheizbare Wohnungen in Benutzung waren und von 3324 Personen bewobnt wurden, stieg die Zahl solcher Wohnungen in diesem Jahre auf 4718 und die Zahl der Personen auf 13792. In solchen unwirthlichen Räumen wohnten nicht selten bis zu 9 oder gar 11 Personen beisammen.
— Der deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag hat sich bei der Fortsetzung seiner Berathungen mit dem Fortbildungs- und Fachschulwesen beschäftigt. Bei den großen Anforderungen, die die neuere wirthschaftliche Entwickelung an den Handwerkerstand stelle, so wurde dabei hervorgehoben, sei neben der Werkstattlehre auch ein ausgezeichneter Fach- und Fortbildungsschulunterricht für die Heranbildung des jungen Handwerkers erforderlich. Der Handwerkstag ersucht daher diejenigen deutschen Staaten, in denen dies bisher noch nicht geschehen ist, |