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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermelden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 26. September unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß
_ ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder Land
briefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Oktober 1900 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser verließ Sonnabend früh Kadinen und bcgab sich mit Sonderzug der Haffuferbahn nach Braunsberg, von wo aus er die Reise nach Tilsit auf der Staatsbahn sortsetzte. Die Ankunft in Tilsit erfolgte gegen 2 Uhr Nachmittags.
— Die Kaiserin wird in den nächsten Tagen zu einem Besuche zweier ihrer Söhne, der Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert, in Plön erwartet, dagegen nicht mit dem Kaiser nach Rominten fahren.
— Die ungewöhnlich hohen Auszeichnungen, die der Kaiser dem Oberleutnant Graf Soden und den tapferen Vertheidigern unserer Gesandtschaft in Peking verliehen hat, werden, so schreibt die „Köln. Ztg.", mit Befriedigung und Freude ausgenommen werden. Die Vertheidigung der Gesandschaft durch eine Handvoll Deutscher, die nie ermüdende Wachsamkeit der Truppen, und die wiederholten Ausfälle und Bajonettangriffe gegen einen 50fach überlegenen Feind stellen eine Vertheidigung dar, die würdig ist, in den Annalen der deutschen Kriegsgeschichte aufbewahrt zu werden. Graf Soden ist der zweite Offizier, der nach Korvettenkapitän Laus den Orden pour le merite erhalten hat, und es ist interessant, daß in beiden Fällen diese hohe Auszeichnung für Thaten verliehen wurde, die nicht nur von hohem persönlichem Muth zeugten, sondern auch große militärische Erfolg«' waren So wie das Verhalten des Kapitän Lans den Fall der Takuforts entschied, so rettete das des Grafen Soden die Mitglieder der Gesandschaft und der deutschen Kolonie Pekings vor grausamer Ermordung. Ganz besonders freut es uns, daß auch die Soldaten neben ihrem Führer nicht leer ausgegangen sind. Die Verleihung des Mili- iärehrenzeichens erster Klasse an sämmtliche Soldaten des Sodenschen Detachements ist eine Auszeichnung, deren nur wenige Soldaten in unseren früheren Kriegen theilhaftig geworden sind. Das den Eroberern einer chinesischen Fahne verliehene Militärverdienstkreuz ist die höchste Auszeichnung, die bei Gemeinen und Unteroffizieren überhaupt in Betracht kommt.
— Die Aushebung für Heer und Marine hat im Wen Jahre 226 985 Mann umfaßt. Im Jahre zuvor wurden nur 221 665 Mann ausgehoben, also fast 5500 Mann weniger. Die verstärkte Aushebung hängt mit der Erhöhung der Friedenspräsenzstärke zusammen. Freiwillig eingetreten sind 24 488 Mann gegen 23 309 im Vorjahre, freiwillig vor Beginn des militärpflichtigen Alters 22 669 Mann gegen 22 933.
— Zum 9 Uhr-Ladenschluß bringt die „Nat.-Ztg." ^ine Reihe von Bemerkungen, die zwar zunächst für Berlin berechnet, aber doch, da sie ungemein viel Rich- ügcs enthalten, auch von hohem allgemeinem Interesse üud: „Es giebt eine ganze Reihe von Geschäften, die seit Zähren gewohnt sind, früher als um 9 Uhr zu schließen, wcse werden von dem neuen Gesetze nicht betroffen. Pflegen wird die große Reihe der Geschäfte mit Nahrungs und Gcnnßmittcln, nothwendigen Gebrauchsgegenständen mr das tägliche Leben u. s. w. sehr stark darunter leiden.
ist leicht zu sagen, man müsse sich daran zu gewöhnen, ^ie Bedürfnisse vor Ladenschluß einzukaufen, aber Gewohnheiten, die man seit Jahren fast von Kindes- ^inen an geübt hat, so plötzlich aufzugeben, wird Vielen M recht schwer fallen. Man denke an das große Heer
Unverheiratheten, die gewöhnt sind, wenn sie von der Werkstatt, aus dem Geschäft, aus dem Bureau kommen, »"f dem Nachhausewege beim Bäcker, Schlächter oder Kaufmann ihr Abendbrod sich groschenweise einzukaufen. , sie sich bis nach dem neunten Glockenschlage Den Wen, sind sie gezwungen, in die Kneipe zu gehen und »der ihre Verhältnisse hinaus Ausgaben zu machen. Ist "' Raucher nicht mit Zigarren versehen, nach neun Uhr i er kein Zigarrengeschäft mehr offen finden und !Ur in der Kneipe mit dem dort üblichen Preisaufschlag
Zigarre erstehen können. Brauchte man, um in ^fellschaft zu gehen, noch spät eine neue Krawatte oder
• Gasthof, um es mit dem Schweine des Wirthes ver- : gleichen zu lassen. Der Vergleich soll zu Gunsten des : Gastes ausgefallen sein.
München. Die Zunahme der Kinder in den Münchener Volksschulen für das Jahr 1900/1901 ist noch weit größer, als man am Schlüsse des abgelaufenen Schuljahres erwartet hatte. Der Zugang an neuen Schulkindern beträgt 3300, sodaß die Gesamtzahl der Schulkinder nahezu 50 000 beträgt. Die hohe Zahl macht nöthig, daß 70 neue Klassen gebildet werden, während die Zahl der schon bestehenden Klassen etwa 800 beträgt. Man sieht, München wächst auch gewaltig.
Kempten. Aus frevelhaftem Leichtsinn zum Mörder geworden. Aus reinem Uebermuth einen Knaben erschossen hat der Käser Hörmann aus Einöde bei Kempten in Bayern. Hörmann schoß mit einem Flobertstutzen nach Mlchkübeln und Bäumen, als der siebenjährige Sohn des Oekonomen Klaudinus aus der Straße daher- kam. Als der Knabe etwa zehn Meter entfernt war, äußerte Hörmann zn einem danebenstehenpen Bekannten: „Du, wenn i den jetzt triff, is er a hin!" Diesen frevelhaften Worten ließ er auch die That folgen und legte auf den sich nähernden Knaben an. Trotz der Warnung des Bekannten drückte Hörman ab, der Schuß krachte, und der Knabe sank mit einem Wehruf tödtlich getroffen zusammen. Hörmann kam nun erst zum Bewußtsein der That. Er trug den Knaben selbst in das Haus seiner Eltern, wo der Verwundete bald, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb. Am andern Morgen stellte Hörmann sich freiwillig der Staatsanwaltschaft, um seine That zu sühnen.
Handschuhe, so konnte man in den kleinen, Abends länger geöffneten Geschäften seine Einkäufe machen. Das hört nun Alles auf. Nur die Kneipen dürfen bis in die Nacht geöffnet bleiben, und diese werden durch das neue Gesetz sicher einen ungeheueren Aufschwung erfahren. Die vielen Handlungsgehilfen und Lehrlinge werden die durch den allgemeinen Ladenschluß freigewordcne Zeit wohl meistens in der Kneipe und auf der Straße zubringen; daß dies für sittlich und wirtschaftlich Schwache Gefahren mit sich bringt, liegt auf der Hand. Die Straßen werden durch die neue Ordnung freilich viel von ihrer Anziehungskraft einbüßen. Die Hauptverkehrsstraßen, die des Abends bis in die Nacht hinein den größten Teil ihrer Beleuchtung von den zahlreichen blendend erhellten Schaufenstern erhielten, werden von 9 Uhr ab in vorstädtisches Dunkel gehüllt sein, es wird reizlos sein, wie Sonntags Abends. Für die zahlreichen Fremden ist der Sonntag ein todter Tag; auch die Abende nach 9 Uhr werden es für sie werden. Alle Geschäfte, die auf Fremdenverkehr angewiesen sind, werden die nach- theiligen Folgen des neuen Gesetzes bald spüren.
Braunschweig, 19. September. Heute früh ist das Gebäude der Zuckerraffinerie Braunschweig (Aktiengesellschaft) mit Maschinen und Zuckervorräthen vollständig niedergebrannt. Der mehrere Millionen betragende Schaden ist durch Versicherungen gedeckt. Ein Lagerraum mit einer Million Mark fertiger Waare wurde gerettet. Die Gesammtversicherung des Etablissements beträgt 2,850,000 Mk. bei 16 Gesellschaften, darunter die Magdeburger 800,000 Mk.
Holzminden, 19. September. Ueber hundert Straf- befehle sind, dem „Kreisbl." zufolge hier in letzter Zeit ausgestellt wegen Nichtbeachtung des § 15a der Reichsgewerbeordnung, demzufolge Gewerbetreibende, die einen offenen Laden haben oder Gast- und Schankwirlhschaft betreiben, verpflichtet sind, ihren Familiennamen mit mindestens einem ausgeschriebenen Vornamen an der Außenseite oder am Eingänge des Ladens oder der Wirthschaft in deutlich lesbarer Schrift anzubringen.
Eisenach. Während der Frühstückspause erschien — so schreibt mau aus Zella St. Blasti in Thüringen — der Lehrling und Fortbildungsschüler Hugo Mertens bei seiner Meisterin, der Ehefrau des Büchsenmachers Schlegelmilch hier und entlockte dieser 40 Mark unter der falschen Angabe, daß ihr Mann, welcher außerhalb des Hauses arbeitete, etwas zu bezahlen hätte. Außerdem solle ihm seine Meisterin noch Petroleum geben, welches nicht etwa aus der Küche, sondern aus dem Keller wäre. Während nun Frau Schlegelmilch nichts ahnend in knieender Stellung aus dem Hahn des Fasses Petroleum abließ, ergriff der Unhold, ein kleiner schwächlicher siebzehnjähriger Junge । eine vorher im Keller zurechtgestellte schwere Axt und i schlug in der Absicht, seine Meisterin zu tödten und ' dann die erhaltenen 40 Mark sich anzueignen, mit i wuchtigem Streiche auf den Hinterkopf der Frau. Zum i Glück hatte die Axt einen langen Stiel und dadurch ' wurde der Schlag durch Streifung des Stieles an dem - Mörder selbst abgemildert, weil er jedenfalls zu kurz ( gefaßt hatte. Ein zweiter Schlag traf Frau Schlegel- i milch leicht an Stirn und Handgelenk, da diese sich in- i zwischen gedreht hatte. Jetzt suchte der Bösewicht sein 5 Opfer, welches sich erheben wollte, zu erwürgen. Die i kräftige Frau gewann jedoch die Oberhand und schleuderte s den Unhold in die Ecke des Kellers, von welcher er aus s schleunigst das Weite suchte und ruhig zu dem Schraub- i stock, den er verlassen, zurückkehrte und weiter arbeitete, g von wo aus seine Verhaftung erfolgte. Wieder ein neuer l und trauriger Beweis der Verrohung unserer Jugend. 3 — Ein Elgersburger Gast Wirth wettete mit einem Gaste f um seinen Gasthof, daß sein Schwein größer sei als f das des Gastes. Um die Wette zum Austrag zu bringen, r holte der Gast Nachts 12 Uhr sein Schwein aus dem 1 Stalle und sagte zu ihm: „Komm mit, heute bist Du n 30000 Mark werth!' Hierauf trieb er es in den 3
Ausland
Wien, 20. Sept. Die gestrige Kohlenoxydgasexplosion in Dux stellt sich jetzt als eine große Katastrophe dar. Von 83 Bergleuten im Schachte retteten sich blos 28 durch die Flucht. Von zwanzig Schwerverwundeteu sind fünf gestorben. Dreißig Leichname wurden noch im Schachte gefunden. Fünf Personen werden vermißt.
Serbien. Die früheren Minister Georgjewic, Petro- wik und Gensic werden beschuldigt, die serbische National- bank um runde 10 Millionen Francs bestohlen und außerdem aus verschiedenen Regierungsfonds über 12 Millionen Francs unterschlagen zu haben!! Von diesem 22 Millionen-Diebstahle sollen etwa 10 Millionen Franc in die Taschen des „Generalissimus" Milan geflossen sein, der dann noch dem ministriellen Diebeswerke dadurch die Krone aufsetzte, daß er, von Spielschulden gedrückt, sogar noch die ihm unterstellte serbische Kriegskasse angegriffen hat!!! Nette Zustände das! Nachdem all diese Schandthaten bekannt geworden, die beschuldigten Minister im Auslande weilen und nun ihrerseits mit der Enthüllung prickelnder Skandälchen drohen, scheint man in Belgrad gewahr zu werden, daß schon zuviel Unrats aufgewühlt ist, daß sich die Spitze der neuen Skandalenthüllungen gegen die einem verfrühten Mutter- glücke entgegensehende Königin Draga richtet. Deshalb wurde in den letzten Tagen der Versuch gemacht, den rollenden Stein noch einmal zu hemmen und das serbische Amtsblatt veröffentlichte eine Verlegenheitsnote, wonach die Plünderung der Staatskassen „noch nicht" nachgewiesen sei und erst die Untersuchung lehren müsse, ob dem Gesetze freier Lauf zu lassen sei. Dieses „noch nicht" ist an die Adresse der Milan, Georgewic und Genossen gerichtet. Halten sie Ruhe, unterlassen sie alle ärgerlichen Proklamationen an die liebe Skandalsucht der Mitwelt, dann wird höchstwahrscheinlich die Untersuchung so geführt, daß sich „keine Mißbräuche" ergeben. Andernfalls freilich darf man sich wohl auf ganz artige Ueber- raschungen beider sich befehdenten Parteien gefaßt machen. Der Exkönig ein Dieb! — ein Zuchthauskandidat, das würde wohl das Ende der abenteuerlichen Laufbahn Milans bedeuten. Zwar reicht ihm schon heute kein