WWernerMung
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Samstag, den 3. November 1900
51. Jahrgang
auf die „Schlüchterner Zeitung" jvoraussichtliche Getreidemenge dem Proviantamt mit.
ßöftöllltHAöM auf die „Schlüchterner PvIlVUlH’yvll werden noch fortwährend
von allen
■ —........Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Errichtung von Getreide-Lagerhäusern im Interesse der Landwirthschaft.
Die Raiffeisenvereine Heiligkreuz, Oberfeldkirchen und Tirlaching traten im Juni 1895 auf Anregung des Pfarrers Josef Staudinger in Heiligkreuz zu einer Verkaufsgenossenschaft zusammen, um an der Bahn- station Trostberg ein Lagerhaus zu errichten, für welches sie die solidarische Haftung übernehmen wollten.
Das Lagerhaus ist ein kleiner Holzbau auf kleinen Säulen aus Mauerwerk aufgeführt, mit feuerfester Bedachung, 18 m lang, 12 m breit. Später wurde noch eine 10 m lange Kunstdüngerhalle angebaut, deren obere Etage eine Verlängerung des Schüttbodens bildet. Die Kosten des Baues und der ganzen Anlage stellten
sich schließlich auf folgende Beträge: Ausgaben für dieHallebiszurFertigstellung Maschinen nebst zwei Elevatoren u. s. w. Montage, Zimmer- und Schreinerarbeiten u. s. w...... . . .
Motoranlage mit Licht- und Stromzähler Inventar incl. 1000 Säcke, Geldschrank Telephon.......... Tünchen....... ■ . •
M.
ff
5,644,51
5,056,68
1,864,65
2,228,82
1,257,46
272,50
295,70
Zusammen 9)0 16,620,32
DaS Getreide wird nicht von der Genossenschaft angekauft, sondern nur eingelagert auf Rechnung der Ee- nossen, event, bis zu 80"^ belichen und dann auf An-
Zu Beginn jeden Monats berichtet der einzelne Bauer wieder au den Obmann, wieviel Getreide er in diesem Monat abgeben will. Der Obmann berichtet auf Postkarten, die von der Genossenschaft bezahlt werden, sofort an den Kassirer, und dieser bis spätestens am 10. des Monats an das Proviantamt. Bis zum 12. und 13. jeden Monats erhalten die Proviantämter die Preise vorgeschrieben, welche sie bis zum 15. des folgenden Monates zahlen dürfen. Ein Beamter des Proviantamtes erscheint nun im Lagerhaus, fertigt die Frachtbriefe im Namen des Proviantamtes für so und so viele Waggons und die Verfrachtung geschieht als ärarisches Gut. Dadurch werden die Transportspesen für die Genossenschaft geringer und der Bauer bekommt in Folge dessen etwa 10 Pfg. pro Ctr. mehr.
Das genossenschaftliche Lagerhaus zu Stambach ist bemerkenswerth wegen seiner geringen Anlagekosten. Diese betragen insgesammt Mk. 4678, einschließlich der Kosten für einen Trieur, eine Windfege, Säcke u. s. w. Das Lagerhaus wurde errichtet von den beiden Dar- lehnskassen-Vereinen Stammbach und Straas, deren Mitglieder, etwa 200, lauter kleine Landwirthe sind. Das Gebäude besteht ganz aus Holz, ist mit Dachpappe bedeckt, 15 m lang und 6 m breit und kann leicht zu einem Wohnhaus umgewandelt werden. Im ersten Jahre wurden etwa 4000 Ctr. Hafer durch das Lagerhaus verkauft.
Der Geschäftsgang ist folgender:
Der Lagerhausverwalter wiegt die ankommende Frucht und zieht Probe. Mit Hilfe einer Viertelliterwaage wird das Volumgewicht festgestcllt und die Waare auf
ihre sonstige Beschaffenheit (Reinheit, Farbe, Geruch)
trag des Eigenthümers verkauft. Die Lagerhausgebüh^geprüft. Nach der Höhe des Maaßgewichtes wird der
beträgt bei Weizen und Roggen 10 Pfg. pro Ctr. bei einmaligem Putzen, bei zweimaligem 15 Pfg., bei Gerste und Hafer 12 Pfg. Aus diesen Beträgen werden die
Hafer in drei Qualitäten getrennt; von der ersten wird
Kosten des Lagerhauses, Zinsen, Abschreibung und Amortisation gedeckt.
Das Lagerhaus Trostberg ist seit April 1896 in Betrieb. Da die Ernte des Jahres 1896 eine sehr schlechte war, so wurde auch das Lagerhaus und die
Genossenschaft nur sehr wenig in Anspruch genommen. Im Ganzen wurden nur 4900 Ctr. Roggen an das Proviantamt in Schleißheim verkauft. Dadurch wurde pro Ctr. 60 Pfg., also in Summa Mk. 2200 über den Marktpreis erzielt, sodaß also nach Abzug des Lagergeldes den einzelnen Landwirthen pro Ctr. 38 Pfg. Mehrerlös verblieben. Dabei stellte sich die Rechnung des Lagerhauses am Schlüsse des Jahres wie folgn Einnahmen aus gezahltenLagerhausgebühren 9)0 1527,66
„ „ Zinsen....... 2,48
„ „ Sonstigem
3-
Ausgaben
Zusammen M. 1533,14
auf den Betrieb.....M. 816,69
für Zinsen .... auf Refundirung . .
453,21
100-
M. 1369,90
Mithin Mehreinnahme M. 163,24 Erfolg in einem fo ungünstigen Erntejahre und bei so kurzer Zeit der Eröffnung des Betriebes zeigt, daß bei allgemeiner Betheiligung der Landwirthe ein Lagerhaus sehr gut gehen muß.
Die Proviantämter haben über die Lieferung der Trostberger Genossenschaft, besonders über die Gleichmäßigkeit der Waare, schon wiederholt ihre Zufriedenheit ausgedrückt und das Versprechen gegeben, daß wenn bis'Ende Oktober die ungefähre Lieferungsmenge von
Dieser
ein Hektolitergewicht von mehr als 52,5 kg gefordert, zur zweiten kommt der Hafer mit einem solchen von 50-52 kg, zur dritten die Waare mit einem moderigeren Hektolitergewicht, wobei jedoch selbstverständlich die sonstige Beschaffenheit nicht unberücksichtigt bleibt. Für alle drei Qualitäten wird ein dem jeweiligen Stande des Marktes entsprechender Grundpreis festgelegt. Die Lieferanten von erster und zweiter Qualität erhalten am Schlüsse des Geschäftsjahres einen Antheil vom Ueber- schuß, der im ersten Geschäftsjahre 30 bezw. 20 Pfg. per Ctr. betragen hat. Mit diesem Verfahren sind die Lieferanten sehr zufrieden. Für die gelieferte Waare wird vom Lagerhausverwalter ein Schein ausgestellt, welcher die eingelieferte Waare, das Qualitätsgewicht und die Qualitätsklasse derselben enthält und als Anweisung an die Darlehnskasse gilt, welche den Betrag für die gelieferte Waare dem Lieferanten sofort auszahlt. Der Verkauf der Waare wird vom Lagerhausverwalter im Einverständniß mit dem ersten Vorstandsmitgliede besorgt. Abnehmer sind vorwiegend die Proviantämter zu Bayreuth und Nürnberg. Behufs Erzielung einer guten Qualität wird die schwerste Qualität als Saatgut zugcrichtet und an die Mitglieder abgegeben, sowie zu entsprechend höheren Preisen verkauft. Für das Verkaufsgeschäft gilt der Grundsatz, daß im Allgemeinen zwar günstige Preisconjuncturen benutzt werden sollen, ohne jedoch in den Fehler der Speculation zu verfallen.
(Schluß folgt.)
geborenen in Südwestafrika zur Untersuchung gezogen war, zu 18 Jahren Festungsarrest verurtheilt und bereits zur Verbüßung der Strafe abgeführt.
— Wie die „ Nordd. Allg. Ztg." mittheilt, sollen demnächst im Bereich der preußischen Staatseisenbahnverwaltung in beschränktem Umfange Versuche mit Eisenbahnschwellen aus Quebrachoholz angestellt werden. Dem Quebrachoholz wird eine weit längere Widerstandsdauer nachgerühmt, als irgend einem europäischen Holze.
Elberfeld. Der Kaiser ist als großer Kinderfreund ja bekannt; schon im vorigen Jahre äußerte er bei seinem Besuch in Solingen und Remscheid wiederholt sein Erstaunen über den Kinderreichthum im Bergischen Lande. Auch diesmal fielen ihm die Riesenmassen der Schulkinder auf. Auf eine Frage an einen Stadtverordneten, wie viel Schulkinder die Stadt Elberfeld denn eigentlich habe, wurdedem Monarchen die Antwort: 30—40 000, Majestät." (Elberfeld zählt zur Zeit 155,000 Einwohner.) „Donnerwetter," entgegnete lachend der Kaiser „das find ja einundeinhalb Armeecorps l" In Vohwinkel war eine Gruppe von Pathenkindern des Kaisers aus dem Kreise Mettmann aufgestellt. Mit den Pathenkindern waren jeweilig die Eltern und sämmtliche Geschwister erschienen. Es waren angetreten: Ein Stellmacher aus Vohwinkel mit 9 Knaben im Alter von 4—21 Jahren, ein zweiter Einwohner von Vohwinkel und ein Konditor von Mettmann mit je 8 Knaben, ein Weber aus Haan, ein Bergmann aus Velbert und ein Sattler aus Lennep mit je 7 Knaben.
Posen. Eine gefundene Königskrone. In Rinsk in Westpreußen fand man beim Umreiten des Schlosses in einer Wand eine goldene polnische Königskrone eingemauert. Rinsk, das heute der Ansiedelungskommission gebörO ?ar früher im Besitz des Grafen Opalinski, dann der Familie Suminski, und zuletzt gehörte es dem Grafen J. Mielzynsk. Welchem Museum die gefundene Krone einverleibt wird, ist bis jetzt noch unbekannt.
Ausland.
Aus der Schweiz wird geschrieben: Zum Schluß des Jahrhunderts kommen wir noch dazu, ein Blatt nieder-
zuschreiben, wie man es sonst Chroniken zu lesen pflegte. Der
kopfschüttelnd in den Ertrag der Obstbäume
und Weinberge ist nämlich derart phänomenal, daß auch in Männerkreisen das Gespräch
sich mehr um Aepfel,
einer Getreidesorte angesagt wird, bann für die ganze Einkaufszeit der Platz hierfür der Genossenschaft offen gelassen wird. Erst wenn diese schließlich erklären müßte, so viel nicht mehr liefern zu können, würde dieser Platz durch Einkäufe von anderswoher belegt.
Pfarrer Staudinger bestellte nun in allen Gemeinden, welche das Lagerhaus benutzten, Obmänner. Diese stehen einerseits mit dem Kassirer der Genossenschaft zur Auszahlung der Preise in Verbindung, andererseits übernehmen sie die Feststellung der von den einzelnen Landwirthen lieferbaren Getreidemengen. Im Oktober sagen es die Bauern beim Obmann an, wieviel Getreide jeder Sorte sie im Laufe der Dreschperiode zur Genossenschaft bringen werden. Der Obmann sammelt diese Angaben und berichtet an den Kassirer. Der Kassirer theilt die
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser ist Mittwoch Abend 6 ' s Uhr in Wernigerode eingetroffen und alsbald nach dem fürstlichen Schlosse gefahren. Die Stadt und der Lustgarten des Schloffes waren festlich erleuchtet. Um 7P Uhr fand im Schlosse Tafel statt.
— Eine Seereise des Kaisers steht in Aussicht. Die „Post" berichtet aus Kiel: Die Kaiseryacht „Hohcn- zollern" hat telegraphischen Beiehl zur sofortigen Instandsetzung erhalten; die Macht hat bereits die Werit aufgesucht, um dort Bodenreinigungen und andere Arbeiten vornehmen zu lassen. Wie verlautet, will der Kaiser im Laufe des Monats November eine kurze Seefahrt unternehmen, die ihn vermuthlich nach Schweden führen wird.
— Nach amtlicher englischer Meldung ist Prinz Christian Viktor zu Schkeswig-Holstein, ein Neffe der | deutschen Kaiserin, in Pretoria am Unterleibstyphus gestorben.
— Wie der „Nat.>Ztg." berichtet wird, ist der Leutnant Prinz Arenberg, der wegen Tödtung eines Ein
Most und Wein, als um Chinesen und Boxer dreht. Aus Mangel an pflückenden Händen ist man noch an vielen Orten mit dem Ernten der Baumfrüchte nicht zu Ende. In Baden war man sogar über militärische Hülfe froh. Oft fault das Obst an und unter den Bäumen, da man sich die Mühe nicht nimmt, es zu sammeln. In einem benachbarten Ort fuhr ein Bauer mit einem Wagen zu Markt und fand so geringes Angebot für seine Waare, daß er den Wagenschalter öffnete und die ganze Herrlichkeit der Schuljugend preisgab. Diese wird überhaupt noch in späten Tagen des gesegneten Jahres gedenken, denn es ist auch vorgekommen, daß wohlgesinnte Weinbergsbesitzer die gesammte Lese, nicht nur die Nachlese, bei ansehnlichen Grundstücken den Armen überließen. Bei dem Mangel an Arbeitskräften fuhren bic am besten, die ihre Früchte am Stock und Baum verkauften. Die Erträgnisse der Rebenberge sind so über alles Erwarten, daß eine große Faßfabrik in der Nähe von Basel die Preise der neuen Fässer um 20 pCt. erhöht hat. Aepsel wurden im Mittelland um 5 Franken und noch weniger per Doppelcentner verkauft; im Thur- gau soll der Wein bis auf 12 Franken per Hektoliter hlnuntcrgegangcn sein.
England. Der Titel einer Kaiserin des britischen Reiches soll der Königin Vikloria angetragen werden, und zwar vom Minister Präsidenten von Neusüdwales. Bisher ist Königin Viktoria nur Kaiserin von Indien.
London, 29. Oktober. Bei dem Einzüge der City- Freiwilligen wurden nach den einlaufenden Berichten über 1000 Menschen aus der unbeschreiblich enthusiastischen, aber übergroßen Volksmenge, die sich trotz aller Anstrengungen der Spalier b'ldenden Freiwilligen und trotz des großen Aufgebots der Polizei nicht im Zaume halten ließ, zu Boden geworfen, niedergetreten und schwer Der» j mundet; einige wurden getödtet. St. Johns Ambulanz behandelte in ihren verschiedenen Stationen über 2000 Verunglückte ; weitere 250 bcnölhigtcn chirurgische Behandlung. In die Hospitäler wurden von diesen 57 eingeliefert und, weil schwer verwundet, zurückbehalten. Auch