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WüchternerZeitung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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,M 96. Samstag, den 1. December 1900. 51. Jahrgang.

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Ausland

Paris Die Pariser berechnen z. Z. den Profit, den sie während der Dauer der Weltaustellung ge­macht haben. Natürlich haben die Ausstellungsbesucher ganz gewaltige Summen in Paris zurückgelassen, und die Höhe dieser Summen wird auf 2 Milliarden 66 Will Francs geschätzt. Dieses Ergebniß dürfte, wie von ver­schiedenen Seiten ganz richtig bemerkt wird, trotz seiner phan­tastischen Höhe hinter der Wahrheit noch zurückbleiben. Denn die Grundlage zu dieser Aufstellung bildet die An­nahme, daß durchschnittlich jeder zugereiste Franzose 100 und jeder Ausländer 500 Franken in Paris ausgegeben habe Diese Sätze sind entschieden zu niedrig gegriffen, in Wirklichkeit würden ganz andere Summen heraus- kommen. Auf jeden Fall haben die Pariser einfeines Geschäft" gemacht.

Die englische und die französische Mittelmeer- Politik wird in einem Aufsatz derBerl. N Nachr." beleuchtet. Man lieft da u. a.: Fast möchte man meinen, die Tage von Faschoda ständen wieder vor der Thür, so lebhaft beschäftigen sich englische und französische Blätter mit den beiderseitigen Rüstungen zur See und den neuen Befestigungs- und Hafenonlagen an den Mittelmeerküsten Den geräuschvoll in Scene gesetzten und in gleicher Weise ausgeführten Besichtigungsreisen der französischen Mmister des Krieges und der Marine nach Bizerta und Korsika ist jetzt als Antwort der Besuch des englischen Kolonial. Ministers Chamberlain in Gibraltar und Malta, in Italien und Marokko gefolgt und in fast fieber­haft Ungeduld bemüht sich nunmehr die Presse beider Länder, das Fazit aus diesen bemerkenswerthen Vor­gängen zu ziehen. England sowohl wie Frankreich sind sich ja längst vollständig klar darüber, daß, sollte es je zum offenen Ausbruch von Feindseligkeiten zwischen ihnen kommen, der Entscheidungskampf ihrer widerstreitenden Interessen im Mittelländischen Meer ausgefochten werden wird, und daß der Sieger in diesem Kampf der zu­künftige Herrscher zwischen den Straßen von Gibraltar und von Suez sein muß.

Petersburg, 29. Nov. General Zerpitzki telcgraphirt unter dem 17. November aus Shanhaikwan, sein De- tachement befreite den von 10000 Boxern, Tungnsen und chinesischen Soldaten belagerten Bischof der Ost­mongolei mit 20 Missionaren und 3000 christlichen Familien

Chiua. Gräßliche Vorkommnisse berichtet der Korre­spondent einer Turiner Zeitung aus Peking. Vor dem Einzüge der verbündeten Truppen hatten sich eine Menge chinesischer Frauen und Mädchen das Leben genommen, weil sie in Folge der greulichen Schilderungen der Frem­den die ärgsten Mißhandlungen befürchteten. In einem einzigen Hause fand der Italiener die Leichen von drei zehn jungen Frauen. Der Korrespondent behauptet, die einziehendeN Truppen, es waren Russen, Engländer, Ja­paner, hätten auch viele Kinder gegen die Wände ge schmettert und sie dann mit zerbrochenem Hirnschädel liegen lassen. Die deutsche Expedition unter ?)ork von Wartenburg befindet sich in Kalgan. Der Ort wurde ohne Flintenschuß genommen, und die Eroberer sind bisher auch vor Feindseligkeiten jeglicherer Art be wahrt geblieben. Die Langzöpfe sind so weit geflohen, wie ihre Füße sie nur tragen konnten. Das deutsche Detachement Mükkefels hat auf den Zinnen der großen Mauer die schwarz-weiß rothe Flagge gehißt. Der Würzb. General-Anz." theilt aus einem Soldatenbriefe mit, daß die Chinesen dem deutschen Leutnant Friedrichs und zwei Italienern, d'e sie gefangen hatten, ein Glied nach dem anderen abgeschnitten hätten, bis sie todt waren So gehe es jedem Gefangenen, herein die Hände der Chinesen falle.

Transvaal. Während es gestern noch hieß, daß Lord Roberts um schleunige Entsendung von 20000 Mann Verstärkungtruppen ersuchte, wird heute die Zahl des erforderlichen Ersatzes auf 50000 Mann angegeben. Diejenigen englischen Truppen, die nun schon länger als ein volles Jahr auf dem südafrikanischen Kriegs­schauplätze sieben, verlangen energisch ihre Rücksendung in die Heimath. Lord Roberts wird diesem Verlangen gegenüber nicht länger stand halten können, da es nicht ausgeschlossen ist. daß die Trüvpen bei fortgesetzter Ver- sagung ihrer Forderungen rebelliren. Da die Buren sich jetzt gut reorganisirt haben, so ist die Hoffnung des alten Krüger, daß sie am Ende doch noch das Feld be­haupten werden, gar nicht so unbegründet, zumal Eng­

Deutsches Reich.

Berlin Der Kaiser und der Kronprinz reisten am Donnerstag Bormittag nach Tangermünde zur Einweihung des Denkmals Kaisers Karl IV.

Die Auslandreise des Kaisers, die anscheinend geplant gewesen, unterbleibt. DieHoheuzollern," die seit drei Wochen seebereit lag, geht demnächst in Win­terlager.

Der Kaiser hat der Königin von Portugal, die kürzlich einen deutschen Seemann vom Tode des Er­trinkens rettete, durch den deutschen Gesandten die Lebens- Rettungsmedaille verliehen.

Präsident Krüger wird am Dienstag in Berlin, von Paris kommend, eintreffen.

Im Interesse der Schlagfertigkeit der Armee wird die Errichtung von Maschinengewehr Abtheilungen ver­langt. Es ist beabsichtigt, sämmtliche Armeekorps mit solchen Gewehren auszustatten und zu diesem Zweck Maschinengewehr-Abtheilungen zu bilden, die je einem. Jäger- oder Infanterie-Bataillon angezliedcrt werden sollen. Im vorliegenden Etat werden fünf solcher Ab­theilungen verlangt.

DieRheinisch-Westfäl. Ztg." brächte dieser Tage die Meldung, ein Umbau der Wagen für die I) Züge solle in nächster Zeit erfolgen und zu diesem Zwecke ein größerer Betrag in den nächsten preußischen Staatshaus­haltsetat eingestellt werden. Die Meldung wird der Nordd. Allg. Ztg." von zuständiger Stelle als unrichtig bezeichnet. Es sollen zunächst über die Maßregeln, die wegen der jüngsten schweren Unfälle etwa zu treffen sein werden, gemeinsame kommissarische Berathungen der deutschen Eisenbahnverwaltungen stattfinden.

Dem Ausverkaufsunwesen soll es nun doch zu Leibe gehen. Nachdem die Vorarbeiten abgeschlossen sind, soll im Februar etwa ein bezüglicher Gesetzentwurf dem Reichstage zugehen. Dadurch soll jeder Nachbezug von Waaren bei einem Ausverkauf bei Strafe verboten werden.

Das ist ja ganz entwas anderes! DieKöln. Ztg." schreibt:Nicht zum erstenmal sind sozialdemo- keatische Genossenschaften als Arbeitgeber mit ihren Arbeitnehmern in scharfen Konflikt gerathen. So enthält derKorrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer' unter Verbandsnachrichten eine Bekannt­machung, derzufolge die Druckerei der sozialdemokratischen Leipziger Volkszeitung" wegen ausgebrochener Streitig­keiten für Verbandsmitglieder bis auf weiteres geschlossen ist- Wie es scheint, ist der Ausbruch dieses sich gegen sozialdemokratische Arbeitgeber richtenden Ausstandes da­rauf zurückzuführen daß infolge Aufstellung von Setz­maschinen eine Anzahl von Arbeitern entlassen worden ist. Bisher haben wir noch nicht gesehen, daß die sozialdemokratische Presse diesen besonderen Anlaß er­griffen hat, um sich über dieblutsaugerischen" Arbeitgeber zu empören, die diesmal allerdings in ihrem eigenen Lager stehen."

Aus Köln, 24, Nov., wird derFranks. Ztg." be­richtet: Als in der vorigen Woche der Sohn eines hie­sigen Restaurateurs seine Braut nach Hause begleitete, suchten beide in der Nische eines Hauses Schutz vor dem strömenden Regen. Ein hinzutretender Schutzmann be­zichtigte das Paar, unsittliche Handlungen vorgenommen zu haben und führte beide trotz der hartnäckigsten Un= schuldsbetheuerungen zum nächsten Polizeikommissariat, wo der Bräutigam sich legimitirte und freigelassen wurde. Die Braut, eine hiesige Wirthstochter, wurde in das Jrauengefängniß abgeführt, wo sie die ganze Nacht über verbleiben mußte. Zwei Schutzleute sind bereits vom Dienste suspendirt worden.

Mainz. Der gestimmte nächstjährige Kohlenbedarf iür das 18. Armeekorps wird aus England gedeckt werden. Trotz dreimaligen Submissionsausschreiben war keine Offerte zur Lieferung dieses Kohlenbedarfs eingelaufen, so daß die Militärverwaltung schließlich genöthigt war, stch auf freihändigem Wege mit Kohlen zu versorgen, und zwar, da keine inländischen Kohlen mehr zu haben, mit Kohlen aus England. Die Firma Kleinschmidt aus Frankfurt hat den Bezug der englischen Kohlen ver­mittelt, und die ersten Abschlüsse sind bereits in Lieferung, bie zur Zeit hier in Kastei und Frankfurt aus großen Schleppkähnen unter militärischer Kontrole entladen werden.

land ganz außer Stande ist, 50000 oder auch nur 20000 Mann einigermaßen feldtüchtiger Truppen nach Südafrika zu schicken. Nach Meldungen aus London begegnet die dortige Regierung überdies den größten Schwierigkeiten bei der Anwerbung von Truppen für Südafrika. Unter diesen Umständen darf man für die Burensache neue Hoffnung schöpfen. DerEvening Standard" giebt unter Vorbehalt das Gerücht wieder, daß eine Verschwörung zur Ermordung Roberts entdeckt worden sei. Etwa 20 Ausländer seien daran betheiligt. Die Verschwörer hätten eine Mine gelegt, die letzten Sonntag, während Lord Roberts in Johannesburg in der Kirche war, auffliegen sollte. Die Verschwörung wurde durch die Wachsamkeit der Polizei und der Schutz­wache Roberts entdeckt. Es heißt, etwa zehn Personen, meistens,Italiener, seien verhaftet. DerStandard" meldet aus Pretoria vom 25. November: Die Mann­schaften Bothas und Viljoens entwickeln eine immer mehr zunehmende Thätigkeit in den Distrikten. Wie es heißt haben sie einen neuen Plan ersonnen oder vielmehr einen alten wieder ausgenommen. Sie beabsichtigen den Kriegs­schauplatz mehr nach der Grenze der Kapkolonie zu ver­legen, wo, wie sie glauben, viele Kapholländer mit ge­heimen Waffenvorräthen bereit sind, auf die geringste Ermuthigung hin die Feindseligkeiten zu erneuern. Der Feind ist fast überall in Transvaal und in den Oranje- Kolonien äußerst thätig. Präsident Krüger wird im Falle, daß alle Versuche, eine Vermittlung herbeizuführen, scheitern sollten, wichtige Dokumente veröffentlichen, welche volles Licht auf die Kriegsführung Englands werfen werden. Sollte trotz dieses letzten Mittels keine Aen­derung in den Gesinnungen bei den verschiedenen Re­gierungen zu Gunsten der Buren stattfinden, so wird Krüger nach Afrika zurückkehren, um inmitten seiner Laudslem- den Tod zu suchen oder die Freiheit zu er- obern. Krüger führt den Umschwung der Stimmung Kaiser Wilhelms gegenüber den Buren auf die vorjährige Berliner Reise Cecil Rhodes zurück; er sprach deshalb die Absicht aus, eine Unterredung mit dem deutschen Kaiser anzustreben.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchteru, 30. November.

* An unsere Freunde im Kreise richten wir hier­mit die höfliche Bitte, uns die Ergebnisse der am 1. Dez. d. I. stattfindenden Volkszählung aus ihrem Orte und benachbarten Gemeinden so schnell als möglich mittheilen und hierbei auch den Zugang oder Abgang gegen die Zählung im Jahre 1895 angeben zu wollen.

Die Redaktion

* Das dritte Lehrer-Seminar in unserem Rc- gicrunpsbezirk soll nunmehr, wie dasC. Tgbl." aus sicherer Quelle erfährt, in Carlshafen zur Errichtung kommen, früher wurde als Ort hierfür Frankenberg genannt.

.f. Wenn der Besitzer von Thieren bei diesen Krankheiterscheinungen wahrnimmt, welche auf Seuchen- verdacht schließen lassen, so ist er verpflichtet, sofort die Orlspolizcibehörde davon zu benachrichtigen, und diese ist ihrerseits verpflichtet, sobald sie auf irgend eine Weise Kenntniß davon erhält, den beamteten Thierarzt mit der Feststellung zu beauftragen, ob der Verdacht begründet ist oder nicht. Wer diese Anzeige länger als 24 Stunden verzögert oder ganz unterläßt, ist strafbar und zwar, falls ihm nachgewiesen werden kann, daß er die Krank- Heitserscheinungen bemerkt haben muß oder bemerkt hat, wegen wissentlicher Verletzung des § 328 des Straf­gesetzbuches mit Gefängniß, und wenn durch diese Ver­heimlichung eine Weiterverbreitung der Seuche stattge- funden hat, mit Gefängniß nicht unter zwei Monaten; wenn ihm jedoch die Wissentlichkeit nicht nachgewiesen werden kann, so kann er sich nicht mit der Ausrede schützen, er habe die Krankheit resp. Seuche nicht gekannt oder nicht wahrgenommen, denn wer Vieh hält, hat die gesetzliche Pflicht, sich darum zu kümmern, und ob die Symptome wirklich die einer Seuche sind, hat überhaupt erst der Sachverständige, d. h. der beamtete Thierarzt fest­zustellen ; wenn der Besitzer also gewissermaßen aus Fahr- 'sigkeit die Anzeige unterläßt, so verfällt er nach § 65 des Reichsviehseuchengesetzes einer Strafe von 10 bis 150 Mark, event. Hast nicht unter einer Woche. - Das mußte der Bauer J. H.^on Ulmbach zu seinem Schaden erfahren Demselben w^cen zwei Schweine an Bräune (Rothlauf) verendet, die er, ohne den Seuchenverdach