Erscheint Mittwoch und Samstag. - Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. ^ Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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kM 87 Mittwoch, den 31. Oktober 1W0. 51. JahrMg.
^ftdlhe^A^ auf die „Schlüchterner Zeitung" V^ß«.k5LNi-iHr werden noch fortwährend von allen ?.. ,—-^—'--- " Postanstalten undLandbricUrägern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
— Moltkefeier. Der Kaiser ließ für Moltkes Sarkophag einen prächtigen, reich vergoldeten Lorbeerkranz nach Kreisau senden mit der Widmung: „Dem Feldmarschall Grafen Moltke — sein treuer Kaiser Wilhelm ll." — Eine Sonderausgabe des „Militärwochenblatts" bringt einen Areilel .Zur hundertjährigen Gedenkfeier des verewigten Generalfeldmarschalls Grafen von Moltke", der die Lebensart Moltkes insbesondere vom Gesichtspunkt ihrer Bedeutung auch für die militärische Entwickelung der Zukunft schildert.
— Eine Warnung vor den spanischen Schatzgräbern" erläßt die Regierung zu Potsdam. Wie aus der Kundgebung derselben hervor geht hat der sogenannte Entierro oder Schatzschwindel in neuerer Zeit auch im dortigen Bezirk Opfer gesucht. Es tritt dort als Versucher der angebliche „Bankier Viktor Berneau auf, der schon im vergangenen Jahre an verschiedenen Orten gleichartige Schwindeleien versucht hat. Diese zielen darauf ab, den vertrauensseligen Personen, die sich, den Weisungen des Gauners folgend, nach Spanien begehen. um dort verborgene Schätze zu heben, das zu diesem Zweck mit- geto^yte Geld abzunehmen. Es wird daher vor dem Schwindler „’ein^irigW^-^^
Aus der Pfalz. Gegen die Weinpankschrrei kämpfen die ehrlicheren Winzer der Pfalz seit Jahren vergeblich an. Selbst in diesem Jahre, wo die Güte des Mostes eben so sehr befriedigt wie seine Menge, können die Macher' von ihrem unsauberen Handwerk nicht abstehen. Die gerechte Erbitterung der viclgeplagteu Winzer machte sich nun in einer ganz eigenartigen Form Luft, wie aus der Pfalz berichtet wird. Da die Panischer dem Ortsbrunnen Wasser in großen Mengen entnehmen, so verfielen schlaue Köpfe in verschiedenen Orten des wein- gesegneten Haardtgebietes auf den Gedanken, in die Brunnentröge — Petroleum zu gießen. Nicht wenige Weinfäbrikanten, die ihr Wasser natürlich während der Nacht -- faßweise holten, mußten so theures Lehrgeld geben, indem durch die Verwendung des petroleum- getränkten Wassers größere Mengen Mostes verdorben wurden. Ob sie jetzt ihr unsauberes Handwerk ernstesten werden? Wie man das Gesetz umgehen kann, das zeigte in dem Orte Eßthal in der Pfalz der Bäcker Schlächter. Da ihm die Wirthschaftskonzession verweigert worden war, gründete er eine „Kasinogeielllchaft", deren Vereinsdiener er wurde. Als solcher vermiethete er an den Verein sein Lokal, besorgte den Einkauf von Speise und Trank, die Bedienung der Vereinsmitglieder, wenn sie im Lokal kneipten u. s. w. Mitglied des Vereins konnte Jedermann werden, der sich ins Buch eim schrieb und 10 Pfg. Jahresbeitrag zahlte. Auf diese Weise wurden auch fremde Reisende und andere Besucher Don Eßthal Mitglieder. Die Gesellschaft führte auch Buch über den Geschäftsgang und am Jahresschluß wurde der Gewinn dem Vereinsdiener Schlächter als Honorar vermacht. Schließlich kam aber der Amtsam walt hinter die Sache und jetzt wurde Schlächter zu 30' Mk. Strafe veritrtheilt.
Ausland.
London. Fünfzig Personen durch eine Kessclexvlosion getödtct. Aus Liverpool wird gemeldet, daß an Bord des Dampfers „Engcnia" infolge einer Kessclexplosion 50 Personen getödtct worden sind, darunter 27 Mann von der Besatzung. Der Dampfer befand sich zwischen Tomsk mtb Barnaul.
Kapstadt, 26. Okt. Die feierliche Protlamirnug Transvaals für einen Theil des britischen Reiches fand heute statt. 6200 Mann standen in Parade.
Aus Kapstadt wird gemeldet: General Kelly Kenuy hat Befehl ertheilt, sämmtliche Einwohner der Stadt Philipolis wegen Verraths aus der Stadt zu verjagen. — Ueber die wirthschafttichen Verhältnisse in der er-’ oberten Transvaal-Republik wird geschrieben: „Die Auffassung, daß die Verhältnisse in Südafrika derartig seien, daß Ordres wieder ausgenommen werden können, ist vollständig irrig- Wir können seit April keinerlei Nachrichten an unsere Freunde gelangen lassen, da die eng lische Verwaltung die sämmtlichen Briefe für alle Leute
in Transvaal, außer diejenigen Briefe, welche an Konsuln geschickt werden in Kapstadt zurückhält Die Bewohner Transvals können selbst anch keine Briefe
die j evaug. Stadtkirche durch den Herrn General-Snperintem beut Pfeiffer eingeweiht werden. Einige geschichtliche Bemerkungen über dieselbe dürften deshalb von Interesse sein. Die Stadtkirche St. Michael zu Schlüchtern wird bereits im 12. Jahrhundert als eine Tochterkirche der Klosterkirche erwähnt. Bon einem Neubau derselben wird im Laufe der Jahrhunderte nichts berichtet. Es ist deßhalb nicht unwahrscheinlich, daß der noch jetzt stehende Thurm aus dem 12. Jahrhundert stammt. Die unruhigen Zeiten des 30jährigen und 7jährigen Krieges gingen wie an der ganzen Stadt so und) an unserem Gotteshaus nicht ohne viele schädigende Einflüsse vorüber. Besonders das Jahr 1806, in welchem die Kirche als Gefangenhaus diente, machte eine große Reparatur des gesamten inneren Raumes nothwendig. Zwei Jahrzehnte darauf, vom Jghre 1833 an, zeigten auch die sehr alten Mauern so bedeutende gefährliche Schäden, daß man, zumal der Raum für die gewachsene Gemeinde Richt mehr ausreichte, zu einem Neubau und einer wesentlichen Erweiterung sich entschließen mußte. Nur der Thurm und die vordere Giebelwand blieben stehen. Leider erhielt aber das Innere des neuen Kirchenschiffes hauptsächlich wegen Mangel an Mitteln ein sehr kahles nüchternes Gepräge. Da nun nach Untersuchung der verschiedenen Sachverständigen das Balkenwerk der Decke und des Daches sich als sehr schwach und vom Wurme ! zerfressen erwies, so wurde vor 2 Jahren von der Kirchenvertretung eine Erneuerung dieser schadhaften Theile beschlossen und zugleich eine für ein Gotteshaus würdigere Ausstattung des Inneren. Dies ist nun bis auf das neue Gestühl für die Frauen unter Leitung des Herrn Baumeisters Dr. Schoenermark für ca. 36000 Mark ausgeführt worden. .Wir dürfen nun sagen, daß MLder eine schöne, unserer Stadt würdige Kirche haben. Mogr-J^ -Uelen Geschlechtern eine Stätte des Segens werden. ' ^—.
Soden-Salmünster. Der 6. Novemds^Jst^kür unsere Gemeinde ein Freudentag. Unser hochwürdigcD Hkkk Pfarrer Schulz kann an diesem Tage auf eine 25jährige Thätigkeit in derselben zurückblicken. Wie man vernimmt, werden am genannten Tage verschiedene Ovationen von der Gemeinde dem Jubilar dargebracht werden.
Aus dem Bogelsgebirge, 23. Oktober. In einer Anzahl Gemeinden des höheren Vogelsgebirges gehen die Mühlenbesitzer mit dem Gedanken um, gegen den Massenankauf von Quellen im Oberwald seitens des Frankfurter Tiefbauamtes zu protestieren.
Dann a. d. Rhön, 23. Okt. Ein erst 16jähriges Mädchen dahier hat ihr neugeborenes Kind in der Nähe des Bahnhofs in die Ulster geworfen. Dasselbe wurde noch au demselben Tr e gefunden. Der Untersuchungsrichter von Hanau war bereits zur näheren Untersuchung des Verbrechens hier nwesend.
Fulda, 26. Okt. Wie die „Fuld. Zeitung" hört, veranstaltet das Komitee zur öOjährigcn Erinnerungsfeier an den Zusammenstoß bei Bronzell bereits am Sonnabend den 3. November, eine Ausstellung all der zahlreich von allen Seiten eingegangenen Orginalberichte und Urkunden, Bilder, Zeichnungen, Pläne und Erinnerungsstücke jeder Art, sammt der vollständigen Literatur über dieses Ereignis, das bei dieser Gelegenheit eingehend erklärt und besprochen werden soll. Ort und Stunde der Ausstellung werden den Lesern noch rechtzeitig mitgetheilt werden. Wir sind wirklich erstaunt, wie klar aus den Akten hervorgeht, daß mit dem sogen. Schimmel von Bronzell eine bewußte Geschichtslüge zur Verschleierung des Rückzuges von Olmütz, in ^bie Welt gesetzt und 50 Jahren aufrecht gehalten wurde, seit der Zeit, wo die kurhessische Misere sammt der Bundesexekution durch die „Strafbayern" jenen 8, November 1850 möglich machte, der als „Mißver- ständniß" von Bronzell weltgeschichtliche Bedentung hat. Denn in letzter Linie handelte es sich schon 16 Jahre vor Kölüggrätz dabei um „Hic Zollern, hie Habsburg" und wie Moltke schreibt hing der Frieden Europas von dem mehr oder minder taktvollen Verhalten einer Husaren Patrouille ab. Heute können wir wohl leicht sagen, es war ein Glück, daß Minister von Manteuffel die Schmach von Olmütz auf sich nahm, aber da>nals konnte Niemand in die Zukunft schauen. Fulda selbst war damals in großer begründeter Sorge und Angst — es standen 80,000 Truppen in der Umgegend —, daß die die alte Bonifatiusstadt dem Erdboden gleich gemacht würde.
nach Europa gelangen lassen, wenn sie nicht zufällig Jemanden, der das Land verläßt, mit auf den Weg geben. Ein Geldverkehr existirt in Transvaal auch nicht mehr, da laut Verfügung des Oberstkommändirenden der Engländer die Banken weder neue Kanten eröffnen, noch Transferirungen von dem einen auf das andere Konto Machen dürfen, noch darf Niemand mehr als 20: Pfund Sterling per Woche aus den Banken entnehmen,^ es sei denn, daß er für jeden einzelnen Fall die spezielle Erlaubniß der Regierung nachsucht. Diese Erlaubniß ist aber schwierig zu erlangen. Nach vorstehenden werden Sie zweifelsohne auch zu der Ansicht gelangen, daß an Geschäfte vorläufig noch nicht zu denken ist. Nach Ansicht von Leuten, die viele Jahre lang in Transvaal gelebt haben, ist es sehr wohl möglich, daß die jetzigen Zustände noch Monate lang andauern können.
Aus Shanghai wird gemeldet, in gut unterrichteten nicht militärischen Kreisen erwartet man, daß im Winter von den Chinesen ein ernster Versuch gemacht werde. Peking wieder zu nehmen.
China. Ein Deutscher, der seit 20 Jahren in China lebt, hat der „Köln. Ztg." mitgetheilt, unter welchen Bedingungen die Verbündeten einzig und allein mit den Chinesen Frieden schließen könnten. Es müßten, so sagt er, um die dauernde Ruhe und Ordnung herzu- ftellcn. die wichtigsten chinesischen Plätze Jahre lang von den internationalen Truppen besetzt gehalten werden, die WüffMiitfuhr müßte für immer verboten werden, die ityinefifdje*^^ sämmtliche Forts
müßten gefallent, und das FinanzweseMEWss^müßte unter fremde Controlle gestellt werden. Das ist etwas viel, und wir wollen auch nicht behaupten, daß man sich nicht schon mit Wenigerem begnügen könnte; aber der weitgehende Vorschlag eines Chinukenners beweist doch an's Neue, daß man gegen die Langzöpfe mit halben Mitteln gar nichts erreicht. Es ist bisher schon viel zu viel diplomatisirt worden; geht das so weiter, so verliert ganz China beii Respekt, und statt mit einer begrenzten Rebellenbeweg ,-g bekommen wir es mit einem allgemeinen Aufstande des gmu.en 400 Millionen Landes zu thun — Die nach Paotiugfu vorrückende Expedition bezog am !6. Oktober bei Kutsching ein Lager, wo sie die Nachricht erhielt, daß 2000 Mann kaiserliche Truppen dem Vormarsch der Verbündeten in nordwestlicher Richtung ausgcwichcn seien. Die Kolonne nahm am 17. Oktober den Marsch wieder auf, erreichte Ngan-schu und befehle es. Heute wurden deutsche Vorposten sieben Meilen von Nganschuh entfernt von einer Abtheilung kaiserlicher Truppen beschossen. Die Deutschen griffen die Chinesen an und schlugen sie nach scharfen Kämpfe in die Flucht. Sie erbeuteten hierbei zwei montirte Geschütze und eine Anzahl anderer Waffen, sowie auch vier Fahnen. Man erwartet, daß die Operationen gegcw den Feind mit Paotingfu als Basis unternommen werden sollen. — Aufsehen erregt ein Aufsatz des Inspektors der chinesischen Seezölle Sir Robert Hart über die Chinawirren, worin nach einer Meldung der „Voss. Ztg." die Boxerbewegung als eine nationale Erhebung bezeichnet wird, die von der chinesischen Regierung an- geregt und begünstigt wurde, weil sie die Ueberzeugung gewonnen halte, daß nur ein großartiges freiwilliges Wchrsystem das Reich gegen die Eingriffe der Fremden sicher stellen könne. Hart meint, die Boxer hätten nur Schlappen erlitten, und in einer nicht fernen Zukunft würden 20 Millionen derselben mit gefährlicheren Waffen als Speeren entschlossen sein, ihre Politik: China für die Chinesen, hinaus mit den Fremden! durchzuführen. Das sei die wirkliche gelbe Gefahr. Davor kann nur ein perttiamentes Waffeneinsuhrverbot in China schützen.
Lokales und Provinzielles.
* Schtuchteru, 30. Oktober.
* — Die Einweihung der hiesigen renovirten Stadtkirche findet am 4. November statt. Den Einweihungs oft vollzieht Herrn Generalsupcrintcndeut Pfeiffer-Casfel. Herr Pfarrer Hattendorf wird die Festpredigt halten. Gleichzeitig wird Superintendent Herr Orth in sein Amt eingetührt werden. Die Feicrlichkcilcn werden noch erhöht durch die Mitwirkung des Posaunenchors des hiesigen Jünglingsvereins und durch den Scminarchor.
* — Am künftigen Sonntag wird unsere umgobaute