WWmm Zeitung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt- vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 90.
Samstag, den 10. November 1900.
>51. Jahrgang.
IkfMhtttrtttt auf ^e .Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen
■ — ■ Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Nach einem halben Jahrhundert.
Eine Erinnerung zur 50. Wiederkehr des Jahrestages der „Schlacht bei Bronzell" am 8. November 1850.
(Fortsetzung.)
Das Hauptquartier wurde in Schlächtern aufgeschlagen. General Fürst?'von Thurn und Taxis gab von da aus in einer Antwort auf ein Schreiben des Generals v. d. Gröben die beiläufige Stärke der unter seinem Befehl stehenden Truppen auf 20000 Mann an, zu deren Unterstützung demnächst noch 25000 Mann unter Führung des österreichischen Feldmarschall-Leutnants v Legedttsch stoßen würden. Man nahm diesseits die die Zahlen für sehr hochgegriffen an und wußte auch, daß es mit dem Anmarsch des Legedit'schen Corps noch gute Weile habe. Fulda erhielt inzwischen noch etwas mehr Einquartierung, da das 14. Jnf -Regt, eingetrosfen War. Die Bevölkerung war in großer Aufregung, weil es stündlich den Zusammenprall der feindlichen Heeres »lassen und auch nach einer alten Weissagung den Untergang der Stadt fürchtete.
Während dessen trat in der bisher festen und euer- gischen Haltung der preußischen Regierung in der hessischen Frage durch politische Machinationen ein für den schlagfertigen Höchstkommandirenden peinliches Wanken und Schwanken ein, daS darin seinen bedenklichsten Grad erreichte, daß aus Berlin die Ordre eintraf, „die Vorposten nicht weiter vorzuschieben und jeden Zusammenstoß mit den Bayern zu vermeiden."
Der 4. November brächte Unruhe in das preußische Lager; die Bayern setzten trotz aller Proteste ihren Marsch fort und standen bereits zwischen Neuhof und Tiefengrul *;:. Die preußischen Vorposten zogen sich zwar, ohne Widerstand zu le sten, langsam zurück, doch erschien eine militärische Demonstration im größten Maßstabe unerläßlich. Die Bayern rückten immer weiter vor, bis sie bei Dorf- born stehen blieben.
Am Morgen des 5. November wurden die Höhen am Bachrain wieder besetzt und zwar vom 19. Jnf-Reg. Auf die Meldung des Grafen v d. Gröben nach Berlin: »die Bayern drängten fortgesetzt vor, daß er aber den Rückzug nur in die Stellungen vor Fulda ausführen, da aber aktiven Widerstand leisten werde." — hatte derselbe vor Tagesanbruch von dem den erkrankten Grafen von Brandenburg vertretenden Minister v. Manteuffel die nichtssagende Rückantwort bekommen: „er solle, da Verhandlungen wegen der Mittesetzung KnrheffenS eingeleitet wären, bei der Nähe der feindlichen Vorposten des Nachts nicht über die Chaine hinaus patrouilliren lassen." Erst in der Nacht vom 5./6. November wurde v. d. Gröben vom KriegSministerinm ermächtigt, „die Position bei Fulda eventuell zu halten, jedoch — da noch Verhandlungen schwebten, einen Konflikt zuvermeiden." Hierauf ließ der Höchstkommandirende die Dörfer KohlhauS, Johannis- berg, Edelzell und Bronzell, sowie die feste Brücke über die Fulda besetzen und schickte ein starkes Detachement der 10. Husaren bis zum Löschenröder Wirthshaus vor. Die Division Bonin erhielt die Anweisung, sich bei Künzell dem linken Flügel der Division Radziwill anzu- schließen, im Haunthale aufzustellen und mit der Reserve den PeterSberg zu besetzen. Die Division Tietzen stellte bei Hünfeld 3 Bataillone zur Diposition. —
Die Bayern drangen zwar am Vormittag deS 6. Nov di- zur Fuldabrücke unterhalb Löschenrod vor, von wo infolge dessen die preußischen Feldwachen auf daS rechte Huldaufer zurückgenommen wurden, machten jedoch auf die Drohung deS Vorposten-KommandeuS v. Katte: „Das lleberschrriten der Brücke als FnedenSbruch zu betrachten und mit den Waffen zurückweisen zu wollen," einstweilen tot derselben Halt und die Brücke wurde für die Nacht neutral erklärt Die in der Nacht vom 6.|7. November tipgetroffene Trauernachricht von dem Ableben deS preußi- scheu Ministrrpäsidentcn Grafen von Brandenburg wurde fast übertönt vom Lärm der Neffen. Gleichzeitig wurde endlich 'bem Grafen v. d. Gröben aufgegeben, „hinfort nur nach militärischen Gesichtspunkten zu handeln, möge es die Position bei Fulda betreffen oder eine andere, die ihm günstiger scheine." Wider Erwarten folgte im Laufe htt Tage- tfr erwartete Vormarsch der Bayern nicht
ferner für das Backhaus und die Backstube getrennte Räume vorhanden sein. Die Zahl der in jedem Arbeitsraum beschäftigten Personen muß so bemessen sein, daß auf jede mindestens 15 ebm Luftraum entfallen. Die Temperatur in den Räumen darf 35 Grad Celsius nicht übersteigert, und endlich sollen auch noch besondere An- klcide- und Waschräume vorhanden sein, die von den Arbeitsräumen zugfrei zu erreichen und heizbar sind. In Fällen, wo diesen Anforderungen nicht ohne Um- oder Anbauten entsprochen werden kann, soll während der ersten zehn Jahre lediglich die Beseitigung erheblicher Mißstände, die ohne bedeutende Aufwendungen möglich find, verlangt werden.
— Ueber die Papiertheuerung wird dem „B. T." ge- geschrieben: Wir haben uns, wie unsere Leser wissen, schon mit den übermäßigen Forderungen des Syndikats der deutschen Papierfabrikanten beschäftigen müssen, die eine Erhöhung der Papierzölle befürworten, um ungestört durch irgendwelche Konkurrenz ihren Abnehmern unerschwingliche Preise vorschreiben zu können. Die Papierfabrikanten haben innerhalb von sechs Monaten die Papierpreise um 50 Prozent und mehr gesteigert. Gewöhnliches Druckpapier, das im Frühjahr 21 Pfennige kostete, wird jetzt mit 30 Pfennig angeboten, und weitere Preissteigerungen sollen bevorstehen. Die Fabrikanten haben sich zu einem Ring vereinigt, der die Bezieher von Papier in der unglaublichsten Weise terrorisirt und namentlich die kleineren Blätter von der Gnade des Syndikats abhängig macht. Eine Reihe schwächer situirter Zeitungen wird, wenn das so weiter geht, nach Ansicht Sachverständiger zu Grunde gerichtet werden, und bei manchen größeren Zeitungen wird jede Rentabilität in Frage gestellt sein Der Export vou Papier nach dem Auslande ist dabei beträchtlich gestiegen und betrug in den ersten acht Monaten dieses Jahres 1475721 Doppelcentner gegen 1220 325 Doppelcentner im gleichen Zeitraum des 'i-orsP'res. Die Einfuhr betrug dagegen in dem entsprechenden Zeitabschnitt nur 262617 respektive 283501 Doppelcentner. Die Papierindustrie ist also zu einem wesentlichen Theil eine Exportindustrie geworden. Unter diesen Umständen erklärt es sich auch, daß das Papiersyndikat alle Konkurrenzofferten der Fabrikanten zu verhindern weiß.
— Welche enormen Miethspreise für Geschäftslokalitäten in der Leipzigerstraße zu Berlin gezahlt werden, beweist der Umstand, daß die in der Leipzigerstraße 72 belegenen Parterrcrüume und die erste Etage an ein Schirmgeschä t (M. Wigdor u. Sohn) für 40,000 Mk. jährlich auf zehn Jahre vermiethet worden sind. In dem Neubau, welcher Leipzigerstraße 73|74 erreichtet wird, hat, wie der „Confektionär" mittheilt, die Firma Albert Rosenhain Geschäftsräume für 60000 Mark (auf 20 Jahre) gemiethet.
Halle. Auch ein Jubiläum. Bei der Flut von Jubiläen, die sich namentlich in wissenschaftlichen und Künstlerkreisen immer breiter macht, ist es kein Wunder, daß sich auch kleinere Geister vom Jubiläumsfieber anstecken lassen. So feierte der „Hall. Ztg." zufolge am Sonnabend die Wittwe Johanne Rosine Böhme in Wiedemar den Tag, an dem sie 25 Jahre der Gemeinde Wiedemar die Gänse gehütet hat.
Ausland
In der Schweiz, Kanton Bern, fand am Sonntag eine Volksabstimmung über die Einführung eines neuen Frauenrechtes statt. Nach demselben sollen Frauen in die Schulvorstände gewählt werden können.
Ncwyork, 7. November. Nach einer Meldung des „Newyorker $eralb" erhielt Mac Kinley 294, Bryan 153 Elcktoralstimmen. Mac KinleyS Wahl ist zweifellos. London, 8. Nov. Die Morgenblätter melden aus Shanghai von gestern, eS gehe das Gerücht, die Kaiserin« Wittwe sei gestorben. Infolgedessen herrscht große Aufregung Die chinesischen Beamten hätten keine Kenntniß von ihrem Tode. Die „TimeS" melden aus Shanghai: Der stellvertretende Vicekönig der Provinz Tschili Ting- jung, der Talarcngcneral Kneiheng und der Oberst Wangtschamne wurden auf Befehl des Kriegsgerichts zu Paotingfu erschossen.
China. Ohne die Rückkehr des Kaisers Kwangsü nach Peking ist die Führung von Friedensoerhandlungen schwierig, ein Abschluß solcher Verhandlungen undenkbar.
und in der Nacht vom 7/8. November lief vom Kriegsminister ein Telegramm ein, worin dem Grafen v. d. Gröben mitgetheilt wurde: „es erscheine dem Staatsministerium wünschenswerth. daß er sich — da die Regierung gegenwärtig große Rücksichten auf Rußland nehmen müsse — nach der Etappenstraße (Bacha-Hersfeld) zurückziehe, insofern nicht die militärischen Rücksichten dies verböten." Graf v. d. Gröben depeschirte zurück, „daß er nach den Erklärungen, die er infolge des Zurückdrängens seiner Vorposten habe abgeben müssen, nur dann mit Ehren seine Stellung räumen könne, wenn ihm dies höher» Orts bestimmt befohlen werde."
Inzwischen war der Morgen des 8. November angebrochen und die Dinge drängten zur Katastrophe. Von der bei Löschenrod aufgestellten Vorhut lief die Nachricht ein, daß die bayerische Avantgarde trotz allen Protestes die Fuldabrücke überschritten habe und sich auf der Straße nach Fulda dem von den Preußen besetzten Dorfe Bronzell nähere. Auf der Straße marschiere ein Zug Che- veauxleger und zu beiden Seiten derselben je ein Zug österreichischer Jäger; ihnen folgten 6 Geschütze, zwei bis drei Schwadronen und ein bayerisches Bataillon. Hier kam es zu dem Vorpostengefecht, das man mehr ironisch als ernst die „Schlacht bei Bronzell" genannt. Nach dem Bericht des Vorposten-Kommandeurs v. Katte ging es folgendermaßen zu: „Die bayerische Avantgarde war auf der Straße rasch vorgegangen, die vorgeschobenen preußischen Feldwachen hatten sich langsam gegen Bronzell zurückgezogen. Ein links bei der Fasanerie (Schloß Adolfseck) gestandene Husaren-Feldwache mußte auf einem Wege zurückgehen, der etwa 350 Schritte südlich von Bronzell in die Hauptstraße einmündete. Da sie ge messenen Befehl hatte, nur im Schritt zurückzureiten, die bayerischen Spitzen aber auf der Hauptstraße immer näher kamen, so lag die Besorgniß vor, daß diese den Punkt, wo der Seitenweg in die Hauptstraße einmündet, noch v9cr erreichen würde, als die zurückreitenden Husaren, welche hierdurch abgeschnitten worden wären. Um diesen Zusammenstoß zu vermeiden und die Bayern zum Stehen zu bringen, befahl General von Katte dem Offizier der an dem Südausgange von Bronzell stehenden Feldwache vom 13. Infanterie-Regiment, einige Schüsse abzugeben Auf diesen Befehl fielen etwa 4 oder 5 Schüsse, aber sofort entwickelten sich rechts und links der Straße die österreichischen Jäger zu einer Tirailleurlinie, welche das Feuer lebhaft erwiderte und unter demselben mit „Hurra- auf das preußenleere Bronzell vorgingen, während links der Straße auf einem Hügel 2 Geschütze auckuhren und abprotzten. Es lag nicht in der Absicht, Bronzell zu halten, darum zog General v. Katte seine Truppen aus Kohlhaus zurück, um von da aus die Vertheidigung der Stellung von Fulda aufzunehmen.
(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser wohnte Donnerstag Vormittag in Potsdam der Vereidigung der Rekruten der dortigen Garnison bei. Nach dem Gottesdienst hielt der Kaiser eine Ansprache an die Rekruten.
— Ein wohlschmeckendes Weihnachtsgeschenk für unsere Chinakrieger wird in Hieran in Tirol vorbereitet. Dort sind viele Obstgartenbesitzer emsig damit beschädigt, tadellose Aepfel und Birnen feinster Qualität mit besonderer Sorgfalt einzupacken. Das Obst wurde von einem deutschen Händler bestellt und soll von Bremen auS als Weihnachtsgeschenk für unsere Soldaten nach China gesandt werden. Es wundert uns nur, daß deutsche Obstzüchte» nicht berücksichtigt wurden.
* — Die Raiffeisen-Organisation umfaßte nach ihrem neuesten Berichte am Schluß des letzten Jahres mehr als 3300 Genossenschaften, darunter gegen 3l00 Spar- und DarlehnSkasfenvereine. Der Geldumsatz deS Centralgeld- institutS, der landwirthschafilichcn CentraldarlehnSkasse für Deutschland, betrug 416 Millionen Mark.
• — Ueber die Errichtung und den Betrieb von Bäckereien und Conditoreien werden im ReichSamt des Innern bekanntlich neue Vorschriften geplant. Der „Voss. Ztg." wird darüber berichtet: In Zukunft soll der Fußboden einer Bäckerei nicht tiefer alS V, m unter dem Erdboden liegen. Die Backstubenräume müssen 3 m hoch und mit Fenstern versehen sein, welche genügen, um für alle Räume ausreichend Luft und Licht zu gewähren. In Bäckereien, in welchen regelmäßig mehr alS zwei Gehilfen und Lehrlinge beschäftigt werden, müssen
I Das weiß der Kaiser sicher auch selbst, trotzdem weigert