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SchlüchtermZeitung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 102. Samstag, den 22. December 1900. 51. Jahrgang.

Wer eine NIMM

in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Portamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post­abonnenten, welche bis spätestens 26. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß _ ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. Jede Poftanstalt und jeder Land­briefträger ist verpflichtet, Abonnemcnts-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Januar 1901 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Weihnachten.

Komm heim! Die Weihnachtskerzen brennen Und Lieder rauschen durch die Nacht, Die uns der Wunder höchstes nennen, Von (Engelslippen kund gemacht.

Komm heim! Dich grüßt der Weihnachtsfriede, Des Lebens Marktgeschrei verklingt;

Aehr heim und lausch dem alten Liede, Das heilige Versöhnung bringt.

frörst Du den Schall der Himmelsglocken, Wohin sich auch verirrt Dein Fuß?

Wie sie Dich laden, wie sie locken Gleich einer Mutter trautem Gruß!

Komm heim mein Herz, nach langen Wirren, In denen Du Dich selbst verlorst, Aehr heim nach schmerzenreichem Irren Ums schwanke Ziel, das Du erkorst.

Du magst des Erdballs Rund durchstreifen, Es birgt wohl Glanz, es birgt nicht Glück, Das küßt Dich still nach tollem Schweifen, Fandst Du den Weg nach Haus zurück.

Steig nieder in die eigenen Tiefen

Und schließe ihre Schätze auf;

Die Heimathsglocken, die Dich riefen, Sie klangen aus Dir selbst herauf.

Deutsches Reich.

Berlin. Aus Anlaß des Namenstages des Kaisers Nikolaus wurde am Mitwoch in der Kapelle der russischen Botschaft zu Berlin ein großer Gottesdienst abgehalten. Kaiser Wilhelm ließ sich durch den Generaladjutanten von Hahnke vertreten. Se. Majestät weilte in New gatterslebcu bei Calbe a. d. Saale auf der Jagd.

Ueber die Stellungnahme Kaiser Wilhelms zum Besuche des Präsidenten Krüger in Europa erzählt der Pariser ..Matin" folgende Geschichte: Eine bekannte buren- freundliche Hofdame hatte im engeren Kreise ein zwang- loses Gespräch mit dem Kaiser über Krüger. Der Kaiser erklärte sofort, er werde Krüger nicht empfangen und fügte hinzu:Wenn ein scheues Pferd die Straße ent­lang rast, so sieht man die Leute da verschiedene Hal­tungen einnehmen: die einen werfen sich dem Gaul an den Kopf und werden unbedingt getreten, die anderen steigen auf eine Bank und wedeln mit dem Taschentuch, die dritten erkennen daß sie nichts thun können, und gehen ruhig ihrer Wege. Ich thue es den dritten gleich, da ich es den ersten nicht gleichthun kann, den zweiten es nicht gleichthun mag."

ImReichsanzeiger- wird ein Nachtrag zur Stift ungsurkunde der Rothen Kreuz-Medaille vom Oktober 1898 veröffentlicht. Es handelt sich darin um die Ver­leihung der Berechtigung, eine Spange mit der Bezeich- tigung des FeldzugeS zu tragen, an dem die dekorirten Mitglieder der freiwilligen Krankenpflege theilnahmen.

Zum Untergang derGneisenau". AlS ein schwacher Trost ergiebt sich die Thatsache, daß die ersten Angaben über die Anzahl der Opfer der Katastrophe Gott sei Dank zu hoch gegriffen waren. Nach neueren Meldungen dürfen die Todten sich auf 41 beziffern, während etwa 150 Mann zum Theil schwere Verletzungen davongetragen haben. Die Leiche des Kapitäns Kretsch- mann wurde bereits an die Küste gespült und ist am Dienstag unter großen Ehren auf dem englischen Kirchhof beigesetzt worden. Die Leichen der übrigen Umgckommcnen waren bis Dienstag Mittag noch nicht geborgen. Ueber die Ursachen, die zum Scheitern derGneisenau" bcitrugrn, schreibt man derVoss. Ztg." von fachmän­nischer Seite: Der Verlust des Schiffes erweist sich als eine Kette widriger Umstände. Der Backbordanker hielt nicht auf dem Meeresboden und der zweite sofort aus geworfene Anker konnte allein daS bereits treibende Schiff von der Mole nicht mehr fern halten. Es hätten nun Noch die beiden großen Rcscrvcanker in Aktion treten

können; aber diese hätten erst mit der Ankerkette verbunden werden müssen, wozu es während der Katastrophe an Zeit gefehlt hat. Außerdem konnte die Maschine nicht in Bewegung gesetzt werden, da während der kurzen Zeit des Unfalls nicht genügend Dampf ausgemacht werden konnte. Daß das Schiff von seinen Segeln aber hätte Gebrauch machen können, um auf solche Weise die hohe See zu gewinnen, muß als ausgeschlossen bezeichnet werden, da dasUnler-Segelgehen" einer großen Fre­gatte während eines Sturmes immer ein überaus schwie­riges Manöver ist.

Als. ein Hohn auf die herrschende Kohlennoth wird mit Recht das Verhalten des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats bezeichnet, das nicht nur eine Förder- cinschränkung vorgenommeu, sondern die Kohlenaus'uhr ins Ausland noch verstärkt hat. Damit hat das Syn­dikat gleich zweierlei Maßnahmen mit einem Male er­griffen, die geeignet sind, die Preissteigerung nicht mehr zu erhalten, sondern womöglich noch höher zu schrauben. Da verdient der Heylsche Anrag, der eine Kontrole der Syndikate von Reichswegen fordert, doch die nachdrück­lichste Beachtung des Reichstages.

* Ein unerbetener Gast, die Influenza, ist wieder in Deutschland erschienen. Schon vor mehreren Wochen meldeten die Moskauer Blätter, daß dort die Influenza im bösartigen Umfange grassirt und die gleiche Meldung kam bald darauf von Petersburg. Nun ist sie auch in Deutschland wieder aufgetaucht und ruft im Arbeiterleben und in der Schule vielfache Lücken hervor.

Der Kommerzienrath Sanden, Direktor der Preußischen Hypothekenaktienbank", ist heute Vormittag auf Ersuchen der Berliner Staatsanwaltschaft in seiner Villa zu Potsdam verhaftet und zur Einlieferung in das Unterjnchungsgefängniß zu Moabit nach Berlin gebracht worden.

Im Prozeß Sternberg beantragte der Staats­anwalt gegen Sternberg 3 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Gegen den Direktor Luppa wurde die Aus- setzung des Verfahrens beantragt, da noch verschiedene Verbrechen bei ihm in Frage kommen.

Eine neue Art von Schwindelauktionen, die lange Zeit die Nntersuchungsbehörden beschäftigte, unterlag der Prüfung des Strafrichters in Moabit. Wie wir seiner­zeit mittheilten, wurden in einer Versteigerunghalle durch einen Gerichtsvollzieherhochfeine Weine" und Cognak verkauft, die sich nachträglich als eine Mischung von Spiritus und Wasser herausstellten. Durch Anzeigen waren zahlreiche Käufer angclockt worden. Alle verließen sich auf die schönen Aufschriften und Kapseln der Flaschen, Niemand nahm eine Kostprobe. Ein Kaufmann Frey war der Mann, dem die kostbaren Tropfen versteigert wurden. Dem Scheine nach geschah das zwangsweise, in Wirklichkeit freiwillig. Frei hatte nur mit einem Helfershelfer aus Moobit die Sache so gedreht, daß es nach Zwang aussah. Das gehörte mit zum Schwindel. Der Helfershelfer ging nämlich auf Grund einer erdich­teten Forderung gegen Fret vor und ließ dann die eigens für diesen Zweck zurechtgemachtenWeine" versteigern. Als der Schwindel in den Zeitungen aufgedeckt wurde, "teilte sich Frey selbst als ein Opfer betrügender Wein- ^ändler dar und erzielte durch Vorlegung aller möglichen Papiere auch eineBerichtigung". Eine Zeitlang schien eS, als ob der junge Mann, der sich fälschlich auch für einen Reserveoffizier ausgab, ohne Strafe durchkommen würde. Schließlich gelang es aber doch, den ganzen Schwindel so arstzudecken, daß man den Unternehmer und seinen Helfershelfer vor Gericht stellen konnte. Frey wurde zu einem Jahre Gefängniß und zwei Jahren Ehr­verlust, sein Helfershelfer zu acht Wochen Gefängniß verunheilt.

Zu der militärischen Dienstleistung der Lehrer be­merken die ministeriellenBerl. Pol. Nachr.": Es ist in der letzten Zeit wiederholt vorgekommen, daß Lehrer, welche zu einer militärischen Dienstleistung einberufen

sind, von dieser Einberufung der Schulaufsichtsbehörde erst kurz vor dem Beginn der Dienstleistung Anzeige ge­macht haben, so daß es unmöglich gewesen ist, bei dem zuständigen Bezirkskommando eine Verlegung der Uebungs­zeit des Lehrers im Schulinteresfe zu erwirken oder durch Verlegung der Sommer- oder Herbstferien in die Uebungs­zeit eine Schädigung des Schulunterrichts zu verhüten. Es ist regierungsseitig daher bestimmt, daß Lehrer, welche zu einer militärischen Dienstleistung einberufen werden, sofort nach Empfang der Gestellungsordre dem zustän­digen Kreisschulinspektor durch die Hand des Ortsschul- inspektors von dem Zeitpunkte der Einberuning und von der Dauer der Dienstübung Anzeige zu machen haben. Die Kreisschulinspektoren haben dann, wenn eine ange­messene Vertretung des einberufenen Lehrers nicht zu ermöglichen ist, oder die Verhältnisse der betreffenden Schule die Einrichtung einer Vertretung nicht rathsam erscheinen lassen, das zuständige Bezirkskommando zu er­suchen, den Lehrer von der angeordneten Dienstleistung zu entbinden oder ihn zu einer späteren Uebung ein- zuberufen. Sollte diesem Ersuchen nicht entsprochen werben können, so ist in Erwägung zu ziehen, ob es an­gängig ist, in die Zeit der militärischen Dienstleistung des Lehrers die Sommerferien oder einen Theil der Herbst­ferien zu verlegen. Die Verlegung der Ferien bedarf jedoch der Genehmigung.

Kreuzuach. Abgelagerte Liebes-Cigarren. Auch in Kreuznach will man wohlthätig sein für die Truppen der China-Expedition. Man hat sich, wie dieKreuzn. Ztg." erzählt, erinnert, daß aus dem Jahre 1871 1500 Ci­garren übrig von einer besonders feinen Sorte, die damals für die Offiziere bestimmt waren, aber infolge des Friedensschlusses nicht mehr zur Verwendung ge­langten. Es gelang denn auch, ausfindig zu machen, daß diese Cigarren noch auf dem Speicher' des Land- rathsamtes abgelagert worden. Die Cigarren sind denn nun auch glücklich jctzt abgeliefert und werden sich wohl schon auf der Reise nach China befinden. Es ist auch behauptet worden, daß diese Cigarren schon von den Liebesgaben des Jahres 1866 übrig geblieben seien. Solches aber ist nur eine böswillige Erfindung.

Mainz, 17. Dez. Eine in Karlsruhe aufgegebene Waggonladung Kupfer im Werthe von 14,000 Mark wurde mit Hülfe von Eisenbahnbediensteten gestohlen und das Kupfer an eine hiesige Alteisenhandlung verkauft. Die Schuld trifft badische Eisenbahnbedienstete.

Ausland

Italien. Ein Postboycot. Sehr peinlich berührt in Italien die Geflogenheit des schweizerischen Postdeparte­ments, fortan Packetsendungen nach Italien nur mit spe« Stellen Verwarnungen des Absenders entgegenzunehmen. Es wird dem Betreffenden darin ausdrücklich erklärt, daß weitaus die meisten Poststücke jenseits Chiasso von den Italienern systemathisch geplündert werden, sodaß es nicht rathsam sei, irgend welche Werthüncke solchen Sen­dungen anzuvertrauen. In demselben Sinne hat sich auch der Präsident des schweizerischen Postwesens amtlich gegen den italienischen Postminister ausgesprochen. Leider hat diese ernste Mahnung irgend welche nachhaltige Ab- Hülfe nicht geschaffen, vielmehr dauern die Langsingercicn unausgesetzt auf den italienischen Stationen fort, ohne daß es möglich gewesen wäre, die Diebe zu ermitteln.

London. Im vorigen Jahre gab es Chokolade, diesmal giebt es Fünf-PmndNotcn. Jeder einzelne Soldat, einerlei ob er zu den regulären, freiwilligen oder Kolo- nialtruppcn gehört, erhält zu Weihnachten 100 Mark geschenkt, allerdings diesmal niajt von der Queen, sondern aus den Taschen der Steuerzahler, in deren Namen der Kriegsminister das angeordnet hat. Da rund 200 000 Mann in Südafrika engagirt sind, und auch die In­validen, Soldatenwittwen usw., das Geschenk erhalten, kosten diese Weihnachten für die Armee allein 30 Mill. Mark. Lord Roberts erhält füiifzigtauscnd Mark außer der Gratifikation, die er natürlich späterhin noch

MF* Des Weihnachtsfestes wegen erscheint nächsten Mittwoch keine Zeitung. *386