MMchterner ZeiwM
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Mittwoch, den 17. Oktober 1900.
51. Jahrgang.
IWMhfttflitMrt auf bie "Schlüchterner Zeitung" werben nod) fortwährend von allen
■ ■ ~~------- ■ Postanstalten und Landbriesträgern, owie von der Expedition entgegen genommen.
Ä u f r tt f.
J.-Nr. 2645 K.-A. Viele taufende deutscher Streiter sind ausgezogen für den Schutz der schwer verletzten Rechte und Interessen unseres Vaterlandes. Es hat schon heiße Kämpfe gekostet mit dem blutdürstigen Feinde, und wird sie noch kosten; dazu kommen die Gefahren eines gefährlichen Klima's und der kalten Jahreszeit. Alle Patrioten sind einig darin, daß es unseren deutschen Truppen im fernen China an nichts fehlen darf. Außer der mustergiltigen Fürsorge unserer Militärverwaltung bedarf es aber auch der freiwilligen Mithilfe aller heimathlichen Kreise, um unsern Kämpfern im fernen Lande nach Möglichkeit ihre schweren Strapazen zu erleichtern und für ihre vielfachen Entbehrungen ihnen einen Ersatz zu bieten, ihre Verwundeten zu pflegen und zu erquicken. Deshalb errichten die Vereine vom Rothen Kreuz Sammelstellen zur Entgegennahme von Liebesgaben für das ostasiatische Expeditionskorps. Besonders erwünscht sind:
I. Kleidungsstücke für den Winter:
Filzschuhe, Filzstiefel, Lederjacken, Leibbinden, Pelzmäntel, Pelzstiefel, Socken wollene, Unterkleider wollene, Unterziehmützen seidene und gewirkte; Rohstoffe zur Anfertigung dieser Sachen, insbesondere Schaf- und Ziegen- felle.
II. Verpflegungs- und Genußmittel:
Fleisch- und Gemüsekonserven, Fleischextrakt, Fruchtsäfte, Colonialwaareu, Kaffee, Kakao, Malzextrakt, Pafteun- sirte Biere, Weine, Zucker, Cigarren, Liköre, Tabak. *6Mt III. Materialien für Lazarethe:
a. Wäsche und Kleidungsstücke:
Bettwäsche, wollene Decken, Halstücher, Handtücher, Hemden, Krankenkleider, Leibbinden, Matratzen, Pantoffeln, Strohsäcke, Taschentücher, Unterhosen, Unterjacken; Rohstoffe zur Anfertigung dieser Sachen.
b. Wirthschafts-Gegenstände:
Bettstellen zusammenlegbar, Bettvorleger, Eßbestecke, Eßgeschirr, Geräthe zur Beleuchtung, Heizung, Reinigung, Küchengeräth, Küchengeschirr, Krankenfahrbahren und Tragen, Spiele, Stühle, Tische, Waschgeräthe, Werkzeuge aller Art.
c. Sanitäts-Material:
Pharmazeutische und diätetische Präparate, ärztliche Instrumente, Verbandmittel.
d. Geld-Beiträge.
Für unseren Kreis ist seitens der Zweigvereine vom Rothen Kreuz und des Vaterländischen Frauenvereins Herr Kreisausschußsecretär Schäfer zu Schlüchtern mit der Entgegennahme solcher Liebesgaben beauftragt worden.
Wir sind gewiß, daß unser Kreis von anderen an Opserwilligkeit für unsere deutschen Brüder und Krieger >m fernen Lande sich nicht übertreffen lassen will. — Doppelt giebt, wer schnell giebt! —
Schlüchtern, den 18. September 1900.
Der Vorstand der Zweigvereine
vom Rothen Kreuz: des vaterländischen Frauen-
Roth.
L. Voith v. Voithenberg, Leutnant a. D.
Wetzell.
Schulz, Pfarrer in Soden. Schneider, Bürgermeister. Dr. med. Bartholmai.
Fink, Bürgermeister.
Vereins: Elisabeth Roth. Anna Thaler. Fanny Strauß. Magdalene Heck. E. Anacker. Marie Bratfisch. Amalie Zorn, Steinau.
Deutsches Reich.
Berlin. Die seit langer Zeit leidende Kaiserin Friedrich in den letzten Tagen eine akute Erkrankung über« Rauben, deren Folgen nach Ansicht der Aerzte in kurzer Zeit wieder behoben sein dürften. Professor Renvers, der nach Crouberg beru'en worden war, ist bereits wieder nach Berlin zurückgekehrt, was als ein Beweis angesehen werden kann, daß in der That jede Gefahr beseitigt ist. Zu Folge dessen wird das Kaiserpaar auch in der 1(Wfn Oktoberwoche die Reise nach dem Wupperthale Unternehmen.
— Der „Reichsanz." enthält eine Verordnung über °w den Justizbeamten bei Dienstgeschäften außerhalb
Stellungen hat in den südlichen Prozinzen große Unzufriedenheit erregt, und andererseits die bereits erschütterte Loyalität der Vizekönige im Aangtsethal befestigt, da sie ihre eigene Absetzung befürchten.
Tientsi», 8. Okt. Die Deutschen haben den Befehl erhalten, die Eisenbahn Peking-Iungtsun zu besetzen; den übrigen Theil der Eisenbahnlinie besetzten die Russen. Den britischen Truppen wurde gestattet, den Hafen Tschingwentao zu bewachen. Die Expedition nach Pao- tingfu wird wahrscheinlich aufgegeben werden. (?) Graf Waldersee begiebt sich in einigen Tagen nach Peking.
Transvaal. Vom Elend, das der Krieg über Transvaal gebracht hat, heißt es in einem Briefe: Man kann
ihres Gerichtsortes zuständigen Tagegelder und Reisekosten, der zufolge die gerichtlichen Unterbeamten bei Geschäften, die außerhalb des Genchtsortes in einer Entfernung vo>. - cht weniger als 2 Kilometer vorzu- nehmen sind, 1. an Zehrungskosten für jeden Tag 2 M. und für jedes auswärts genommene Nachtquartier zusätzlich 1 Mk. 50 Pf.; 2. wenn das Dienstgeschäft in einer Entfernung von weniger als 5 Kilometer zu verrichten ist und an demselben Tage erledigt werden kann, an Zehrungskosten 1 Mark; 3. wenn sich die Dienstreise auf zwei Tage erstreckt und innerhalb 24 Stunden beendet wird, an Zehrungskosten insgesammt 3 Mark und für das auswärts genommene Nachtquartier zusätzlich 1 Mark 50 Pf. erhalten. War der Unterbeamte genöthigt, sich der Eisenbahn, des Dampfschiffs oder eines anderen Beförderungsmittels zu bedienen, oder waren sonstige nothwendige Unkosten, wie Brücken- oder Fährgelder, aufzuwenden, so sind die hierdurch erwachsenen baaren Auslagen, soweit sie nothwendig waren, zu erstatten. Werden die Unterbeamten zur Dienstleistung bei auswärtigen Gerichtstagen zugezogen, so erhalten sie Tagegelder und Reisekosten nach Maßgabe der Vorschriften des Gesetzes vom 24. März 1873 und der dasselbe abändernden Bestimmungen. Diese Bestimmung trat am 1 Oktober dieses Jahres in Kraft.
Remscheid, 12. Okt. Hier und in verschiedenen an. deren Orten des Bergischen Landes machen sich die Folgen der wirthschaftlichen Krisis vor allem durch Entlassung vou Arbeitern aus ihren Stellungen bemerkbar. In Ronsdorf und Wermelskirchen stehen seit einiger Zeit eine bedeutende Anzahl von Webstühlen still. Die in Folge dessen brodlos gewordenen Arbeiter haben zum Theil an der Sengbachthalsperre Beschäftigung gefunden. Auch an Wegebauten haben arbeitslose Bandwirker lohnenden Verdienst gefunden.
— Kohlenversorgung durch die Studt. Wie in verschiedenen anderen Städten hat auch in Königsberg i. Pr. die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, eine Kommission zu wählen, welche größere Kohlenvorräthe einkaufen und der Bürgerschaft zum Selbstkostenpreise abgeben soll.
Ausland.
China. Obgleich die Lage in Südchina alles andere eher als vertrauenerweckend ist, weigern sich die Vice- könig daselbst doch beharrlich gegen jede Einmischung verbündeter Truppen zur Sicherung der Zustände. Besondere Sorge scheinen diese Edelen vor einem Eingreifen der Mächte in Schantung zu haben, sie erklären laut und feierlich, daß sie einen derartigen Schritt mißbilligen würden, da die chinesischen Truppen im Stande und Willens wären, Ruhe und Ordnung in der genannten Provinz aufrecht zu erhalten. Die Sorge der Chinesen ist ganz überflüssig; es denkt Niemand an ein militärisches Vorgehen in Schantung. Der chinesische Gesandte in Washington gab der dortigen Regierung auch die feierliche Erklärung, daß der Ausbruch von Wühlereien in Südchina ausgeschlossen sei, da es dort Boxer gar nicht gebe. Das mag sein, dafür giebt es die Drei, faltigkeitsleute, die nicht minder gefährlich sind.
Shanghai, 8. Dktobcr. Nachrichten aus Hankau besagen, daß ungefähr zweihunderttausend Mann chine sischer Truppen, mit modernen Waffen ausgerüstet, aus allen Theilen des Reiches gegen Siangfu vorrücken, um sich dem General Tungfuhsiang anzuschließen. Ein In formant, ein früherer deutscher Justruktions Offizier, behauptet, die Chinesen wären noch im Besitze von 700 Geschützen und einer ungeheuren Menge von Munition. Große Lebensmittel-Transporte sind auf dem Wege nach Siangfu. Die kürzlich erfolgte Massenberufung von Mandschus und fremdenfeindlichen Beamten in hohe
rechnen, daß bei und nach Ausbruch des Kieges 20 000 Ausländer, welche in Transvaal, zumal in Johannesburg, gangbare Geschäfte und gesicherte Stellungen hatten, von der republikanischen Regierung ausgewiesen wurden, nicht gerechnet die Kapitalisten und die zahllosen zweifelhaften Existenzen. Diejenigen unter ihnen, die einen Sparpfennig hatten, haben ihn für Frau und Kinder, die gleichzeitig in die Verbannung gehen mußten, verbraucht. Inhaber rentabler Geschäfte erleiden erheblicheren Nachtheil, jeder der Ausgewiesenen hat herbe Verluste. Nach der Besetzung von Bloemfontein, dann nach der von Pretoria, hofften die Ausgewiesenen, dorthin zurückkehren zu können, Lord Roberts verweigerte aber aus militärischen Gründen die massenweise Rückkehr. Die Erlaubniß wird nunmehr nach Prüfung des einzelnen Falles gewährt werden; jeder Bittsteller hat seine persönliche Eingabe zu machen. Leider sind gerade unter den Deutschen die weniger günstig Gestellten, vielfach leben sie seit nahezu Jahresfrist ausschließlich von Unterstützungen. — Ein Bur, der die Züge Dewets mitgemacht hat, sendet einem Rotterdamer Blatt einen Brief, in dem er die Wegnahme eines englischen Eisenbahnzuges schildert: Beim ersten Morgengrauen fielen die Schüsse hageldicht auf sie. sodaß die „Khakis" wie aufgescheuchte Hühner den Kopf verloren. Nach halbstündigem Kampf wurde die weiße Flagge gehißt. Wir hatten weder Todte noch Verwundete, während die Engländer 40 Todte und 60 Verwundete hatten. Der Zug enthielt 30 000 vollständige Winteruniformen, 2000 Lydditbomben, 2000 Briefsäcke und eine ungeheure Menge Tabak, Cigaretten, Getränke Dewet entwaffnete zuerst die Engländer und dann gings an die Plünderung. In einigen Augenblicken waren Hunderte von Kasten erbrochen und die Briefsäcke ausgeschnitten. Die Briefe wurden nach Geld oder - Banknoten durchsucht, und bann weggeworfen. Einigen guten Flaschen Champagner wurde der Hals gebrochen, und wir tranken einen ausgezeichneten „extra dry", der als persönliches Geschenk für Lord Roberts von einem seiner Bewunderer bestimmt war. Als alles fertig war, rief unser Christian: „Und jetzt Kinder, wollen wir uns amüfiren und ein schönes Feuerwerk zur Feier unseres Erfolges abbrennen!" Ein gefangener englischer Kapitän, der Zeuge dieser Vorbereitungen zur Zerstörung war, schrie: „Welche Ruchlosigkeit! Welch' Skandal!!" Dewet antwortete: „Wissen Sie, was ein Skandal ist? Unsere Farmen verbrennen, unsere Frauen und Kinder mißhandeln und sie nackt in den Wald jagen !" Auf die leeren Holzkisten legte man die 2000 Bomben, und nachdem sich die Buren in Sicherheit gebracht, wurde eine Lunte angezündet. Plötzlich trat eine schreckliche Explosion ein, und eine Feuersäule von mehreren 100 Meter Höhe erhob sich gen Himmel. Bäume, Dächer und Mauern des Bahnhofes, Wagen und Schienen, Alles flog in die Lust.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 16. Oktober.
* — Die Butter der Molkerei Schlüchtern wurde in der internationalen Kochkunst-Ausstellung zu Frankfurt a. M. (11—21, Oktober 1900) prämiirt.
* Am kommenden Freitag steht den Schlüchternern ein ganz besonderer Genuß bevor. Begeht doch die so beliebte Frau Direktorin des zur Zeit hier gastierenden Saison-Theaters ihren Ehrenabend, zu welchem sie das schöne Lustspiel: „Doctor Klaus" gewählt hat. Die Benefiziantin tritt in der Rolle der Marianne, der der Haushälterin des Juwelies Leopold Giesinger auf, in welcher sie so recht Gelegenheit hat, ihre ganze Kunst zu zeigen. Der Ehrenabend wird aber auch noch durch die freundliche Mitwirkung des Turnhallenwirths Herrn Theo Schröder recht interessant werden. Wir wünschen der Frau Direktorin ein recht volles Haus, damit sie ersieht, daß man hier ihre Bemühungen anerkcnnt.
— Unlauterer Wettbewerb. Ein Kaufmann, der im Geschäfte eines Fabrikbesitzers angestellt gewesen war, dann diese Stellung verlassen und ein Konkurrenzgeschäft selbstständig errichtet hatte, war wegen unlauteren Wettbewerbs verurtheilt, weil er Geschäftsgeheimnisse seines früheren Prinzipals verwerthet hatte, von welchen er durch eine gegen die guten Sitten verstoßende Handlung Kenntnis erhalten. Der Angeklagte legte Berufung ein, doch wurde das Urtheil in letzter Instanz bestätigt.
— Das Bierverschneiden mit Kipp-Bier, Tropf-Bier oder Ueberlauf Bier ist unter allen Umständen strafbar.