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SchlWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mit ,.Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

3, Mittwoch, den 9. Januar 1901. 52. Jahrgang.

Rpst-llltNNOH auf bie .Schlüchterner Zeitung» werden noch fortwährend von allen ..... - Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser leidet infolge einer Erkältung an einem leichten Unwohlsein, das ihn ans Bett fesselt. Infolge dessen war der Kaiser verhindert, das Mauso­leum in Charlottenburg aus Anlaß des Todestages der Kaiserin Augusta zu besuchen Auch die Theil­nahme des Kaisers an den Beisetzungsfcicrlichfiiten in Weimar steht noch nicht fest.

Am 18. Januar, dem Tage des 2». Ojährigen Bestehens des Königreichs Preußen, soll in Berlin eine große Beleuchtung der staatlichen Gebäude stattfinden. Gemeinden und Bereinigungen, die Beziehungen zu der Krönung vor 200 Jahren gehabt haben, werden nach dem Berl. Tageb." besondere Auszeichnungen zutheil werden.

In seiner Neujahrsansprache hat der Kaiser, wie mehrfach berichtet wird, politische Gesichtspunkte nicht berührt. Nach demB.-C." hat der Kaiser in seiner Amprache an die Generale mit scharfer Betonung sein Mißfallen darüber ausgesprochen, daß sich Offiziere gegen die Vorschriften vielfach im Civilanzuge bewegen.

Cypern für Deutsch-Ostafrika. Londoner Blätter leisten sich den Vorschlag, und zwar nicht etwa- im Scherz, sondern allen Ernstes, England solle mit Deutsch­land ein Tanschgeschä't abschließen und Deutschostafrika nehmen und dafür die Insel Cypern an Deutschland geben. Der Vorschlag ist lächerlich thörigt. Deutschland denkt zunächst gar nicht daran, seinen werthvollen oft» afrikanischen Besitz für eine Insel des Mittelmeeres Hin- zugeben. Dann aber befindet sich England doch auch garnicht im Besitze der Insel, Cypern gehört vielmehr der Türkei und England besitzt weiter nichts als ein gewisses Oberhoheitsrecht über die Insel. Wollte Deutsch­land Cypern nehmen, so würde es ohne weiteres mit der Hohen Pforte in Konflikt gerathen. Der Vorschlag, der natürlich ganz und ausschließlich im Interesse Eng­lands liegt, das jeden Nebenbuhler aus Afrika zu ent­fernen trachtet, hat überhaupt nur insofern Bedeutung, als es zeigt, was alles man von England zu erwarten hat.

Zur Einführung der Maschinengewehre in die deutsche Armee erfährt man, daß man sich in technischen Kreisen der Militärverwaltung damit beschäftigt, sowohl für diese neue Waffe als auch für das Jnfanteriegewehr ein und dieselbe Patrone herzustellen. Das Kaliber der beiden Feuerwaffen ist das gleiche; die Patronenhülse ist indeß bei den Geschoß des Maschinengewehres von dem des Jnfanteriegewehres verschieden. Die Eigenart des ersteren, das ungeheuer schnelle Abfeuern bedingt ein anderes Metall znr Hülse als bei dem Jnfanteriegewehr. Die Versuche zur Erfindung eines Einheitsgeschosses werden in der Munitionsfabrik zu Spandau gemacht, während in der Gewehrprüfungskommission zu Ruhleben bei Spandau fortgesetzt Probeschießen mit dem Maxim- gewehr stattfinden. Erst wenn die Geschoßfrage gelöst ist und noch andere mit der praktischen Anwendung der Maximgewehre verbundene besondere Umstände hinreichend geklärt sind, wird die allgemeine Einführung dieser Waffe bewerkstelligt werden.

Mannschaften des Beurlaubten- und inaktiven Standes sollen in diesem Jahre wie folgt zu den Uebungen herangezogen werden: 6850 Unteroffiziere und 7000 Gemeinej auf 56 Tage, 9696 Gemeine auf 49 Tage, 300 Unteroffiziere und 1580 Gemeine auf 42 Tage, 70 Unteroffiziere und 1590 Gemeine auf 28 Tage, 200 Unteroffiziere und 1315 Gemeine auf 20 Tage, 442 Unteroffiziere und 3360 Gemeine auf 16 Tage, 14502 Unteroffiziere und 126 872 Gemeine auf 14 Tage, 2800 Unteroffiziere und 25 200 Mann auf 13 Tage und 200 Mann auf 12 Tage; außerdem an Ersatz Re­servisten je 680 Mann auf zehn, sechs und vier Wochen. Der Unteroffizier wird eine Löhnung von 0,77 oder 0,22 Mk., der Gemeine eine solche von 0,27 oder 0,22 Mk. erhalten; im Ganzen werden die-e Uebungen 1208 7 70 Mk. an Löhnung kosten. Im kommenden Jahre will man auch versuchen, Mannschaften des in­aktiven Standes zu freiwilligen Uebungen heranzuziehen, was freilich in nur geringem Umfange im Interesse von Vorkehrungen für den Kriegsfall nothwendig ist. Die

Ersatzreservisten, die zehn Wochen üben sollen, machen die erste Uebung mit.

Weimar, 6. Januar. Der Großherzog Karl Alexander ist gestern Abend 6'/4 Uhr im Alter von 82 Jahren sanft gestorben Vormittags 8 Uhr war folgender Krank- Heitsbericht ausgegeben worden, der schon das Schlimmste errathen ließ:Nachdem der gestrige Tag im Ganzen gut verlaufen ist, trat gegen 4 Uhr Morgens ein neuer schwerer Anfall von Herzschwäche ein mit aufgehobenem Bewußtsein, aus dem sich der Großherzog noch bis jetzt nicht erholt hat." Der Verstorbene hat sich u. A. um die Wiederherstellung der Wartburg sehr verdient gemacht. Karl Alexander, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach war geboren in Weimar, am 24. Juni 1818, folgte 1853 seinem Vater in der Regierung, vermählte sich im Haag mit Wilhelmine Sophie, Prinzessin der Niederlande, am 8. Oktober 1842, und wurde 1888 vom Kaiser zum Generaloberst der Kavallerie mit dem Range eines General- feldmarschall ernannt. Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar war der Bruder der Kaiserin Augusta, also Großoheim unseres Kaisers, der ihn hoch verehrte, und der älteste deutsche Fürst.

Aus Sachsen. Eine schlaue Bauerngemeinde besitzt ein Dorf in der Umgegend ücn Dresden. Von ihr wird folgendes Stücklein erzählt. War da in der Ge­meinde ein Sckmlkassenführer, von dem man munkelte, daß in seiner Kasse nicht Alles in Ordnung sein sollte. Man sprach sogar von einem Desicit von 600 Mark. Unter anderen Verhältnissen würde einfach eine Kassen- revision vorgenommen, der ungetreue Beamte abgesetzt und der gerechten Bestrafung überliefert worden sein. Allein so dumm war man nicht. Was hatte man davon, wenn der betreffende Beamte ein paar Monate hinter Schloß und Riegel zubringen mußte und das Geld ver­loren wäre. Vor Allem kam es auf das Geld an. Man hielt also eine Sitzung ab und beschloß eine Kassen- revision vorzunehmen, gab aber unter der Hand dem Kassirer zu verstehen, er solle sehen, daß seine Kasse in Schuß sei, in etwa 14 Tagen würde einmal Revision gehalten. Nun besam es der ungetreue Kassirer mit Der Angst. Er ging zu Pontius bis Pilatus, sich die 600 Mark zusammenzuborgen und als er in 14 Tagen das Geld noch nicht besammen halte, warteten die Bauern noch acht Tage, bis sie unter der Hand erfahren hatten, daß das Geld da sei. Dann endlich kamen sie und nahmen Revision vor und es stimmte Alles. Sie sprachen dem Kassirer ihre Befriedigung aus, aber nahmen ihm zu seiner großen Bestürzung das Geld und die Kasse und das Amt ab und ließen ihn mit einem langen Gesichte zurück. Die Leute aber, denen er unter dem Vorgehen, es ihnen noch der Revision wieder zurück- zugeben, das Geld abgeborgt hatte, haben jetzt das Nach­sehen und können sehen, wie sie wieder zu ihrem Gelde kommen. Die Gemeinde aber ist vor Verlust bewahrt geblieben.

;Sozialdemokratische Unternehmer. Die sozial­demokratischen Konsumvereine im Königreiche Sachsen haben schon mehr als einmal von sich reban gemacht. Wiederholt ist darüber Klage geführt worden, daß die Angestellten dieser Vereine über alle Gebühr angestrengt werden und tägliche Arbeitszeiten bis zu dreizehn Stunden zu leisten haben. Ein sozialdemokratisches sächsisches Statt, dieSächsische Arbeiterzeitung", hat selbst be­rechnet, daß trotz dieser hohen täglichen Arbeitszeiten die Angestellten der Konsumvereine durchniltlich nur 923 Mk. jährlich verdienen. Aber man merkt, wo das Geld bleibt: hie sozialdemokratischen Konsumvereine in Dresden uvd Dresdens Vororten haben im letzten Geschäftsjahre einen Reingewinn von fast einer Million Mark zu verzeichnen und demgemäß eine Dividende von mehr als 800,000 Mk vertheilt. Und solche Leute reden noch von Beutejägerei und Arbeiterausbeutung bei anderen Menschen. Schlim­mer als hier kaun keines von beiden betrieben werden.

Minden. Daß acht Glieder einer Familie in dem­selben Regiment gedient haben resp, dienen, bürte zu beu Seltenheiten gehören. Aus der in formten (West­falen) ansässigen Familie Birschcl haben bereits der Vater und sechs Söhne bei den Gardes du Corps ihrer Dienstpflicht genügt, während der siebente Sohn im letzten Herbst dort eingetreten ist.

München. Ein 400jähriger Rechtsstreit soll in diesen Tagen vor dem Amtsgericht in Regensburg im Wege des Vergleichs beendigt werden. Es handelt sich um die Grenze der Fischereigerechtigkeit auf der Donau,

über die zwischen der Fischerinnung und den Fischern der oberen Donau Uneinigkeit bestand.

Ausland.

London, 3. Jan. Meldungen aus Copstadt zufolge haben sich bereits 10000 Capholländer den in die Cap- kolonie eingedrungenen Buren angeschlossen. Präsident Steijn selbst leitet die Operationen in der Capkolonie. Gründlicher als alle anderen Meldungen belehrt jedenfalls die Thatsache über den wirklichen Stand der Lage, daß Lord Kitchener ganz plötzlich und wider alles Erwarten ein sehr entgegenkommendes Wesen an den Tag legt, und in einer Proklamation, die er znm Weih­nachtsfeste erließ, den Vurghers weitgehcnste Zusicherungen machte für den Fall, daß sie nunmehr die Waffen nieder- tegten. Lehrreich ist ferner auch die Thatsache, daß ein englischer Kaufmann, in Amerika soeben 50,000 Pferde für die britische Armee in Afrika kaufte. Im eng­lischen Ugandagebiet herrscht nach dem Bericht des römisch-katholischen Bischofs der Provinzen am oberen Nil seit.geraumer Zeit eine furchtbare Hungersnoth, so daß innerhalb dreier Monate in einem einzigen Distrikt allein über 2500 Eingeborene Hungers starken, während die Zahl der zu Grunde gegangenen, in anderen Be­zirken wohl niemals in vollem Umfange bekannt werden dürfte. Die Straßen und Dorfgaffen find vielfach mit Leichen oder Skeletten geradezu besät, und in manchen Hütten sind ganze Familien todt aufgefunden worden.

England in pekuniären Nöthen. England, das reichste Land der Welt, ist durch seinen kostspieligen und unab- jehbaren Transvaalkrieg in eine noch nie dagewesene finanzielle Bedrängnis gerathen, und da es bisher der Geldgeber der Welt war, so zeigt der Geldmarkt an den en optischen wie amerikanischen Börsen eine äußerst ge­drückte Stimmung. Goldeingänge in die Bank von Eng­land bleiben neuerdings ganz aus, während die Gold- aus'uhreu ununterbrochen fortdauern. Geht das so weiter, muß England schließlich wegen finanziellen Kalamitäten den Transvaalkrieg einstellen.

Transvaal. Die Buren sind nur noch vier Tages­ritte von Kapstadt entfernt, so ist Londoner Blättern unterm 3. Januar telegraphirt worden. Am Sonntag, spätestens Montag, können sie also vor den Thoren der Hauptstadt der englischen Kapkolonie stehen. Die Eng­länder treffen in überstürzter Eile alle nur erdenklichen Vertheidigungsmaßregeln. Sie rühren unaufhörlich die Werbetrommel, um im Kaplande Streitkräfte gegen die Buren zu gewinnen. Alle auf ihren Kriegsschiffen in der Bai von Kapstadt verfügbar gewesenen Truppen stehen zur Abwehr der Buren hinter den Mauern Kapstadts bereit. Die in einigen Städten des Kaplandes internirt gewesenen Buren-Gefangenen sind auf Schiffe gebracht worden, die freigewordenen Bewachungsmannschaften sind gleichfalls in Reih und Glied gestellt worden, um den Buren den Besitz der Hauptstadt streitig zu machen. Warum kommt Lord Kitchener nicht persönlich zur Hilfe herbei? Er ist dazu außerstande. Die Lebensmittel an der Front sind so knapp, daß ein Befehl bevorsteht, der alle Fremden aus Pretoria und Johannesburg ausweist. Ueber Kavallerie verfügt Lord Kitchener überhaupt nicht, die Infanterie ist durch die bisherigen Strapazen der­artig mitgenommen, daß sie zu anstrengenden Märschen nicht mehr tauglich ist. Kitchener muß daher die Dinge im Kaplande gehen lassen, wie sie gehen. Er hat dem Gouverneur Milncr Verhaltungsmaßregeln ertheilt und Versprechungen gemacht; das ist alles, was er thun konnte. Die Minen könne er nicht schützen, ließ der Loid den Besitzern ausdrücklich mittheilen. Die Kap­holländer haben es augenblicklich thatsächlich in der Hand, das gesammte Südafrika von der britischen Fremdherrschaft zu befreien, sie brauchen nur zu wollen. Präsident Steijn hat so gründlich vorgearbeitet, daß die Buren das kaum noch Erwariete am Ende doch noch erreichen. Wie aus Lorenzo Marques gemeldet wird, verlautet dort gerüchtweise, Kommandant Botha habe einen Sieg über die Engländer erfochten, viele von ihnen gefangen ge­nommen und mehrere Geschütze erbeutet. Einer amt­lichen Statistik des Kriegsamtes zu Folge betragen die englischen Gesammtverluste an Todten, Verwundeten und Gefangenen seit Beginn des Krieges in Südafrika 51,637 Mann.Daily Mail" glaubt, daß nach Be­endigung des iüdafrikanischcn Krieges in Betreff der verbrauchten Kriegsvorräthe große Schwierigkeiten ent- tchen werden. Sämmtliche englische Offiziere und Many