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Erschein Mittwoch und Samstag. — Preis mit ,.Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Z«r Kohl^nnoth.
In diesem Sommer hatten wir einen kleinen Vorgeschmack davon, wohin die künstliche Vertheuerung aller Gebrauchsartikel führen kann. Fleisch war theuer, Brod nicht billig, die Wohnungen stiegen im Preise und viele ändere Artikel schlugen auf. Ein Keil trieb den anderen und da Soda und Fette stiegen, wurde natürlich auch die Seife theurer. Allenthalben bildeten sich Syndikate und Kartelle von Fabrikannten der gleichen Branche zu dem ausgesprochenen Zweck, die Preise der von ihnen fabrizirten Artikel möglichst kräftig in die Höhe zu setzen. Dabei kann man ganz ruhig zugestehen, daß die Fabrikanten der einen Branche manchmal gar nicht anders konnten, weil z, B. die Fabrikanten oder Lieferanten ihrer Rohmaterialien schon vorher ein Kartell geschlossen und die Produkte, die siezur Fabrikation brauchten, bereits vertheuert hatten. Von ganz besonderen Einfluß auf diese Verhältnisse war die Steigerung der Kohlenpreise. Kohle und Eisen sind eigentlich die Grundlagen für jede industrielle Thätigkeit — ohne sie ist uns eine Produktion kaum noch denkbar. Am wichtigsten von beiden aber ist die Kohle. Ohne Kohle giebt es überhaupt keine Fabrikation und ob sie billig oder theuer ist, das bestimmt vielfach die Preise für die fertigen Fabrikate und es bestimmt somit die Frage der Konkurrenzfähigkeit. Denn schließlich helfen uns die besten Handelsverträge nicht, wenn unsere Industriellen so theuer fabriciren, daß sie von ihren ausländischen Mitbewerbern überall geschlagen werden können. Hierzu kommt dann noch der Verbrauch in der Familie, der sogenannte „Hausbrand", der das Budget kleiner Haushaltungen um so schwerer belastet, je köpferreicher die Familie ist. Demnach sind die Kohlenpreise ein sehr wichtiger Gradmesser für die wirth- schaftlichen Verhältnisse und es hängt sehr viel davon ab, welche Höhe sie besitzen.
Nun ist gerade die Kohlenindullrie am weitesten kar- tellirt. Ein großer Theil der Kohlengruben ist in den Händen des Fiskus Das rheinisch westfälische Kohlen- syndikat hat einen großen Theil der gesummten Produktion in den Händen, es „kontrollirt" ihn, d. h. es regelt den Ve'kauf von einer Centralstelle aus. Aehnlich verhält es sich mit Schlesien, wo die Kohlen entweder dnrch den Fiskus oder durch zwei Kohlengroßhandlungen (Cäsar Wollheim und Friedländeri verkauft werden. Von einem „freien Markt" für Kohlen läßt sich demnach in Deutschland nicht mehr reden. Es bestehen einige Monopole mit allen Folgen der Monopolwirthschaft, ohne daß aber die Allgemeinheit daraus Nutzen zieht. Der Zweck dieser Privatmonopole sollte nun sein, den Kohlenabsatz zu regeln, sie haben aber im Sommer dieser Aufgabe sehr schlecht gedient. Es ist bekannt, daß das Syndikat Anfangs nur Theilmengen zuschlug, wodurch eine sehr starke Beunruhigung des Kohlenmarktes entstand, die in dem sprungweisen Aufschwellen der Preise zu erkennen war. Als das Syndikat als dann den Rest zu- theilte, war es zu spät. Die Kohlen wanderten durch drei, vier Hände und in jeder Hand mußte ein Stück Geld zurückbleiben. Oft bekamen die Verbraucher ent weder keine Kohlen oder falsche, sodaß sehr häufig wahre "Angstpreise" bezahlt wurden. Während die Ausfuhr flott von Stätten ging, fehlte es im Inland monate- iang an verfügbaren Mengen.
Inzwischen haben sich die Verhältnisse gemildert, aber wer bürgt uns dafür, daß nicht demnächst ähnliche Zustände wiederkehren? Etwa die Privatmonopole? Es fleht heute schon wieder fest, das vom Kohlensyndikat nach der Whweiz und nach Holland Kohlen billiger abgegeben kerben, als an inländische Verbraucher, sodaß Man an der Grenze bereits wieder beginnt, deutsche Kohlen aus der Schweiz zurückzukaufen, weil sie der deutsche Verbraucher von dort billiger bezieht, als vom Syndikat. Dieses letztere betreibt die Politik, Kohlen '"S Ausland abzuschieben, um im Inland den Preis zu halten, ja es will sogar der Exportindustrie Prämien gewähren, die bann natürlich wieder auf die deutschen Preise draufgeschlagen würden.
Unter diesen Umständen war es ganz am Platze, daß der deutsche RrichStaz sich mit dieser Frage beschäftigte, leider aber versprechen seine Verhandlungen keinerlei praktisches Resultat. Mit schönen Reden ist da nichts gethan
Deutsche- Reich.
Berlin. Se. Majestät der Kaiser erledigte vorgestern und gestern Regterungsangelegenheiten und fuhr Mitt
woch Mittag von Station Wildpark nach Königswuster- Hausen, woselbst derselbe die dort in Errichtung befindliche und beinahe fertig gestellte Blindenanstalt besichtigte, deren Einweihung im April nächsten Jahres erfolgen soll.
— Ein neuer preußischer Orden! Zur 200 Jahrfeier des Königreichs Preußens steht, wir das Ber'mrr „Kl. Journal" erfährt, außer einem Pairsschub, der übrigens bereits dementirt wird, und einer Amnestie die Stiftung eines neuen Ordens bevor. Die Zeichnung und Pläne werden von Prof. Döpler angefertigt. Der neue Orden soll zwischen dem Schwarzen und dem Rothen Adlerorden rangiren, und zwar wird die Begründung des neuen Ehrenzeichens darauf zurückgeführt, daß dem Schwarzen Adlerorden, welcher in den letzten Jahren sehr häufig verliehen wurde, die frühere Exklusivität (Aus chließlichkeit) wieder zu Theil werden soll.
— Der Kriegsminister Herr von Goßler erlärte dieser Tage in der Budgetkommission des Reichstags, daß die Verluste der deutschen Truppen in China bis jetzt an Krankheiten 3 Offiziere und 62 Mann betragen. Diese Zahl sei verhältnißmäßig gering, zumal Chrna ein gänzlich verseuchtes Land sei. In Peking herrsche der Typhus, in Tientsin die Ruhr. Auf dem Seetransport sind nur sechs Mann gestorben in Folge Hitzschlag oder Unfall.
Bremen. Auf der Werft der Actiengesellschaft Vulcan in Bredow bei Stettin schreitet der Bau zweier neuer Schnelldampfer für den Norddeutschen Lloyd in Bremen rüstig vorwärts, von denen besonders der eine dazu bestimmt ist, unter den Oceandampfern der Gegenwart die Führung zu übernehmen. Das Schiff soll den Namen „Kaiser Wilhelm H." erhalten, während der jetzt als „Kaiser Wilhelm II." in Fahrt befindliche Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd einen anderen Namen erhalten wird. Der neue Dampfer besitzt die ungeheuren Dimensionen von 707 Fuß Länge und 72 Fuß Breite und verfügt über Maschinen von 38 000 Pferdekräftcn, vertheilt auf 2 Zwillingsmaschinen, welche dem Schiff eine Geschwindigkeit von 24 Seemeilen in der Stunde geben werden. Wenn man bedenkt, daß vor noch nicht einmal 10 Jahren die Schnelldampfer „Spree" und „Havel" des Norddeutschen Lloyd, ebenfalls beim Vulcan erbaut, die größten Zwillingsmaschinen der Welt besaßen, nämlich jeder Maschinen von 12Ö00 Pferdekräften, so springt der ungeheure Werth des deutschen Schiffbaues, der jetzt in einem Dampfer Maschinen von 38 000 Pferde- kräflen vereinigt, in die Augen. Interessant dürfte außerdem die Angabe sein, daß in den Jahren 1894 bis 1900, also in 6 Jahren, der Norddeutsche Lloyd in Bremen jährlich durchschnittlich 20 Millionen, im Ganzen 120 Millionen Mark an deutsche Werften für Schiffs- Neubauten bezw. Umbauten gezahlt hat.
Lauban, 3. Dez. Seit Jahren hat in Schlesien kein Ereigniß auf wirthschaftlichem Gebiet einen ähnlichen zerrüttenden Eindruck auf zahlreiche bisher durchaus auf solide Grundlagen gestellte Existenzen ausgeübt, als der Millionenkonkurs Hill hierselbst, der neuerdings seine Wirkungen bis nach Berlin (Konkurs der Glaswaaren firma Hamm, Engelufer) hat spüren lassen. Eine jüngst stattgefundene Gläubigerversammlung nahm einen völlig negativen Verlauf, und die Konkursverwalter mußten gestehen, daß sie sich dem Wirrsal der Hillschen Geschäfts- unternehmungen gegenüber ohnmächtig befinden. Weder Hill selbst, noch irgend einer seiner Angestellten konnten irgend welchen Aufschluß über die augenblickliche Ver- mögenSlage geben. Jedenfalls verspricht man sich von einem nennenswerthen Erlös aus den zahlreichen Hillschen Unternehmungen zur Steigerung der Konkursmasse so gut wie nichts. Dagegen hat sich gezeigt, daß Hill nachdem er bei seinen systematischen Güterspckulationen nicht mehr mit Baarmitteln arbeiten konnte, um so ärger die Wechselreiterei betrieb; bis jetzt sind 840 000 Mark Reitwechsel präsentirt worden. Unsagbar ist das Elend, das namentlich auch über zahlreiche Handwerker und Professionisten hereingebrochen ist, und es steht leider zu befürchten, daß den bisherigen zahlreichen Konkursen noch weitere Geschüftsstürze, speziell hier in Lauban folgen werden. Noch vor drei Jahren war es Hill vermöge des guten Klangs seines Namens möglich, Gast an der Tafel des Kaisers gelegentlich dessen Anwesenheit in Gör- litz zu sein, obgleich der damalige Spediteur, Bankier, Güterspekulaut und Stadtverordnetenvorsteher — wie sich jetzt herausgestellt hat — schon feit zehn Jahren so gut wie vermögenslos gewesen ist. Jedenfalls wird es langer
Jahre bedürfen, ehe Laubans Wirthschafts- und Geschäftsleben diesen Schlag überwunden haben wird.
Metz. Hier ist ein Gerücht in Umlauf, wonach angeblich Krupp in Essen mit Stumm in Neunkirchen in Unterhandlung steht, um das Stummsche Werk zu taufen.
Osfeubach, 3. Dez. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde beschlossen, Kohlen zum Ge- sammtbetrage von Mk 13,600 anzukaufen und in Posten bis höchstens fünfzehn Centnern an Unbemittelte zum Selbstkostenpreise abzugeben.
Ausland.
Peking. Graf Waldersee meldet aus Peking votn 2. d. Mts.: Nach dem Hissen der deutschen Flagge aus den Minggräbern und der Bestrafung mehrerer nahe gelegenen Dörfer wegen Ermordung von Christen, kehrte das Detachement Gayl, bisher $ort, in einzelnen Kolonnen über Dangfang. Shakakhoeng. Tangfhan und Niulanschan, sämmtlich etwa einen Tagemarsch nördlich von Peking, nach Peking zurück. Der Zug nach Kal- gan hatte einen weitgehenden Erfolg und hat mehrere tausend Mann regulärer Truppen unter zwei Generalen in wilder Flucht aus der Provinz Tschili nach Schansi getrieben. Aorks Leiche ist in Peking eingetroffen; die vorläufige Beisetzung wird Mittwoch erfolgen. — Auf Grund kategorischen Befehls des Kaisers von Rußland werden die Russen die Bahn von Schanhaikwan nach Peking den Deutschen übergeben. Die Urkunden, die die Uebergabe betreffen, wurden bereits unterzeichnet. — Neuerdings wird durch öffentliche Anschläge auf den drohenden Neu-Ausbruch des Fremdenhasses aufmerksam gemacht. Es heißt, in ganz China sei die Bildung von Freiwilligenkorps im Gange, die die chinesische Regierung mit Waffen uud Munition versehe, die sich aber im Uebkigen selbst unterhielten. — Im Arsenal von Shang- hai werden große Mengen von Waffen, Munition und Wasserminen auf Segelschiffen nach den Kiangjlnforts und Nanking verfrachtet. Das chinesische Zollamt ignoriert das Verbot der Einfuhr. — Nach einer bisher glücklicherweise unbestätigt gebliebenen Londoner Meldung sollen die Deutschen westlich von Poatingfu 20 Todte und viele Verwundete verloren haben; sie wurden dort von 2500 Boxern angegriffen. Englische Blätter hatten auch von einem Verlust der deutschen Kalgan Expedition gemeldet und trotzdem ist diese bis auf den letzten Mann wohlbehalten in Peking eingetroffen.
Transvaal. Eine Brandmarkung englischer Staatsmänner und Mitglieder des englischen Königshauses bereitet die Burenregiernng vor, wenn Krügers gegenwärtige Rundreise, wie selbstverständlich, erfolglos ist. Sie will aus ihren Staatsarchiven die Geheimdokumente über den Geldschacher veröffentlichen, durch welchen nicht blos Cevil Rhodes, Dr. Jameson und Chamberlain, sondern auch der Herzog von Fife, Schwiegersohn der Königin von England, der Prinz von Wales, und andere Glieder der königlichen Familie bloßgestellt werden. Die gefälchten Dokumente des Gouvernenrs Milner von der Kapkolonie, womit dieser im Auftrage Chamberlains zum Kriege trieb, werden den Anfang machen. Krüger und alle Burenführer werden lieber mit den Waffen in der Hand den Tod suchen, als sich den Briten unterwerfen. — Die gedrückte Stimmung der Engländer in der Kapkolonie erhellt aus folgender Veröffentlichung: Da die antibritische Bewegung energisch fortgesetzt wird, hoffen alle loyalen Bürger, daß wirksame Maßregeln ergriffen werden, um den Schrecken eines Bürgerkrieges in der Kapkolonie vorzubeugen. — Feldmarschall Roberts hat einen Abschiedsbefehl an seine Truppen erlassen, in dem er diesen für ihre trefflichen Leistungen dankt unn ihrem Muth, ihrer Ausdauer und Menschlichkeit (?) das beste Zeugniß ausstellt. Die von den Soldaten geleisteten Dienste stehen nach Roberts Ansicht einzig in der Geschichte da, denn sie hätten fast ein ganzes Jahr lang ohne Unterbrechung Krieg geführt und hätten nicht, wie in anderen großen Feldzügen geschehe, Winterquartiere aufgesucht. — Nach den Berichten über die englischen Verluste in Südafrika hatten die Engländer bisher 49 728 Tode, Verwundete und Gefangene. In dieser Aufstellung sind die Kranken in den Hospitälern noch nicht Inbegriffen.
Newyork, 28. November. Ein zwischen Cleveland und Pittsburg verkehrender Schnellzug fuhr in Folge des Umstandes, daß das Bahnbett unterwaschen war, in