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er sich beharrlich, den Aufforderungen der Mächte zu entsprechen. Hin und wieder heißt es zwar, der Kaiser wäre nicht abgeneigt, zu kommen, selbst in dem Falle nicht, wenn die Kaiserin-Witwe es vorziehen sollte, in Singanfu zu bleiben; das ändert jedoch an der Thatsache nichts, daß er nicht erschienen ist, solange kein unmittel­barer Zwang auf ihn ausgeübt wurde. Da es in Güte nicht geht, so wird dem Widerspänstigen gegenüber am Ende doch Gewalt angewendet werden müssen. Alle Vorbereitungen sind dazu getroffen, um dem Kaiserhose das Leben in dem entfernten Singanfu recht ungemüth- lich zu machen. Boxer und sonstige unsichere Elemente, von denen Tschili befreit wird, werden ihm auf den Hals geschickt und dafür werden alle Straßen verlegt, auf denen der Transport von Lebensmitteln nach Singanfu stattfinden könnte. Die Diplomaten haben vorläufig jedenfalls noch Ruhe, denn auf die Nachricht, daß die eigentlichen Friedensverhandlungen noch im Laufe dieses Monats ausgenommen werden würden, ist unter den ob- waltenden Verhältnissen soviel wie gar nichts zu geben. Generalfeldmarschall Graf Waldersee hat die in Poa- tingfu gefällten Todtesurthelle, wie ganz selbstverständlich war, bestätigt. Zur Kriegsführung in China erhält dieVoss. Ztg." einen Bericht aus Rom, der für die verbündeten Truppen alles andre als schmeichelhaft ist. Während die Pariser Blätter unlängst namentlich von angeblichen Brutalitäten deutscher Truppen zu melden wußten, sagt der römische Bericht den Deutschen nichts Schlimmes nach, nimmt dagegen die Russen gehörig aufs Korn. Am schlimmsten, so heißt es in dem Bericht, haben die Verbündeten in Tungtschau gehaust, wo nament­lich die Russen sich einer mehr als vandalischen Zer­störungslust, Roheit und Grausamkeit sich schuldig mach­ten. Jene blondharigen Riesen, die aus den sibirischen Steppen den Fuß auf dieses reiche und fruchtbare, grüne und blühende Land gesetzt haben, denken vom Kriege gerade so wie die Hunnen und Wandalen dachten, als sie in Italien eindrangen, nur mit dem Unterschiede, daß die Wandalen mit den Besiegten menschlicher verfuhren Der Krieg in China erscheint, wenn man bie Kosaken bei der Arbeit sieht, nicht mehr wie ein Eroberungs- sondern wie ein Vernichtungskrieg. In Tungtschau war die Bevölkerung der großen und wohlhabenden Stadt zum großen Theil zurückgeblieben und hatte den an- rückenden sremden Truppen die Thore geöffnet. Die Bewohner standen vor ihren Häusern und Läden und boten den Truppen Speise und Trank an. Die Ankunft der Kosaken aber gab das Zeichen zu Brand und Mord und Plünderung. Auf die erschreckte Menge wurde ge­feuert, bis sich Berge von Leichen anhäuften. Von den später Anrückenden wurde die Stadt in Brand gesteckt, da sie nichts mehr zu rauben und niederzumetzeln fanden, vergnügten sie sich an der Feuersbrunst. Ueberall Leichen, auf den Straßen, auf den Trümmern der Häuser, in dem übelriechenden Bach. Sollte sich diese Darstellung auch nicht wörtlich bewahrheiten, so muß man doch an­nehmen, daß die Kosaken fürchterlich gehaust haben. Lieber den Franzosen als Feind, denn den Russen als Freund, so sagte man im deutschen Vaterlande schon zu Napoleons Zeit. Daß deutsche Soldaten sich solcher Grausamkeiten nicht schuldig machen, dafür bürgt die deutsche Disziplin, der deutsche Gerechtigkeitssinn. Und daß die deutschen Truppen auch im fernen China strenge Manneszucht üben, darauf können wir stolz sein.

Lokale- und Provinzielles

* Schlichtern, 9. November.

* Versetzt wurden der Postverwalter Großkurth von Mansbach nach Birstein, der Postverwalter Baum garten von Birstein nach Hanau als Postassistent, die Postassistenten Riecke von Eitersfeld nach Wächtersbach, Sinning von Birstein nach Hersfeld, Stelzner von Steinau nach Sterbfritz.

* Nächsten Montag findet der sogenannteKalte Markt" dahier statt.

* Die Rinderzuchtgenossenschaft des Kreises Schlüchtern, errichtet nach Statut vom 16. September d. I., ersucht diejenigen Viehzüchter des Kreises, welche jetzt noch beitreten wollen, ihre Anmeldung alsbald zu bewirken, weil die Ankörung und Nummerirung der Zuchtthiere in den nächsten Tagen beginnt und bis Ende d. Mts. zum Abschluß gebracht wird, eine weitere An körung für das Stammzuchtregister aber voraussichtlich vor Herbst 1901 nicht wieder stattfindet. Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden, sowie die Mitglieder der Genossenschaft werden bereitwilligst nähere Auskunft geben, auch sind Anmeldungsformulare bei denselben stets vorräthig Die Genoffenscha't wird den An- und Verkauf von reinrassigen Simmenthaler Rinder und Zuchtbullen in- und außerhalb des Kreises vermitteln nnd daß für reinrassige Thiere mit Attest bedeutend höhere Preise verlangt und bezahlt werden, als für Kreuzungsprodukte, liegt auf der Hand.

* Die bevorstehenden Herbstkontrollversammlungen werden dadurch eine besondere Bedeutung erlangen, daß sich die Reservisten darüber zu erklären haben werden ob sie eventuell bereit sind an der China-Expedition thcil- zunehmen. Die Militärverwaltung nimmt, wie die Berliner Volkszeitung" mitlhcilt, an, daß noch eine Reihe von Ersatztruppen nach Ostnsicn gesandt werden müssen, und es werden daher die Reservisten, einschließ­lich der Unteroffiziere, befragt werden, ob sie sich für etwa erforderlich werdende neue Truppentransporte vormerken lassen wollen. Die Leiter der Bezirkskommandos sind angewiesen worden, dafür zu sorgen, daß diese Frage an sämmtliche Manschaften der Reserve gerichtet wird. Die Betheiligten werden gut thun, sich schon jetzt reiflich zu überlegen, welche Antwort sie geben wollen. Wer sich einmal gemeldet hat, ist an die von ihm übernommene Pflicht gebunden und fein Entschluß kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

* (Schwurgerichts - Sitzung am 7. November.) Der Auszüger und Bürgermeister a. D. Aloys Reisinger von Marborn hatte sich wegen Urkundenfälschung zu ver­antworten. Derselbe befindet sich seit dem 28. Juni d. J. in Untersuchungshaft. Die Verhandlung ergiebt folgendes: Eines Tages im Jahre 1898 kam der Han delsmann Sondheimer von Schlüchtern zu ihm, erzählte, er fahre in die Schweiz, um einen Transport Bullen­kälber Simmenthaler Rasse zu holen, und frug ihn, ob er eins mitgebracht haben wollte, er hätte auch eins von dem Herrn Geheimrath R. dortselbst bestellt bekommen. Sie wurden handelseinig. Später brache auch S. auf einem Wagen, auf dem noch mehrere Stück waren, ein Bullenkalb von 1011 Wochen Da Reisinger jedoch auch wissen wollte, ob die Rasse echt sei, verlangte er von dem Handelsmann ein Ursprungszeugniß Dieser sagte, er habe es vergessen, wenn er (R.) aber nach Schlüchtern käme, n öge er es sich holen. Als nun später das Kalb gekört wurde, erhielt die amtliche Bescheinigung

den VermerkKreuzung", es war also keine reine Rasse. Trotzdem verkaufte R. den Bullen an die Gemeinde l Jossa zu 425 Mk. und da Sondheimer schließlich angab, / das Ursprungszeugniß verloren zu haben, aber fest ver­sicherte, daß es echte Rasse sei, nahm R. eine alte Ur­kunde, die er s. Z. erhielt, als er auch einen Simmen­thaler Bullen kaufte, änderte die Jahreszahl 1890 in 1899 um und sandte das Zeugniß dem Bürgermeister in Jossa zu. Dieser merkte aber den Zauber und sandte ihm das Papier zurück, worauf R. antwortete, irren sei menschlich, er habe sich vergriffen. Der Kauf wurde wegen der Bemerkung des Kreisthierarztes bei der Körung Kreuzung", rückgängig und kaufte dann die Heimath- gemeinde Reisingers den Bullen ohne Bescheinigung für 450 Mark. Reisinger glaubt sich keiner Strafthat schuldig, da das geänderte Ursprungszeugniß in Allem mit dem Bullen übereinstimmend, nur habe er die Jahreszahl ge­ändert, auch habe er sich keinen Vortheil dadurch erringen wollen, denn ohne Zeugniß habe er von der Gemeinde mehr erhalten. Die Geschworenen sprachen nach langer Berathung Nichtschuldig aus, worauf der Angeklagte frei­gesprochen wurde.

Fulda, 4. November. Das unvorsichtige Umgehen mit eyier Schußwaffe hat wieder einmal ein Menschen­leben gekostet. Der 13 Jahre alte Feilenhauerssohn Fritzsche spielte gestern in Gegenwart des 15 Jahre alten Stationsgehülfensohnes Hartmann mit einer ge­ladenen Pistole, welche sich entlud und das Projektil.dem Zuschauer in den Kopf trieb. Hartmann ist an der Verwundung gestern abend im Landkrankenhause gestorben. Der Thäter ist verhaftet.

Burghann, 31. Okt. Ende Mai d. Js. machte ein Straßenränder die hiesige Gegend unsicher, derselbe stattete auch auf seiner Reise Burghann einen Besuch ab, um wahricheinlich auch hier sein Handwerk zu betreiben, nachdem er vorher bei Niederaula einem Mann auf offener Straße eine Summe Geldes abgcuommen hatte. In Burghaun traf er einen Bekannten, welchem dieser Bursche verschiedene Erzählungen machte. Diese Mit­theilungen kamen auch zu Ohren des hiesigen Gendarmen Herr Warwel, dieser sammelte sich die nöthigen Notizen, schickte dieselben der Königlichen Staatsanwaltschaft nach Cassel ein, von welcher eine Belohnung von 100 M. für die Ergreifung dieses saubern Burschen ausgesetzt war. Auf Grund der vom Gendarmen Warwel der Königlichen Staatsanwaltschaft in Cassel gemachten Mit­theilungen war die Festnahme dieses Verbrechers möglich geworden und es wurde dem Gendarmen Warwel für sein korrektes Verfahren vom Herrn Minister des Innern eine Belohnung von 60 Mark übermiesem (H. Kbl.) Weidet

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Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Sonntag, den 11. November 1900.

Vormittagsgottesdienst: Herr P'arrer Hattendorff. Nachmittagsgottesdienst: Herr Cand. Junker.

Wochendienst: Herr P arrer Hattendorff.

Katholischer Gottesdienst

Vormittags '/z10 Uhr: Franziskaner-Pater.

F. 12/00.

Aufgebot.

Die Wittwe dcs Bauers Wilhelm Ulrich, Wilhelmine geb. Kohlhepp in Schwarzenfels hat beantragt, ihren ver­schollenen Bruder Carl August Kohl« Hepp, zuletzt wohnhaft in Schwarzenfels, geboren daselbst am 17. August 1845, für todt zu erklären.

Der bezeichnete Verschollene wird auf­gefordert, sich spätestens in dem auf den 1. Zuli 1901, Vormittags 10'|3 Uhr vor dem unterzeichneten Gericht anberaumien Aufgebotstermine zu melden, widrigenfalls die Todeserklärung erfolgen wird.

An Alle, welche Auskunft über Leben oder Tod des Verschollenen zu ertheilen vermögen, ergeht die Aufforderung, spätestens im Aufgebotstermine dem Gericht Anzeige zu machen.

Schwarzenfels, den7. November1900.

Königliches Amtsgericht.

Bekanntmachung.

Geeignete Arbeiter, welche sich an der diesjährigen Holzhauerei im Stadt- wald betheiligen wollen, werden aufgefordert, sich am Montag, den 12. November, Vormittags 11 Uhr, behufs Abschluß des Accords im Rathhaus einzufinden. Schlüchtern, den 7. November 1900.

Der Magistrat:

Salomon.

Die Erben des Ferd. Alex. Zipf zu Schlüchtern verkaufen die an der Hanauerlandstraße Nr. 40 telegene Hos« raithe

1. Karte U. Nr. 101 a) Wohnhaus, b) Hintergebäude, c) Scheune mit Stall- gebäude 8 ar 67 Qm

2. Karte U. Nr. 102, Haus­garten 3 04

3. Karte J. J. Nr. 5,

Acker im Ohl 1 ha 98 02 freihändig, unter günstigen Zahlungsbe­dingungen. Das Anwesen befindet sich in gutem Bauzustande und eignet sich zu jedem größerem Geschäftsbetriebe, als Gast- wirthschast, Metzgerei, Schreinerei. Bäckerei m*' Landesproduktenhandel u. dergl, mehr. Jede nähere Auskunft ertheilt der Be­vollmächtigte

K. A. Leipold,

Lindenberg bei Schlüchtern.

Ich fühle mich veranlasst, Ihnen mitzutheilen, dass Geo Dötzers Mast- und Fresspulver für Schweine sich sehr gut bewährt hat, kann es des­halb jedem Schweinezüchter angele­gentlichst empfehlen, Seitdem ich das Pulver anwende, hat die Fress- lust sich bedeutend vermehrt. Franz Lambr ich , Masburg, Kr. Gehen. In Schachteln ä 50 Pfg. erhältlich bei Apotheker Müller in Schlüchtern und Apotheker Karl in Freien- ßteinau.

(ßritndftüdU-üerpQclitung.

Die mit Ablauf dieses Jahres pachtfrei werdenden und verschiedene andere tin Eigenthum des Rittmeisters Hugo Freiherrn von Stumm-Ramholz stehenden Acker- und Wiesenparzellen sollen auf die Dauer von sechs Jahren öffentlich meistbietend, unter den im Werpachtungstermine näher bekanyt.zu machenden Bedingungen verpachtet werden. i

Das Ausgebot der in den Gemarkungen Ramholz, Vollmerz, Hinkelhof und Gundhelm (ehemal. Nie. Scheel'scher Grundbesitz) telegenen Parzellen erfolgt am Donnerstag, den 15. November 1900, Vormittags 9 Uhr im Gasthause von Heinrich Freund zu Vollmerz, der in bem Gemarkungen Sannerz, Weiperz und Sterbfritz belegenen Grundstücke am Freitag, den 16. November 1900, Vormittags 9 Uhr im Gasthause von E. Lohenius zu Sannerz, der in den Gemarkungen Weichersbach und Oberzell belegenen Parzellen

am Freitag, den 16. November 1900, Nachmittags 2 Uhr im Gasthause von Joh Gärtner zu Weichersbach. - -

Ramholz, den 6. November 1900.

Die Freiherrlich von Stumm'sche Rentverwaltung.

Zucker ist ein Nahrungsmittel.

Die künstlichen Süssstoffe (Saccharin, Zuckerin, Crystallose, Sykcrin u. a. m.) werden aus Theer hergestellt und ______________________besitzen keinen Nährwerth._________

L A. Pelissier, ganau,

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