Als die Deutschen ein Dorf nordöstlich von Lantsun passirt hatten, besamen sie plötzlich Feuer von 200 Leuten mit Geschützrohren, Wallbüchsen, sonstigem chinesischen Schießzeug und mit Lanzen. Die Deutschen gingen in Schützenlinie aufgelöst, bis au den Gegner heran, der im freien Feld stand, und eröffneten dann ihrerseits das Feuer. Nach kurzem Widerstand suchten die Chinesen die Flucht unter Zurücklaffung von 15 Todten, während sie die Verwundeten mit sich fortschleppten. Als die Deutschen eben im Begriff waren, das Dorf in Brand zu stecken, brächte ein Reiter die Nachricht, daß die Bedeckung der zurückgelassenen Pferde vor dem Dorfe, wo die Deutschen ab gesessen waren, angegriffen würde. Sofort brach Leutnant Rettberg dorthin auf. Glücklicherweise erwies sich die Nachricht als unwahr. Dagegen waren etwa 400 bis 500 gut bewaffnete Chinesen gerade im Anmarsch. Man schwärmte von Neuem aus und eröffnete in einer Entfernung von 500 Meter das Feuer. Letzteres wurde sofort erwidert, doch schössen die Chinesen viel zu hoch. Ein kleinerer Theil der Chinesen kniff schon nach den ersten Salven aus, die anderen leisteten längere Zeit Widerstand, flohen dann aber ebenfalls. Die Zahl der getödteten Feinde betrug 35—40. Die Deutschen, unter denen Niemand verletzt worden war, ritten nach Lantsun zurück. Ein weiterer Zusammenstoß fand 2 Tage später zwischen Lantsun und Kiautschou statt. Auch hier wurden die an Zahl weit überlegenen Chinesen in die Flucht geschlagen. Sie hinterließen 20 Todte. Unsere Landsleute erbeuteten viele Lanzen, Schwerter, Wallbüchsen und Flinten.
Essen. Die Lage auf dem rheinisch-westfälischen Eisenmarkt gestaltet sich von Woche zu Woche unerfreulicher. Wie der „Voss. Ztg." aus Essen berichtet wird, haben die auf eine Wendung zum Bessern gerichteten Hoffnungen sich nicht erfüllt und werden sich allem Anschein nach auch sobald nicht erfüllen. Die Aufnahmefähigkeit des inländischen Marktes ist erheblich zurückge- gegangen und die Händler befinden sich in nicht geringer Sorge wegen Unterbringung ihrer großen, zu hohen Preisen erstandenen Vorräthe in Stabcisen, Bandeisen, Blechen, Trägern u. s. w. Unter den Werken ist eine Bewegung eingeleitet worden, die auf noch festeren Zusammenschluß der Produzenten gerichtet ist, als er in den bestehenden Syndikaten und Verbänden bereits besteht. Man hofft auf diese Weise größere Preisstürze hintanhalten zu können.
Die Bahnhofswirthschaft in Hamm i. W. war fast 25 Jahre lang für nicht ganz 3000 Mark verpachtet. Vor etwa 6 Jahren wurde die Pacht auf jährlich 6000 Mark erhöht. Nun ist eine Neuausschreibung erfolgt und das Ergebnis war überraschend. Das Höchstgebot betrug 51,000 Mark das Jahr, aber die Eisenbahnbehörde berücksichtigte das sich jährlich auf 32,000 Mark stellende Gebot eines Münsterschen Wirthes.
Konitz. Die Konitzer Mordaffaire hat eine Anzahl von Meineids- und anderen Prozessen zu Folge gehabt. Nachdem eben der Kaufmann Jakob Jakoby wegen wissentlichen Meineids zu 1 Jahr Zuchthaus verurtheilt worden, sind jetzt Kaufmann Rosenthal und Frau aus Kamin unter dem Verdachte der wissentlich falschen Anschuldigung und der Verleitung zum Meineide in der Konitzer Mordsache verhaftet worden. — Bürgermeister Deditius, welcher gegen den Oberlehrer Hofrichter Schimpfworte gebraucht hat, weil dieser ihm Parteilichkeit in der Winterschen Mordsache vorgeworfen hatte, wurde zu 150 Mk, Hofrichter in der Wiederklage zu 50 Mk. verurtheilt. — Im Tucheler Krawallprozeß wurde heute der Angeklagte Dorau wegen schweren Landfriedensbruches zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt. Die übrigen An- grklagten wurden freigesprochen.
Speyer, 22. Okt. Die würdige Bestattung der Ueber- reste deutscher Kaiser, die im Dom zu Speyer unlängst auf Veranlassung der bayerischen Staatsregierung von einer wissenschaftlichen Kommission auf ihren Inhalt geprüft worden sind, wird nach einer Mittheilung des Prälaten Dr. Zimmen in absehbarer Zeit erfolgen. Der Wunsch des Stadtraths in Speyer wird in Erfüllung gehen und eine Krypta erbaut werden, die drei- schiffig ausgeführt, auf vier Säulen ruhend, neun Gewölbe erhalten wird. Während die Gräber der Salier den alten Platz behaupten sollen, werden die Ueberbleibsel der Hohenstaufen in neue Särge gebettet und die Ueber- reste Heinrich V. in einer Nische ihre endgiltige Ruhestätte finden. Die Kosten werden jedenfalls von tut bayerischen Staatsregierung getragen werden.__________
— Ausland
Wien, 23. Oktober. Die heutige Nummer der „Neuen Wiener Journals" veröffentlicht sensationelle Enthüllungen zum Transvaalkrieg, welche von dem so eben aus Transvaal nach Berlin zurückgekehrten Grasen Otto v. Waldstein-Wartenberg stammen. Danach ist erwiesen, daß die Burengenerale Joubert, Lucas Meyer und Schneemann Verräther waren. Joubert, der einige Häuser in Ladysmith besessen, habe zur Vermeidung des Bombardements freiwillig die Belagerung aufgegeben, als das englische Entsatzkorps nahte. Man gab Joubert seitens der Buren Gift in die Speisen bis er starb. Lukas Meyer und Schneemann lieferten, von den Eng ländern bestochen, den Freistaat aus. Sie wurden dafür erschossen. Meyer wurde von Dewet eigenhändig piedergeschoffen.
Rußlaud. Ueber die Entdeckung eines neuen Atten- s tuts auf den Zaren berichtet der Sebastopoler Berichterstatter des Londoner „Daily Telegraph". Der Zar, der sich zur Zeit in Livadia auf der Halbinsel Krim aufhält, sollte danach bei einer Eisenbahnfahrt mit seinem ganzen Gefolge in einem Tunnel der Losowa-Sebastopol- bahn in die Luft gesprengt werden. Man fand in dem Tunnel ein Stück einer eisernen Wasserabzugsröhre, das mit Explosivstoffen gefüllt war eingegraben. Die Polizei ließ die Röhre auf freiem Felde explodieren. Die Wirkung war so furchtbar, daß die Bombe nicht nur den kaiserlichen Zug sondern den ganzen Tunnel zerstört hätte, falls das beabsichtigte Attentat ausgeführt worden wäre. Zahlreiche Verhaftungen in Moskau und Südrußland seien erfolgt.
Brüssel, 23. Okt. Bekanntlich wnrde dem Präsidenten Krüger von einem holländischen Nabob in Belgieir ein Schloß mit allem Zubehör zur Verfügung gestellt. Daraus scheint nun nichts werden zu sollen, denn es verlautet, die belgische Regierung habe Dr. Leyds mitgetheilt, daß sie einen längeren Aufenthalt des Präsidenten Krüger in Belgien nicht gern sehen würde, da dessen Anwesenheit zu England feindlichen Kundgebungen Anlaß geben würde, welche die belgische Regierung nicht dulden könne. Nachdem den greifen Präsidenten bereits ein so hartes Geschick getroffen, steht ihm auch noch bevor, wie ein Geächteter von Land zu Land verwiesen zu werden.
China. Das Nachrichtenmaterial aus China ist nicht besonders unrangreid). Daß Graf Walderfee erkrankt war, steht fest. Ob er's noch ist, und ob die Erkrankung leicht oder schwer war, darüber ist keine Klarheit zu gewinnen. Die Nachrichten der offiziösen Blätter über diesen Punkt bewegen sich in ganz allgemeinen Wendungen. Eine amtliche Meldung liegt nicht vor. Wohl aber ist es sicher, daß neuerdings wieder deutsche Soldaten dem chinesischen Klima und den schlechten Wasserverhältnissen zum Opfer gefallen sind. Auch der französische Gesandte in Peking ist erkrankt. — Welche Bedeutung es für unsern Handel, unsere Schifffahrt und unsere Industrie hat, so schreibt die „Voss. Ztg." zu dem deutsch-englischen Abkommen, daß England uns nicht mehr das Iangtsegebiet durch Sonderabkommen mit den Vicekönigen absperren kann, ergiebt sich durch einen Blick auf den Laus des mächtigen Stromes, der in einer Länge von fast 2500 Kilometern schiffbar ist, und dessen Thal fast die Hälfte des ganzen Reiches mit 200 Millionen Einwohnern umfaßt. Und in diesem Gkbict, das dem deutschen Unternehmungsgeiste glänzende Aussichten eröffnet, wenn erst einmal wieder Ruhe im Lande herrscht, ist deutscher Handel bereits seit Jahren neben dem englischen in Achtung gebietender Weise vertreten.
— Nach einer dem „Neuen Wiener Tagblatt" von wohlinformirter Seite zugegangenen Mittheilung ist die Lage der Amerikaner auf den Philippinen eine verzweifelte. Aguinaldo habe eine Manifest erlassen, in welchem er sofortige Einstellung der Feindseligkeiten ankündigt, wenn Bryan zum Präsidenten gewählt werde. Dagegen werde er Mac Kinley und den amerikanischen Imperialisten so lange bewaffneten Widerstand leisten, bis dieselben die Unabhängigkeit der Philippinen anerkannt hätten.
Mafsauah, 8. Okt. Deutschland soll auf der Insel Farsan auf der arabischen Seite im Rothen Meer eine temporäre Kohlenstation mit Genehmigung der türkischen Behörden etablirt haben. Es liegen dort gegenwärtig zwei deutsche Kriegsschiffe. Auf der Insel, die nur zwei Stunden von der arabischen Küste entfernt ist, wird Perlenflschcrei betrieben; es soll daselbst eine Petroleumquelle entdeckt sein. Man muß abwarten, ob mehr dahinter steckt als hinter der kürzlich verbreiteten Nachricht, daß Deutschland die Insel Wroan im Rothen Meere auf 30 Jahre gepachtet habe, eine Nachricht die bekanntlich sowohl von der deutschen wie von der türkischen Regierung dementirt wurde.
Lotales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 26. Oktober.
* — Das Kreisgebäude (Landrathsamt und Kreisausschuß) ist jetzt an das Telephonnetz angeschlossen worden
* — In unserer Provinz herrscht z. Zt. großer Lehrermangel, ein Beweis hierfür ist bie Thatsache, daß der Lehrer Kurzrock in Hitzelrode bei Eschwege, der am 1. Oktober in den Ruhestand treten wollte, seitens der Regierung ersucht worden ist, wenigstens bis zum 1. April n. I. im Amte zu bleiben, da es augenblicklich an Lehrern fehle. Aus demselben Grund ist dort das Nachbardorf Motzenrode schon seit Monaten ohne Lehrer, es wird deshalb beabsichtigt, beide Dörfer, die allerdings zusammen kaum 300 Einwohner zählen, zu einer Schul stelle zu vereinigen.
* — Kullmanns Museum. Am Samstag, Sonntag und Montag wird hier am Unterthor Kullmanns großes Museum ausgestellt sein. Nach auswärtigen Blättern zu urtheilen verspricht uns dasselbe einen außergewöhnlichen Genuß in Folge seiner Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit. Besonders hervorzuheben sind die Kolossal- Märchengruppen und lebensgroßen plastischen mechanisch beweglichen Darstellungen und können wir Jedem den Besuch auf das Angelegentlichste empfehlen.
Fulda. Nicht zu den alltäglichen Genüssen dürste es zu zählen sein, daß Einer per Distanz durch eine
Ovation gefeiert wird. Dem Ingenieur und Spezialistz für künstliche Wasserleitungen, Herrn Friedrich Hartunz dahier, wurde die Freude zu Theil, ein Ständchen durchs Telephon dargebracht zu erhalten. In Unterweid b« Tann a. d. Rhön baute Herr Härtung eine Wasserleitung mit welcher die Interessenten sehr zufrieden sind. Siefm angenehmen Gefühle gaben die Unterweider gestern babut) Ausdruck, daß sie ihre Musikkapelle am dortigen Fern, sprecher aufstelllen, Nr. 59 in Fulda anriefen W baun kräftig loslegen ließen. Der Effekt solch un^ wöhnlicher Art von Aufmerksamkeits- und Dankbezeugmz soll für den Adressaten ein verblüffender gewesen fein, — Vor 13 Jahren ging der Privatier Nikolaus Mq von Neuenberg nach Fulda in die Kirche, kam nih wieder heim und blieb seitdem spurlos verschwunden. Gestern Nacht nun wurde der 41 Jahre alte Mann, Hillenbrand unter dem Verdacht, den alten Mann bamali beseitigt zu haben —■ er soll nach Beraubung von 600 Mark, die er bei sich trug, in einen Brunnen der „Krinr geworfen worden sein — verhaftet; auch die Frau bti Hillenbrand, die im Zank öfter ihren Mann eim „Mörder" nannte, wurde verhaftet. Eine Mitbewohnern hatte die Beschuldigung gehört, gebeichtet und auf bei Rath ihres Beichtvaters beim Gericht angezeigt.
In dem Dorfe Heringen ist der gewiß seltene Fal zu verzeichnen, daß zwei Lehrer dort nach einander jt 54 Jahre, also zusammen 108 Jahre amtirt haben.
Helmarshausen, 23. Okt. Eine junge Frau von hier hatte sich vor kurzem eine kleine Wunde beigebrach!, die sie nicht beachtete. Vergangenen Mittwoch stellte« sich nun derartige Schmerzen ein, daß der Arzt Blutvergiftung konstatiren und den Finger amputiren mußte. Als nun später auch Hand und Arm zu schwellen begannen, wurde die Frau in ein Kasseler Krankenhaus gebracht, wo sie ihres ganzen Armes verlustig gehe« wird. Dieser Fall mahnt wieder dazu, auch den kleinste« Verletzungen die nöthige Beachtung zu widmen.
Hofgeismar, 24. Okt. Wie rentabel der Obstbau ist, zeigen die Einnahmen der Gemeinden im hiesige« Kreise für das in diesem Jahre verkaufte Obst; sie betragen nämlich 27,900 Mark. — Die hiesigen städtische« Körperschaften haben beschlossen eine Gasanstalt zu bauen
Bom Eichsfeld, 22. Oktober. Vor 3 Jahren verbi ein Oekonom in Worbis beim Bestellen seines Acker seine Taschenuhr; die Uhr war beigeackert worden. A der jetzigen Herbstbestellung wurde die Uhr wieder aul Tageslicht befördert; nachdem sie aufgezogen, ging fit wieder tadcllcs. — In Bickenriede brach gestern Mitta; aus dem Grundstück des Oekonomen Hentrich Feuer aiii, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff und 1 mit Erntevorräthen angefüllte Scheunen und eine Rch Stallgebäude gänzlich einäscherte. Das Feuer ist buri Unvorsichtigkeit von Kindern, die sich in einem Stall! ein Kartoffelfeuer anmachen wollten, entstanden. - Vor beiläufig 20 Jahren existierten in Duderstadt cc 6 Lohgerbereien, die sämmtlich gut florierten. Diese Betriebe haben größeren Konkurrenten den Platz geräumt sodaß heute keine einzige Gerberei mehr existiert uÄ die letzte nach dem Ableben des Besitzers einem Hiesig« Färbermeister zur Unterbringung der Wäscherei verpacht« worden ist.
Frankfurt a. M., 24. Oft. Das Schwurgericht verurtheilte den 26 jährigen Tagelöhner Heinrich Wirth von Niederrad, der längere Zeit im Stadtwalde Siebes paare überfiel, Männer mißhandelte und Mädchen ver- gewaltigte, zu elf Jahren Zuchthaus.
Darmstadt, 23. Okt. Ein interessanter Rechtsstreit wird demnächst vor dem hiesigen Landgericht ausgefocht« werden. Ein bekannter Händler in Oberdarmstadt b01 nämlich den Loose-Antheil, anf dessen Nummer das große Loos fiel, an einen Lehrer verkauft, der in feinet Großmuth und Freude ein anständiges Trinkgeld geben wollte und dem fraglichen Handelsmanne durch Den wechslung statt eines Hundertmarkscheines, wie er beab" sichtigt hatte, einen Tausendmarkschein gab, den jend dankend annahm. Der freigebige Spender hat nun gegen den Händler, der von einer Verwechslung nichts wissen will, Klage eingereicht und will den Nachweis erbringen, daß er keineswegs beabsichtigt habe, ein großes Trinkgeld zu geben.
— Ehrenvolle Auszeichnung. Auf der Internationale" Kochkunst-Ausstellung zu Frankfurt a. Main wurde der durch ihre vorzüglichen Produkte rühmlichst bekannte« Maggi-Gesellschaft, Berlin, außer der großen goldene« Medaille noch der Ehrenpreis des Ausstellungs-Comitees verliehen.
Truppentransporte nach Ostasien.(Lctzie Nacht H. H. Maier . . . .23. Oft. in Honkong Crefeld......21. „ in Shanghai Valdivia......23. „ von Shangh^ Bremen, den 24. Oktober 1900.
Norddeutscher Lloyd. Hamburg,Amerika«LilM
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern. Sonntag, den 27. Oktober 1900. , Vormittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hattendorff Nachmittagsgottesdienst: Herr Cand. Junker.
Wochendienst: Herr Pfarrer Hattendorf.
Katholischer Gottesdienst
Vormittags 8 Uhr; Franziskaner-Pater.