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SchlWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

M 82. Samstag, den 13. Oktober 1900. 51. Jahrgang.

Rettung geben: Im Jahre 1899 kostete ein Telegramm "us Colombo 32 000 Mark, in denselben Jahre gab der Correspondent in Alexandria 480 000 Mk. aus. Vor drei Wochen etwa wurden für ein Telegramm aus Peking 6400 Mk. bezahlt. Seit dem Beginn der chine­sischen Wirren hat Dr. Morrison, der bekannte Korres­pondent in Peking, mehr als 200 000 Mk. ausgegeben, während die Depeschen aus Shanghai, Tientsin und Tokio über 250,000 Mk. gekostet haben.

Das größte Weichbild von allen deutschen Städten hat nicht etwa Berlin, sondern Köln mit einer Gesamt­fläche von 1,1 Mill. Ar, während Berlin nur 634,029 Ar aufzuweisen hat. Hiervon waren 42 Prozent bebaut. Ein größeres Weichbild als Berlin haben nach der letzten Messung (1887) außerdem noch Frankfurt a. M., Straß­burg i. E., Hamburg unb München:

Darmstadt, 7. Okt. Infolge des Todes des Prinzen Heinrich von Hessen, der ohne erbfolgeberechtigte Leibes­erben beerben ist, ist als einziger männlicher Vertreter des Großherzoglichen Hauses der Großherzog übrig ge­blieben, der bis jetzt nur eine 1895 geborene Tochter besitzt. Sollte er keine männlichen Erben mehr erhalten, so würde die landgräfliche Linie von Hessen-Kassel zu­nächst also Landgraf Alexander Friedrich, zum Thron­folger berufen sein. Da dieser aber unverheirathet ist, so träte dann die Nachfolge dessen Bruder Prinz Karl, der Schwager des Kaisers, an.

Coblenz, 10. Oktober. Am vergangenen Sonntag tagte hier im Monopol-Hotel eine von Zeitungsverlegern der Regierungsbezirke Coblenz, Wiesbaden und Trier, sowie der angrenzenden Gebiete des Großherzogthums Hessen und Hessen-Nassaus sehr zahlreich besuchte Ver­sammlung, um über die gegenüber der offenkundigen Nothlage des Zeitungsgewerbes zu ergreifenden Schutz­maßregeln zn berathen. Die Herstellungskosten der Zeitungen sind in den letzten Jahren in Folge der Steigerung der Löhne, der Preise von Schriftmateria und Maschinen, sowie des gesammten übrigen Rohmate­rials, der erhöhten Anforderungen an Redaktion und Expedition andauernd gestiegen, während die Abonne­mentspreise auf den denkbar niedrigsten Standpunkt sanken und die Einnahmen aus dem Jnseratentheil in keinem Verhältnis zu den Kosten stehen, welche Auflage und Verbreitung der Zeitungen auserlesen. Trotzdem haben die Verleger bisher alle die Mehrkosten, sowie alle ihnen durch soziale und gewerbliche Gesetzgebung auferlegten namhaften Opfer selbst getragen, sie haben den Forderungen der Gehilfen nach Lohnerhöhung rc. ent­sprochen, usw., ohne nur den geringsten Theil dieser ganz beträchtlich gesteigerten Geschäftsunkosten auf die Abnehmer abzuwälzeu, wie das in anderen Betrieben längst ge­schehen ist. Nachdem nunmehr aber durch Schaffung eines Rings der Papierfabrikanten ganz plötzlich und unerwartet eine Steigerung der Papierpreise um 40 bis 50 pCt. eingetreten ist, ein Heruntergehen derselben für absehbare Zeit aber absolut nicht erwartet werden kann, da ferner der mit dem 1. Januar in Kraft tretende Postzeitungstarif für eine große Anzahl Blätter eine er­hebliche Mehrbelastung bringt, ist eine Lage geschaffen, welche bei einem Weiterarbeiten unter den bisherigen Verhältnissen den geschäftlichen Ruin vieler ZeitungS- geschäfte herbeiführen muß. Nach eingehender Berathung kam daher die Versammlung zu dem Schluß, nach dem Vorgang der Zeitungsverleger in verschiedenen Gegenden Deutschlands auch den Verlegern der hiesigen Bezirke zu empfehlen, im Wege lokaler Vereinbarung gemeinsam eine geringe Abonnementserhöhung mit Wirkung vom 1. Januar anzubahnen und in gleicher Weise die für Inserate zu gewährenden Rabattsätze zu regeln.

Coblenz, 7. Oktober. Der längste Tunnel in Deutsch­land ist der Tunnel bei Kochem an der Mosel auf der Eisenbahnlinie Koblenz-Trier; er mißt eine Länge von 4*/2 Kilometer (gegen 15 Kilometer des Gotthard- Tunnels); aber es ist eine erstickende Lust in dem Tunnel vorhanden, die nicht nur Diejenigen belästigt, welche in dem Tunnel zu arbeiten haben, sondern auch die Eisen­bahnbeamten und Passagiere, die mittelst der Eisenbahn den Tunnel passiren. Die königliche Staatsregierung beabsichtigt daher, diese den Verkehr störende Eigenschaft des Tunnels zu beseitigen. Durch welche Mittel dies geschehen soll, darüber herrschen noch verschiedene Ansichten, deren Ausgleich angebahnt wird. An Kosten zur Be­seitigung der Stickluft in dem in Rede stehenden Tunnel sollen 350,000 Mark in Aussicht genommen sein.

nuf ^eSchlüchterner Zeitung" | II werben nod) fortwährend von allen |- ----------------------Postanstalten und Landbriefträgern, g owie von der Expedition entgegen genommen.

Landwirthschaftliche Winterschule zu Gelnhausen.

Der Unterricht für das kommende Winterhalbjahr be- I ginnt Dienstag, den 6. November er. Vormittags I 9 Uhr. Der Schulbezirk umfaßt die Kreise Gelnhausen, I Hanau, Schlüchtern und Schmalkalden.

Aufnahme als Schüler finden junge Leute, welche I aus der Volksschule entlassen und nicht älter als 20 Jahre sind. Aeltere Landwirthe können als Hospi- rjtanten ausgenommen werden. Bei der Aufnahme als sSchüler ist das Schulzeugniß, bei der als Hospitant »außerdem ein FührungsAttest von der Ortspolizei- | bchörde vorzulcgcn.

I Das Schulgeld beträgt für Schüler und Hospi- A tauten aus dem Kreise Gelnhausen 18 Mark, für an» bere Schüler und Hospitanten 30 Mark für das Winter­halbjahr.

Der vollständige Lehrkursus umfaßt 2 Winterhalbjahre. Im dazwischen liegenden Sommer-Semester auf Wunsch Stellennachweis auf gut geleiteten Wirthschaften. Tüch­tigen und fleißigen Schülern, welche die Ver­walterlaufbahn einschlagen wollen, können nach Absolvirung des ganzen Lehrkursus unentgelt­lich Verwalterstellen vermittelt werden.

Kost und Wohnung finden die Schüler bei guten r Bürgersfamilien in hiesiger Stadt für 35 bis 40 Mark pro Monat.

M Die Wahl der Schülerwohnungen darf nur mit I BeMmigung des Direktors geschehen, welcher auch bei I ^der Auswahl behilflich sowie zu jeder weiteren Auskunft l gern bereit ist.

Anmeldungen sind möglichst zeitig an das hiesige »Königliche Landrathsamt oder an den Direktor der Anstalt »Herrn A. Wagner hierselbst zu richten

Gelnhausen, den 5. Oktober 1900.

Der Vorsitzende des Kuratoriums der Schule: von Baumbach, Landrath.

Deutsches Reich.

I Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin sind am Mit- lod) von Hubert nsstock in Homburg eingetroffen, um am lonn erftag der Saalburgfeier beizuwohnen. Ferner Hmen Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen in «nnburg an.

Die Bildung neuer Truppentheile der deutschen ^Amee ist in diesen Tagen vor sich gegangen. Nach dem Gesetz vom 25. Vi'ärz 1899, betreffend die Fricdens- Kräsenzstärke des deutschen Heeres, ist das deutsche Heer Miigethcilt in 23 Armeekorps, und zwar 18 preußische, M bayerische und 2 sächsische, mit insgesammt

000 Mann. Außer der Neubewaffnung und Neu Mormirung der Feldartillerie und der Verkehrstruppen. Wie zumeist schon am 1. April und 1. Oktober 1899 »erfolgte, wurden am 1. Oktober 1900 noch die nach- »benannten Neubildungen vorgenommen: 2 Escadrons I Jäger zu Pferde bei dem 7. Armeekorps in Wesel, 2 I Escadrons Jäger zu Pferde bei dem XI. Armeekorps 1 in Langensalza. Die Zahl der Escadrons der deutschen | Kavallerie beträgt somit heute 482. Ferner wurden ge­bildet : 19 fahrende Batterien Feldartillerie und eine ^ehrabtheilung Feldartillerie-Schießschule, die zur Ver- BWtänbigiing des nunmehr aus drei Abtheilungen be- Nchende LehrregimentS dient. Bayern besitzt vom 1 »Oktober ab 3 Armeekorps mit fünf Divisionen, p Mit dem neuen Schnellfeuer-geschütz werden gegen- I bärtig nach der Franks. Ztg. Versuche in Metz angestellt. I Zwölf tragbare Maschinengewehre sind an die einzelnen l Regimenter überwiesen worden; aus Kolmar und Schlett- I stadt sind einige Jügcroffiziere und Mannschaften ein- l ^troffen, um die Bedicunngsmanuschaften im kriegs- L Mäßigen Gebrauch der neuen Waffe zu unterweisen. ?Das Geschütz ist eine Art Kugelspritze mit Magazin = | ^mig und kann in der Minute 350 Schuß abgeben. | ^urch eine eigene Vorrichtung wird eine pendelartige Horizoutalbcwcgung des Rohres hervorgerufen, so daß

, Kugeln eine große Breitenstreuung haben.

Von den außerordentlich hohen Kosten, die aus den t überseeischen Telegrammen erwachsen, können folgende 'Zahlen aus dem Ausgnbcctat derTimes" eine Vor-

Beuthen. Schweine mit 124 Stempeln. Der Be­zirksverein der schlesischen Fleischerinnungen hatte sich an den Obcrpräsidenteu mit der Bitte gewandt, bei Einfuhr von Schweinen aus Polen bezw. Rußland die Zahl der ungemein großen, mit rothen Anilinfarben aufgedrückten Stempelp Herabzumindern. Der Antrag war damit be­gründet worden, daß jedes der eingeführten russischen Schweine gegenwärtig mit 124 Stempeln bedeckt wird, so daß die Schweine einem vollständigen Bilderbogen gleichen und die Schwarte fast unbrauchbar wird. Amt- licherseits wurde das Gesuch um Verminderung der Stempel trotzdem abgelehnt, da sich im zunehmenden Maße Anzeichen dafür bemerkbar machten, daß bei dem früheren weniger umfangreichen Abstempelungsverfahren ungestempelt gebliebene Flei)chftücke aus den russischen Schweinen ausgeschnitten und verbotswidrig über die Grenze hinausgeschafft wurden. Die Bilderbogenschweine werden also fortbestehen.

Ausland.

Dux, 8 Oktober. In der Nähe des Amalienschachtes des Duxers Kohlenvereins ist eine Frau beim Kartoffel­ausgraben durch plötzliches Einstürzen des Abbauplanes in die Tiefe versunken und spurlos verschwunden.

Rom. Deutsche beim Papst. Ueber die jüngste Audienz der Pilger beim Papst in der Peterskirche zu Rom schreibt der Wests. Merkur, ein Centrumsblatt: Leider müssen wir auch bei dieser Gelegenheit über die Behandlung der Deutschen lebhaft Klage führen. Sie wurden ganz in den Hintergrund gedrängt. Nur wenigen war es beschieden, den hl. Vater in nächster Nähe zu schauen. Pfarrer mit graueu Haaren äußerten sich: Es ist eine Schmach, wie man uns hier behandelt." Für die Franzosen und Italiener dagegen waren große Tribünen errichtet, damit sie bequemere Plätze hätten. Erstere gebärdeten sich, als wenn der hl. Vater für sie allein da wäre. Ihr Gesang glich mehr einem Gebrüll. Jedoch wir Deutsche ließen uns nicht abhalten, sobald eine kleine Pause eingetreten, ernst und würdevoll unser Loblieder zu singen."

Petersburg. Im Nikanderkloster im Kreise Porchow bei Pskow (Pleskau) waren zum Kirchenfest etwa 5000 Pilger versammelt, die dann in dem zweistöckigen Kloster­gasthause übernachteten. In der Nacht brach nun unter der Last der Pilger der Fußboden des zweiten Stock­werks, und die Pilger fielen auf die im ersten Stock­werk Schlafenden. Während der Panik, die darauf ent­stand, schrie ein MannFeuer". Nun stürzten Alle auf den einzigen Ausgang zu. In dem fürchterlichen Gedränge wurden 4 Männer und 36 Frauen todtgc- drückt, 20 Personen verwundet, darunter 4 schwer.

London, 10. Okt. DieTimes" melden aus St. Johns (Neufundland): Seit dem Sturm am 12. Sep­tember fehlt Nachricht über 17 französische Fischerfahr- zeuge aos St. Pierre mit 200 Personen Bemannung. Zusammen mit den Unglücksnachrichten von anderen französischen Fahrzeugen ergäbe sich ein Verlust von mehr als 300 Menschenleben. Außerdem sind 100 Fischer aus Neufundland umgekommen.

Amerika. Ueber die jüngste Niederlage der Ameri­kaner auf den Philippinen herrscht in den Vereinigten Staaten die allergrößte Bestürzung. Auf einen so schweren Verlust war man nicht mehr vorbereitet, wenn auch im Weißen Hause zu Washington kein Zweifel darüber besteht, daß Nordamerika noch sehr weit davon entfernt ist, sich auf den erwähnten Inseln als Herren zu betrachten. Die jüngste Niederlage wird übrigens als die schlimmste während des ganzen Krieges bezeichnet. Das 59. Infanterieregiment, das in einen Hintcrhali rel, hat außer vielen Todten 53 Gefangene eingebüßt, mrunter auch den Oberst Shidds, der schwer verwundet ist. Der kommandirende General Mac Arthur laßt die Filippinos nnnmehr mit einer größeren Streitmacht ver­folgen, um die Gefangenen zu befreien. Es ist indessen eicht möglich, daß den Befreiern das Loos der zu Be- reienden zu Theil wird. Andröe von Wilden getödte t? Nach Depeschen aus Chigago und Minneapolis ist ein aus etzterer Stadt gebürtiger Herr Knappen nach einer ge­fährlichen Reise nach der Hudsonbay, bei welcher er die Küste von Ungayaland 600 Meilen herauffuhr, in Chigago angekommen, und meldet dort, Eskimos hätten ihm erzählt, einHimmelsboot" sei an der äußersten Nordostküste der Bay vor zwei Jahren auf die Erde ge­kommen; die Wilden, die dieses Land bewohnen, hätte^