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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 91.

Mittwoch, den 14. November 1900.

51. Jahrgang.

I hoff Lanneshof und Künzell. Die Reserve (2 Bataillone, 2 Schwadronen und ^ reitende Batterie, denen sich gegen Mittag von der Division Tietzen die von Hünfeld nach Fulda beorderten 2 Füsilier-Bataillone der Infanterie- Regimenter Nr. 18 und 32, sowie das 4. Jäger-Ba­taillon angeschlossen) hatte Aufstellung an der Straße nach Hünfeld bei derkalten Herberge" ^Leipzigerhof) die 12pfünbtge Batterie Nr. 23, wie bereits erwähnt, am Ziegelhofe genommen. Zur Vertheidigung der west­lichen Zugänge zur Stadt und der Fuldaübergänge war das 3. Jäger-Bataillon bestimmt, welches die Hornungs- brücke und die Wiesenmühle mit je 2 Kompagnien besetzte und 2 Kompagnien in Reserve hielt. Die massiven Brücken über den Fluß waren stark verbarrikadirt, die hölzernen ungangbar gemacht und die Stege abgeworfen.

Es lag in der Absicht des kommandirenden Generals, für den Fall, daß die Avantgarde zum Rückzüge ge­nöthigt würde, dieselbe bei Fulda aufzunehmen, dann in erster Linie den Abschnitt: Krätzmühle, Bachrain, Künzell, in zweiter Linie die Stadt Fulda, Unterziehers, Ziegelhof und Petersberg zu halten; endlich, wenn der Gegner mit seinen Angriffen mürbe geworden, durch eine kräftige Offensive vom linken Flügel aus demselben unter Mit Wirkung der ganzen Kavallerie in die Flanke zu fallen. Dieser Gedanke war sehr schön, aber es kam anders

Es war 2 Uhr Nachmittags geworden und der be­stimmt erwartete weitere Angriff der Bayern erfolgte immer noch nicht. Nun wurde das Feuer eingestellt, die Mani schaffen bezogen Feldwachen oder Biwacks oder wurden in die Alarmhäuser zurückgeschickt; auch die Bayern zogen ihre Vorposten zurück uud nahmen ihre Stellungen vom Morgen ein.

Zur Erklärung des plötzlichen und auffallenden Ab- brechen des Kampfes müssen wir das diplomatische Spiel hinter den Kulissen etwas betrachten.

Schon während des Scharmützels bei Kohlhaus lief beim General v. d. Grüben abermals ein Telegramm vom Kriegsminister ein mit der Mahnung,sich ja nicht zur Initiative hinreißen zu lassen; bei dem Stand der Verhandlungen hänge Alles vom Frieden in Hessen ab, der selbst sehr großer Opfer werth sei; es sei vielleicht besser, wenn er sich freiwillig auf die Etappenstraße zu- rückzöge, wo das Korps sich dann mit vollem Rechte frei bewegen könnte rc. (Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Nov. Der Kaiser, der Tags vorher bei Potsdam der Fasanenjagd oblag, hörte Sonnabend Morgen im Neuen Palais die Vorträge des Chefs des Militärkabinels v. Hahnke und des Generalstabschefs Grafen Schlieffen. Mittags nahm Se. Majestät an einer Parforcejagd auf dem Truppenübungsplatz bei Döberitz theil.

Das deutsche Marinedetachement, welches die Schreckenstage in Peking überstanden hat, ist glücklich in Tsingtan wieder eingetrosfen und nach feierlichem Empfang in die Baracken des Höhenlagers geführt worden wo ihm alle Pflege zu Theil wurde. Der Hunger und die Strapazen, die unausgesetzte Aufmerksamkeit auf die Bewegungen des Feindes, all die Nöthe und Schrecken der Belagerung sind nicht spurlos an den Männern vorübergegangen. Die Soldaten sind müde, matt und abgemagert und bedürfen einer längeren Ruhe und Er­holung. interessant sind die Erzählungen der Soldaten. Gegen 70u0 Patronen haben unsere Leute verschossen. Man mußte sparsam mit der Munition umgehen. Die Chinesen schössen im Allgemeinen zu hoch, doch thaten sich unter ihnen treffliche Schützen hervor. Die Lebensmittel reichten bis zuletzt. Alle Büchsenmilch wurde für die in der englischen Gesandtschaft eingeschlossenen Frauen und Kinder abgegeben. Die Brode in ihren täglichen Rationen wurden immer kleiner und Maulthierfleisch, in muffigen ReiS gekocht, ward gerade kein Leckerbissen, aber man litt doch nicht an den Qualen des Hungers. Zum Glück war Wasser genug vorhanden. Im Garten,der deutschen Gesandtschaft fand sich ein Brunnen. Später holte man besseres Wasser aus der anliegenden englischen Bank. Der Tabak reichte bis zuletzt, man konnte sogar bei anderen Truppentheilen Tabak gegen andere Sachen Umtauschen. Salz wurde so rar, daß man schließlich ein Kilo für 1,50 bis 2 Mark erstand. Aus den Läden wurden Lebensmittel requirirt und später beim Auszug aus Peking prompt bezahlt. Unsere Leute haben sich, als der Tag der Befreiung gekommen, nicht an der

ibftolllitten auf bic -Schlüchterner Zeitung"! s werden noch fortwährend von allen

s -. - ' Postanstalten und Landbriefträgern,

; sowie von der Expedition entgegen genommen.

Nach einem halben Jahrhundert.

Eine Erinnerung zur 50. Wiederkehr des Jahrestages derSchlacht bei Bronzell" am 8. November 1850.

(Fortsetzung.)

Der Hauptpunkt des folgenden Gefechtes war die Brücke über die Fulda nach Johannisberg, die vom 19. Infanterie Regiment wacker gehalten wurde; jedoch blieb auch der linke Flügel nicht ganz unbehelligt. Am Bachrain postirt, sah er eine Abtheilung österreicher Jäger die Straße des gegenüber liegenden Röhlingsberges herab­kommen. In einer Entfernung, in der sie sich noch schußfrei wähnte, wurde sie zu ihrem Erstaunen mit einigen Schüssen aus den weittragenden Zündnadelge- wehren empfangen. Erst verschwanden darauf die Kaiser­jäger im Walde, kamen aber bald wieder an die Lisisre um das Gefecht aufzunehmen, dessen Feuer deshalb er­folglos blieb, weil die alten Büchsen nicht weit genug trugen. Hier nun geschah das Wunderbare, aus dem eine stehende Redensart bis heute wurde und das auch die Geschichte gebucht hat: Der Trompeter Kunze vom 10. Husaren-Regiment ritt zu weit gegen b:n Feind vor, warf dann plötzlich seinen Schimmel herum, der dabei dem Feinde die Croupe zeigte. Von den vielen Schüssen, die auf die vor die Läufe gerückte, lebendige Scheibe ab­gegeben wurden, traf den Mann kein einziger; nur sein Pferd, der berühmteSchimmel von Brouzell", wurde durch einen Streifschuß verwundet. Er hat nach Aussage des Leutnants Metz von den 10. Husaren später wieder seine Dienste gethan. Erst als er altersschwach geworden wurde er ausrangirt und mit anderen Leidensgenossen versteigert. Als aber der Regimentskommandeur erfuyr, daß der spekulative Käufer den historischen Gaul vor einen fahrbaren Leierkasten spannen und als Reklame für sein vagireudes Geschäft benutzen wollte, ließ ihn der gefühlvolle Oberst unter der Hand zurückkauffn und schenkte dem verdienten Schlachtroß das Gnadenbrod.

Die Verwundung dieses Schimmels nun, daß dem Regiment-Adjutanten von Vietinghof der Mantelärmel durch einen Schuß aufgerissen und daß durch des Husaren- Leutnants von Platen Mantel geschossen wurde, das waren die einzigen Spuren, die dieSchlacht bei Bron- zcll" auf der preußischen Seite zurückließ. Von den Exekutionstruppen wurden verwundet: 5 kaiserliche Jäger von der Avantgarde unter Oberleutnant Predowitz. Nach diesem ersten Engagement der Vorhut wurden die preu­ßischen Truppen in folgende Schlachtordnung gestellt: Die Division Radziwill, deren Avantgarde im Gefecht staub, hatte nach Räumung des Dorfes Bronzell mit 2 Bataillonen, 4 Schwadronen und '/, reitenden Batterie Stellung bei Kohlhaus bezogen, wovon 1 Kompagnie und 1 Schwadron lins nach Edelzell, 2 Kompagnien und 1 Schwadron rechts nach Johannesberg zur Deckung der alten Straße nach Hanau entsandt waren. Das Gros, 6 Bataillone, stand zur Aufnahme der Avantgarde Und zur unmittelbaren Vertheidigung der Stellung in und bei Fulda in erster Linie bereit und hatte davon 1 Bataillon mit einer Kompagnie (5. der 19er) an der Krätzmühle, 1 Kompagnie mit 2 Kompagnien zur Reserve (7., 6 8. der 19.) am Bachrain, ferner 1 Bataillon an den südlichen Eingängen der Stadt Fulda (am Land- krankenhause, am Kirchhof und am Schützenhaus) ver­teilt, während 1 Bataillon zur Reserve in der Stadt aufgeste it war, welches 1 Kompvgnie nach der Domäne Neuenberg entsendet hatte. Der Rest des Gros stand mit 2 Bataillonen verdeckt östlich von Fulda zwischen dem Kalksteinbruch und der Lehmgrube; die Reserve end­lich, 2 Bataillone und 4 Schwadronen Kürassiere, stand bei Unterziehers. Von der Artillerie war 1 Batterie bei der Krätzmühle und '/- Batterie bei der Lehmgrube auf­gefahren, während die 12pfündige Batterie Nr. 12, mit derjenigen Nr. 24 von der Division Bonin vereinigt, bei dem Ziegelhofe Aufstellung nahm.

Die Division Bonin stand mit ihrer Avantgarde (1 Bataillon, 2 Schwadronen,/, Batterie) bei Mar» gretenhmn und hielt die Zugänge zum Haunthale be­setzt. Das Gros (5 Bataillone) stand zwischen dem PterSberge und dem Rauschenberge, davon 1 Bataillon bei theilt zur Besatzung von Braunhaus, Zicgelhof, Scheider-

Plünderung betheiligt. Jeder hat sich ein Andenken mitgenommen, wie man es am Wege aufheben konnte: ein Boxerhemd, eine alte Fahne oder einen Götzen, den seine Verehrer auf die Straße geworfen, da er in der Stunde der Noth nicht geholfen.

Canäle und Getreideeinfuhr. Die Getreideeinfuhr nach Deutschland über den Dortmund-Ems-Canal ge­staltet sich dem .,B. T." gegenwärtig sehr lebhaft. Die jährliche Einfuhr über Emden, Leer und Papenburg ist von 15,00) auf 87,500 Tonnen Getreide gestiegen, wovon vier Fünftel auf dem Canal nach Westfalen weiterbefördert wurden. Eine Zunahme der Getreidezu­fuhr im Ganzen findet dadurch allerdings nicht statt, sondern es nahmen die bisher über andere belgische oder holländische Häfen rheinwärts eingeführten Mengen jetzt den billigeren Weg durch den Canal, wodurch sich auch das eingeführte Getreide sehr verbilligt.

Die Enthüllungen im Sternberg-Prozeß haben auch beim Kaiser das größte Interesse hervorgerufen. Der Kaiser hat sich über den Prozeß vom Reichskanzler Vortrag halten lassen, wobei der Monarch sich dahin geäußert hat, daß Maßnahmen zu ergreifen seien, welche eine Wiederholung derartiger Dinge zur Unmöglichkeit machen; denn die Kriminalpolizei der Reichshauptstadt müsse eine Elitetruppe im deutschen Kriminalwesen sein. Der Monarch erwartet umgehend Vorschläge zu diesen Maßnahmen und Neuerungen. Die Veröffentlichung eines neuen ministeriellen Erlasses steht bevor, der den letzten derartigeu Erlaß vom Dezember vorigen Jahres ganz erheblich ergänzt.

Hamburg. Die Beschlagnahme angeblich transvaali- scher Staatsgelder auf dem deutschen PostdampferBun­desrath" klärt sich auf. Es handelt sich um einen reinen Privatstreit, der jedes politischen Interesses entbehrt. Die Regierung der Südafrikanischen Republik hatte während des Krieges die Ausbeute der Goldminen für ihre Zwecke verwendet und den Besitzern der Minen Bons dafür ausgestellt. Da nun der Ausgang des Krieges die Einlösung der Bons in Frage stellt, ist auf Anhalten eines internationalen Konsortiums von Be- theiligten die Beschlagnahme der 30 auf dem Dampfer Bundesrath" befindlichen Kisten mit Gold bewirkt worden. Zum Zwecke der Beschlagnahme hatten sich mehrere Be­amte des Hamburger Gerichtsvollzieheramts nach Cux- Haven bcgeben, wo sie die Ankunft desBundesrath" er­warteten. L-ämmtliche 30 Kisten wurden bei der An- kunft desBundesrach" im hiesigen Hafen geöffnet und der Inhalt durch Sachverständige geprüft. Der Gesammt- werth der Sendung wird auf etwa drei Millionen Mk. geschätzt. Die beschlagnahmte Goldsendung aus Transvaal war an die Hamburger Firma Arndt u. Cohn gerichtet. Es wird von der Firma gegen die Beschlagnahme Protest erhoben, da das Gold durchaus Unbeteiligten gehöre. Von wem die Sendung in Wahrheit ausgegangen, steht noch nicht fest. Die einen behaupten, das Gold sei transvaalisches Staatseigenthum und diene zur Bezahlung von Lieferungen, die anderen, es gehöre Krüger.

Effen. Welche Bedeutung die Kruppsche Konsum- anstalt hat, kann man aus folgenden Zahlen ersehen. In diesem Jahre gelangt wie in den Vorjahren ein Rabatt von 7 Prozent zur Auszahlung. Der Umsatz überstieg im vergangenen Jahre 8 Millionen, so daß jetzt etwa 6u00u0 Mk. an Rabatt zur Auszahlung gelangen. Daß die hiesigen Geschäfte von einer solchen Konkurrenz nicht erbaut sind, ist begreiflich.

München. Das bayerische Oberlandesgericht München hat das schlechte Einschenken der Bierkrüge als eine Vorspiegelung falscher Thatsachen oder als vollendenten Be­trug erachtet. Ein Schenkkellner war, wie seiner Zeit gemeldet wurde, wegen Betrugsversuchs in Anklagezustand versetzt worden, weil er nachweisbar wenigstens in zwei Fällen an Gäste statt einer Maß nur eine halbe, bezw, anderthalb Quart Bier abgegeben hatte. Er war des­halb vom Landgericht München zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt worden mit folgender Begründung: Es liege eine Vorspiegelung falscher Thatsachen Seitens des An­geklagten vor, weil er durch die bekannten Kunstgriffe Heben und Senken des Kruges beim Einschenken u. s. w. übermäßig viel Schaum erzeugte und so bei den Gästen den Schein erweckte, als ob sie volle Kruge bekämen, während thatsächlich der Inhalt der Krügc nur zum kleinsten Theil aus Bier, im Uebrigen aber aus Schaum bestand. Das Oberlandesgericht hat ' s.s Urtheil bestätigt,