Einzelbild herunterladen
 

WWernerMuM

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt« vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

3£ 103. Samstag, den 29. December 1900. 51. Jahrgang.

l^ffolhttiAMI auf bic .Schlüchterner Zeitung« werben nod) fortwährend von allen ........... - Postanstalten undLandbriestrügern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Das Weihnachtsfest ist auch in diesem Jahre am deutschen Kaiserhofe in üblicher Weise begangen. Der Kaiser wohnte am Nachmittag des Heiligabends den Bescheerungen der beiden ersten Kompagnien des 1. Garderegiments zu Fuß bet, beschenkte die Wachtposten am Neuen Palais mit je 20 Mark und ebenso zahlreiche Personen aus dem Arbeiterstande, die ihm auf seinem Spaziergange im Park von Sanssouci begegneten. Dar­nach fand im Neuen Palais das gemeinsame Diner der Majestäten und der Hofstaaten, sowie die nachfolgende Be- scheerung statt. Den Rest des Abends verbrachte die kaiserliche Familie unter sich. Zwei gewaltige Tannen- bäume waren für den Kaiser und die Kaiserin, sieben immer kleiner werdende für die Prinzen und die kleine Prinzessin aufgestellt.

Die Eröffnung des preußischen Landtags soll nicht erst am 14. Januar k. Js., wie es bisher hieß, sondern bereits am 8. nächsten Monats, gleichzeitig mit dem Wiederzusammentritt des Reichstages, erfolgen.

Aus der Kaiserlichen Ordre betreffend die Ein­führung eines Großadmiral, und Jnterims-Großamiral- stabeS ist ersichtlich, daß für die Flotte der Rang eines Groß-Admirals, der dem eines Feldmarschalls in der Armee entspricht, neu eingeführt werden soll. In Zu­kunft wird es al'o geben: Kontreadmirale mit dem Range eines Generalmajors, Vizeadmirale gleich Generalleutnants, Admirale gleich den Generalen der Infanterie, Artillerie oder Kavallerie, Groß-Admirale mit dem Range der Feldmarschälle. Das Abzeichen eines Groß-Admirals kann nur der Kaiser anlegen, der seit dem Mai d. I. die Feldmarschallsabzeichen trägt. Die übrigen deutschen Feldmarschälle gehören der Flotte nicht an, und der rangälteste Marine-Offizier, General-Inspekteur v. Köster ist nur Admiral mit Patent vom 22. März 1897. Auch ehe dem Prinzen Heinrich, dem Bruder des Kaisers, die neue Würde verliehen werden kann, dürften noch Jahre ins Land gehen, da der Prinz erst Dezember 1899 Vize­admiral geworden ist.

Neue Kämpfe mit Eingeborenen haben in Deutsch- Ostafrika stattgefunden. Laut Nachrichten, die mit der letzten Post eingetroffen sind, wurde der Oberleutnant Fonck, Stationschef von Bismarckburg am Tanganykasee, auf einer Expedition gegen die Wahehe durch einen Streifschuß am Kopf und einen Sperrstich in den rechten Unterarm ziemlich schwer verwundet.

Die Rechnungsverhältnisse der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsanstalten für 1899 werden demnächst dem Reichstage zugehen. Die Zahl der Rentenempfänger betrug 557 800 Personen, an welche 68,7 Millionen Mark (41,9 Millionen an Invalidenrenten) gezahlt sind. An 167000 Personen wurden Beitrags-Erstattungen in Höhe von 5'/, Millionen gezahlt. Die Einnahme aus Beiträgen bezifferte sich auf 111 Millionen gegen 102,2 Millionen in 1898. Die Gesammtsumme der Einnahmen aus Beiträgen von 1891 bis Ende 1899 belief sich nach Abzug der Verwaltungskosten auf 888,7 Millionen Mark.

Der Oberhofmeister der Kaiserin, Frhr. v. Mirbach ist, wie dasKleine Journal« mittheilt, schon im Januar d. I. von privater Seite vor der preußischen Hypotheken­bank gewarnt worden. Als Schatzmeister verschiedener Kirchenbaufonds erkundigte er sich daraufhin bei den obersten Regierungsbehörden und erhielt die Auskunft, daß die Pfandbriefe der Preußischen Hypothekenbank ebenso gut und sicher seien, wie die Deutschen Reichs­anleihen. Ein Theil des Kirchenbaufonds war in Pfand­briefen, darunter auch solchen der Spielhagenbank an­gelegt. Als nun Freiherr von Mirbach zum Jahresende für Bauzwecke 300 000 Mark flüssig zu machen hatte, griff er den betreffenden Betrag in Spielhagen-Pfand­briefen heraus und sandte dieselben kurzer Hand an Direktor Eduard Sandeu zum Inkasso. Herr Sanden aber schützte Knappheit an Baarmitteln vor und gab schließlich im Austausch gegen die Pfandbriefe eine Hypo thek, die sich jedoch zur peinlichen Ueberraschung des KirchenbauvereinS auch als minderwerthig erwiesen hat. In Potsdam erleiden sehr viele Leute, Bürger und Beamte, darunter die höchsten Würdenträger, durch den Zusammen-

bruch der Spielhagenbank schwere Verluste. Zu dem Hypothekenbank-Skandal, der zur Verhaftung des ganzen sauberen Direktoriums geführt hat, bringt dieRat.-Ztg.« Nachstehendes: Die Preußische Hypotheken-Aktienbank hat 355 Millionen Mark Pfandbriefe ausgegeben, an denen, falls die Börse ihren Werth durch die jetzige Kurs­notiz (75 bezw. 70 Prozent) zutreffend schützt, das Publikum um rund 90 Millionen Mark eirbüßen würde Bei den 80 Millionen Mark Obligationen der Deutschen Grundschuldenbank würde der Verlust mehr als 50 Millionen Mark betragen. Dazu kommt der Verlust an den Aktien beider Institute; die der preußischen Hypothekenaktienbank (21 Millionen Mark) sind von 129 auf 31, die der Deutschen Grundschuldenbank (10Mill.) von 119 auf 6, also fast zur Werthlosigkeit, gefallen. Zu den Opfern der Katastrophe der Spielhagenbanken gehören besonders auch wohlhabende Landwirthe in der Umgegend von Berlin. Der Absatz der Werthe wurde sehr erleichtert dnrch die für nicht eingeweihte recht ver, trauensvoll klingenden Namen der beiden Institute. Es ist jetzt vielfach bekannt geworden, daß Inhaber von Effekten der Preußischen Hypotheken-Aktienbank bis zuletzt in dem Wahne sich befanden, sie besäßen preußische Staats­anleihen; so hatten sie sich durch die Bezeichnungpreußische« irre machen lassen.

Das rheinisch-westfälische Kohlensyndikat giebt sich die größte Mühe, wie es scheint, um so viel Material wie möglich für die Anklagen zu liefern, die gegen dasselbe erhoben werden. Das Kohlensyndikat hat be­kanntlich beschlossen, die Kohlenförderung um ein Zehntel einzuschränken, und der Zweck dieses Beschlusses ist natürlich kein anderer, als der, die Kohlenpreise auf ihrer gegenwärtigen Höhe zu erhalten. Im Reichstage, bei der Besprechung der Zentrumsinterpellation über die Kohlennoth, war eine Vermehrung der Kohlenförderung in Aussicht gestellt worden; die Freunde und Vertheidiger des Syndikates, auch die Vertreter der Regierung, ver­sicherten, daß die Absicht des Syndikates gemein­nützig sei, und nun, nach kaum geschlossenen Reichs­tage, faßt das Syndikat diesen Beschluß! Damit werden nicht nur die wucherisch hohen Kohlenpreise künstlich er­halten; auf diese Weise werden vermuthlich auch die Arbeiter in den Kohlenbergwerken des Syndikats ge­schädigt werden durch ein Sinken der Löhne. Man er­sieht daraus mit überzeugender Deutlichkeit von neuem, daß eine Staatsaufsicht über das Treiben der Syndikate nicht allein nützlich, sondern auch nothwendig ist.

Die Gleichstellung der Oberlehrer an den höheren Lehranstalten mit den Richtern in der Besoldung wird nach zuverlässigen Mittheilungen für Ostern 1901 von der Regierung im preußischen Landtage gefordert werden. Die Bewilligung einer solchen Forderung steht außerZweifel.

Das Urtheil im Sternberg-Prozeß wurde Freitag 1 Nachmittag 5'/, Uhr vom Landgerichtsdirektor Müller verzeichnet. Es lautet: Gegen Sternberg auf 2 Jahre 1 6 Monate Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust, 6 Mo- i nate wurden als verbüßt erachtet. Gegen die Anna Wender auf 6 Monate Gefängniß, davon 2 Monate als verbüßt. 1

Cöthen, 22. Dezember. Feldmarschall Graf Blumen­thal ist in Quellendorf in der vergangenen Nacht eilt schlafen. Graf Blumenthal hat ein Alter von 90 Jahren i erreicht und 73 Jahre der Armee angehört. Er war i einer der verdiensteten Offiziere der preußischen und deutschen Armee. Sowohl im 1866er Feldzuge, als I auch im deutsch-franzö "schen Kriege war er Chef des | Generalstabes bei der Armee des damaligen Kronprinzen ( Friedrich Wilhelm. Er rechtfertigte das in ihm gesetzte i Vertrauen so glänzend, daß er in wichtigen Fragen auch i von der oberen Heeresleitung mit zur Berathung gezogen i wurde. So bei Sedan, bet der Einschließung von Paris : und den gegen die Loire-Armee getroffenen Anordnungen, i Nach dem Kriege wurde er zum General der Infanterie i und zum Kommandant des 4. Korps ernannt. 1883 f erhielt er den Grafentitel, würbe 1888 zum General ieldmarschall und Generalinspekteur der 4., 1892-1898 i der 3. Armee-Inspektion ernannt. l

Mainz, 22. Dez. Die launige Dame Fortuna j scheint bei der diesmaligen Ziehung der Hessischen Landes- t lotterte mit ihrer Huld ganz besonders Personen bedacht f ;u haben, welche bisher die Last des Reichthums noch s nicht gedrückt hat. Der Hauptgewinn ist bekanntlich 5 einem Handlungsgehilfen zugefallen. Hier in Mainz b spielten acht Ladenmädchen aus einem großen Mode- d

waarengeichäft von dem Loose, welches am Mittwoch in der Kollekte der Firma Julius Anger hier mit 200,000 Mk. herausgekommen ist, gemeinschaftlich zwei Zehntel und erhielten daher 34,000 Mark, was für jedes der Mädchen einen Gewinn von über 4000 Mark ausmacht. Die jungen Damen sollen überglücklich gewesen sein, als ihnen der Gewinn ausgezahlt wurde.

Aus der Rheinpfalz. Bei den Tiefbohrungen, welche seit einiger Zeit im Bienwald, zwischen Lauterburg und Langenkandal, zum Zweck der Erschließung von Petroleum vorgenommen werden. hat man eine mächtige Gasquelle erbohrt. Plötzlich wurde eine einige hundert Meter hohe mächtige Wassersäule aus dem Bohrloche herausgeschleudert, im Nu füllte sich der zwanzig Meter hohe Bohrthurm mit Gasen, welche explodirten und den Bohrthurm in Brand setzten. Seitdem schießt eine 56 Meter hohe Flamme in unverminderter Stärke und unter starkem Brausen aus dem Bohrloch. Die Gase riechen wie Pe- troleumgase. Auch soll vor dem Gasausbruch etwas Petroleum ausgeflossen sein, sodaß begründete Hoffnung besteht, bald reiche Petroleumquellen zu erschließen. Die Flamme konnte bis jetzt noch nicht gelöscht werden, so daß aus Nah und Fern Leute herbeieilen, um sich das Schauspiel anzusehen.

Ausland

Rom, 24. Dezember. Heute Vormittag schloß der Papst dasheilige Jahr« mit der Ceremonie der Schließung des heiligen Thores der Kirche zu St. Peter. Der Papst verließ seine Gemächer um 11'/« Uhr und begab sich unter Vorantritt der Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe durch das heilige Thor nach der Basilika, wo er von dem Kapitel des Vatikans empfangen wurde. Nachdem der Papst hier der Versammlung seinen Segen gewindet hatte, stieg er von der Seda gestiataria hinunter, kniete er vor dem heiligen Thore nieder und legte hier an der Schwelle mit der goldenen Kelle Kalk und drei Ziegelsteine nieder. Der Kardinal Großpönitentar Sera- üno Vannutelli und vier andere Pönitentiare verrichteten dieselbe Ceremonie, worauf die Arbeiter zu St. Peter das heilige Thor schloffen. Nach der Abstngung eines Teteums kehrte der Papst um 12'/4 Uhr nach seinen Gemächern zurück. Der Papst befand sich sehr wohl. Der Andrang der Menge bei der Ceremonie war außer­ordentlich groß.

China. Ueber einen Kampf deutscher Truppen mit Boxern ist aus Peking unterm 19. Dezember folgende Meldung des Grafen Waldersee eingegangen:Das im Anmarsch von Schanhaikwan befindliche Detachement Gündell hat am 14. Dezember bei Tung.ling nahe den östlichen Kaiser Gräbern ein glückliches Gefecht gegen Boxer gehabt, die 15 Todte und 3 Verwundete verloren. Etwa 1000 Mann reguläre Truppen sind geflohen. Der Morning Post" wird berichtet, daß deutsche Truppen bei der Expedition gegen Lungching 60 kaiserliche Sol­daten und 30 andere Personen tödteten und 200 zu Ge­fangenen machten. Letztere wurden in Freiheit gesetzt, nachdem sie den Deutschen eine Summe von 20000 Taels ausgezahlt hatten. Rußland und China sind wohl im Reinen. Es heißt zuverlässig, zwischen dem russischen Minister des Auswärtigen Grafen Lamsdorff und dem chinesischen Gesandten sei in der Krim ein Spezial-Ver- lrag unterzeichnet. Daß Rußland sein Schäfchen im Trocknen hat, glaubt schon jeder. Von unseren See­leuten in China werden an Bord des DampfersFrank­furt« Ende Januar wieder 245 Abgelöste in der Hetmath eintreffen. Die fliegenden Kolonnen, welche die Ruhe im Lande herstellen sollen, haben ihre Arbeit noch immer nicht ganz beendet. In einem dieser Gefechte hatten wir 1 Offizier und 2 Unteroffiziere leicht verletzt. Der Verlust der Chinesen war sehr bedeutend, eigentlicher Widerstand ist also nicht geleistet. Achnlich kleine Waffenthaten werden auch von den Kolonnen anderer Nationen gemeldet.

London, 22. Dez. Die hiesigen Blätter geben sich über die Lage in der Kapkolonie keinerlei Illusionen mehr hin.Daily Mail" weiß zu berichten, daß zahlreiche Holländer mit den Buren gemeinsame Sache machen und der ganze Norden der Kap Kolonie sich im offenen Aus­stande befinde, die ganze Gegend, welche vom Oranje- Fluß begrenzt wird, befindet sich in den Besitz der Buren. Die Kapholländer haben sich, als die Freistaatburen in die Kapkolonie eindrangen, wieder erhoben. Sie gewähren den Buren moralische materielle Unterstützung, viele