N emerkt sei, daß sich die Preise nach der Stockfläche (gleich ein Quadratmeter) richten und ein etwaiges Fehlen von Stöcken nicht in Abrechnung kommt. Auch die zu Weinbergen geeigneten Ländereien, besonders unrentable Lohhecken, stehen im Preise so hoch wie nie zuvor. Es erlösten im letzten Winter unter anderen Kasel an der Ruwer für zehn Hektar Waldgestrüpp 88000 Mark oder der Morgen 2200 Mark und Waldrach an der Ruwer für elf Hektar 54,000 Mark oder der Morgen 1125 Mark Zu diesen sehr hohen Preisen kommen nun noch ebenfalls die ganz bedeutenden Kosten für die Anlage der Weinberge Allenthalben sind solche bis in die Vorberge des Hoch Waldes und der Eifel hin im Bau begriffen. Bei der Erzielung solcher Preise wird man kaum begreifen können, weshalb nicht schon viel früher die Lohheckenbesitzer an eine andere Verwerthung ihrer Ländereien gedacht haben. Jedenfalls geht aus diesen Preisen hervor, daß, wenn von einer allgemeinen Nothlage der Eichcnschälwaldbe- fitzer gesprochen wird, eine solche Behauptung nicht zutrifft. Gewiß werden nicht alle Eichenschälwaldländereien sich zu Weinbergen eignen, aber es sind doch auch andere Ver- wendungsarten möglich.________________
Ausland
Rußland. Der Kaiser von Rußland ist an Unterleibstyphus schwer erkrank.
Rom, 14. Novbr. Ein Telegramm der „Tribuna" theilt mit, in China sei plötzlich große Kälte eingetreten, das Thermometer zeige sechs Grad unter Null. Der Pciho sei zugefroren, sodaß der Flußverkehr unterbrochen sei.
China. Rußland scheint in China doch eine terri toriale Besitzergreifung vorgenommen zu haben, wenigstens meldet die Londoner „Times", der in dieser Angelegenheit freilich nicht unbedingt getraut werden kann, daß sich der von den Russen bei Tientsin beschlagnamte Gebiets- theil von der Eisenbahnstation aus auf 2 englische Meilen weit stromabwärts erstrecke. Viel wichtiger aber als diese kleine Besitzerweiterung bei Tientsin ist der Umstand, daß die Okkuvation der Mandschurei durch die russische Regierung als beschlossene Thatsache angesehen werden muß. Die dauernde Besetzung dieses gewaltigen Territoriums mit russischen Truppen — man spricht von 40 000 Mann — ist nichts anderes, als die Unterstellung der Mandschurei unter das Zarenreich. Und formell hat Rußland trotzdem Recht mit seiner Behauptung, daß es kein chinesisches Gebiet annektiere und auch nicht dulden werde, daß irgend eine andere Macht Gebietserweiterungen im Reiche der Mitte vornehme. — Der „Times" wird aus Peking gemeldet: Die Gesandten verabredeten folgende Bedingungen, die in einer gemeinsamen Note aufgesetzt werden und vorbehaltlich der Zustimmung der Regierungen die Grundlage zu dem Präliminarvertrag bilden sollen. China soll dem Baron Ketteler an der Stelle, wo der Mord geschah, ein Denkmal errichten und einen kaiserlichen Prinzen nach Deutschland schicken, der Entschuldigungen ausdrücken soll. China soll elf hohe Beamte und Prinzen mit dem Tode bestrafen. Dort, wo Gewaltthaten begangen sind, sollen fünf Jahre lang die Provinzialprüfungen suspendirt sein und in Zukunft sollen alle Beamte, die nicht entsprechende Maßregeln gegen Gewaltthaten gegen Ausländer, die in ihrer Jurisdiktion vorkommen, getroffen haben, sofort abgesetzt und bestraft werden. An die Staaten, Korporationen und Jndivi duen sollen Entschädigungen bezahlt werden. Das gegenwärtige Tsungli-Damen soll abgeschafft und seine Funktionen einem Minister des Auswärtigen übertragen werden. Wie in civilisirten Ländern, soll ein vernünftiger Verkehr mit dem Kaiser gestattet werden. Die Taku-Forts und andere Forts an der Küste von Tschili sollen geschleift, die Einfuhr von Waffen und Kriegsmaterial soll verboten werden. Permanente Gesandtschaftswachen sollen unterhalten und auch die Verbindung Pekings mit dem Meere soll durch Wachen gesichert werden. Zwei Jahre sollen im ganzen Reiche kaiserliche Proklamationen angeschlagen sein, durch welche die Boxer-Verbindungen verboten werden. Entschädigung erhalten auch die Chinesen, die dadurch gelitten haben, daß sie bei Ausländer bedienstet waren. Chinesische Christen erhalten aber keine Entschädigung. Die Worte Missionare und Christen kommen in der Note nicht vor.
Lokale- und Provinzielles
* Schlüchter«, 16. November.
♦ — Nach dem Rechenschaftsbericht der Hessischen Brandkasse fanden im Jahre 1899 im Kreise Schlichtern folgende sechszehn Brandfälle statt: In Schlüchtern am 7. April, 20. September, 2l. September, 15 December; in Salmünster am 14. Oktober; in Soden am 23. April; in Altengronau am 9. Februar; tu Hintersteinau am 5. Juni; in Kressenbach am 29. Juni; in Marjoß am 5. Januar, 3. Februar und 17. März; in MottgerS am 7. August und in WeicherSbach am 15. Januar. Als Schadenersatz wurden insgesammt 28 958 Mark 23 Pfg gezahlt.
* — Die Dauer der Spar- und Spielkasse „Fortuna" hierselbst erreicht mit dem 31. Dezember 1900 ihr Ende. Leider ist dieser nunmehr 4. Kasse wiederum fein Gewinn zugefallen. Wie aus dem Jnseratenthcile hervorgeht, sind die Wünsche der Mitglieder wegen Uebernahme von Stücken aus dem Effectenbestande der Kasse in der Generalversammlung am 24, d. Mts. an-
zubringen. Den Mitgliedern, welche ihre Spareinlagen j wieder verzinslich anlegen wollen, bietet sich sehr günstige ! Gelegenheit, ohne Provision und sonstige Nebenkosten nicht nur in den Besitz von zinstragenden Prämien- Pfandbriefen, sondern auch von anderen 4®|0igen Pfandbriefen zu gelangen. Der Uebernehmer von Effecten spart sich selbst die Kosten des Ankaufs, erübrigt aber auch der Kasse die sonst entstehenden Kosten des Verkaufs an Provision, Stempel, Courtage und Porto. Außer den Loospapieren: Gothaer 3'/z°/5ige Pfandbriefe I. und II. Emission über je 100 Thlr., 31|2°|otge Cöln—Mindener 100 Thalerloose, 4°|0ige Meininger Pfandbriefe, 3°|oige Oldenburger 40 Thaler Loose, Badische 4°f»ige Prämienloose über 100 Thaler, 5°|oige Donau Regulirungsloose über 100 fl., 3°f„ige Holländer Communallose über 100 fl., BraunschweigerLO Thlr. Loose sind noch folgende 4lvige Papiere vorhanden: 8500 Mk. Pfandbriefe der deutschen Hypothekenbank in Meiningen in Stücken zu 1000, 500, 300, 100 und 50 Mk.; 1500 Mk. Münchener Stadtanleihe in 1000 und 500 Mk.; 2000 Mk. Eisenacher Stadtanleihe in Stücken zu 500 und 200 Mk.; 3500 Mk. Pfandbriefe der Deutschen Grundkreditbank in Gotha in Stücken zu 1000, 500, 300 und 100 Mk.; 2400 Mk. Schuldverschreibungen der Herzoglichen Landescreditanstalt in Meiningen in Stücken von 1000, 300, 200 und 100 Mk.
* — Einer gesunden Entwickelung des Kriegervereinswesens ist die Bildung von Sondcrveretnen nachtheilig. Der preußische Minister des Innern hat auf Grund dieser Erkenntniß einen Runderlaß an die Oberpräsiden ten gerichtet, in dem er die Nothwendigkeit betont, daß dieser dem Kriegervereinswesen nachtheiligen Neigung zur Bildung von Sondervereinen schärfer als bisher entgegengetreten werden müsse. Deshalb hat der Minister angeordnet, daß bei geplanter Neubildung von Kriegervereinen die Polizeibehörden die Satzungen der neuen Vereine nicht eher bestätigen dürfen, ehe nicht in jedem einzelnen Falle die gutachtliche Aeußerung des Landeskriegerverbandes über die Bedürfnißfrage eingeholt ist. Erfolgt eine ablehnende Stellungnahme des Verbandes, so ist die Bestätigung nur mit Zustimmung des Vorgesetzten Regierungspräsidenten zu ertheilen.
/ Gelnhausen, 14. Nov. In der letzten Stadtverord- neten-Sitzung machte der Bürgermeister Schöffer die Mittheilung, daß der Errichtung eines Elektrizitätswerkes demnächst näher getreten werde. Der Elektrizitätswerks- Kommission wurde ein Betrag von 300 Mk. zur Besichtigung verschiedener Elektrizitätswerke bewilligt.
Cafsel, 13. Nov. (Hinrichtung des Mörders Pflä- ging.) Der am Sonntag den 22. April d. I in dem „Jungfernkopf" benannten Wäldchen bei Harleshausen an der Dienstmagd Anna Fuhrmann verübte Mord hat nunmehr seine Sühne gefunden. Heute Morgen 7 Uhr ist, wie die „C.-A.-Z." mittheilt, in dem Hofe des Land- richtsgefängniffes dahier der am 14. Juni d. J. von dem hiesigen Schwurgericht wegen dieser Greuelthat zum Tode verurtheilte Schwager der Ermordeten, der Gelegenheitsarbeiter Georg Pfläging, durch Herrn Scharfrichter Reindel aus Magdeburg hingerichtet worden.
Melsungen, 13. Nov. Für die von der Eisenbahnverwaltung für die Eisenbahnunterbeamten im Westen Preußens geplante Lungenheilanstalt ist nunmehr einzig und allein der bei unserer Stadt gelegene Lindenberg als Baustelle in Aussicht genommen. — Das „Mels. Krsbl." schreibt: Die beiden Gemeinden Elbersdorf und Landefeld im hiesigen Kreise haben in diesem Jahre Oedland- flächen von 1 bezw. 3 ha Größe angeforstet und so dafür gesorgt daß bisher ertragslose Ländereien später einmal gute Ernte als Wald geben. Die dafür entstandenen Kosten betragen rund 70 und 250 Mk, doch ist aus Staatsmitteln eine Beihülfe in Höhe von 40 Mk. für den ha Kulturfläche gewährt worden, sodaß den Gemeinden nur etwa die Hälfte der Kosten thatsächlich verbleiben. Wenn man sieht, wie so mancher ha Fläche noch unbenutzt als Oedland daliegt, kann man nur wünschen, daß recht viele Gemeinden dem hier gegebenen Beispiele folgen. Freilich wird die jetzige Generation schwerlich schon direkten Vortheil davon haben, doch werden eS die Kinder und Kindeskinder ihren Vorfahren danken, wenn diese durch Anbau von Wald ihnen ein Kapital hinterlassen, welches ihnen einmal zur Zeit der Noth von großem Werth und Vortheil sein wird.
Wiesbaden, 13. November. Im hiesigen Landgerichts- Gefängniß befinden sich zur Zeit 9 Polacken, wieder die eine Untersuchung wegen Landfriedensbruch schwebt. Was ihnen Schuld gegeben wird, ist, daß sie sich eines Tages vor etwa sechs Wochen zusammengerottet haben, um eine in der Nähe von Braubach gelegene Mühle mittels Dynamit in die Luft zu sprengen. Die Minen waren bereits gelegt und angezündet, die feuchte an dem betreffenden Tage herrschende Witterung hat das Losgchen der Schüsse verhindert.
Die Irre von Sankt Rochus.
Kriminalroman von Gustav Höcker. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Seit AUram Privatdetektiv geworden, hatte er schon manches Mal dicht vor einem glänzenden Erfolge gestanden, auf den er noch im letzten Augenblicke verzichten mußte, weil Rücksichten, die sich seinen Auftraggebern plötzlich aufzwangen, dazwischen getreten waren. Er
wurde bezahlt, ja, und sogar sehr gut bezahlt; am Mammon hing jedoch das Herz dieses vereinsamt dastehenden Mannes nicht. Er besaß vollauf, waS er brauchte, und für seine alten Tage war gesorgt; aber es war ihm Bedürfniß, immer auf einer Fährte zu sein; ohne diese Aufregung erschien ihm dasDLeben leer, und hierin ähnelte er dem schaffenden Künstler, der sich stets mit Ideen trägt und ohne diesen Nervenreiz nicht leben kann.
Die Gläubiger des verschwundenen Bankrotteurs Sex. auer hatten den Detektiv wiederholt angegangen, die Verfolgung des Flüchtlings aufzunehmen, zumal sich daS Gerücht, er sei in Kairo, hartnäckig aufrecht erhielt, und Allram dafür berühmt war, schon manchen Verbrecher aus einem sicheren Asyle herausgelockt zu haben. So beschloß er denn, jener an ihn ergangenen Aufforderung nachzukommen, nachdem seine Thätigkeit für die Irre von St. Rochus einen so unerwarteten Abschluß gefunden hatte, und traf seine Vorbereitungen zur Reise nach der Hauptstadt Aegyptens, wie der vollgepackte große Reisekorb bewies. . . .
Als ihn die Barorin verlassen hatte, erschien Frau Schubert wieder mit Ausklopfer und Teppichen.
„Nun will ich die Droschke bestellen," bemerkte sie, als die Teppiche ihre Plätze wieder erhalten hatten; «auf morgen früh vier Uhr, sagten Sie, nicht wahr?"
Der Detektiv räusperte sich verlegen. „Sassen Sie's vorläufig noch sein, Frau Schubert. Es ist möglich, daß ich nicht reise."
„Was sagte ich?!" frohlockte die Alte. »Sagte ich nicht, Sie Hättens benießt? Nun lachen Sie mich nur nicht mehr aus, Herr Allram, weil ich an Vorzeichen glaube. Das Beniesen ist ein Prophet, der niemals trügt, — mit oder ohne Seife in der Nase!" . . .
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In seinem mit ländlicher Einfachheit ausgestatteten Wohnzimmer saß am Spätnachmittage der Sägemüller einsam beim Vespermahle, wobei das Rauschen des Wasserrads und das Kreischen der Säge die Tafelmusik bildeten. Je weniger Bequemlichkeit die gelb getünchte Stube mit ihren wenigen rohen Möbeln darbot, desto mehr schien ihr Bewohner für kulinarische Genüsse eingenommen zu sein. Obwohl das Vespern nur ein bescheidenes Mittelglied zwischen Mittag- und Abendessen bildet, so wies der mit einem nicht mehr sehr sauberen Tuche bedeckte Tisch doch außer Brot, Butter und Speck auch noch Eier, Schinken und kalten Braten auf, und neben den beiden Flaschen Bier, von denen die eine bereits geleert war, prangte eine kleinere, aber desto vornehmere Mitschwester, deren bunte Etikette den Namen eines feinen Likörs verieth. DaS behäbige Embonpoint, das fleischige Doppelkinn und das schwammige Gesicht, wodurch sich das Wohlleben äußerlich am Menschen zu kennzeichnen pflegt, suchte man jedoch bei dem Mühlen- 1 besitzer vergeblich; dazu war er noch zu jung und vielleicht auch erst zu kurze Zeit im Genuß des behaglichen Wohlstandes, der eine so üppige Halbabendmahlzeit gestattet. Seine mittelgroße Figur zeigte ein Ebenmaß, welches angenehm ins Auge fiel; sein etwas bleiches, bartloses Gesicht konnte hübsch genannt werden und hätte für ihn eingenommen, wäre nicht ein gewisser Zug um den Mund gewesen, der auf Heimtücke oder Verbissenheit oder auf sonst eine gefährliche Charaktereigenschaft schließen ließ, welche unter diesem glatten Gesichte lauerte.
Während er sich's eben noch schmecken ließ, knarrten Schritte auf der aus dem Hofe heraufführenden morschen Holztreppe. Ein kurzes Pochen an der Thür und zugleich öffnete sich diese.
Auf der Schwelle erschien die Baronin. Es lag etwas Geheimnisvolles in der Art ihres Eintretens. Sie zog sorgfältig die Thüre hinter sich zu und sagte mit leiser Stimme:
„Heute habe ich ihn wieder zu Hause angetroffen. Hätte ich den Gang nur um einen Tag verschoben, so wäre es zu spät gewesen."
Der Müller legte Messer und Gabel beiseite, eher mit einer Miene, als wäre ihm der Appetit vergangen, als aus Respekt vor seinem vornehmen Besuche, denn er blieb ruhig sitzen und überließ es auch der Dame, sich selbst nach einer Sitzgelegenheit umzusehen. (F. f.)
— Verblümt. Lehrjunge: „Sie, Meestcrin, seit wir Abends Suppe essen, schlafe ick immer jleich nachher ein, wie so n' Ratz!" — Meisterin: „Na, wie kommt denn das?" — Lehrjunge: „Seh'n Se, die Suppe macht immer so kleene Oogen; das steckt mir an, und jleich nachher bin ick ooch weg!" Ball-SÄÄ
und Höbtr — 14 Meter! — rorto- und zollfrei zugesandt Muster! umgehen» ebenso von schwarzer, weißer und farbiger .Henneberg-Eeide' von 85 bi« 18,65 »er Meter.
G. Henneberg, Seidenfabrikant (k. u. k.Hofl.) Zürich
Kirchlicher Anzeiger für Tchlüchter«.
Sonntag, den 18. November 1900. Vormittagsgottesdienst: Herr Superintendent Orth. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hattendorfs. Wochendienst: Herr Superintendent Orth.
Katholischer Gottesdienst.
Vormittags '/,11 Uhr: Franziskaner-Pater,