SchlWerner Leitung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Mittwoch, den 5. December 1900.
51. Jahrgang.
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Deutsches Reich.
Berlin- Se. Majestät der Kaiser und Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz sind am Sonnabend Abend kurz vor elf Uhr im Wildpark eingetroffen.
— Krüger geht nicht nach Berlin. Nachdem Präsident Krüger durch den aus Luxemburg in Köln eingetroffenen Kaiserlichen Gesandten von Tschirschky und Bögendorff davon in Kenntniß gesetzt worden ist, daß Se. Majestät der Kaiser zu seinem Bedauern nach seinen bereits getroffenen Dispositionen jetzt nicht in der Lage sei, ihn zu empfangen, hat er beschlossen, von dem Besuch in Berlin Abstand zu nehmen und sich zunächst nach Holland zu begeben.
— Der Plan des Kaisers, am 18. Januar 1901 die Feier des 200jährigen Bestehens der preußischen Königskrone in Königsberg festlich zu begehen und insbesondere dazu auch den preußischen Lagdtag einzuladen, ist, wie die „Köln. Volksztg." zuverlässig erfährt, jetzt fallen gelassen worden. — Schon vor einiger Zeit wurde berichtet, daß der Plan wegen der Rolle, welche die Vertreter der übrigen deutschen Bundesstaaten bei einem solchen preußischen Jubiläum neben dem deutschen Kaiser spielen würden, aufgegeben ist.
— Aus Anlaß des zweihundertjährigen Jubiläums der preußischen Monarchie werden, wie eine Korrespondenz meldet, für vier Millionen Zweimarkstücke und für eine halbe Million Fünfmarkstücke in besonders schöner Ausstattung und mit bezüglicher Aufschrift als Denkmünzen geprägt und im Januar nächsten Jahres durch die preußisen Staatskassen zur Ausgabe gelangen.
— Eine kaiserliche Anerkennung ist dem schneidigen Verhalten der 1. Feldhaubitz-Batterie in Ostasien zu Theil geworden. Wie die „Kreuzztg." hört, hat der Kaiser an den Generalinspekeur der Fußartillerie, Edler v. d. Planitz, folgendes Telegramm gerichtet: Ich habe auf Vorschlag des Generalleutnants v. Lessel dem Hauptmann Kremkow von der schweren Feldhaubitz Abtheilung den Orteu pour le merite verliehen. Ich freue mich, daß sich die Fußartillerie hat so hervorragend bewähren können, daß ich einem ihrer Offiziere vor dem Feinde diese schönste Auszeichnung eines Soldaten verleihen kennte. Möge dies ein weiterer Ansporn zu frischer Thätigkeit für diese Waffe sein.
— Die vierte Verlustliste der deutschen Truppen liegt dem „Reichsanz." bei. Diese Liste reicht aber erst bis zum 29. Oktober. Danach wurden im Gefecht bei Tsekingkwan am 29. Oktober der Major v. Förster leicht verwundet, die Musketiere Rübesam-Mtttelpcilau und Hinz-Gapowo und der Pionier Werdermann-Bredereiche getödtet. Außerdem starben an „Krankheiten" Hauptmann Haenel v. Cronenthal, Unteroffizier MischkeBerlin und 21 Soldaten: Stumpf-Erlangen, Weißert-Asperg, Hoffmann-Ostramonda, Gaffe-Zabern, Baumgard-Rhina, Christ-Freiendiez, Weigclt-Niedcrwürschnitz, Moeser-Spcck, Kramp-Niederzerf, Nußkern-Untermusbach, Daniel-Sed- schütz, Soechting-Wernigerode, Schneck-Heuberg, Knieriem, Dankerode, Lahmann-Otze, Fettke-Fürstenwalde a. d. Spree, Michaelis-Bärwalde, Werhle-Bischweiler, Puschmann- Liegnitz, Scholtyssek-Langendorf, Frese-Helsen. Außerdem ist der Kanonier Hoffmann-Wohlau verwundet.
Köslin, 23. November. Ein seltsames Testament hat der hier verstorbene Kreiswundarzt Kaufmann hinterlassen. Er hat sein Vermögen der Stadt vermacht, da- bei aber folgende letztwillige Bedingung gestellt: Das zur Verwaltung der Hinterlassenschaft einzusetzende Kuratorium soll sich alljährlich am Sterbetage des Testators versammeln und eine Predigt des ersten Geistlichen der Stadt hören. Darauf soll ein Festmahl, wenig gesalzen, folgen und die Bedienung der Theilnehmer von — einem Todtengräber urd einer Hebamme ausgeführt werden.
Aus Meiningen schreibt man: Dem Vater des regierenden Herzogs Georg von Meiningen, dem verstorbenen Herzog Bernhard, will man aus Anlaß seines bevorstehenden 100jährigen Geburtstages hier ein Denkmal errichten. Es wird jetzt daran erinnert, daß dieser Fürst von Denkmälern nichts wissen wollte. Am 6. Februar 1861, dem 100jährigen Geburtstag seines Vaters bestimmte er, daß zu dessen Gedächtniß ein Siechenhaus zur Aufnahme alter, kranker, gebrechlicher Leute des Herzogthums hergestellt werde. „Ich glaube dadurch," so schrieb er damals an das Ministerium, „mehr in seinem Sinne zu handeln als etwa durch Errichtung eines Standbildes, Zu einer Stiftung für den oben ge
Ausland.
Aniches (Dep. du Nord), 29. November. Die Dynamitexplosion im Fenelonschachte erfolgte Morgens 5'|4 Uhr in einer Tiefe von 500 Meter an einem Orte, wo 150 bis 200 Kilogramm Dynamit lagerten. Man glaubt, daß ein Austheiler, der eine Putrvue fallen ließ, welche sich zwischen Thür und Thürpfosten klemmte, als die Thüre geschloffen werden sollte, das Unglück verschuldete. Um 5 ’/a Uhr wurden schon 16 Todte ans Tageslicht befördert, wovon 14 rekognoscirt wurden, und ferner 8 schwer und ungefähr 40 leichter Verletzte heraufbefördert. Die Leichen waren furchtbar verstümmelt. Es ist noch unbekannt, wie viel noch unter den Trümmern sich befinden.
Die in Liverpol, Birmingham und einigen Nachbarorten vor mehreren Tagen ausgetretenen Maffenver- giftungcn nehmen immer größeren Umfang an. In 11 Hospitälern befinden sich seit dem 23. v. Mts. 659 Kranke, von denen seit drei Tagen 60 gestorben sind, und über hundert Fälle stehen in Privatbehandlung Nach bei den plötzlich Erkrankten ausgetretenen Symptomen schloffen die Aerzte anfangs auf eine Vergiftung durch Bier bezw. durch von einzelnen Brauern bei Herstellung des Bieres benutzten Zuckerstoff. Nun behaupten die Aerzte des Hosspitals von Ehester, daß die Massenerkrankungen aus eine Epidemie von Beri-Beri hindeuten und Dr. Roß von Liverpool, der diese Krank heit in Indien studiert hat, sagt, daß die Symptome dieselben seien.
London, 30. Nov. Die heutigen Morgenblätter veröffentlichen weitere Einzelheiten über den Sieg der Buren bei Dewetsdorp und berichten, daß sich unter den gefallenen englischen Offizieren der Hauptmann Ruson befindet, ein Enkel des Herzogs von Cumberland. „Daily Telegraph" fordert energische Maßregeln zur endgiltigen Unterwerfung der Buren. „Daily Mail" erklärt, diesea Sieg hätte sich nicht in einem schlechteren Augenblicke zutragen können. „Morning Leader" weist darauf hin, wie lächerlich es sei, den Krieg amtlich als beendet zu erklären, wo noch solche Siege von den Feinden erfochten werden. — Ein Vertreter der „Daily Mail" hatte eine interessante Unterredung mit dem Präsidenten Krüger- Der Interviewer bemerkte, eine französische Intervention würde in England als ein unfreundlicher Akt angesehen werden, worauf Krüger erklärte, England sei durch die Haager Konvention zur Annahme einer Intervention verpflichtet. Der Umstand, daß Transvaal und der Oranjesreistaat nach dem Haag nicht eingeladen waren, ändere daran nichts; auf den Einwurf des Interviewers, England würde eher die ganze Welt bekämpfen. als die Republiken wieder herausgeben, erwiderte der Präsident: „Mag es dann die ganze Welt bekämpfen; das würde uns gut passen. Wenn wir mit unseren 30,000 einfachen Leuten England im Schach halten können, was wird aus England werden im Kampfe mit einer starken
nannten Zweck stelle ich die Summe von 10000 Gulden zur Verfüguug. Ich bin überzeugt, daß Viele im Lande wünschen werden, durch Betheiligung an einer solchen Stiftung das Andenken meines theuren Vaters, des hochseligen Herzogs Georg, zu ehren." So entstand das Herzog Georg-Stift in Meiningen.
Meiningen, 28. Novbr. Vor mehreren Jahren wurde bei Grimmenthal durch die Eisenbahn ein Mädchen überfahren und man nahm an, daß dasselbe freiwillig den Tod gesucht habe. Wie es jetzt heißt, soll vor kurzem der Vater jenes Mädchens kurz vor seinem Tode das Geständniß abgelegt haben, daß er selbst das Mädchen getödtet und dann erst auf die Schienen gelegt habe. Die Behörden sind gegenwärtig mit der Sache beschäftigt und bringt die Untersuchung vielleicht noch Näheres zu Tage.
Darmstadt, 30. Nov. Die Stadtverordneten bewilligten in ihrer gestrigen Sitzung der Bürgermeisterei einen Kredit von 2,700,000 M. für einen Gaswerk-Neubau. Weiter wurde in Anbetracht der Kohlentheuernng auf Vorschlag der Bürgermeisterei einstimmig beschlossen, an Minderbemittelte, d. h. an Einwohner, die ein Einkommen von nicht über 1500 Mk. versteuern, aus den städtischen Kohlenvorräthen Quanten bis zu 2 Centner wöchentlich für jede Haushaltung zum Selbstkostenpreise abzugeben. Dieser wird vorerst 1 Mk. 40 Pfg. betragen. Bei weiterem Ankauf wird sich voraussichtlich der Preis niedriger stellen.
Macht? England hat eine gerechte Strafe verdient, und wenn es einen Gott giebt, wird es bestraft werden. Sehen Sie die Massen draußen im Regen stehen? Sie sagen, es sei Neugierde, aber tiefere Strömungen liegen dieser zu Grunde, in Frankreich und auf dem ganzen Kontinent. Sie rechtfertigen meine Handlungen und den gerechten Krieg meines Volkes gegen einen gottlosen Feind, der unsere Frauen und Kinder obdachlos aufs Feld jagt. Chamberlain mußte verstohlen nach England zurückschleichen; welches Volk habe ich dagegen zu fürchten? Keines außer dem Erbfeind meines Volkes." Krüger erklärte noch, _bie Afrikaner werden keinerlei Suzeränität oder Konkrete dulden. Seine erste Pflicht sei, der Königin Wilhelmina zu danken. Ueber spätere Reisepläne schwieg er.
China. Oberst Gras 9)or! von Wartenburg, der Führer einer vom Grasen Waldersee nach der großen Mauer entsandten deutschen Expedition ist am Dienstag Vormittag an den Folgen einer Rauchvergiftung in Hwai- lai gestorben. Ueber die Todesursache berichtet ein in Peking in größter Eile am Donnerstag eingetroffener Bote Folgendes: Als die Kolonne während einer Nacht in einer Stadt lag, zog sich Oberst Dork, welcher in einem nach chinesischer Art durch einen Ofen ohne Abzugsröhren geheizten Hause schlief, durch Einathmung des Ofenrauches eine Rauchvergiftung zu. Man fand ihn am Morgen bewußtlos vor, und sein Adjutant bemühte sich zwei Stunden hindurch vergeblich, ihn wieder zum Bewußtsein zu bringen. Ein Arzt aus Peking ist sofort zum Obersten Aork abgereist. Graf Waldersee wird selbst die Kolonne nach Peking zurückführen. Auffällig ist es, daß sich bei der Kolonne Iork kein Arzt befunden hat. Es ist kaum glaublich, daß eine größere Truppenabtheilung einen Marsch von etwa 160 Kilometer unternommen haben sollte, ohne von einem Arzt begleitet zu werden. — Die „Times" meldet aus Shang- hai: Die Expedition nach Kalgan hat eine Niederlage erlitten. Eine deutsche Abtheilung, die sich isolirt befand, soll gezwungen worden sein, ihre Todten und Verwundeten zurückzulassen. — Reuter meldet aus Tientfin: Die provisorische Regierung hat eine Kundgebung erlassen, in der Verbergen von Waffen in der Stadt und in der Vorstadt bei Todesstrafe verboten wird. Es wird für die Auslieferung von Waffen eine Frist von fünf Tagen festgesetzt. Diese Vorsichtsmaßregel ist sehr nothwendig, da eine große Menge Waffen gefunden worden ist und viele Boxer sich in der Stadt verborgen aufhalten.
Lokales und Provinzielles. * Schlüchterv, 4. Dezember.
— Die neuen Riviera - Expreß - Züge verkehren seit Montag ab dreimal wöchentlich und zwar an jedem Montag, Mittwoch und Sonnabend nach beiden Richtungen. Die Züge haben in südlicher Richtung ihren Ausgangspunkt in Berlin, Altonu-Hamburg, Bremen und Amsterdam. Der Hamburger Zug vereinigt sich mit dem Bremer in Hannover, von hier aus geht es über Göttingen und Gaffel nach Bebra, wo Der Berliner Zug (Abfahrt in Berlin 3,40 Nachm.) hinzutritt. Die Ab'ahrt in Bebra erfolgt um 8.55 Abends mit Aufenthalt in Elm 10.19 und in Offenbach 11,23 nach Frankfurt a. M. Hier tritt die letzte Vereinigung ein und zwar mit dem Amsterdamer Zuge, der den Weg über Köln-Mainz nimmt. Von Frankfurt a. M. erfolgt die Abfahrt 11,55 Nachts. Die Endstationen erreicht die Riviera-Expreß am Abend des Dienstag bezw. Donnerstag oder Sonntag, und zwar Nizza um 8,30 und Menlone um 9.30 Abends. Die Fahrtdauer von Bremen, Altona-Hamburg, Berlin, Amsterdam nach der Riviera und umgekehrt ist durch den Riviera-Expreß auf wenig über dreißig Stunden verkürzt.
* — Der Justizminister hat den Notaren untersagt, Urkunden mit der Schreibmaschine herzustellen, weil die Maschinenschrift nicht fest genug auf dem Papier haftet und deshalb die Gefahr von Fälschungen größer ist, als bei handschriftlicher Herstellung.
* — Eine neue Dienstanweisung für die Gendarmerie ist in Kraft getreten. Diese enthält u. a. die Be- timmung, daß jeder Gendarm bei den außerhalb seines Vienstbezirkes vorkommenden Verbrechen nicht mehr als 3ertreter der Staatsanwaltschaft, sondern nur in dem einer Civilperson zustehenden Umfange eingreifen kann. Stößt ein Gendarm demnach aus Widersetzlichkeiten, so können fortan die betreffenden Personen nicht mehr