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WüchtemerMun

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 75 Mittwoch, den 19. September 1900. 51. Jahrgang.

wer eine UMW

in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermelden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post­abonnenten, welche bis spätestens 26. September unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß _ ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der erstell Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Land­briefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Oktober 1900 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein "

die Expedition derSchlüchterne^? Zeitung."

Oeffentliche Bekanntmachung

die Abhaltung von Bulleuschauen im Jahr 1900 betreffend.

Nach den Beschlüssen des hessischen Landwirtschafts­raths des Oberhessischen Provinzialvereins über die Verwendung der Staatsmittel zur Förderung der Land­wirthschaft hat noch im Herbst dieses Jahres für den 2. Oberhessischen Körbezirk, umfassend die Kreise Als^eld und Lauterbach, eine Bullenschau in Lauterbach stattzufinden. Zu derselben und der damit verbundenen Prämiirung werden nur Thiere der Simmenthaler Rasse und zwar nur Gemeindebullen und Bullen, welche zu Zuchtzwecken in Gemeinden oder Zucht­vereinen in Dienst stehen, zugelassen:

An Preisen werden ausgesetzt:

2 erste Preise zu je 200 Mk. = 400 Mk.

2 zweite 150 = 300

2 dritte 75 =»150

Summa 850 Mk.

Außerdem kännen bis zu 10 Anerkennungen mit

entsprechenden Wegvcrgütungen vergeben werden. Für die Durchführung der Schau gilt die vom Landwirth­schaftsrath erlassene Prämiirungsordnung, deren hierher- gehörige Vorschriften ich noch bekannt geben werde.

Mit der Schau wird weiter eine Prämiirung von CVVrn und Ziegenböcken verbunden. Für ange- kärte Gemeinde- und Zuchtvereinseber werden folgende Preise ausgesetzt;

2 erste Preise zu je 60 Mk. 120 Mk.

2 zweite 45 90

2 dritte 30 60

Summa 270 Mk.

6 Anerkennungen mit

je 5 Mk. Weggeld 30 Mk.

Summa 300 Mk.

Für die Durchführung ^ilt die vom Landwirth- schastsrath erlassene Schweine Prümiirnngsordnung.

Die Schau wird Samstag den 22. September 1900 Vormittags 8 Uhr auf dem städtischen Vieh­markt in Lauterbach abgehalten und bezweckt vor­stehende Veröffentlichung, die Gemeinden und Zucht- vereinsmitglieder schon jetzt auf dieses wichtige Unter­nehmen aufmerksam zu machen und zu rechtzeitiger Vor­bereitung reger Theilnahme zu veranlassen. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß zum Verkauf stehende Zuchtbullen auf die Bullenschau gebracht werden können. Von dem Statthaben der Bullenschau haben wir den benachbarten Verwaltungsbehörden mit dem Er­suchen um weitere Bekanntmachung Kenntnis gegeben, so daß zu erwarten steht, daß sich zahlreiche Käufer ein­finden werden.

Mit der lokalen Durchführung ist vom landwirth- schaftlichen Provinzialverein eine Kommission beauftragt, welche sich aus den Vorstandsmitgliedern des land- wirthschaftlichen Bezirksvereins und des Kreiszuchtvereins Lauterbach zusammensetzt.

Alle Anfragen sind an das Gr. Kreisamt Lauter­bach zu richten.

Lauterbach, den 3. September 1900.

Der Direktor des landwirthschaftlichen Bezirksvereins und Simmenthaler Kreiszuchtvereins.

Dr. Wallau.

Das Proviantamt in Hanau hat mit dem Ankauf von gesundem, gut gereinigtem Roggen und Hafer neuer Erndte begonnen. Der Ankauf von gutem Pferdeheu und gesundem Roggen-Flegelstroh wird nach Maßgabe der vorhandenen Lagerräume fort­gesetzt.

Roggen Maschinenstroh wird ebenfalls angenommen, wenn dasselbe gesund, glatt gelegt und fest gebunden ist; auch dür en die kurzen Theile nicht mit eingebunden sein.

Ferner vermittelt genanntes Amt auch Anstellungen 1)011 Hülsen fruchten an die Armee Conserven Fabrik Mainz. Bei Roggen-, Hafer- und Hülsenfrucht-Ange

boten ist die Einsendung von ungeschmeichelten Proben von reichlichM Liter erforderlich.

Wenn bei großer Entfernung die Lieferung mittels Land'uhre unmöglich ist, dann empfiehlt es sich, daß mehrere Landwirthe sich zu einer gemeinsamen Waggon- Lieferung vereinigen und aus ihrer Mitte einen Ver­trauensmann (Bevollmächtigten) wählen, der dann mit dem Proviantamte in Schriftverkehr tritt. Adresse für den Frachtbrief: Proviantamt Hanau Bahnhof Nord. Die Abfuhrkosten von der Bahn betragen 6 Pf. pro Ztr. Hafer oder Roggen und 15 Pf. pro Ztr. Heu oder Stroh.

Den Produzenten wird in jeder dienstlich zulässigen Weise entgegen gekommen; auf Wunsch der Verkäufer werden Magazinsäcke, jedoch unfrankirt, übersandt, auch werden Frachtkosten und Rollgelder verauslagt. Gekauft und abgenommen werden nur trockene, gesunde und gut gereinigte Naturalien. In diesen Tagen wird für Heu 3 Mk. 10 Pf. und für Roggen-Flegelstroh 1 Mk 80 Pf. frei Scheune Hanau bezahlt. Recht rege Zufuhr von Heu und Stroh im Monat September ist erwünscht.

Den Herren Landwirthen des Kreises diene zur Nach­richt, daß die Königliche Verwaltung der Armeekonser­venfabrik in Mainz Angebote von Hülsenfrüchten, und zwar in gelben Kocherbsen, weißen Rund- uno Lang-Bohnen, sowie Mittellinsen und Heller­linsen aus der letzten Erndte entgegen nimmt.

Die Angebote sind entweder an die Fabrik direkt oder an das dem Verkäufer zunächst gelegene Königliche Proviantamt zu richten, dessen Mitwirkung auf Wunsch des Verkäufers auch bei Abfertigung der Sendungen in Anspruch genommen werden kann. Den Angeboten sind Proben beizufügen. Zur Preisbemessung wird bemerkt, daß die Abrollgebührcn vom Bahnhof Mainz bis zur Fabrik 10 Psg. für 100 kg betragen und vom Ver­käufer zu tragen sind.

Zur Vermittelung der Abfertigung auf Bahnhof Mainz, Berauslagung der Fracht- und Anfuhrkosten ist die Fabrik bereit.

Auf Wunsch des Verkäufers werden Magazinsäcke zur Uebersenduvg der Hülfenfrüchte zur Verfügung ge­stellt, auch Fracht- und Anfuhrkosten verauslagt.

Schlüchtern, den 14. September 1900.

Der Königliche Landrath: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser ging am Montag Morgen in Swinemünde an Bord der JachtJduna" in See.

Es verlautet nunmehr bestimmt, daß der Besuch der Königin von England bei ihrer ältesten Tochter, der Kaiserin Friedrich, in Schloß Friedrichshof int Taunus im Oktober stattfinden werde. Kaiser Wilhelm wird dann auch eine Zusammenkunft mit der Königin in Friedrichshof haben.

Nach amtlicher Meldung aus Tientsin wurde am 11. September die südwestlich von Peking gelegene Stadt Liang von den deutschen Seebttailloneu erobert und niedergebrannt Vierzig bengalische Lanzenreiter hatten sich den deutschen Truppen ««geschlossen. Etwa fünf­hundert Boxer wurden gelobtet Auf deutcher Seite ein Todter und fünf Verwundete.

Briefliche Mittheilungen aus Tientsin stellen fest, daß nach der Einnahme der Chinesenstadt die deutschen Truppen die einzigen waren, die sich streng der Plünde­rung enthielten, wie sie denn überhaupt während der ganzen kritischen Zeit sich nicht allein durch ihre Tapfer­keit, sondern auch durch ihre Manneszucht hervorthaten.

Für die persönliche Sicherheit des Grafen Wal- dersee sorgen zwei Vizewachtmeister von der kaiserlichen Leibgendarmerie. Sobald dem Feldmarschall nur die geringste Gefahr droht, haben sie die Waffe zu ziehen und gegebenen Falls sofort auf etwaige Angreifer scharf zu schießen. Die beiden Wachtmeister sind vom Kaiser

selbst ausgewählt, der ihnen mittheilte, daß sie für das Leben des Grafen Waldersee persönlich haftbar seien. DiePost", die diese Mittheilung bringt, fügt hinzu, daß dem Kaiser über das Befinden des Marschalls fort­laufend Spezialbericht erstattet wird.

Das Gerücht einer deutschen Reichsanleihe mit amerikanischer Hilfe scheint sich bewahrheiten zu wollen. Die Direktion derDiskonto Gesellschaft" theilt darüber folgendes mit: Unter Mitwirkung der Reichsbank und durch Vermittelung der Diskonto-Gesellschaft, der Nord­deutschen Bank in Hamburg, der Herren M. M. Mar­burg u. Co. in Hamburg haben die Herren Kühn, Loeb u. Co. in New-Iork in Verbindung mit der Na­tional City Bank of New Iork 80 Millionen Mk. 4 pCt. Schatzanweisungen des Deutschen Reiches, fällig 1904 und 1905, übernommen, die mit Genehmigung der Reichsbank in den Vereinigten Staaten an den Markt gebracht werden sollen. Die hohe Summe läßt erkennen, daß wesentlich der Aufwand für die chinesischen Expeditionen eine Anleihe in solchem Betrage schon jetzt erforderlich macht.

Die diesjährige RekruteUeinstellung wird an alle in Betracht kommenden Behörden ganz bedeutend erhöhte Anforderungen stellen. Durch die Abgabe zahlreicher altn.r Mannschaften an die Chinatruppenverbände sind naturgemäß die T'uppenkörper ganz erheblich in der Stärke geschwächt worden. Dieser Mangel an Muun- schaften wird durch die Rekruteneinstellung wieder behoben werden, denn durch dieselbe wird der Etat wieder auf seine gewöhnliche Stärke gebracht. Um dies erreichen zu können, wurden im Laufe der letzten Monate noch­mals Rekruten nachgezogen, die nun ebenfalls im Oktober zur Einstellung gelangen. Das Exempel ist leicht zu lösen: Nach der Einstellung der Rekruten haben die Truppen wieder ihre etatsmäßige Stärke, die in China befindlichen Leute sind hinsichtlich der Heeresetatsstärke überzählig" und bilden somit indirekt eine deutsche Kolonialarmee. Wie sich die Dinge in China weiter entwickeln werden, liegt im Schooße der Zukunft ver- borgen und ist vor der Hand noch nicht abzmehen. So viel steht aber schon jetzt fest, daß unsere Truppenmacht in Kiautschau zum Schutze und zur Abwehr etwaiger Einfälle in das deutsche Gebiet ganz bedeutend verstärkt werden wird, wie man hört, wohl um das Zehnfache. Diese Verstärkung wird aus den jetzt in China im Feld stehenden Truppen entnommen und nach Abgang der Reserven (nach ihrer kontraktlich festgesetzten Dienstzeit) aus dem Heere respektive der Marine ersetzt werden.

Der Buchbinderausstand der gleichzeitig in Leipzig, Berlin, München und Stuttgart ausgebrochen ist, hat manches Interessante an sich. Man kann nicht sagen, daß die Noth des Lebens sie zum Ausstande getrieben tjabe. In Berlin beispielsweise verdienen geübte Akkord­arbeiter bei täglich neunstündiger Arbeitszeit bis zu 60 Mk. im Laufe einer Woche, und durchschnittlich jedenfalls mehr als 30 Mk. Der Ausstand brach in Leipzig auch weniger wegen Meinungsverschiedenheiten über die Höhe der Löhne aus, als aus anderen Gründen: die ganze Sache sieht wieder einmal genau so aus wie eine Kraftprobe. Man verlangt die Anerkennung des 1. Mai als Arbeiterfeiertag, ausschließliche Benützung der von den Arbeitern eingerichteten Arbeitsnachweise an Stelle derjenigen, die von den Arbeitgebern einge­richtet waren, und die Gehilfen forderten das Recht, selbst darüber zu bestimmen, was Gehilfen- und was Mädchenarbeit sei. Interessant an dieser Bewegung ist ferner, daß auch die Arbeitgeber sich fest zusammenge­schlossen haben. Die Beilegung des Streiks wird nicht leicht sein.

Der gemeinsame Einkauf von Kohlen seitens der Innungen und gewerblichen Vereinigungen Berlins nimmt infolge der Kohlennoth einen immer größeren Umfang an. Gegenwärtig werden Erhebungen über das Quantum des zu liefernden Feuerungsmaterials ange-