SWchterner Zeitung
Erscheint Mittwoch und L-amstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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M 78, Samstag, den 29. September 1900. 51. Jahrgang.
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Wer eine UMM
in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, ber wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post- abonnenten, welche bis spätestens 26. September unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den
amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Ouartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder Land
briefträger ist verpflichtet, Abonnements Bestellungen anzuuchmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungeu auf das mit 1. Oktober 1900 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser verbleibt bis zum 3. Oktober in Romittten. Das Ergebnis der Hirschjagd ist bisher nicht besonders günstig zu nennen.
* -- Der Minister des Innern, Freiherr von Rhein- baden, weilt zur Zeit in Ostpreußen auf der Elchjagd. Bisher hat er schon einige erlegt, so einen Elch, der anfgebrochen 465 Kilo wog
— Die Versuche mit dem Kricqszwieback, die im Manöver bei Limburg a. d. Lahn gemacht wurden, sollen ein ungünstiges Ergebniß gehabt haben und bereits nach der ersten dreitägigen Probe aufgegeben worden sein.
In Cuxhavku sind in kurzer Zeit 25 Schiffe wegen Pcstgcfahr vollständig desinfizirt worden. Den Seclootsen ist anfgegeben worden, mit Schiffen, die direkt von Glasgow kommen, unter Quaranlaincflagge in die Elbe einzulauscn und bei Cuxhaven anzulcgeu, damit diese Schiffe und Mannschaften einer genauen ärztlichen Untersuchung unterzogen werden. Außerdem sollen sämmtliche aus englischen Häfen kommende Schiffe im Hamburger Hasen einer sorgsamen ärztlichen Beaufsichtigung unterzogen werden.
Heiligenstadt, 24. Septbr. Versuchsobjekte für die Barbierlehrlinge werden die hier durchziehenden Hand werksburschen abgeben. Die hiesige Barbierinnung ^u* nämlich beschlossen, vom I. Dezember an eine Fachschule für die Lehrlinge zu gründen. Es sollen Karten aus gegeben werden, die zu kostenfreier Gcsichtsverschöncrung hur d) die Lehrlinge berechtigen. Während den hiesigen Waisenknaben das Haar unentgeltlich geschoren werden soll, sollen die in der Herberge verkehrenden Handwerksburschen mit ihren üppigen Stoppeln unter das Messer ber angehenden Verschönerungsräthe kommen. Nach Er- öffnung der Lehrlingsschule dürfte Heiligenstadt das El borabo der „armen Reisenden" werden. d h. wenn ihnen nicht bangt vor dem Barbiermesser der Lehrlinge!
Ausland.
Ncwyork. In den Vereinigten Staaten wird nunmehr der Bau einer Flotte für den Seetransport von Eisenerzen, Kohlen rc. ernsthaft in Angriff genommen. Nach der „Newy. Hdls.-Ztg." haben die Carnegie Steel Co. und andere große Pittsburger Firmen bei den großen Schiffsbaugesellschaften in Cleve- land und Detroit Aufträge für eine Flotte von Fracht- bampfern ertheilt, deren Herstellung möglichst beschleunigt werden soll. Insgesammt ist der Bau von 19 Schiffen in Auftrag gegeben worden, die so gebaut werden sollen, baß sie sich sowohl für den Transportdienst von Häfen ber großen Binnenseen durch den Wellandkanal und über ben St. Lawrencefluß nach der atlandischen Küste, als । auch für den Frachtveikehr über den Ozean eignen. Außerdem ist von der Carnegie Co., den Rockefeller Interessenten und anderen großen Stahl- und Eisen- «nb Kohlenfirmen der Ban von 9 großen Frachtdampfern von je 7000 bis 8000 Tonnen in Auftrag gegeben worden, die für den Erz- und Kohlentransport bestimmt sind. Der Bau der insgesammt 19 neuen Frachtdampfer wird 8,000,000 Doll. kosten. — Demnach wird bald Mexikanische Kohle in Deutschland zu haben sein.
London, 26. Sept. Dcr„Staudard" meldet aus ^hanghai vom 24. d. Mts.: Hiesige chinesische Beamte ^richten: Namens der Kaiserin-Regentin erließ Prinz Tuau ein Geheimedikt, welches allen hohen Behörden "" ganzen Reiche miltheilt, der kaiserliche Hof habe bc= Wosscu, den Krieg gegen die fremden Mächte um jeden Preis fortzusetzen. Das Edikt droht jedem nicht die ^/andschus nuterstützeuden Beamten an, er werde als Pcrräthcr geköpft, die ganze Familie vernichtet und die Gräber seiner Ahnen zerstört werden.
Shanghai, 25. Sept. Li Huug-Tschaug hat telegrafisch den Beamten der Stadt mitgetheilt, daß seine Puppen in Gemäßheit des Befehls, alle Boxer in der Provinz Tschili niedcrznmetzcln, mehr als tausend ge
tödtet und mehrere Banden von Boxern südwestlich von Peking auseinandergesprengt haben. Die gefangen genommenen Boxer wurden öffentlich enthauptet, desgleichen ein Dutzend ihrer Führer. Li-Hung Tschaug theilte im Anschluß an diese Nachricht mit, daß das Land in einem Zeitraum von nicht ganz 10 Tagen von den Boxern gesäubert worden sei und die Einwohner zu ihren Beschäftigungen zurückkehrten. Die Armee Li-Hnng-Tichangs besteht aus dem Reste der ehemaligen Truppen der Provinz Tschili, welche als die besten gelten. Li-Hung Tschang läßt die Boxer niedermetzeln, um das Versprechen zu halten, das er vor 14 Tagen in seiner Proklamation gegeben hat. In dieser hatte er bekanntlich angekündigt, daß er mit äußerster Strenge gegen alle Boxer Vorgehen werde, welche nicht nach Hause zurückkehren würden — Sämmtliche Küsten Forts und Häfen werden von den internatiolen Truppen und Flotten blockirt. Der deutsche Kreuzer „Gefion" ist nach Tsingtau gegangen, um an der Küste von Schantung die Landung von Waffen und Munition zu verhindern. Die deutschen Panzerschiffe liegen in der Naugtsemündung. Falls alle anderen Häfen in der nämlichen Weise blockirt würden, so wäre der moralische Erfolg ein ungeheuer großer. Leider tritt da die Diplomatie dazwischen da man von einem solchen Schritt die Gefährdung des Handels ocfürchtet.
China. Die aus China vorliegenden Telegramme zeigen von Neuem, mit welcher Dreistigkeit die chinesischen Machthaber den Mächten Trotz bieten. Die Chinesen haben einige notorische Urheber und Leiter der fremden- feindlichen Bewegung in die höchsten und wichtigsten Aemter befördert. Das ist eine offene Verhöhnung der Großmächte, die nur verständlich wird, wenn man an- nimmt, daß die Chinesen an dem ernsten Willen der civilisirten Staaten, die geschehenen Unthaten zu bestrafen und Bürgschaft gegen deren Wiederholung zu schaffen, nicht glauben. — Unter dem Oberbefehl des Grafen Waldersee werden, wie wir einer Zusammenstellung des „Militärwochenbl." entnehmen, in der Provinz Petschili insgesammt rund 90000 Mann mit 282 Geschützen treten Auf Deutschland entfallen 15 Bataillone, 4 Es ladrons, 11 Batterien, auf Rußland 12 Bataillone, 3 Eskadrons, 3 Batterien, auf England 8 Bataillone, 4 Eskadrons, 2 Batterien, Frankreich 16 Bataillone, 2 Eskadrons, 13 Batterien, Italien 2 Bataillone, 1 Batterie, Japan 13 Bataillone, 3 Eskadrons, 10 Batterien, Amerika 6 Bataillone, 14 Eskadrons, 8 Batterien, Oesterreich ist nur durch 300 Mann Schiffsbesatzung vertreten. — Die Verluste bet der Eroberung des Pci- tangforts belaufen sich auf 120 Mann, unter denen sich 7 Deutsche befinden. Die chinesische Garnison flüchtete auf Dschunken nordwärts, woraus hcrvorgeht, daß die Flotte bei Taku nicht aufgepaßt hat. — Aus Taku wird gemeldet, daß alle Missionare in den westlich von Peking gelegenen Orten Tatingfu und Scpiugsu ermordet worden sind. — Dem „Expreß" wird aus Shanghai gemeldet: Lihungtschang telegraphirte an die chinesischen Beamten in Shanghai, daß die Auslieferung des Prinzen Tuan, sowie der Generale Kangyi und Tungfirhsiang und des Gouverneurs voll Schansi außer Frage, ein Friede darum unmöglich sei. Li bekennt, daß Rußland in China viel schwächer ist, als er glaubte. Daß China bis zum äußersten Widerstand leisten werde, gehe daraus hervor, daß Prinz Tuan zum Vorsitzenden des kaiserlichen großen Rathes ernannt ist, während Tungfuhsiang Nachfolger Nunglu's im Oberkommando über die chinesischen Truppen geworden ist. Tungfuhsiang erklärt, er wolle Waldersee bis aufs Messer bekämpfen. Lihungtschang, von dem diese Information herrührt, fügt hinzu, China sei jetzt gezwungen, die Welt zu bekämpfen.
Transvaal. Nach der Aussage von flüchtigen Kap- cvlonistcn, die noch vor wenigen Wochen an den kühnen Streiszügen des Rejtersührers Dewet theilnahmen, erfolgte die Abreise Krügers aus dem Grunde, weil der kränkelnde Greis, der von zwei barmherzigen Schwestern verpflegt
wurde, nicht im Stande gewesen sein würde, den fliegenden Kommandos in das unwirthliche Gebirge zu folgen, wohin sie sich nach dem konzentrischen Aufmarsch der Engländer zurückziehen mußten. Er würde die Operationen nur behindert und sein Tod oder seine Gefangennahme würden einen schweren moralischen Druck auf die Buren ausgeübt haben. Nunmehr ständen kräftige Männer der That an ihrer Spitze, wie Schalk Bürger, Steijn, Botha, Dewet, die nicht mehr durch Krügers häufig zögernde Politik gebügelt werden. Ihrer Beredtsamkeit werde es glücken, in den Wankelmüthigen die Hoffnung auf eine Intervention durch die von Krüger gewonnenen Mächte zu erhalten und so ihre Kommandos zu verstärken. Sie halten die Burensache noch nicht für verloren. jetzt ginge der Krieg für sie erst an. In Holland bereitet man sich auf die Ankunft des Präsidenten Krüger vor. — Vom Tode des Burengenerals Joubert geht einem deutschen Blatte von einem mit dem deutschen Kommando aus Traansvaal zurückgekehrten Landsmanne eine überraschende Meldung zu. Dieselbe besagt, es sei in Transvaal ein offenes Geheimnis gewesen, daß General Joubert keines natürlichen Todes gestorben sei. Man entdeckte bei seinem Sekretär 25,000 Lstrl, über die dieser keinen Ausweis geben konnte. Man nahm daher an, daß sich Jolwect hatte von den Engländern bestechen lassen. Seine Frau war bekanntlich eine Engländerin, er selbst war der Führer der Gegenpartei Krügers. Als sein Verrath den Buren nicht mehr verheimlicht werden konnte, citirte man ihn vor den Kriegsrath, und da sein Verrath, wie es scheint, erwiesen wurde, machte man kurzen Prozeß und vergiftete ihn, damit er ohne viel Aufsehen verschwand. In den Zeitungen habe es geheißen, er sei an einem Magenleiden gestorben. So schnell aber entwickelten sich Magen- leiden nicht, denn zuvor wäre er noch ganz rüstig gewesen.
Lorenzo Marqnez, 24. Sept. Die Gesamtzahl der Buren, die sich den Portugiesen an der Grenze ergeben hat, beträgt 3000. Amtlich wird jetzt gemeldet, daß die Zahl der Burenflüchtlinge in Lorenzo Marques 10,000 überschreite. Das abgenommene Kriegsmaterial ist viele Tonnen schwer; es wird auf einem Kriegsschiff nach der Insel Mozambique gebracht. Den Flüchtlingen wird die Abreise nach Europa so viel wie möglich erleichtert, und denjenigen, welche nicht abreisen wollen, mitgetheilt werden, daß sie außerhalb der Provinz Mozambique untergebracht würden.
Lotales und Provinzielles. * Schlüchterv, 30. September.
* — Die Gewerbetreibenden werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Erneuerung der Wanderge- wcrbescheiue und Reiselegitimationskarten für 1901 spätestens im Oktober ds. Js. bei den Polizeibureaus nach- zusuchen ist, da andernfalls Verzögerungen in der rechtzeitigen Ausstellung eintreten können.
* — Bezirkssteuer. Nachdem der Kommunallandtag in seiner Sitzung vom 2. März d. I. die Erhebung einer Bezirksabgabe in Höhe von 375 000 Mk. für das Etatsjahr 1900 beschlossen hat, ist nach Beschluß des Laudes-Ausschusscs vom 17. d. Mts. die Bezirkssteuer auf 5 pCt. des ermittelten Gesammtsteuersolls des Regierungsbezirks Cassel, somit auf 361 604 Mk. 72 Pfg. festgestellt und die sich hiernach ergebende MiudcrEin- uahmc im Etat des Bezirks Verbandes in Abgang gestellt. Es entfallen demnach auf den Kreis Schlächtern an Bezirkssteuer 7175 Mk. 39 Pfg. Der Fälligkeitstermin der vorstehenden Bezirksabgabe ist auf den 1. Oktober d. J festgesetzt.
* — Zur Lustbarkeitssteuer. Eine für Vereine wichtige Entscheidung hat jüngst das Oberverwaltungs- gericht getroffen: „Wir ein für Vereinsmitglieder bestimmtes Fest mit dem Hinzufägen öffentlich bekannt gemacht, daß Einführungen von Nichtmitgliedern durch den Festausschuß gestattet seien, so ist das Fest als eine öffentliche Lustbarkeit anzuschen.