Einzelbild herunterladen
 

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt- vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 80.

Samstag den 6. Oktober 1900.

51. Jahrgang.

ItUfMhttlAHl auf die .Schlüchterner Zeitung- werden noch fortwährend von allen - -~ ! Postanstalten und Landbriesträgern,

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Die im Simmenthal angekauften Rinder und Kalbinneu werden um den 7. oder 8. dieses Monats in Elm eintreffen und voraussichtlich am 10. oder 11. Oktober, Nachmittags 2 Uhr dort unter den Be­stellern versteigert werden.

Gleichzeitig wird eine Anzahl bester l1^ jihriger Mnttersüllen zur Versteigerung gelangen, wobei jedem Mitglied des land- wirthschaftlichen Kreisvereins das Mitbieten gestattet ist.

Der Tag wird noch näher bekannt ge­macht.

Schlüchtern, den 3. Oktober 1900.

Der Vorstand

des landwirthschaftlichen Kreisvereins: Roth.

Deutsche» Reich.

Berlin. Am Donnerstag traf der Kaiser von Ra­mmten und Marienburg kommend, zum Besuch seines 1. LeibhusarenregimentS in Langfuhr bei Danzig ein. In dem im dortigen Offizierkasino stattfindenden Diner nahm auf Einladung seine- kaiserlichen Bruders auch Prinz Heinrich von Preußen Theil.

Der Reichstag wird nach denB. N. N.- erst in der zweiten Novemberhälfte unberufen.

Der Kaiser hat an das Württembergische Armee­korps einen Armeebefehl erlassen, der anordnet, daß sämt­liche aktiven und inaktiven Offiziere, die zu einer even­tuellen Verwendung nach China bereit sind, festgrstellt und nach Berlin gemeldet werden. Der Erlaß spricht die Erwartung aus, daß von den Offizieren, die sich früher gemeldet haben, keiner von der Meldung zurück- trete. Der Schluß deS Armeebefehls besagt, daß ein weiterer Truppennachschub zunächst nicht wieder erfor­derlich scheine, daß aber für den Fall weiterer Unruhen und der Nothwendigkeit weiterer Truppensendungen die entsprechenden Vorbereitungen getroffen werden müssen.

Die Lage der Textilbranche ist gegenwärtig eine sehr gedrückte und die WollkrtstS, wir es scheint, eine allgemeine. 8us aller Welt werden Zusammenbrüche großer Handels­und Jndustriefirmen dieser Branche gemeldet. So be­tragen die Passiven der durch den Preissturz in Rou- daix.Tourcoiny in Mitleidenschaft gezogenen Firmen '28 Millionen Francs, denen an Activen kaum die Hälfte gegenübersteht. Auch aus Bradford in England, Verviers in Belgien, Lodz in Polen werden Zahlungseinstellungen von Wollintereffenten gemeldet, und bei unS in Deutsch­land hat in der letzten Zeit die mächtige, hochangesehene Leipziger Wollkämmerei, deren vollständiger Zusammen- druch nur mit Mühe verhindert wurde, kein gerade er- bauliches Schauspiel geboten, wie in Oesterreich die VöS« lauer Kammgarnspinnerei, ein alteS solides Unternehmen, das durch verunglückte Wolletnkäu'e riesige Verluste er- litten, dem Ruin nahe gebracht wurde und einer Sanirung unterzogen werden muß. Die Folgen dieser Erscheinungen haben sich in allen Bezirken, wo die Textilindustrie zu Hause ist, bereits deutlich fühlbar gemacht, indem die Fabriken die Arbeit-zeit wesentlich verkürzen mußten, stellenweise sogar Arbeiterentlassungen stattfanden. Die Epinnereibesitzer in einem englischen Bezirk beschlossen, im Oktober die Arbeit an 12 Tagen ruhen zu lassen, Und bei einer kürzlich vorgenommenen Untersuchung über die GeschäfSlage in den Webereien von Greiz und Um- Hegend hat sich die Thatsache herauSgestellt. daß von 11829 Webstühlen 6022, daS ist über die Hälfte, still stehen.

Da- Schicksal deS Raubmörders Gönczi scheint nunmehr besiegelt zu sein. Am Sonntag wurde ihm der Beschluß des Strafsenat« deS KammergerichtS vom 24. Vept., durch welchen die von dem Vertheidiger in dem

B

zweiten Wiederaufnahmeverfahren eingelegte Beschwerde als unbegründet zurückgewiesen ist, zugestellt.

Wohnungsnoth in Berlin. Die Preise der" Ar­beiterwohnungen sind in Berlin dermaßen gesteigert, daß es zahlreichen Familien nicht möglich gewesen ist, ein passendes Unterkommen zu finden. Das städtische Asyl !ür Obdachslose ist von Familien besetzt, wie nie zuvor; man will daher den Bedürftigen in der Weise zu Hilfe kommen, daß eine monatliche Miethsrate aus der Stadt­kasse für sie bezahlt wird. Dagegen herrscht an leeren Läden infolge der massenhaften Vermehrung der Waaren- Häuser Ueberfluß. Eine große Anzahl Hauswirthe hat die leeren Läden vorübergehend als Wohnung vermiethet. Selbst in der allerbesten Geschäftsgegend, wie in der Friedrichsstraße, sind Läden in nie gekannter Anzahl zu vermiethcn.

Essen, (Ruhr), 2. Oktober. DieRH. Wests. Ztg.- meldet: ,.Jn der gestrigen Beirathsitzung des Kohlensyndi- kats stand als einziger Punkt anf der Tagesordnung die Festsetzung der Richtpreise für 1901. Der zur Vorbe­reitung dieser Frage erwählte Ausschuß beantragt, die für die diesjährige Beschlußperiode geltenden Richtpreise für Fett, Gas- und Gasflammenkohlen im allgemeinen bestehen zu lassen, dagegen die Richtpreise für Mager­kohle in beschränkten Maße zu erhöhen. Der Beirath erhob diesen Vorschlag zum Beschluß.

Bom Brocken, 29. Sept. Aus dem Brocken werden seit einigen Tagen von einem Hauptmann, einem Unter­offizier und zwei Gemeinen des Eisenbahn-Regiments Versuche mit der drahtlosen Telegraphie angestellt. Zuerst wurde die 25 Kilometer entfernte Viktorshöhe als Ziel­punkt angenommen, und als das erzielte Resultat den Erwartungen entsprach, versuchte man mit dem 60 Kilo­meter abliegenden Kyffhäuser in Verbindung zu treten Auch dieser Versuch fiel befriedigend auS, und es soll nunmehr mit dem JnselSderge im Thüringer Walde, dessen Entfernung 109 Kilometer beträgt, der drahtlose tele­graphische Vr'.hr angebahnt werden.

Scherfede, 1. Oktober. Heute früh 2 Uhr 30 Min. ist in der Altstadt Marburg, ganz in der Nähe der Diemel, ein Pariser Luftballon niedergegangen. Drei Franzosen, die gestern Nachmittag 3 Uhr 30 Minuten vom Aus­stellungsterrain aufgestiegen waren, entstiegen dem Ballon. Die Distanzfahrt war nach Berlin beabsichtigt, doch die Herren, von dem elektrisch beleuchteten Thurm der Zucker­fabrik irre geleitet, glaubten in der Nähe des TieereS zu sein, und bewerkstelligten schleunigst ihre Landung, die umständlich und beschwerlich war, da der Anker nicht faßte, so daß der Ballon ca. 30 Meter hoch schwebte. Einer der Herren, welcher abkletterte und niedersprang, wobei derselbe sich noch verletzte, schaffte Mannschaften herbei, die bei der Landung behilflich waren. Nachdem die Legitimation der Luft>chiffer auf der Polizei und die Bescheinigung ihrer Anwesenheit erfolgt war, fuhren die­selben heute 12 Uhr 30 Min. mit dem Schnellzug nach Paris zurück.

Ausland

Rom, 2. Oktober. DerAgencia Stefani- zufolge erbrachen Diebe einen Geldschrank im Vatikan und ent­wendeten 367,000 Lire in Rententitel und 2000 Lire Baargrld. Der Geldschrank befindet sich im 2. Stock deS Vatikans und gehört der Verwaltung des päpstlichen Palastes. Es hat sich herauSgestellt, daß die Diebe mit der Oertlichkeit wohl vertraut waren und den Dieb- stahl sorgfältig norbereitet hatten. Der Untersuchungs­richter des Vatikans stellt Nachforschungen an, jedoch bis jetzt ohne Erfolg.

China. Die Uebernahme des Oberbefehls für die Provinz Petschili, zu der Peking gehört, durch den Grafen Waldersee erfolgte in Taku am 27. Sept. Alle fremden Kontingente haben sich dem deutschen Feldmarschall so'ort unterstellt, und in die militärischen Operationen wird nun ein anderes Tempo kommen. Ein Mann deS ZögernS ist Graf Waldersee nicht. Seine Ausnahme durch die fremden Befehlshaber war die Beste, und dies kamerad­schaftliche Verhalten bleibt hoffentlich gewahrt. Graf Waldersee kann spätestens Ende dieser Woche in Peking fein, wenn er nicht auS irgend welchen Gründen unter- wegS länger Station macht. Er wird dann sehen, welche Streitkräfte ihm für seine Maßnahmen zur Verfügung stehen. Da der Transport der deutschen Truppen nach Peking unaufhaltsam andauerte, müssen dort wenigstens

12000 Mann von den Unsrigen sich heute befinden. Daß über den Plan der umfassenden militärischen Maß­nahmen Stillschweigen beobachtet wird, erscheint selbst­verständlich. Die Thaten werden sprechen und hoffentlich bald! Es wurde beschlossen, Waldersee solle einen der kaiserlichen Paläste besetzen, und einen Theil der deutschen Truppen daselbst einquartieren. Die allgemeinen Vorbereitungen für die Winterlager werden wieder aus­genommen. Deutsche Strafexpedition. Das 2. ostas. Infanterieregiment, darunter unsere Truppen vom 11. Armeekorps, hat Peking verlassen und sich nach Paotingfu begeben. Die lange hinausgeschobene Strafexpedition gelangt nun endlich, wahrscheinlich auf Befehl des Grafen Waldersee, zur Ausführung.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 5. Oktober.

* Der Pfarrer Kehl zu Uttrichshausen wurde zum Ortsschulinspector für die kathol. Schule daselbst ernannt.

* Versetzt wurde der Lehrer Kirchner zuJpping- Hausen an die Präparandenschule zu Schlüchtern.

* Endgültig angestellt wurden die Lehrer Gärtner zu Oberzell. Wiegand zu Steinau, Klostermann zu Brrunigs, Feik zu Gundhelm, Eckhard zu Mottgers und Gnau zu Ulmbach.

* Einstweilig angestellt wurde der Schulamtsbe- werber Kalbhenn zu Oberzell.

* Die Weihnachtssendungen für unsere ostasiatische Truppen durch Feldpostpackete müssen, wenn sie den Empfängern rechtzeitig zugeführt werden sollen, spätestens mit dem am 30. Oktober von Bremerhaven abgehenden Reichspostdampfer befördert werden. Zur größeren Sicher­heit für das rechtzeitige Eintreffen empfiehlt es sich aber, die Auflieferung so zeitig zu bewirken, daß die Beförderung bereits mit der Schiffsgelegenheit vorher von Ham­burg den 17. Oktober erfolgen kann.

Auf den Gesindewechsel wirkt das neue Bürger­liche Gesetzbuch in bemerkenSwerther Weise ein. Danach muß minderjähriges, also noch nicht 21 Jahre altes Ge­sinde beiderlei Geschlechts zu seiner Vermiethung die schriftliche Einwilligung deS Vaters oder gesetzlichen Ver­treters (Mutter, Vormund rc.) besitzen. Dabei ist zu bemerken, daß diese Einwilligung nicht nur bei Antritt des ersten Dienste- vorhanden fein muß, sondern bei Antritt eine- jeden Dienste-.

* Herbstverkehr auf den Eisenbahnen. Zur thun« lichsten Herabminderung deS alljährlich im Herbst ein« tretenden WagenmangelS ist auf eine auSgiebige Aus­nutzung der Güterwagen fremder, d. h. nicht zum preu­ßischen StaatSbahn Wagen-Verband gehörigen Eisenbahnen hinzuwirken. Dem vorerwähnten Wagen-Verband gehören außer sämmtlichen Preuß. Eisenbahndirektionen noch die Reich-eisenbahnen in Elfaß-Lothringen, die Olden- burgischen Bahnen und die Direktion der Militärbahn in Berlin an. Eine auSgiebige Ausnutzung der Güter­wagen fremder Verwaltungen ist nur dann möglich, wenn seitens der Verkehrs-Jnteressenten sämmtliche erforderlichen Wagen schon am Tage vor der beabsichtigten Beladung und zwar biS spätestens 11 Uhr Vormittags bestellt werden. Wagendestellkarten werden bei den Güter-Ab- fertigungSstellen vorräthig gehalten und von diesen un­entgeltlich abgegeben. Wagenbestellungen können auch mündlich oder mittelst Fernsprecher- bei der Güter-Ab- fertigungSstelle oder bei den die Aufsicht im Freilade- bezirk führenden Bediensteten abgegeben werden. Nach 11 Uhr Vormittags eingehende Wagenbestellungen können zu Zeiten gesteigerten Verkehrs für den nächsten Tag nicht mehr berücksichtigt werden. Bei den Wagenbestellungen ist vor allen Dingen die Bestimmungsstation der Sen­dungen und die Stunde, in welcher an dem gewünschten Tage die Beladung des Wagens begonnen werden soll, sowie daS Gewicht der Ladung und die Gattung des Gutes anzugeben. Der MontagSbedarf an Wagen ist chon am vorhergehenden SamStag bis 11 Uhr Vor« nittagS zu bestellen. Die Ent- und Beladung der Güter- wagen darf auch während der Mittagszeit fortgesetzt bezw. icgonnen werden und dürfen auch schon Morgens vor Beginn der GeschäftSstunden der GütrrabfrrtigungSstcllr und Abends uach Schluß derselben, Wagenladungsgüter entladen werden. Die Zustellung der Benachrichtigungen über angekommene WagenladungSgüter erfolgt so früh als möglich und wird zu diesem Zweck soweit er­forderlich der Beginn der Bureaustunden bei den Güter»