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MWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 85. Mittwoch, den 24. Oktober 1900. 51. Jahrgang.

Rolso11l1N60H auf dieSchlüchterner Zeitung" UkftkUUllNtll werden noch fortwährend von allen - - Postanstalten und Landbriesträgern, owie von der Expedition entgegen genommen.

Mannschaften kehrt nicht wieder zur heimathlichen Scholle zurück, sondern glaubt, in der Schwüle der Großstadt­luft leichter seinGlück" machen zu können, als in der Stille des Landlebens.

Einen gewissen Anreiz hierzu hat in der langen Periode unseres wirthschaftlichen Aufschwunges tu, zum Theil mit der regen Nachfrage nach Arbeitskräften ver­bundene, zum Theil durch Ausstände erzwungene Steige­rung der industriellen Löhne gegeben. Aber die aus diesen günstigen Arbeitsverhältnissen gezogenen Schlüsse der Arbeitnehmer: erstens, daß der steigende wirthschaft- liche Verkehr unseren Märkten für eine Ewigkeit erhalten bleiben werde, und zweitens, daß die Lebenslage der Industriearbeiter mit jeder Lohnerhöhung auch zu einer höheren Vervollkommnung gelange, diese Schlüsse werden als Gedankensplitter einer lebhaften Phantasie durch die Wirklichkeit des Lebens ganz und gar nicht gerechtfertigt.

Jeder die Großstadtluft athmende Arbeiter macht gerade in der Gegenwart die für ihn und seinen Geld­beutel recht empfindliche Wahrnehmung, daß das unab­lässige Drängen nach höheren Arbeitslöhnen zunächst nur die eine unausbleibliche Folge gehabt hat: Die Steigerung der Preise aller Waaren und in ursächlichem Zusammen­hang hiermit auch die Preiserhöhung aller Lebensbedürf­nisse. Natürlich! Der Fabrikant und Kleingewerbe­treibende, welchem durch Ausstände und andere Pressions­mittel fortwährend die Pistole auf die Brust gesetzt wird, bis er den Wünschen nach einer Lohnerhöhung nachgiebt, ! ist weil er sein Kapital nicht beliebig vermehren kann wohl oder übel gezwungen, seinen Ausfall an Einnahmen in Folge der Mehrausgaben für Arbeits­lohn durch einen entsprechenden Aufschlag auf seine Fabrikate zu ersetzen. Muß aber der Käufer dieser Waaren höhere Preise zahlen, so hat er natürlich eben­falls das Bedürfniß, sich auf andere Weise schadlos zu halten für diese Mehrausgaben, und es gelangt jene Schraube ohne Ende in Anwendung, welche der einen Preissteigerung die andere folgen läßt, sodaß die ersten Urheber derselben, die Albeiter, füglich für Lebensmittel, Bekleidung, Wohnung und bergt gerade so viel mehr bezahlen müssen, als sie durch die Lohnsteigerung errungen haben. Eine derartige Steigerung kann von Nutzen für die Allgemeinheit nur sein, wenn sie langsam erfolgt. Eine dauernde Hebung ihres Lebensstandes ist jedenfalls nicht durch die periodisch erzwungenen höheren Löhne in den Städten gewährleistet.

Die Gegenwart belehrt die Arbeiterwelt auch darüber, daß die steigende Tendenz der Märkte nicht von unge- meffener Dauer ist, sondern durch nachtheilige Umstände der verschiedensten Art zum Stillstand und selbst zu einer rückläufigen Bewegung gebracht werden kann. Die kopflos oder frivol in Scene gesetzten Arbeiterausstände hinterlassen auch bei ihrer vollen Ergebnißlosigkeit immer eine gewisse, oft tief einschneidende Schädigung des Nationalkapitals, deren Folgen sich meistens in einer Minderung der Arbeitsgelegenheit auch für die Arbeiter­welt sehr fühlbar zu machen pflegen.

Als eine natürliche Wirkung der Ueberspannung der Kräfte ist es denn auch anzusehen, daß zahlreiche aus­gediente Soldaten, welche in den Großstädten verblieben sind, augenblicklich vergeblich nach Arbeit ausschauen. Aus verschiedenen Jnduftriecentren wird gemeldet, daß ganze Trupps von Reservisten von Straße zu Straße und von Ort zu Ort ziehen, ohne Arbeit zu finden. Ueberall keine Arbeit. Das sollte auf die deutsche Arbeiterwelt, insbesondere auf die ländlichen Arbeiter, recht eindrucksvoll wirken. Wie günstig stellen sich diesen Erscheinungen gegenüber die stetigen Arbeitsverhältnisse auf dem Lande! Der eine sorgenfreie Zukunft erstre­bende Mann wird in der Landarbeit immer eine ge­sicherte Existenz und das höchste Glück des Lebens, die Zufriedenheit finden. Daher sollten die entlassenen Reservisten es sich wohl reiflich überlegen, ehe sie der heimathlichen Scholle auf dem Lande für immer den Rücken kehren.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin wohnten, wie aus Homburg v. d. H. berichtet wird, Sonntag dem Gottesdienste in der Schloßkirche bei und unternahmen sodann einen Spaziergang in den englischen Garten. Später arbeitete der Kaiser mit dem Vertreter des Aus­wärtigen Amtes, Gesandten v. Tschirschky und Bögendorff.

Amtliches.

Die Abhaltung des Vieh marktes in der Stadt Fulda am 25. Oktober 1900 ist unter nachstehenden Bedingungen genehmigt worden:

1. Am Tage vor dem Markte werden alle Gastställe und Einstellungen der Stadt thierärztlich beaufsichtigt werden.

2. Der Auftrieb des Viehes darf vor 7/2 Uhr nicht erfolgen. Der Zugang ist nur durch die Schloßstraße zu nehmen. Die übrigen Straßen sind abgesperrt.

3. Die Musterung des Viehs vor dem Eingänge und das Handeln außerhalb des Marktplatzes innerhalb der Stadt Fulda ist am Markttage verboten.

4. Das Ausbringen von Vieh auf den Markt ist nur dann gestattet, wenn den am Marktzugange aufge­stellten Polizeibeamten eine von der Ortspolizeibehörde der Ursprungsgemeinde ausgestellte Bescheinigung vor- gezeigt wird, daß die aufzutreibenden Thiere, welche nach Geschlecht, Farbe, Abzeichen und Alter genau aufzu- führen sind, seit mindestens 4 Wochen an dem Orte des Ausstellers stehen und daß in der Ge­meinde nicht die Maul- und Klauenseuche herrscht (bei Schweinen weder die Maul- und Klauenseuche, noch eine andere ansteckende Schweinekrankheit) und daß die Ge­meinde in den letzten 4 Wochen nicht zu einem Beobach­tungsgebiete im Sinne des § 59a B.-J. vom 27. Juni 1895 angehört.

Stehen die Thiere nicht seit 4 Wochen am Orte des Ausstellers des Ursprungsattestes, so hat derselbe genau zu prüfen, ob die Thiere vorher seit 4 Wochen an Orten standen, die seuchefrei rc. waren und zwar ist diese Prüfung vorzunehmen nach den Ursprungsattesten der Gemeindebehörden derjenigen Gemeinden, wo die Thiere gestanden haben Bei Händlern ist auch die Liste genau zu prüfen, ehe ein Ursprungsattest ausgestellt wird.

In Zukunft werden Thiere unbedingt vom Markte weggewiesen werden, wenn die Ursprungszeugnisse der­selben nicht in allen Stücken den gesetzlichen Vorschriften entsprechen. Gegen Ortsbehörden, die ohne genaue Prüfung Ursprungsatteste ausstellen und in Folge dessen unrichtige Thatsachen bekunden, wird Bestrafung bean­tragt werden. Die Ursprungszeugnisse haben eine 5tägige Giltigkeit und sind schon am Tage vor dem Markte in den Gaststätten, auf den Straßen und an der Bahn auf Verlangen dem Kreisthierarzte und den Polizeibeamten vorzuzeigen.

5. Mehr als drei Thiere dürfen zugleich den Markt- Eingang nicht passiren. Wer mehr als 3 Stück Vieh heransührt, wird bestraft.

6. Die Thiere, welche auf einen Ursprungsschein aufgeführt sind, müssen in unmittelbarer Aufeinander­folge auf den Markt geführt werden. Die Scheine werden am Eingänge abgenommen.

7. Während der ganzen Dauer des Marktes unter­steht das aufgetriebene Vieh der Kontrole des Königl. Kreisthierarztes.

Jede Uebertretung der vorstehenden Au'sichtsbesiim- Mungen wird mit Geldstrafe nicht unter 10 Mark bestraft, so ern nicht nach den bestehenden Gesetzen höhere Strafen verwirkt sind.

Die btägige Quarantäne der mit der Bahn aus ver­seuchten Gegenden ankommenden Thiere ist aufgehoben.

Fulda, den 16. Oktober 1900.

Der Königliche Landrath: Steffens.

Der Zug nach den Großstädten.

Die deutsche Landwirthschaft leidet empfindlich unter dem Mangel an geeigneten Arbeilskräften, und alle zur Besserung dieses Uebelstandes angewandten Mittel drohen mehr und mehr zu versagen, weil dieLandflucht1 der Arbeiterwelt wie eine chronische Krankheit an dem Mark unserer landwirthschaftlichen Betriebe zehrt. Die Vor. stellung, daß die Großstädte dem Arbeiter günstigere Arbeitsbedingungen und eine schnellere Hebung seines Lebensstandes gewährleisten, beherrscht das Gedanken- leben vieler ländlicher Arbeiterkreise noch immer. Das zeigt sich besonders bei der alljährlichen Entlassung der Reservisten aus dem Heeresdienst; denn ein sehr hoher Prozentsatz der aus den ländlichen Bezirken entnommenen

Der Kaiser ließ sich in Homburg die Mann­schaften des dort in Garnison liegenden Bataillons vom Füsilier-Regiment Nr. 80 vorführen, welche Winter­uniformen der verschiedenen Waffengattungen der nach China entsandten Truppen angelegt hatten.

Das Befinden der Kaiserin Friedrich bessert sich andauernd, so daß man bereits eine Reise nach dem Süden in Aussicht nimmt.

Das Militärehrenzeichen 2. Klasse hat der Kaiser unter dem 16. Okt. 246 Mannschaften der in Ostasien verweilenden Schiffe verliehen. Während von den Kreuzern etwa der 9. bis 10. Theil der Mannschaften dekorirt wurde, ist allen Mannschaften des KanonenbootsIltis" ohne Ausnahme diese Auszeichnung zu Theil geworden. 108 Unteroffiziere und Mannschaften des Kanonenboots nahmen an den Kämpfen vor den Takuforts Theil, 100 sind dekorirt worden, die Uebrigen sind gefallen. Kapitän Lans und Oberleutnant z. S. Hoffmann-Lammatsch Edler von Sassenstein, welch letzterer nach der schweren Verwundung des Kapitän Laus das Kommando über das Schiff übernommen, haben übereinstimmend gemeldet, daß alle Mannschaften im vollsten Maße ihre Pflicht gethan,

- Eine großeSchneiderübung" hat die Mobil­machung für China zur Folge. Mehrere Regimenter des Gardekorps mußten an die Chinakrieger viele Uni­formen abgeben. Um nun die geschwächten Bestände wieder zu ergänzen, werden zahlreiche Militärschneider, die als Oekonomiehandwerker gedient haben, zu einer Uebung einberusen. 150 Mann aus den Jahrgängen 1893 bis 1897 sind bereits auf 56 Tage eingezogen. Ihnen folgen noch zwei ebenso starke Abtheilungen auf die gleiche Dauer.

Bezüglich der Kohlennoth faßte das baierische Staatsministerium eine Entschließung, welche die zweifel­los übertrieben hohen Preise dem Handel zuschreibt. Es wird in der Resolution zur Abhülfe des Mißstandes die Bildung von Genossenschaften behufs direkten Kohlen­einkaufs angeregt und den größeren Städten außerdem, wenn Genossenschaften nicht vorhanden seien, die An­schaffung großer Kohlenvorräthe auf direktem Wege empfohlen, um sie an die Gemeindeangehörigen zu ange­messenem Preise abzugeben.

Licgnitz. DasOberschlesische Tageblatt" schreibt: Privatleute in Liegnitz beziehen jetzt, wie uns von dort geschrieben wird, Kohlen (Nuß I) von der fiskalischen Königin Luise Grube in Zabrze den Waggon, 200 Ctr., zum Preise von 107 Mk. ab Grube. Einschließlich der Fracht und Abfuhr berechnet sich der Centner auf 95 P^g., so daß also, da der Kohlenring den Centner mit 1,30 Mk. offerirt, eine erhebliche Ersparnis erzielt wird. Die Grube stellt nur die Bedingung, daß mit der Kohle kein Handel getrieben werden darf, daß also kein Nutzen aus der etwaigen Wiederveräußerung oder bei Theilung des Waggons gezogen werden darf.

Lohr a. M., 20. Oktober. Vor einigen Tagen wurde hier ein Mann im Walde aufgegriffen, bei dessen Durch­suchung sich 13 000 Mk. in Staatspapieren vorfanden. Es stellte sich heraus, daß man es mit einem Sonder­ling zu thun hatte, der sein Vermögen in seinen Rock eingenäht hatte und zu Fuß die Welt zu durchwandern wünscht. Die Heimath des Mannes ist Buttstädt in Thüringen.

Ein Schurkenstreich ist dieser Tage in Gleisweiler in der Pmlz verübt worden. Man fand, lautRh.

W. Ztg.", unter einem Birnbaum zwei Birnen, die aus- gchölt und mit Arsenik angefüllt waren. Die Füllung war so geschickt vorgenommen, daß man beim flüchtigen Beschauen den Birnen nichts ansehen konnte, da das abgeschnittene Stück wieder mit Draht künstlich befestigt war. Die Dosis Arsenik war so stark, daß bei der Verwendung der Birnen zur Mostbereitung eine lebens­gefährliche Vergiftung selbst größerer Mengen Most ein­getreten wäre. Nach den Verübern des Schurkenstreichs wird eifrig geforscht.

Ausland.

Aus Peking wird vom 17. Oktober telegraphiert: Graf Waldersee ist in Peking eingetroffen und wurde mit allen militärischen Ehren empfangen. Eine inter­nationale Begleitmannschaft geleitete den Feldmarschall nach dem Palast der Kaiserin-Wittwe Die Pekinger Kolonne der Expedition Poatingfu traf am 16., ohne Widerstand zu finden, an einem Punkte sechs Meilen