ehren zu dürfen, — da traf die erbarmungslose Hand des Mörders das theure Haupt. An Frau Bruscher dachte ich dabei nicht gleich. Als mau den Hammer bei mir fand, stieg der erste leise Verdacht in mir auf; als sie mich aber mit einem unerhörten, teuflisch ausge- dachten Lügengewebe umspann, wurde es mir ^ur Gewißheit, daß sie den Tod meines Vaters herbeigeführt hatte, ehe er noch Zeit fand, sein Testament zu meinen Gunsten abzuänderu. Um eine so grauenhafte Mordthat bei einem Mädchen von meiner Jugend und meiner Un- bescholtenheit glaubhafter erscheinen zu lassen, dichtete sie mir ein epileptisches Leiden an, mit dem ich nie behaftet war und das ich nicht von einem Manne ererbt haben konnte, welcher gar nicht mein Vater war. — Wenn der Professor mich gesetzlich als seine Tochter anerkannt hätte, wie es seine Absicht war, so hätte sich die Welt wenig darum gekümmert; aber jetzt, wo es sich um die Aufklärung eines Mordes handelte, der das ganze öffentliche Interesse beherrschte, jetzt wo Richter und Geschworene die Sache in der Hand hatten, wäre der jugendliche Fehltritt meiner Mutter zum Gegenstände der weitgehendsten Recherchen, der peinlichsten Erörterungen geworden; das Familiengeheimnis, das durch eineZwangs- Heirath vor einer langen Reihe von Jahren verdeckt worden war, wäre wieder ausgegraben, schonungslos der großen Oeffcntlichkeit prcisgcgeben und durch die Zeitungen von Haus zu Haus, von Stadt zu Stadt getragen worden. Aus manchem Gespräche mit mir wußte Frau Bruscher, wie sehr ich meine Mutter liebte; sie rechnete darauf, daß ich die Vergangenheit der Verstorbenen wie ein unantastbares Heiligthum schützen und sogar mit meinem Leben decken würde; sie spielte va banque, sie konnte, wenn ich dennoch wankend geworden wäre und das einzige Mittel zu meiner Rettung ergriffen hätte, von der Zeugenbank in die Untersuchungsha t geführt werden, — aber sie hat ihr Spiel gewonnen."
Voll scheuer Bewunderung blickte Gerth auf Konstanze Welch' heroisches Herz wohnte in diesem Mädchen! Eine Märtyrerin kindlicher Aufopferung sah er vor sich, die lieber den Schein eines schrecklichen Verbrechens auf sich nahm, als einen Makel auf eine Todte fallen zu lassen. Welche unvergleichliche Seelenstärke, welch' hoheirsvoller Charakter war hier dem Irrenhause überantwortet und mit den elendesten Geschöpfen zusammengethan worden! Er wußte aber auch nun, was er diesem edlen Mädchen galt. Nicht der Tod, nicht lebenslängliche Gefangenschaft in diesem Kerker geistiger Umnachtung vermochte ihr das Wort zn erpressen, welches ihr Erlösung bringen konnte; vor der ganzen Welt trug sie das Brandmal der Mörderin, — nur von ihm allein wollte sie nicht verkannt sein!
„Fräulein Konstanze," sagte er in feierlichem ernstem Tone, „das unbegrenzte Vertrauen, welches Sie mir entgegengebracht haben, schützt Ihr Geheimnis bei mir sicherer als tausend Eide, die Sie mir abfordern könnten; aber kann nichts Sie bewegen, auch vor der Welt Ihr Schweigen zu brechen, um Ihre Freiheit wieder zn erlangen? Niemand giebt es, dem diese Freiheit so kostbar wäre wie mir. Vielleicht wissen Sie das längst!"
Ein feines flüchtiges Roth, welches über ihr Antlitz huschte, verrieth ihm, daß sie es wußte.
„Daß Sie die Tochter des Hingemordeten sind, daß für jene von maßloser Habsucht beherrschten Frau, der dies bekannt war, ein großes Erbe auf dem Spiele stand, — das ist das wichtigste Glied in der Kette von Ent- lastungsmomenten, die ich bereits in der Hand halte. Der Mörder selbst, dessen Frau Bruscher sich als Werkzeug bedient hat, ist so gut wie entdeckt. Hören Sie mich an, welche überraschenden Erfolge der Thätigkeit des Detektivs bereits zu verdanken sind."
„Oh! sagen Sie mir nichts davon! bat Konstanze inständig, „geben Sie Ihre edelmüthigen Bemühungen
ES
auf; die letzte Krönnng derselben würde doch das Grab meiner Mutter schänden. Das Blut meines Vaters schreit um Rache, und nichts wünschte ich mehr, als die Sühne dieses Verbrechens; aber auch die Ehre meiner Mutter ist mir heilig, und für sie wurde ich ruhigen Herzens mein Haupt auf den Block gelegt haben. Nimmer, nimmer werde ich um solchen Preis meine Freiheit erkaufen!' (Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
— Am 18. Oktober 1813 wurde bekanntlich die Schlacht bei Leipzig geschlagen. Der Führer der tapferen Preußen in dieser großen Völkerschlacht war Blücher. Der Brief, den der greise Feldherr nach der Schlacht an seine Frau schreib, verliert in seiner unnachahmlichen Einfachheit und der berühmten Blücher'chen Orthographie auch noch heute nichts von seiner köstlichen Originalität. Blücher schrieb : „liebes malchen. Den 16. habe ich dem Feind vor Leipzig bei dem Dorfs Möckern wieder eine Schlacht geliefert, 4000 gefangene gcmagt, 45 Canonen, ein ahdler und verschiedene Fahnen erobert, den 18. warff ich den Feind in Leipzig hinein, und nahm 4 Canonen, den 19. und 20. (18. und 19.) ist die größte Schlacht gelisfcrt die ni uf der erde stobt gefunden hat 60o,000 man kempfften mit einander, um 2 uhr nachmittag nahm ich Leipzig mit Stuhrm, der König von Sagen und ville gcneralls der Franzosen wurden gefangen der Pollnische Fürst Poniatowski Ertrank. 170 Eanonen wurden erobert und gegen 40,000 Mann sind gefangen. Napoleon hat sich gerettet, aber er ist noch nicht durch diesen Augenblick bringt meine Sabotierte wieder 2000 gefangene, die ganze Feindlige armee ist verlohren, der Kaiser von Rußland hat mich in Leipzig uf öffentlichen margt geküßt und den befreiet Deutschlands genannt, auch der Kaiser von Oestreich überhäufte mich mit lob und mein könig dankte mich mit tränen in den äugen, da mich der Kaiser kein orden mehr geben kann, se erhallte ich von ihm ein goldenen Degen mit Brillanten besetzt, den man ein großen Wehr giebt."
— Karl Sckirrmann, einem Gefangenen in Plötzensce zu Berlin, der 1870 vor Metz wegen Feigheit vor dem Feinde und thätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten zum Tode verurtheilt, aber von Kaiser Wilhelm I. zu lebenslänglicher Festungshaft begnadigt worden war, ist jetzt vom Kaiser der Rest der Strafe erlassen worden.
— Fiedeles Gefängnis, „'s giebt kein schöner Leben als das Häftlingsleben" — so oder ähnlich muß sie Haushymne der Strafanstalt von Fresnes lauten Die Verwaltung der Strafanstalt von Fresnes hat soeben die Lieferung ihres Bedarfs an Lebensmittelu für den kommenden Winter ausgeschrieben, und da liest man mit fröhlichem Erstaunen, daß folgende Waaren verlangt werden: 50,000 Kilogramm Lendenbraten vom Ochsen und Hammelkeule, 200,000 frische Eier, 145,000 Liter Rothwein, 2000 Kilo Butter, 105 Kilo Karamel (gebrannter Zucker), dann kleinere Mengen Dörrpflaumen, getrocknete Feigen und Nüsse. Wenn Gefangene. die ihre Strafe für gemeine Verbrechen verbüßen, eine Verpflegung erhalten, auf deren Beschaffenheit man aus dieser Lieferungsausschreibung schließen kann, so ist die Zunahme des Verbrechens wirklich nicht zu verwundern. Wo der Lohn für Missethaten Weißbrot, Lendenbraten, Rothspohn, Butter, reichlicher Nachtisch und leckere Zuckerplätzchen sind, da muß die Bevölkerung übernatürlich tugendhaft oder so reich sein, daß sie sich diese Dinge selbst kaufen kann, um nicht der Versuchung zu erliegen, sich durch ein Verbrechen das Recht auf die Aufnahme in das Strashaus zu Fresnes zu sichern.
— Der schlafende Bremser. Ein in seiner Art wohl einzig dastehender und kaum zu begreifender Schwindel ist in den letzten Tagen von dem Gendarmeriebrigadier Nestmann in Naußlitz (Sachsen) aufgedeckt worden. Die
Vorgeschichte ist, nach der „Köln. Vztg.", kurz folgende: Der seit 1872 in Naußlitz wohnhafte Bremser Dittrich erlitt vor 20 Jahren einen Unfall, wobei er eine Beschädigung des Kopfes davontrug. Seit dieser Zeit lag nun Dittrich ohne Besinnung und im Scheintode in j feiner Behausung, hörte nicht, sah und sprach nicht; kurz er war todt und lebte trotzdem noch. Die berühmtesten Aerzte und Professoren bemühten sich immer vergebens, den räthselhaUen Zustand des Dittrich, der im Volksmund „Der schlafende Bremser" oder „Der schlafende Bergmann" genannt wurde, zu ergründen. Seit etwa zehn Jahren wurde jedoch von den Nachbarn nicht mehr recht an den Scheintod des Dittrich geglaubt und sie erstatteten Anzeige an die Generaldirektion der Staatsbahnen. Die darauf erfolgte Untersuchung durch drei Aerzte bestätigte jedoch den Scheintod Dittrichs; dieser sollte von einer bei oben gesagtem Unfälle erlittenen Verletzung herrühren. Und doch hat es dieser „schlafende Bremser", trotzdem er sichin-ortwährend ärztlicher Behandlung befand, verstanden, die Aerzte und die ganze Bewohnerschaft der Umgegend zu täuschen. Jetzt ist es gelungen ihn zu überführen, daß er nicht nur selbständig das Bett verlassen, sondern auch häusliche Arbeiten verrichten kann.
— Ein Kunstverständiger. Parvenu: „Was spielt denn die Curkapelle?" — Badekommissar: „Schubert, Quartett A moU." — Parvenu (überlegen lächelnd): „A mol? Wenn se ordentlich applaudirt bekomme, spiele se's aach zwaamol!'
— Auch ein Trost. Zerlumpter Strolch: „Doch ein erhebendes Gefühl, so gänzlich von allen Launen der Mode unabhängig zu sein."
— Bange Ahnung. Der kleine Hans muß stets mit den alten Kleidern und dem abgelegten Spielzeug seines älteren Bruders Fritz vorlieb nehmen. Eines Tages ruft er nach längerem Sinnen! Sie: „Was denn, mein Hans?" — Hans: „Muß ich später auch dem Fritz seine Wittwe heirathen?"
Markt- und Handelsnachricht n.
Frankfurt, 22. Oktober. AmtlicheNotirungcn derDjeh^ark»z preise. Zum Verkäufe standen 269 Ochsen, 18 Bugen, 390 Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 345 Kälber, 340 Schafe und Hämmel und 1039 Schweine. Bezahlt wurde 'ür (gg Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: a. vollfleischige, ausgemästete Höchsten Schlachtwertbs bis zu 6 Jahren 70—73 M., b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 66 68 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 60 - 64 M., ä. gering genährte jeden Alters -, M. Bullen: s.. vollfieischigc Höchsten Schlacht- werthes 54 56 M., b. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 50—52 M., c. gering genährte M., Kühe und- Fersen (Stiere und Rinder): a. vollfleischige ausgemästete Färsen Stiere und Rinder höchsten Schlachtwerths M. 63-65, b. vvlle- fleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertbs bis zu 7 Jahren 58 61 M., c. ältere ausgemästete Küde und «enia gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 38 bis 34 M., 6. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinders 30 33 M., e. gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 28 - 29 M. Bezahlt wurde für 1 Pfund Schlachtgewicht Kälber r a. feine Mast- (Vollm. Mast) und neueste Saugkälber 78—82 Pf., b. mittlere Mast- und gute Saugkäblber 75—77 Pfg c. geringe Saugkälber 62 bis ^66 Pf., d. ältere gering genährt Kälber (Fresser) —.— Pf. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Mastbämmel 60—63 Pf., b. ättere Mastbämmel 48—50 Pf., — mäßig genährte Hämmel und Schafe (Märzschafe) 38—40 Pfg Schweine: a. voüfleischige der feineren Rassen und deren Kreuz' ungen im Alter bis zu 1 'fl Jahren 59 Pf., — b. fleischige 58 bis — Pf., c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 00—60 Pfg., d. ausländische Schweine . Pf.
Frankfurt a. fM., 22. Osiobcr. Hiesiger Denen 16.— M. Hiesiger Roggen 15 25,—Russischer 16,75—17,25 Mark Hiesige Gerste. 15,25-16.— Pfälzer 16,75—17 50 Hafer je nach Qualität hiestger 14.25—14,50 Mark per 100 Kilo.
Seiden-Blousen L und böser — 4 Meter — vorto- und zollfrei zuqcsnndtl Muster umgebene ebenso von schwarzer, weißer und farbiger .Hcnnederg-Sctdc' von 85 Via btö 18,65 r. Meter
Bekanntmachung.
Die nachbezeichneten, abfällig gewordenen Baumaterialien rc. als:
Zwei gebrauchte und gut erhaltene runde eiserne Oefen;
Eine Anzahl gebrauchte Steinplatten und Thonröhren;
Ein weites Rohr von Zinkblech;
Ein eisernes und gut erhaltenes Brun- nenrohr;
Ein Weidenstamm ca. 1 Festm. und ein Pappelstamm ca. V, Festm. aus dem Garten, der 1. Pfarrei Schlüchtern, sowie
Zwei alte Thüren und mehrere alte Bretter
sollen im Amtslokale der Köntgl. Kloster- ^enterei hier
Dienstag, den 30» Oktober 1900,
Nachmittags 3 Uhr
Ren die im Termine zur Verlesung gc# sagenden Bedingungen, öffentlich meisi- °'"end versteigert werden, werden, wozu etwaige Kaufliebhab:r hiermit eingeladen werden.
l Schlüchtern, den 22. Oktober 1900.
Königl. Klofterrrenterei: Wiedemann.
Diejenigen Pächter der zu Michaeli 1901 pachtlos werdenden Grundstücke in der Gemarkung Schlüchtern, welche zur Verlängerung ihres,Pachtverhältnisses bis Michaeli 1910 unter den seitherigen Bedingungen und unter Zahlung des seitherigen Pachtzinses bereit sind, können, soweit dies bis jetzt noch nicht geschehen ist, einen entsprechenden Antrag noch bis zum 20» November d. Js. im Amtslokale der hiesigen Kloster Renterei schriftlich stellen oder protokollarisch niederlegen.
Die betreffenden Pächter ersuche ich daher, bis zu dem angegebenen Termin ihre Anträge einzureichen oder persönlich vor- zubringen.
Schlüchtern, am 22. October 1900.
Königliche Kloster-Renterei:
Wiedemann.
An- und Aerkaus von Staatspapieren vermittelt unter Zusichcrung reellster B-di.«m,- A. M. Waller.
Bekanntmachung.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Konditors Friedrich Meyer von Steinau liegt ein Verzeichnis der Massengläubiger zur Einsicht der Interessenten, in der Gerichtsschreiberei des Kgl. Amtsgerichts hier, offen.
Die zur Venheilung gelangende Masse beträgt Mk. 301,75.
Steinau, den 20. Oktober 1900.
Gßr. Weitzel, Konkursverwalter.
Nachdem ich schon seit längerer Zeit Geo Dötzer’s Mast- u. Fress- pulver bei Fütterung meiner Schweine verwende, komme ich immer mehr zu der Ueberzeugung, dass das fabricirte Pulver als nothwendiger Bestandtheil unter das Futter der Schweine zu mischen ist und kann ich auf Grund meiner hierbei gemachten Erfahrungen dinses Pulver jedermann nur bestens empfehlen. Stellenbesitzer Emil Wit- tig in Hermsdorf. In Schachteln ä 50 Pfg. erhältlich bei Apotheker Maller in Schlüchtern und Apotheker Karl in Freiensteinau.
ZWäumchen.
In diesem Herbste gelangen aus hiesiger Kreisbaumschule zur Abgabe in durchweg sehr schönen Qualitäten: Aepselbäumchen / . . ....
Birnbäumchen m ?en verschlcden- Kirschbäumchen ’ ©orten, sowie allerlei veredelte Obstsorten als: Vogelbeere, Spalierobst, Pyramiden 2C. rc. zu bekannten billigen Preisen.
Größere Bezüge sind einige Tage vorher anzumelden.
Schlüchtern, den 22. September 1900,
Die Verwaltung.
zu haben bei Abr. Sichel.
Die neu vorgeschriebenen Anmeldeformulare für Schlosser, Schmiede, Brauer, Metzger, Lohnfuhrleute, zu § 35 der Unfallversicherung, find vorräthig und zu haben in der Druckerei d. Kreisblattes (C Hohmeister) in Schlüchtern,