Einzelbild herunterladen
 

MüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 100. Samstag, den 15. December 1900. 51. Jahrgang.

te eine litt*

in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post- abonnenten, welche bis spätestens 26. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Land­briefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Januar 1901 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser ist am Mittwoch nach Hannover gereist, um daselbst die Garnison zu inspiciren.

Prinz Joachim, der jüngste Sohn des Kaiser­paares, vollendet am 17. d. M. sein zehntes Lebens­jahr. Aus diesem Anlaß wird er an jenem Tage als Offizier in die Armee eingestellt, und zwar nach alter Hohenzollernsitte in das 1. Garderegiment zu Fuß zu Potsdam. Den feierlichen Akt vollzieht der Kaiser per­sönlich, wenn er nach der Hofjagd bei Springe nach nach Potsdam zurückgekehrt sein wird.

Ein überraschendes Bild von dem Kulturzustande der Länder im Norden Deutsch-Ostafrika wird in der Deutsch Ostafrikavischen Zeitung" gegeben. Die Bevöl­kerungsziffer in jenen Gegenden ist eine verhältnißmäßig hohe. In Deutsch-Mpoi oro, dem nördlichen Grenzgebiet, leben allein über 350 000 Menschen, während in den Sultanaten am Westufer des Sees bis zum Kagerafluß die Bevölkerung über 180000 Seelen aufweist. In der Landschaft Ruanda (einschließl'ch Urundi), jenem Gebiet westlich des Kageraflusses leben etwa 2'/a Millionen Menschen. Gerade Ruanda, dessen Höhenlage etwa 1800 bis 2000 Meter beträgt, hat ein vorzügliches Klima; Fieber kennt man dort überhaupt nicht. In Deutsch-Mpororo, welches etwa 1600 Meter hoch liegt, ist das Klima ebenfalls ein durchaus gutes. Alle diese Länder stehen vor allen in landwirthschaftlichkultureller Beziehung aus einer hohen Stufe, da die Wasserverhält- Nisse sehr günstige sind und die Bevölkerung fleißig und intelligent ist . . . Man sollte danach nicht erwarten, daß der Bau der ostafrikanischen Bahn noch länger auf Widerstand stoßen kann!

Der Briefwechsel beim ostasiatischcn Expeditions­korps. Von einem früheren Königsgrenadier traf dieser Tage, wie derBerl. Volksztg." mitgetheilt wird, in Liegnitz eine Postkarte aus Tientsin ein, die u. A. fol­gende Mittheilung aufweist:Mit Bedauern muß ich Ihnen mittheilen, daß es uns verboten ist, Nachrichten an die Presse gelangen zu lassen." Ein anderer unserer Ostasiaten schreibt:Briefe werden seit acht Tagen, (seine Karte ist am 24. Oktober aufgegeben worden) nicht mehr befördert. Wir dürfen nur noch Postkarten schreiben, damit das Kommando Gelegenheit hat zum Nachsehen, ob einer flunkert und nach Hause schreibt, was gar nicht wahr ist."

* Wieder ein neues Jnfanteriegcwehr soll nach demVorw." von einem Norweger konstruirt sein. Das neue Gewehr soll nach seiner Konstruktion wie auch nach der Durchschlagskraft seiner Geschosse alle anderen Systeme übertrumpfen. Mit dem neuen Instrument wurden im Lehrinfanteriebataillon eingehende Versuche angestellt, die ein dermaßenglänzendes Resultat" ergaben, daß wie von durchaus vertrauenswürdiger Seite versichert wird der Kaiser befohlen habe, eine der Divisionen des hannoverschen (10.) Armeekorps probeweise damit auSzurüsten. Die Erfindung ging vor Kurzem in den Besitz eines Konsortiums internationaler Kapitalisten über, unter denen sich u. A. auch die Rothschilds be­finden. Einer der Haupttheilnehmer ist ferner der Geheim- rath Ehrhardt in Düsseldorf, in dessen Fabriken die Waffen hergestellt werden sollen.

Weitere deutsche Kriegsmaterial-Lieferung an Eng­land berichtet dieFranks. Zg.": Die rheinische Metall- Waaren-Maschinen-Fabrik Düsseldorf und die Fahrzeug­fabrik Eisenach haben am 5. Dezember mit der Chartercd' Company (Cevil Rhodes und Genossen) für die englische Kriegsverwaltung einen weiteren Kontrakt auf Lieferung von 12 Batterien der neuen Schncllfeucrgeschützc, System Ehrhardt, sowie der hierzu nothwendigen Munitions- lvagen und 30 000 Geschosse abgeschlossen. Die Liefernng soll noch mehr beschleunigt werden, als die erste; sie muß bis Ende Februar ausgeführt sein. Herr Krupp ist zum Beginn des Jahres bekanntlich ersucht worden, die Lieferung von Munition und Geschützen für England

ins Krankenhaus gebracht, wo er mehrere Stunden darauf seinen Geist aufgab.

Ausland.

London, 11. Dezember. Die Nelson-Reliquien in Greenwich sind gestohlen worden. Der Diebstahl an den Reliquen, die materiell kaum mehr werth waren als 400 Mark, charakterisirt sich als ein politisches Verbrechen. In dem Schaukasten, wo Nelsons Säbel aufbewahrt wurde, fand sich, nach einer Meldung derDaily Mail", ein Zettel mit folgender Inschrift:Trafalgar ist gerächt, Nach sechs Monaten nehmen wir die französische Flagge mit, die ihr beleidigt habt." Es damit die Flagge des französischen AdmiralschiffesBucentaure" gemeint.

London, 12. Dez. Die Forderung Lord Roberts, von den in Südafrika unter Waffen stehenden Truppen 20 000 Mann zurückzuberufen und dafür ebenso viele frische Mannschaften hinzusenden, ist von Lord Kitchener zurückgezogen worden. Er sagt, eine solche theilweise Rückberufung würde die Moral der gesammten Armee schädigen, und die Neuankommenden würden, da sie noch nicht an das Klima gewöhnt seien, für den Guerilla­krieg noch weniger taugen. Dagegen verlangt Kitchener 50o0 Mann Reiterei und außerdem noch 40 000 Pferde. Außerdem denkt er aus den Randflüchtlingen und aus den c- Kfch gesinnten Kolonisten noch etwa 20000 Mann unter Waffen zu stellen.

Transvaal. Reuter meldet aus Johannesburg vom 8. Dezember: Die Aushebung für die Truppe der sogen. Rand Rifles schreitet fort. Jeder kriegstüchtige Unter« than wird zum Kriegsdienste herangezogen und ist zum Dienste innerhalb und außerhalb Transvaals verpflichtet Die Einzäunnung Johannesburgs mit Stacheldraht ist nahezu vollendet. Es werden nur fünf Ausgänge bleiben und es wird Niemandem möglich sein, dem Feinde Nahrungsmittel zu liefern. Die Entfernung der Be­völkerung aus dem umliegenden Gelände schreitet fort. Hunderte von Frauen und Kinder treffen hier ein und werden in der Rennbahn untergebracht. Ein deutscher Journalist.in Rom hatte eine interessante Unterredung mit dem Oberst Ricchiardi, dem bekannten Führer in der Fremdenlegion in Transvaal. Oberst Ricchiardi ist des höchsten Lobes für die Deutschen, die beständig Wunder der Tapferkeit verrichteten. So hielten bei Helpmakar im April 80 Deutsche drei Tage lang 4000 Engländern Stand und mußten nur aus Mangel an Kanonen weichen. Oberst Ricchiardi war Zeuge des Todes des Leutnants o. Brüscwitz, der sich tadellos geführt uud einen stillen, melanchonischen Charakter gezeigt hatte. Brüsewitz erhielt einen Schuß über die Nase und war sofort todt. Als die ersten der ausländischen Soldaten bezeichnet Oberst Ricchiardi, der italienischer Kavallerieoffizier war, dem B. T." zufolge, die Russen. Sie haben, sagt er, alle für einen Soldaten nöthigen Eigenschaften und eine Kaltblütigkeit, wie sie kein Soldat irgend einer anderen Nation zeigte. Was die Engländer betrifft, so seien die Mittheilungen über ihre Exzesse theilweise übertrieben. Sie rauben und brennen, aber nie hörte Ricchiardi auch nur von einem einzigen Gewaltakte gegen Frauen. Lord Roberts hielt eine stramme Disziplin und ließ eine Reihe von Soldaten, die geraubt hatten, erschießen. Den Ver­lust der Engländer an Todten (durch Krankheit und Kämpfe) veranschlagt Ricchiardi auf 70 000 (?), den der Buren auf 3000. Die Buren haben heute noch .0000 Mann unter Waffen und Munition für ein Jahr. Ihre einzige Hoffnung ist ein Aufruhr in der Kapkolonie, wo 90 UUO Mann in Aktion treten könnten. Die Stim­mung der Kapburen sei auch thatsächlich sehr erregt.

Vom Amur. Furchtbare Grausamkeiten der Russen ,ei der Einnahme von Blagowestschensk schildert der be­kannte Journalist Pytyat in derWestminster Gazette" nach seiner Rückkehr aus der Mandschurei. Pytyat childert, wie nach den Beginn der Unruhen sämmtliche chinesische Einwohner der Stadt, an die 6000, auf-e«

zu unterlassen. Gegenwärtig scheint kein Einspruch mehr erhoben werden zu sollen.

Der Berliner Sensations Prozeß Sternberg wird nun doch allgemach seinem Ende entgegengehen, denn die Aussagen der einstigen jetzt aus Amerika herüberge- kommenen BerlinerMasseuse" Fischer sind geeignet, dem Angeklagten, wie man sich ausdrückt,das Genick zu brechen". So viel auch die Fischer, um sich nicht selbst zu belasten, verschwiegen hat, sie hat doch über Sternberg's Vergebungen reichlich genug gesagt, um sich ein sicheres Urtheil zu bilden. An einer schweren Verurtheilung ist darnach kaum zu zweifeln. Der Prozeß wird freilich noch eine ganze Reihe von anderen Anklagen im Gefolge haben, zuerst, wie bekannt, gegen den Ber­liner Kriminalkommissär Thiel, der eingeräumt hat, daß er sich von dem Angeklagten habe bestechen lassen; dann verschiedene Meineidsklagen gegen Zeugen, die sich total verrannt haben; ferner das Disziplinar,Verfahren gegen den Berliner Kriminal-Direktor von Meerscheidt-Hülleffem, der sich von Sternberg finanziell hat unterstützen lassen; endlich das Disziplinar-Verfahren gegen den Vertheidiger Justizrath Sello, der in den Verhandlungen stets gethan hat, als wüßte er nicht das Mindeste davon, daß Thiel von Sternberg bestochen sei, während Thiel dies Sello schon vor Monaten eingestanden hat.

Essen. Krupp hat in Konstantinopel einen neuen Erfolg erzielt. Der Sultan hat befohlen, bei Krup in Essen sechszehn Batterien zu sechs Geschützen der neuen Schnellfeuergeschütze zu bestellen, und zwar, wie die Frki. Ztg." berichtet, nach dem Modell, das Kaiser Wilhelm dem Sultan zum Geschenk hat. Der Preis des Geschützes beträgt ungefähr 1000 türkische Pfund.

Krefeld, 12. Dezember. Soweit das Ergebniß der Volkszählung bis jetzt festgestellt ist, beträgt die Kopfzahl der ortsanwesenden Bevölkerung gegenwärtig 106 887 Personen gegen 107 266 Personen am 3. Dezember 1895. Es ist mithin eine Abnahme der Bevölkerung um 379 Personen festzustellen. Krefeld dürfte wohl die einzige Großstadt im deutschen Reiche sein, die in den letzten 5 Jahren eine Verminderung der Einwohnerzahl zu ver­zeichnen hat. Es ist dies eine Folge der mißlichen Lage der Seiden- und Sammtindustrie.

Coblenz. Der Bergrutsch an der rheinischen Eisen­bahn bei Vallendar in der Nähe von Coblenz ist gefähr­licher, als man ursprünglich annahm. In Folge des andauernden Regenwetters rutschten immer neue Gestein- massen nach. Bis jetzt konnte nur das eine Geleis frei- gelegt werden und zwar unter Zuhilfenahme zweier Infanterie-Regimenter und italienischer Erdarbeiter. Nach den neuesten telegraphischen Meldungen ist seit Dienstag Abend das freigelegte Gleis Köln-Frankfurt wieder verschüttet und der ganze Eisenbahnverkehr stockt wieder.

Mainz, 5. Dez. Die Wackenheimer Todtschlags- Affäre stand heute vor dem Schwurgericht zur Verhand­lung. Angeklagt war der Landwirth Jakob Friedrich Weiland und der Landwirth Karl Krieger, beide aus Wackenheim. Weiland hatte den Sergeanten Helsrich von den 13er Husaren im August gelegentlich der Ein- quartirung mit einer Heugabel erstochen, Krieger ihm Beihülfe geleistet. Weiland wurde zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust, Krieger zu neun Monaten Gefängniß verurtheilt. Außerdem hat der Baker des Helfrich gegen Weiland, der vermögend ist, 6000 Mark Entschädigung eingeklagt.

Heil'gcnstadt, 11. Dezember. Heute Nachmittag 4y Uhr erschütterte ein donnerähnlicher Knall die Luft. Die' Detonation war in der ganzen Stadt vernehmbar. Vom Hofe der Stönder'schen Dampfbierbrauerei sah man Rauch und Feuer aufsteigen. Ein großes, 60 Hektoliter fassendes Bierfaß war beim Ausziehen bezw. Ausbrennen explodirt Der Arbeiter Günther wurde von mehreren Holztheilen getroffen. Ein Holzstück zertrümmerte ihn den Schädel. Besinnungslos wurde der Verunglückte