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stellt. Außerdem wird eine Eingabe an den Minister des Innern vorbereitet, in der die Regierung gebeten wird, den Kohlenbezug von den fiskalischen Gruben nach Möglichkeit zu erleichtern. Insbesondere sollen die Gruben angewiesen werden, den Korporationen von Ge werbetreibenden bei großen Bestellungen direkt zu liefern.

Darmstadt, 17. Sept. Prinz Heinrich von Hessen nnd bei Rhein ist gestern Vormittag 10'/, Uhr gestorben.

Chemnitz, 17. Sept. Prinz Albert von Sachsen, der dritte Sohn des Prinzen Georg, ist heute um Mitter­nacht im Manöver-Gelände in Folge eines Wagenunfalles plötzlich gestorben. Die Pferde des Wagens waren durch- gegangen, der Prinz wurde aus dem Wagen geschleudert und nach wenigen Minuten verschied er.

München. Ueber die Bilanz der Oberammergauer Passi­onsspiele weiß dasN.W.T." zu berichten: Rechnet man für jedes Hauptspiel ca. Mk. 29,500 und für jedes Nach­spiel ca. Mk. 25,000 Eintrittsgeld, so darf die bisherige Einnahme des Theaters allein auf rund Mk. 1,200,000 geschätzt werden. Nun sollen aber noch 6 Aufführungen zu beiläufig Mk. 25,000 stattfinden, so daß sich die Gesamtsumme auf ca. Mk. 1,500,000 abrunden würde. Dazu kommen die Ausgaben der Besucher für Logis, Kost, Fuhrwerk, kleir ^Einkäufe rc. Mit Photographien und Ansichtskarten R^'de ein enormes Geschäft gemacht. Ansichtskarten allein haben eine Einnahme von Mk. 150,000 gebracht.

Mannheim, 12. September. Das fünfte Krema­torium Deutschlands ist soeben mit einem Kostenaufwaude von 112,000 Mark hier fertig gestellt worden. Der Bau ist im Stile eines griechischen Tempels gehalten, während als Verbrennungssystem dasjenige des Ingenieurs Schnei­der-Dresden gewählt wurde. Die für Trauerfeierlich­keiten bestimmte Vorhalle hat eine Grundfläche von 125 Quadratmetern. In der Mitte der nach hinten die Vorhalle abschließenden Apsis befindet sich die Versenkung für die Särge, während die Oefen und große Räume für Heizmaterial und das Aufsichtspersonal im unteren Raume Platz gefunden haben. Die Verbrennung erfolgt durch Luft, welche auf circa 1000 Grad Celsius erhitzt wird, und nimmt etwa l3/« Stunden in Anspruch.

Köln. Ein Butterhändler in Köln wechselte vor 14 Tagen bei einem Lotterie-Kollekteur deutsches Geld gegen französisches um, da er die Pariser Weltaus­stellung zu besuchen beabsichtigte. Der Kollekteur empfahl ihm dabei ein Loos der Siebengebirgs-Lotterie zu kaufen. Der Butterhändler nahm auch schließlich ein Loos und dampfte nach Paris-ab. Nun ist er zurückgekehrt und der Lotterie-Kollekteur konnte ihm für das Loos einen Gewinn von 50,000 Mark aushändigen.

Ausland

Paris, 14. Sept. Der längst erwartete Ausstellungs­krach ist nunmehr eingetreten. Die meisten Restaurateure hielten eine gemeinsame Setzung ab, in welcher beschlossen wurde, am nächsten Dienstag alle Restaurationen zu schließen, falls die Leitung der Ausstellung es ablehnt, in eine Herabsetzung der Pachten zu willigen.

London, 15, Sept.Daily Telegraph" meldet aus Lourenzo Marques vom 14./9.: Krüger wird nominell ge­fangen gehalten auf Betreiben des britischen Consuls, der entschieden dagegen piotestirte, daß Krüger portugie­sisches Gebiet als Stätte benutze, um von dort mit der Exekution in Transvaal die Verbindung aufrecht zu erhalten oder sie zu leiten. Daher ist Krüger vom Hause Potts nach dem Regierungsgebäude gebracht, wo er scharf überwacht wird. Militärposten seien aufgestellt. Der Sekretär des Gouverneurs sei haftbar für Krüger ge­macht und angewiesen, daß Krüger das Regierungsge­bäude nicht verlassen dürfe. Der Gouverneur theilte Pott mit, er sei fortan nicht mehr als Vertreter Trans­vaals und des Oranjefreistaates anzuerkennen, da beide jetzt britisches Gebiet seien. Der französische Consul und der Consulatsattach^ sprachen vor, um Krüger zu be­suchen, wurden aber nicht zu ihm gelassen, ebenso nicht Krügers Beamte. Schalk Bürger, der vergangene Nacht eingetroffen, erhielt gleichfalls nicht die Erlaubniß, Krüger zu besuchen, und reiste sofort wieder nach Transvaal ab, mit ihm van Alphen und Eloff. Gestern Abend wurden hier 5 Personen verhaftet, die angeschuldigt sind, sich ver­schworen zu haben, Potts Haus in die Lust zn sprengen. 3 wurden heute freigelassen, die anderen beiden, die Eng­länder sind, in Haft behalten.

Chiua. Ueber die Kämpfe in der Nähe von Peking be­richtet ein Telegramm des Reuterschen Bureaus vom 5. September folgendes:Eine amerikanische Kavallerie- Abtheilung, welche zur Deckung eines Viehtransports ausgesandt war, überraschte in einem Tempel bei Schaho 300 chinesische Soldaten. 30 wurden getödtet und 125 Gewehre erbeutet. Der Feind floh nach Nordwesten. Etwa 500 Boxer griffen zwei Kompagnien Russen an, welche einer beim Bahnbau beschäftigten Truppenabtheilung sieben Meilen südlich von Machiapu zur Bedeckung dienten. Sobald Verstärkungen eingetroffen waren, wurden die Boxer zerstreut, wobei zwei Russen verwundet wurden. Die Boxer waren mit Schwertern und Speeren bewaffnet. Die russische Kavallerie drang sodann in die Getreide- selder ein, in denen sich die Boxer versteckt hatten, und tödtete viele Boxer mit Säbelhieben. Auch der Führer der Boxer wurde getödtet. Die letzteren verloren allein

an Todten 200 Mann. Ein russischer Offizier wurde verwundet und zwei Kosaken getödtet. Da dies nicht der erste derartige Ueberfall ist, so ist unter dem russischen Obersten Fretiakoff eine Strafexpedition abgesandt worden, welche die in der Umgegend von Machiapu liegenden Städte zerstören soll.

Newyork. Ueber den Orkan an den Küsten von Texas und Louisiana besagen die ersten direkten Berichte von Geretteten aus Galveston: Der Orkan begann Sonnabend Nacht um zwei Uhr von Norden herkommend, entgegengesetzt dem vom Golf her wehenden Sturme. Der Landsturm türmte das Wasser auf der Strandseite, der Seesturm auf der Bayseite auf. Das von zwei Seiten zusammengedrängte Wasser brach ein. Sonnabend Mittag wurde die ernste Gefahr erkannt, und die Flucht in die hochgelegenen Stadttheile begann. Tagsüber nahm der Sturm an Heftigkeit zu. Die Häuser brachen zu- zusammen, die Straßenbahnwagen wurden aus dem Ge­leise gerissen, sämmtliche Brücken, die die Stadt mit dem Festland verbinden, stürzten zusammen. Während der Katastrophe war alle Straßenbeleuchtung erloschen und tiefste Finsterniß bedeckte die ganze Stadt. Die höchste Wasserhöhe trat Sonntag 2 Uhr Nachts ein. Die höchst- gelegenen Punkte waren vier bis fünf Fuß unter Wasser. Der ganze Stadt war von brandender See überfluthet. Wer sein Haus verließ, war verloren. Bei Sonnen­aufgang lagen Hunderte von Todten in den Straßen. Ein Wolkenbruch schwemmte die Leichen fort. Wie viele unter den eingestürzten Häusern liegen, ist kaum abzu- schätzen. Nahezu sämmtliche Bauten sind beschädigt. Aus den tiefergelegenen Stadttheilen schwemmte eine Flut Hunderte von Leichen fort, die nie agnoszirt werden dürften. Nicht nur aus Galveston, sondern von der ganzen Küste kommen ähnliche Nachrichten. Gegen 100 kleinere Orte sind fast ganz weggeschwemmt. Hundert­tausend Ballen Baumwolle und zwanzig Prozent der Reis­ernte sollen vernichtet sein. DieZahlderbeidemOrkanumge- kommenen Personen ist auf 3000 bis 10 000 zu schätzen. Vom Militär sind 120 Mann umgekommen; in Sau Jacinto blieben nur 15 Personen am Leben. Bis jetzt wurden HO Leichenräuber, meistens Neger, standrechtlich erschossen. Die Leichenräuber schnitten den Leichen die Finger und die Ohren mit ihren Taschenmessern ab, um die Ringe und Ohrgehänge zu erlangen, entkleideten die Leichen und schleppten die Kleider fort. Sofort nach dem der Sturm sich gelegt hatte, stahlen die Neger die Spiritussen aus den Wirthschaften, betrunken sich und zogen dann auf den Leichenraub aus. Einer der er­schossenen Neger hatte nicht weniger als 23 abgeschnittene Finger in der Tasche. Alle diese Hyänen wurden vor ein Kriegsgericht gestellt und, wenn überführt, kurzer­hand erschossen. Der Versuch, die Todten in die See zu versenken, hat sich als unausführbar erwiesen, da die Leichen in der Bai später umherschwimmend gesehen wurden. Viele wurden wieder ans Land geschwemmt. Man hat 1100 Leichen zusammengebunden in der Hoffnung, daß das große Gewicht sie auf dem Meeresgrund halten werde. Es wird nie festgestellt werden können, wie viele Menschen bei dem Unglück ums Leben gekommen sind. Man schätzt den Verlust an Menschenleben jetzt auf weit über 8000. Wagenladungen mit Kalk werden nach Galveston geschickt, wo alle Männer gezwungen sind, bei den Beerdigungen und Verbrennungen zu helfen. Die Fluth ließ einen zolldicken Schleim über der ganzen Stadt zurück. Wenn Leichen und Kadaver nicht schnell beerdigt werden, entsteht die Gefahr einer Seuche. Es wird eine Woche dauern, um eine Liste der Todten, Verletzten und Vermißten auizustellen. Häufig sieht man Dampfboote, Schoner und Austernboote zehn eng­lische Meilen weit landeinwärts, wohin sie der Orkan getrieben hat.

Lokales und Provinzielles. * Schlüchtern, 18. September.

* Herr Seminarlehrer Schnurr in Homberg ist vom 1. Oktober ab als Seminar Oberlehrer an das Seminar dahier versetzt worden.

* Am 22. d. M. wird in Lauterbach eine Bullen­schau für Bullen Simmenthaler Race abgehalten- Für Zuchtbullen der Gemeinden und Zuchtvereine sind Preise im Betrage von 850 Mark ausgesetzt. Zum Verkauf stehende Zuchtbullen Simmenthaler Race werden zuge­lassen. Die Schau wird um 8 Uhr auf dem städtischen Viehmarkt in Lauterbach abgehalten.

* Alljährlich nach eingebrachter Ernte ist die Be­obachtung zu machen, daß sich die Meldungen über Brantzsälle mehren. Abgesehen von elementaren Ereig­nissen, vielleicht auch der Brandstiftung, ist jedoch meist leichtsinnige Hantirung mit dem Feuer die Ursache. So ist in wenigen Stunden vernichtet, was der Segen Gottes und der Fleiß eines Jahres geschaffen haben. Möchten alle Oekonomen folgendes beachten: Belehret eure Kinder, wie gefährlich es ist, mit Feuer zu spielen; 2. sorgt, daß sie nicht in den Besitz von Zündhölzern gelangen;

3. laßt eure Arbeiten in der Scheune zu einer Zeit ver­richten, wo Licht nicht nothwendig ist; 4. verbietet eueren Dienstboten mit aller Strenge, sich mit offenem Licht in Stallungen oder Kammern zu begeben; scheut daher die wenigen Ausgaben für gefahrlose Laternen nicht; 5. seid streng Und duldet von eueren Knechten ja nicht

daß sie in den Oekonomiegebäuden mit glimmender Pfeife umhergehen; 6. gebt in allem selbst das beste Beispiel; 7. scheut selbst nie die Kosten für eine ausgiebige Vieh- und Mobiliarversicherung, die schon bei niedrigen Prämien- sätzen sich ermöglichen läßt.

* Der Unterrichtsminister wünscht auch in diesem Jahre bei der am 1. Dezember 1900 stattfindenden all­gemeinen Volkszählung die Theilnahme der Lehrer. Lehrer, an die das Ersuchen, sich an dem Zählgeschäfte zu be- theiligen, von feiten der Gemeindevorstände gestellt wird, sind an diesem Tage vom Unterrichte zu entbinden.

* Goldene Fünfmarkstücke. Es wird darauf auf. merksam gemacht, daß diese Münze am 1. Oktober d. J. nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel gilt. Außer den mit der Einlösung betrauten Kassen ist von diesem Tage an kein Geschäftsmann mehr verpflichtet, goldene Fünfmarkstücke in Zahlung zu nehmen. Dagegen nehmen die Reichskassen dieselben bis zum 30. September 1901 in Zahlung, bezw. in Umtausch gegen andere Reichs- münzen an.

Soden bei Salmünster 14. Sept. Am 12. Septem­ber fand dahier unter dem Vorsitze des Königlicher Kreisschulinspektors Herrn Bottermann aus Fulda dir amtliche Konferenz für die katholischen Lehrer und Lehrerinnen der Kreise Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern statt.

Wächtersbach. Der Schuhmacher Korn in Neudors bei Wächtersbach hat zwei Söhne, welche in dem oft« asiatischen Expeditionskorps dienen, der eine im 2., der andere im 5. Regiment; ein dritter dient bei der Fuß- Artillerie in Mainz. Dieser hatte sich auch zum Ex­peditionskorps gemeldet, doch hat sein Vater hiergegen reklamirt.

Gelnhausen. Die Spessartbahn-Gesellschaft in Köln hat auf die Ermittelung Desjenigen, der in der Nach! zum 3. d. Mts. bei Wirtheim durch Auflegen von Ba­saltsteinen auf die Schienen den Frühzug zum Entgleisen bringen wollte, hundert Mark Belohnung ausgesetzt.

Fulda, 15. Sept. Gestern Abend gegen 8 Uhr brach in der Scheuer des Herrn Bürgermeisters Bieth in Langenbieber Feuer aus, welchem die Scheuer, ein Schweinestall und eine Remise zum Opfer fiel. Der Schaden beläuft sich auf über 10,000 M., da die Scheum vollständig mit Getreide angefüllt war. Das Feuer ent­stand dadurch, daß der 17jährige Dienstknecht Johann Müller von Hettenhausen sich mit einer brennenden Laterne in die Scheune begab, um Heu für die Pferde zu holen. Hierbei stellte er die Laterne auf einen Balken der Baare; dieselbe fiel ihm jedoch herunter, wodurch das umherliegende Heu Feuer fing, welches rasch um sich griff und im Nu brannte die ganze Scheuer. Wegen Fluchtverdacht wurde der Diensiknecht auf der SieLe verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängniß zu Fulda eingeliefert. Da vollständige Windstille herrschte, konnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden.

Hersfeld, 14, Sept. Die Vorbereitungen zu der Speisung der neun Infanterie-Bataillone, die am nächsten Dienstag auf dem hiesigen Bahnhöfe vor sich gehen soll, haben begonnen. Vor dem alten Empfangsgebäude ist eine 7 m breite und ca. 25 m lange Bretterhalle er­richtet worden, worin eine Feldküche untergebracht ist, Dieselbe besteht in der Hauptsache aus acht großen Koch­kesseln, von denen jeder ca, 650 Liter Inhalt faßt. Dir Errichtung der Halle und die Aufstellung der Kessel, dir Eigenthum der Militärverwaltung sind, ist Herrn Zim- mermeister Georg Vockroth dahier übertragen worden, der die Halle nebst der inneren Einrichtung bis Sonn­abend Abend fertiggestellt haben muß. Die ganze Ver­anstaltung soll eine Probe für den Kriegsfall darstellen. Das militärischeMenu", das von Soldaten zubr- reitet wird, wird aus Reissuppe mit Kartoffeln und Rindfleisch bestehen. Zu diesem Zweck müssen ca. 60 Etc. Kartoffeln geschält und zwei bis drei Ochsen geschlachtet werden.

Vacha, 14. Sept. In dem benachbarten preußisches Orte L. ist es den Marburger Jägern, die 64 Mann hoch auf dem Rittergut einquartiert worden waren, schleA ergangen. Sie erhielten zum Abendessen zusammen 25 Heringe und pro Mann etwa 4 Kartoffeln. Als der gestrenge Gutsherr um Handtücher gebeten wurde, gab er für die 64 Mann sage und schreibe 4 Stiist heraus, dabei betonend, daß ihm der Oberjäger persönlich für dieselben haften müsse.

Cassel. Weibliche Beamte für den Post- und Tek graphendienst. Im Hinblick auf die Anforderungen- welche die Ausbreitung des Netzes der Telegraphenlinie» und Fernsprechanlagen an das im Tclegraphendienst be- schä tigte weibliche Personal stellt, wird die Casseler Oberpostdierektion künftig nur noch solche junge Damen zum Eintritt in den Telegraphendienst annehmen, welche erhöhten Anforderungen an eine allgemeine Bildung eus' sprechen und insbesondere auch für den Dienst an Leb Lungen nach fremdsprachlichen Ländern die hierfür erfor derlichen Sprachkenntnisse besitzen. Es sollen deshalb nur noch solche Bewerberinnen angenommen werdem welche die höhere Töchterschule bis in eine der höhere» Klassen besucht oder eine andere gleichwerthige Bildung genossen und von fremden Sprachen wenigstens das Fra»' zösischc gelernt haben. Da die Post- und Telegraphen Gehilfinen nach Erlernung des Dienstes und nach de»l