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Samstag, den 17. November 1900.

51. Jahrgang.

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I^^IhttirtMl auf ^Schlüchterner Zeitung" Wwerden noch fortwährend von allen ------- - Postanstälten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Nach einem halben Jahrhundert.

Eine Erinnerung zur 50. Wiederkehr des Jahrestages derSchlacht bei Bronzell" am 8. November 1850.

(Schluß)

Zur Wahrung der militärischen Ehren wartete v. d. Grüben zunächst ab, ob der Gegner den Angriff ern uere; als er dies bis 7 Uhr Abends nicht that, ließ der preußische Höchstkommandirende demjenigen der Bun- destruppen mittheilen,daß das preußische Armeekorps in Folge höherer Weisung die Stellung bei Fulda ver­lassen und auf die Etappenstraße Vacha-Hersseld zurück- gehen werde; Fulda werde am 9. November Mittags 12 Uhr von den Preußen geräumt sein; die Arrieregarde werde den Befehl erhalten, nicht zu laden, vorausgesetzt, daß Fürst von Thurn und Taxis den gleichen Befehl auch seiner Avantgarde ertheile; im Abstand von einer halben Meile möge er ihm folgen." Der Schluß des eigenhändig geschriebenen, durch einen Offizier des Haupt­quartiers dem bayerischen General überbrachten Briefes lautete wörtlich:Ew. Durchlaucht werden begreifen, wie schwer es einem alten Soldaten werden muß, sein Terrain ohne Schwertstreich zu räumen; aber ich füge mich nichts destoweniger einer höheren Macht, indem ich darin meine Beruhigung finde, daß dieser Schritt, so Gott will, der Beginn einer erfreulichen'ung aller Schwierigkeiten und Differenzen sein möge, welche znr Zeit noch ob­schweben u. s. W." Fürst Taxis, welcher sein Haupt quartier im Löschenröder Wirthshaus aufgeschlagen hatte, antwortete sehr verbindlich und daß er erst Nachmittags 2 Uhr in Fulda einrücken werde, wies aber gleichzeitig auf die Nothwendigkeit hin,den Vormarsch nach Casfel fortzusetzen, da die Thätigkeit des ihm als Bundes­kommissar beigegebenen Grafen Nechberg, die er unter­stützen müsse, erst dort in volle Wirksamkeit treten sönne " Die preußische Ordonnanz fand auf ihrem Ritt zum baye rischen Hauptquartier, daß der Feind alle Maßregeln getroff n hatte, um einen nächtlichen Angriff von Seite der Preußen abzuschlagen. Der nördliche Ausgang des Dorfes Bronzell war durch eine hohe Barrikade g-schloffen, hinter welcher die Kaiserjäger Feldwache standen. Auf der nach Kohlhaus führenden Straße waren die gefällten Bäume so zusammengelegt, daß zwischen ihren Wipfeln nur ein schmaler Gang frei blieb, der durch das An­einanderrücken der Stämme leicht zu einem Verhau hätte geschlossen werden können.

Als am Morgen des 9. November in der Nacht waren noch zwei bestimmter lautende Befelhe vom Kriegs minister zum Zurückgehen auf die Etappenstraßen einge- ti offen und dabei der Allerhöchste Wille Sr. Majestät des Königs betont der Befehl zum Ausbruch den Preußischen Truppen bekannt gemacht wurde, rief dieses Machtwort eine tiefe Mißstimmung unter denselben her­vor; ein dumpfis Murren ging durch die sonst an Dis ziplin gewohnten Reihen, einige Polen stießen sogar die Gewehrkolben auf die Erde, auf allen Gesichtern lag Ent- läuschung und Verdruß. Man drückte sich möglichst an Fulda vorbei; man schämte sich, den Fnldaern wieder vor die Augen zn kommen in solcher Gemüthsstim wnng befanden sich die aus der Umgegend rückwärts dirigirten Truppen. Und wir können es ihnen nach- suhlen.

Am Nachmittag des 9. November zog Fürst Taxis mit den Bundestruppen in Fulda ein und erließ bei der Parade am 10. November auf dem Domplatz seinen be- rühmten Tagesbefehl Nr. 3. Es heißt darin:Das Armeekorps hat durch die großen Anstrengungen, die es feit dem Ausmarsche aus der Garnison mit der größten Ausdauer und dem unverkennbarsten Pflichtgefühl über­wunden hat, uns in den Stand gesetzt, am bestimmten Sage, ja zur bestimmten Stunde bei Löschen! od die ! Division aus den gefährlich« n Dcfilccn von Lrchlüch- tern und Gelnhausen mit der 2. Division zu vereinigen, bie das Rhöngebirge in Eilmärschen überschritten hatte, ^ir konnten die schönen Positionen von Neuhof, Löschen tob und Bronzell mit überraschender Schnelligkeit be- Ftzeu und dadurch Schritt vor Schritt festhalten. Der Nachtmarsch vom 7.|8. November war ein Muster von guter Disziplin und vollkommener Ruhe. Beim An-

bruche des Tages standen meine Kolonnen in der von mir befohlenen Ordnung. Die Avantgarde konnte so gleich unter dem Schutze der Batterie Rosenstengel den Thalgrund überschreiten und mit der dem tapferen Gene­ral von Hailbronner eigenthümlichen Entschlossenheit sich des Dorfes Bronzell bemächtigen, während die 1. und 2. Division durch ihre imposante Stellung auf den Höhen von Löschenrod aus den Besitz dieses Schlüssels zur Po­sition von Kohlhaus und Fulda sicherte. Nachdem Fürst Taxis sämmtlichen Generalen, Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten seines Armeekorps, insbesondere dem General von Hailbronner, den k. k. Major von Peßler, den Hauptleuten Weiß (Kaiser-Jäger) und Scheffner daher. 11. Jnf. Regt.) sowie dem k. k. Oberleutnant Petrowitz die wohlverdiente Anerkennung und den Dank der Bundesversammlung ausgesprochen, nannte er die Namen der Tapferen, welche die Ehre des Tages mit ihrem Blute bezahlten: die Kaiser-Jäger Wasack (leicht), Schultz, Kamenar, Müller und Brohaska (schwer) ver­wundet; Prellschüsse erhielten: Cheveauxleger-Oberleut- nant Freiherr v. Horn und die Gemeinen: Niet, Mutzel und Knie kgl. kaher. Jnf.-Reg.Isenburg".

Aus diesem Armeebefehl geht klar hervor, daß die Bundestruppen den ersten Angriff gemacht und nicht die Preußen den ersten Schuß abgeben haben.

Daß die Fuldaer, die vorher mit den Preußen es so gut gemacht, nachher den Bayern einen Fackelzug ge­bracht hätten, gehört wohl in das Reich der Fabel, viel­leicht auch manche Erzählung, daß die Bayern in ihren Kontonnements recht übel gehaust hätten. Viele alte, noch lebende Fuldaer können bestätigen, daß der Ober- gerichtspräsident v. Warnsdorf, der Dompräbendant und Zubregens Dr. Malkmus, der Obergerichtsrath Pfeiffer, das Mitglied der aufgelösten Ständeversammlung Dr. meb. Weinzierl, der Privatmann Louis von Schweizer- auf Befehl des Bundes-Kommissarius Grafen v. Rech- berg je 1 Offizier und 50 MannStra bayern" als Einquartierung erhalten haben; weitere Gerüchte lauten, daß von den Befehlshabern Requisitionen erhoben worden seien, wie in Feindesland; die Soldaten hätten von ihren Quartiergebern Nahrungsmittel erpreßt und diese mit Grobheiten bezahlt; ein Bayer hätte Bauchgrimmen bekommen und deshalb seine Wirthsleute eines Vergif- tungs Versuches beschuldigt, während er außer einer Schüssel Obst 19 Klöße vertilgt hätte u. s. w.

Mit dem Einrücken der Bayern in Fulda war der erste Akt des kurhessischen Trauerspiels beendet. Leider führte derselbe nicht nach alter dramatischer Regel zur Exposition, sondern Deposition.

Was nun auf beiden Seiten, der preußischen und der bäuerischen Seite, geschah, hat für uns wenig Inter­esse mehr. Fürst Taxis behielt vorläufig sein Haupt­quartier in Fulda und hatte seine Avantgarde bis Mar- bach hinausgerückt, wenige Wegstunden von den äußersten; preußischen Vorposten entfernt. Am 27. November erhielt § Fürst Taxis von dem österreichischen Minister Fürst i Schwarzenberg den Befehl, seinen Vormarsch auf Cafsel f zu beginnen, wohin ihm der Weg durch die Preußen! verlegt war; einen etwaigen Widerstand v. d Gröbens f sollte er mit Waffengewalt brechen. Nur die schleunige Sendung des interministischen Ministerpräsidenten von Manleuffel nach Okmütz konnte durch die persönliche Intervention des Kaisers Franz Joseph bewirken, daß im Hinblick auf die am 29. November dort geplante Konferenz der bereits begonnene Vormarsch des Fürsten auf höhere Weisung 48 Stunden aufgeschoben wurde. Durch weiteres Nachgeben Preußens, das auf der Ol- mützer Konferenz den österreichischen Forderungen, die wesentlich durch Rußland beeinflußt wurden, in Betreff des Ueberschreitens der Etappenstraße sich unterwarf und mit einer gemeinschaftlichen Besetzung Cassels sich zu­frieden gestellt erklärte, kam es dahin, daß, am 1. Dezember dem Grafen v. d. Grüben die Weisung zu- gehen konnte,die seinem Korps gegenüberstehenden Bundestruppen seien nicht mehr als Gegner zu betrachten, und der Durchzug der Exekutionstruppen sei nicht mehr zu verhindern.

Am 5. Dezember verließen die preußischen Truppen das kurhessische Land, während Graf v. d. Gröben mit dem Hauptquartier bis zum 15. in Vacha verblieb. Am 27. kehrte der Kurfürst wieder in seine Haupt- und Residenz­stadt Cassel zurück, die von einem bayerischen und preußi­schen Bataillon besetzt blieb. Die kurhessische Frage zog sich noch bis 1862 hin, wo sie dir abermalige Mobil-

machnng von 2 preußischen Armeekorps veranlaßte. Darauf gelang es Preußen, die Wiedereinführung der Verfassung von 1831 durchzusetzen.

Wir wollen dem einsichtsvollen Geschichtsschreiber von Sybel zustimmen, wenn er sagt:Es war gut, daß sich ein Manteuffel fand, um einen Frieden, wie den Olmützer, auf sich zu nehmen."

P. Blumenstiel.

Deutsches Reich.

Berlin. In hergebrachter Form ist die neue Tagung des Reichstages im Prunksaale des Königlichen Schlosses in Berlin durch den Kaiser selbst eröffnet worden. Et­was Neues war in dem sonst gewohnten Bilde zu sehen: zum ersten Mal zeigte sich der Kronprinz. Als der Kaiser gemessenen Schrittes zum Throne Hinausstieg, stellte sich auf dessen unterster Stufe der Kronprinz auf. Im übrigen war es auch diesmal dasselbe glänzende Bild der vorangegangenen Jahre: das Korps der Pagen in bunter Kleidung, die aus Riesenmännern zusammenge­setzte Schloßgarde mit ihren Gala Uniformen, eine glän­zende Schaar von Generälen und hohen Offizieren und viele farbenprächtige Uniformgewänder.

Der erste Berathungsgegenstand im deutschen Reichs­tage wird naturgemäß die Kostensorderung für das erste Jahr der deutschen China-Expedition sein, die im Bundes­rathe heute oder morgen, und im Reichstage selbst viel­leicht schon Ende nächster Woche angenommen werden, wird. Es kann und wird auch darüber eine ziemlich umfangreiche Debatte in der deutschen Volksvertretung geben, aber die Annahme selbst kann heute schon als zweifellos gelten. Die Vorlage verlangt, wie bekannt, rund 153 Millionen Mark, die für die Ausgaben des laufenden Jahres bestimmt sind. Man hat den Posten verschiedentlich zu hoch gefunden, aber man kann nicht sagen, daß das nach öftersten entsandte deutsche Expeditions­korps um rund 20000 Mann zu stark ist. Allerdings kommen noch die Matrosen unserer Kriegsschiffe zu diesen 20 000 Mann hinzu. Was zur guten Verpflegung und Ausrüstung dieser Truppen erwrderlich ist, kann ein Laie weniger beurteilen, wir müssen da der Militärverwaltung in welcher doch bei uns ganz gewiß kein Geld fortge­worfen wird, Vertrauen schenken. Welches Hallo würde es geben, wenn es hieße, die deutschen Truppen in China müssen bei harten Strapazen Mangel leiden? Nein, wenn einmal ein deutsches Expeditionskorps nach China gesandt werden mußte, und nach der Ermordung unseres Gesunden von Kettcler lag die gebieterische Nothwendig­keit dafür vor, so mußte es stark genug sein, um nicht in eine kritische Lage zu kommen, und die Truppen mußten auch ausgiebig verpflegt werden. Gehört soviel Geld dazu, so kann man es bedauern, daß die chinesischen Wirren überhaupt entstanden, aber daran herumschneiden kann man nicht, das wäre ein Unrecht gegen unsere Sol­daten. Die gesammte Forderung zerfällt in folgende einzelne Positionen: 1) Ausgaben der Verwaltung des Heeres 119 800 000 Mk., 2) bei der Verwaltung der Marine 28854000 Mk., 3) bei der Post- und Tele- grapheuvcrwaltung 3 800000 Mk., 4) Pensionen, Witwen- unb Waisengelder rc. 243000 Mk.. 5) Kosten einer- Medaille für die Theilnehmer an der Expedition 70000 Mk.

Bon der Mosel, 10. November. Bis vor wenigen Jahren galt es noch als Seltenheit, wenn Weinberge das Quadratmeter (gleich einer Slockfläche) auf 10 Mk. oder sogar noch höher zu stehen kamen; durchschnittlich war man sogar mit 1,50 bis 3,00 zufrieden. Als vor etwa zwei Jahren im Schwarzhof a. d. Saar für den Stock sogar 30 Mark uns bald darauf tu Berncastel a. d. Mittelmosel für die berühmte Doktorweinbergslage 60 Mark bezahlt wurden, glaubte man, damit sei nun der Höchstpreis erzielt. Auch diese Schätzung hat sich indeß als unzutreffend erwiesen. Wie dieKöln. Vlksztg." dieser Tage meldete, hat Herr Bürgermeister Kunz seine Weinberge zu Berncastel und Graach an die Weinfirma Deinhard u. Co. in Koblenz verkauft, darunter auch den zu 60 Mark den Stock vor zwei Jahren erworbenen Doktorberg zu 100 Mark das Quadratmeter oder den Stock. Die ganze Besitzung hätte demnach einen Werth von mehr als einer Million Mark. Noch niemals wurde bisher wohl in ganz Deutschland ein solch hoher Preis erzielt. Auch in Herzig a. d. Mittelmosel wurden dieser Tage 15 kleinere Weinberge. im Ganzen 3800 Qua­dratmeter, zu 61,066 Mark verkauft; das macht für den Stock auch, ohne 5 Prozent Aufgeld, 18,50 Mark.