SchlüchternerZettung
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Mittwoch, den 2. Januar 1901
52. Jahrgang
nehmenden Ablösungen der Marinemannschasten belriffr.
Grundkapital Reserven fremde Mittel!'° sind darüber folgende Bestimmungen getroffen. In Millionen Mark ber Zeit vom 25. Februar bis 15. Ätürz wird der Ab-
erzlichsten gluckwunsch zum neuen Jahre!
Das neue Iahr.
Zum neuen Jahr kein altes Lied Von Leid, das uns betroffen, Von Blumen, die uns nicht erblüht, Und von getäuschtem Hoffen, Zum neuen Jahr ein neuer Lang Soll hell im Neujahrsglocken Klang Durchs deutsche Land erklingen.
„Wir Deutsche fürchten Gott allein
Und sonst nichts auf der Erde!"
Dies Wort soll unser Wahlspruch sein Wohl mit der Hand am Schwerte.
Wir brechen keinen Krieg vom Zaun, Doch, wer uns reizt, der wird verhau'n Nach altem, deutschen Brauche.
Wir brauchen fremde Hilfe nicht
Wenn unsre Schwerter blitzen,
Es ist des freien Mannes Pflicht,
Mit Mut den Herd zu schützen,
Für Weib und Rind, fürs höchste Gut
Zu lassen gern das eigene Blut
Und, müßt' es sein, das Leben.
Den schlimmsten Feind, Gott sei's geklagt
Er sitzt im eig'nen Lande, Als Rost am blanken Schwert er nagt, Macht deutscher Sitte, Schande.
Es ist der Geist der Heuchelei,
Des Strebertums, der Schmeichelei, Der Sinnenlust und Lüge.
Das ist nicht deutscher Sinn und Geist,
Das ist nicht deutsches Wesen, So sind, die noch die Nachwelt preist, Die Väter nicht gewesen.
Es nimmt das tückisch rothe Gold
Den freien, deutschen Mann in Sold
Und macht ihn sich zum Unechte. —
Wach auf mein Volk, das einst so frei,
Gedenk' des Ruhm's der Ahnen, Sei wieder wahrhaft fromm und treu, Nicht laß umsonst dich mahnen: Sei wieder deutsch bis in das Mark, Die Fesseln kühn zerbrich; sei stark — Mit Gott, im neuen Zahre!
Gelnhausen. Hermann Haase.
Neujahr!
»Gott mit uns!", mit diesem Wunsche treten wir aus dem alten ins neue Jahr hinüber. Für unsre Briefträger ists ein harter Tag. Treppauf, treppab, von einem Haus zum andern tragen sie die schwere Last der Wünsche. Alles wünscht sich Prosit Neujahr. Wenn ts nur mit den Wünschen gethan wäre! Prosit Neujahr, das heißt: zum Segen werde dir das neue Jahr. Ein guter Wunsch. Mehr als Segen können wir Niemand wünschen. Mehr als Segen kann Niemand für sich begehren. Segen jedem einzelnen, daß ihm gelingt seiner Hände Werk und glücklich fortgche sein Beruf und Stand; ^cgen jedem Hause, daß Friede und Eintracht drin wohnen und Noth und Unglück an ihm vorüberziehen; Segen unserm ganzen Lande, daß die Werke des Friedens darin gedeihen, daß die Wohlfahrt wachse und schwere Heimsuchungen fern von ihm bleiben; Segen unsern lieben blauen Jungen im fernen Ostasien und baldige Heimkehr; Segen auch den tapferen Buren und ihrem treuen Vater Krüger und Sieg in ihrem heiligen Kampf für Freiheit und Recht! Das ist unser Wunsch heute. Wir können freilich nur wünschen. Die Erfüllung unserer Wünsche steht aber in der Hand Gottes, dessen Jahre kein Ende nehmen, der da bleibet, wie er ist. In seiner Hand liegt unsers, unseres Hauses, unseres
uufcrer Brüder in China, unserer Freunde in tvudafnka Wohl und Wehe, Darum: „Gott mit uns!"
— Das Loosungswort im neuen wie im alten Jahre.
Wir Deutsche fürchten Gott, sagte einst Bismarck, und sonst nichts in der Welt. Daß es wahr wäre! Dann ginge es vorwärts von Sieg zu Sieg auf der Bahn wahren Fortschritts zur sittlichen Erstarkung, denn nur ein sittlich starkes Volk kann groß und mächtig bleiben. Darum: Gott mit Dir, Du Volk der Deutschen, im neuen wie im alten Jahr!
Reform des Stempel- und Börsengesetzes.
Mehrere Handelsvertretungen sind in der letzten Zeit bei dem Herrn Reichskanzler um eine organische Reform der Gesetzgebung des letzten Jahrzehntes vorstellig geworden, weil diese nicht nur einen Niedergang des Zöllen« Wesens herbeigeführt, sondern auch die Großindustrie und die Landwirthschaft schwer geschädigt hätte.
Als Gegengewicht gegen diese Eingaben hat die Zentralstelle der preußischen Landwirthschaftskammern eine Eingabe an den Herrn Reichskanzler gemacht, in welcher die Unrichtigkeit der von den Handelsvertretungen gemachten Behauptungen nachgewiesen wird.
Der Behauptung der Berliner Petition z. B., daß das Börsengesetz den „Niedergang des Bank- und Börsen- wesens herbeigeführt habe, stellt die Zentralstelle einige unanfechtbare Zahlen gegenüber, welche das Unhaltbare einer derartigen Behauptung schlagend beweisen.
Es hatten nämlich die deutschen Aktienbanken:
Millionen Mark
1896:
1952
408
10458
1897:
2163
461
11246
1898:
2451
540
12221
1899:
2714
605
13270
Die Gesammtmenge
des Geldes, das in
den Banken
arbeitet, ist also unter der Herrschaft des vielgeschmähten Börsengesetzes von 12813,3 Millionen auf 16587,4 Millionen Mark gestiegen und unter „der langen Gesctzcs- kette," welche im letzten Jahrzehnt durch die angebliche „dank und börsenfeindliche Bewegung" geschaffen wurde, von 9269,8 Millionen auf die bereits genannte Summe von 16587,4 Millionen. Das ist eine Steigerung um mehr als 7 Milliarden Mark oder fast 80 Prozent.
Im Jahre 1896 betrug die durchschnittliche Dividende der mächtig anwachsenden Banken 7,73 Prozent; 1899: 8,61 Prozent. Im Jahre 1896 wurden 145,87 Millionen Mark, im Jahre 1899 aber 215,62 Millionen Mark als Dividende gezahlt. Die Anzahl der Großbanken hat sich in dieser Zeit von 146 auf 164 gehoben.
Die Emissionen betrugen unter der Herrschaft des Börsengesetzes
1897: Werthe in Höhe von 1945 Millionen Mark
1898: 1899:
„ „ 2407
„ .. 2811
n
Wie man gegenüber diesen, von einem hervorragenden Aufschwung zeugenden Zahlen, die der Kaufmannschaft genau bekannt sein müssen, — sagt die Eingabe der Zentralstelle ganz richtig — von einem Niedergang des Bank' und Börsenwesens unter der Herrschaft des Börsengesetzes sprechen kann, ist nicht zu erklären. Die noch in letzter Zeit vorgenommenen kolossalen Kapitalvermehrungen der Banken sprechen nicht dafür, daß man in deren Verwaltungskreisen einen Niedergang des Bankwesens befürchtet. Natürlich ist es nicht angängig, die Begriffe „Bank" und „Börse" zu identifiziren,
Der Behauptung der Handelsvertretungen, daß das deutsche Börsengesetz „den Geldstaud vertheuert und so die Industrie und Landwirthichaft geschädigt" habe, begegnet die Eingabe der Zentralstelle mit dem Hinweis, daß diese angebliche Wirkung des deutschen Börsengesetzes zugleich in allen kultivirten Ländern der Erde zu beobachten sei. Man wird in der That nicht im Ernste behaupten können, daß das deutsche Börsengesetz den Geldstand auch in England, Frankreich, Rußland, Amerika
:c. vcrtheuere. Vielmehr liegen hier ganz andere Ursachen zu Grunde,
Zum Schlüsse der Eingabe richtet die Zentralstelle an den Reichskanzler die Bitte:
1. die Wirkung des Rcichsstempclgesctzes in einer längeren Zeit aufmerksam beobachten und die nothwendige Erfahrung in dieser Beziehung sammeln zu wollen, bevor eine Reform in Betracht gezogen wird;
2. dahin wirken zu wollen, daß das Börsengesetz nicht bloß in vollem Umfange bestehen bleibt, sondern daß auch Maßregeln getroffen werden, die seine völlige Durchführung gewährleisten.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser wird am 3. Januar, Morgens zur Besichtigung der Dampfyacht der Hamburg-Amerika« Linie „Prinzessin Viktoria Luise" (der Name der einzigen Tochter des Kaiserpaares) in Hamburg erwartet. Se. Majestät wird an Bord des neuen Dampfschiffes Wohnung nehmen uud zwei Tage in Hamburg verweilen.
— In Nizza gilt es als sicher, daß die Kaiserin Friedrich am Cap d'Aie Winteraufenhalt nehmen wird, sobald ihr Gesundheitszustand die Reise dorthin gestattet. In dem prächtigen dort belegenen Schloß des Sir Edward Mallet, des ehemaligen engli chen Botschafters in Berlin, werden Räume für den Aufenthalt der Kaiserin in Stand gesetzt.
— Was die zu Anfang dieses Jahres vorzu.
lösungstransport für Kiautschou auf einem Lloyddampser abgchen. Es gehen damit diejenigen jungen Leute nach China, die gegenwärtig in den beißen Stammkompagnien und der Stammbattene für das 3. Seebataillon aus- gebildet werden. Im Mai wird der Ablösungstransport für das Kreuzcrgcschmadcr bezw. die in Ostasien stationnten Schiffe abgchen. Ueber die Ablösung des eigentlichen Cymageschwaders, jener Kriegsschiffe, die im Sommer von Kiel aus China entsandt worden sind, ist noch keine Entscheidung getroffen; letztere hängt auch wesentlich von dem Ergebniß der FnedcnsvcrhandUingcu ab.
— Der Konkurs der Deutschen Grundschuldbank und der Preußischen Hypothekenbank wird am Ende doch noch vermieden werden, sodaß die Inhaber der Pfandbriefe der beiden nothleidenden Institute nicht alles verlieren werden. Es bestätigt sich nämlich, daß ebenso wie bei der Preußischen Hypothekcnaltienbank auch bei der Deut schen Grundschuldbank mehr als die füllte der P,and- briefe zu der am 31. d. M. stattfindenden Versammlung angemeldet worden ist. Wie das „B. T." ergänzend hinzmügt, soll die von der Regierung cd gcoibmte Prü ung der Hypotheken, also nicht die Pfandbriefe der Preußischen Hypothekenbank, die ich bisher auf 260 Millionen Mk. erstreckt, ein verhättuißmäßig günstiges Resultat ergeben haben haben. Das Resultat über die Prüfung der restlichen 100 Mill. Mk. Hypotheken steht allerdings noch aus. Daß sich auch der Börse bereits eine günstigere Auffassung über die Lage der in Rede stehenden beiden Institute oemächligt hat, geht aus der Kurssteigerung hervor, die sowohl Aktien wie Psandbricfc dcr Preußischen Hypothekenbank und die vlerprozeritigcn Obligationen ber Grundschuldbank erfuhren.
— Die Verpachtung ber Berliner Anschlagsäulen für die dritte Dekade von 1901—1911 war vor einiger Zeit vom Magistrat von Neuem ausgeschrieben worden, worauf bis zum Schlußtermin, den 15. d. Mis. elf Angebote eingegangen sind. Die bisherige Pachtern, die Firma Nauck & Hartmann, befindet sich seit nunmehr zwanzig Jahren in dem Genuß dieser Pachtung, die einen ganz erklecklichen Gewinn abgeworfen haben muß. Denn sie zahlte nach Uebernahme des öffentlichen Anschlag- wesens im Jahre 1881 für die eruen zehn Jahre der Vertragsdauer einen jährlichen Zins von 50UOU Mk, während sie für das zweite Dezennium 1891—lWt, das also jetzt «bläust, bei der damals ebenfalls öffentlich slattgcfundenen Ausschreibung mit einem Gebot von
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