schäftszwecken anfgeführt wurden. Das Gebäude soll dreißig Stock hoch werden und eine Fläche von 100 Fuß im Geviert bedecken. Der Grund und Boden allein wird 10 Millionen Mark kosten. — Die furchtbare Hitze in Nord-Amerika hat nach kürzlich eingetroffenen Berichten ungewöhnlich viele Opfer gefordert. Aufffallend war der Umstand, daß vier Tage lang die Luft nicht nur ungewöhnlich erhitzt, sondern gleichzeitig außerordentlich mit Feuchtigkeit beladen war, während sonst die starke Erwärmung der Luft eine Abnahme der relativeu Feuchtigkeit mit sich zu bringen pflegt. Erst am 28, August schlug das Wetter infolge der Ankunft einer Kältewelle um. Am Tage vorher waren in New-Uork neun Todesfälle und 30 Erkrankungen an Hitzschlag vorgekommen, am 28. sogar zwölf Todesfälle infolge der Hitze. Die Temperatur stieg an einem beschatteten Straßenthermometer bis über 40 Grad Celsius. Der Schätzung nach wurden während der dies- sommerlichen Hitzeperiode in Chicago, New-Aork und anderen Großstädten der Bereinigten Staaten mehr als 10 000 Pferde durch Sonnenstich getödtet. Das Merkwürdigste war, daß es in den Städten Wyoming und Montana fror, während in New-Iork alles von der Hitze gelähmt war.
Lokales und Provinzielles. * Schlüchterv, 14. September.
* — Die Gerichtsferien haben mit dem 15. Sept. ihr Ende erreicht.
* — Die hiesigen Leser unseres Blattes, welche die fällig gewesenen Beträge für die Kreissteuer, das Staats- Loosholzgeld und das am 1. September fällig gewesene städtische Holzkaufgeld noch nicht entrichtet haben, werden darauf aufmerksam gemacht, daß im Laufe der nächsten Woche die zwangsweise Beitreibung zu erwarten ist.
* — Zur Jagdsaison sei die auf den preußischen Eisenbahnen bestehende Bestimmung in Erinnerung gebracht, wonach das von den Jägern mitgebrachte Wild an den Gepäckabfertigungsstellen unter Erlegung der vollen Gepäckfracht zur Beförderung aufgegeben werden muß. Es wird also nicht als „Reisegepäck" angesehen. Indessen ist es den Jägern gestattet, einzelne unauffällig in den Jagdtaschen getragene Stücke Kleinwild mit in die Coupees zu nehmen, wenn die Stücke derart verpackt und die Schußftellen so fest verbunden sind, daß ein Aussickern des Blutes, wodurch eine Verunreinigung eintreten könnte, unmöglich wird und zweitens die Wildstücke die übrigen Mitreisenden nicht belästigen.
* — Der „Badische Landesbote", der „Volksfreund" die „Badische Landeszeitung" und die „Badische Presse" erklären, daß sie sich genöthigt sehen, in Folge der beträchtlichen Erhöhung der Papierpreise und aller sonstigen zur Herstellung einer Zeitung erforderlichen Materialien, der Arbeitslöhne, sowie des neuen vertheuernden Post-1 Zeitungstarifs einen Aufschlag des Bezugspreises um monatlich zehn Pfennige eintreten zu lassen.
* — Die Schreibmaschine dürfte in naher Zukunft bei den Gerichtskanzleien eingeführt werden. In Cassel werden zur Zeit bei dem Oberlandesgericht, dem Landgericht und der Staatsanwaltschaft Versuche mit diesem modernen Schreibgeräth gemacht. Falls sich diese bewähren, was sicher zu erwarten, dann sollen zuerst die größeren und später die kleineren Amtsgerichte mit den neuen Schreibmaschinen ausgerüstet werden. Die Folge wird sein, daß sich die Zahl der jüngeren Kanzleigehilfen vermindert, da bekanntlich auf der Maschine zu gleicher Zeit mehrere Copien hergestellt werden können. Dann wird wohl auch eine Herabsetzung der Schreibgebühren zu erwarten sein.
* — Ueber die Lehrlingsunterbringung im Jahre 1899 veröffentlichte der Berliner Verein für das Wohl der aus der Schule entlassenen Jugend kürzlich eine interessante Uebersicht. Von den vom Verein angebotenen Lehrstellen bei Bäckern, Lederarbeitern und Kolonial- waarenhändlern wurde keine einzige angenommen; auch auf 20 Angebote von Klempnern und 19 von Barbieren nur je ein Stellengesuch. Dagegen kamen auf 14 Angebote von Optikern (Uhrmachern) und Mechanikern 130 Meldungen, auf 29 Angebote von Schlossern und Maschinenbauern gar 188 Gesuche. Großbetriebe und Großhandelsgeschäfte werden mehr als wünschenswerth aufgesucht, dagegen übt das Kleingewerbe, sowohl das eigentliche Handwerk als auch der Kleinhandel mit Ko- lonialwaaren, Papier-, Schnitt- und Galanteriewaaren, Droguen, Cigarren u. s. w. fast gar keine Anziehungskraft auf die Heranwachsende Jugend aus. — Der Vorstand der Berliner Tischler-Innung weist die Eltern und Vormünder von Knaben, die in eine Lehre treten sollen, in einer Bekanntmachung darauf hin, daß die Tischlerei in den letzten Jahren einen derartigen Aufschwung genommen hat, daß für die nächsten Jahre der Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften zu einer öffentlichen Kalamität zu werden drohe. Bei neunstündiger Arbeits- zeit und einem Lohn, wie er in nur wenigen anderen Gewerben erreicht werde, seien dennoch keine Leute zu haben, und viele Aufträge könnten jetzt schon nicht ausgeführt werden.
* — Postkarten ohne Adresse. Wie oft Postkarten ohne Adresse durch die Briefkästen eingeliefert werden und infolgedessen, sowie wegen unterlassener Nennung des Absenders weder bestellt noch zurückgegeben werden
können, geht daraus hervor, daß neuerdings während eines einzigen Vierteljahres in fünf Oberpostdirektions- Bezirken zusammen gegen 5000 Postkarten ohne Adresse haben vernichtet werden müssen. Für das ganze Reichspostgebiet macht dies für ein Vierteljahr gegen 40,000, für ein Jahr gegen 160,000 Postkarten ohne Adresse aus, die endgiltig unbestellbar bleiben. Wird dazu noch die gleichfalls sehr große Zahl von Postkarten gerechnet, deren Aushändigung an den Empfänger wegen unrichtiger oder ungenügender Adresse nicht erfolgen kann, so ergiebt sich, daß eine außerordentlich große Zahl von Postkarten lediglich durch Verschulden der Absender nicht an den Empfänger gelangt. Die Mehrzahl der so oft gehörten Klagen, daß Postkarten während der Postbeförderung in Verlust gerathen seien, findet so ihre Erklärung.
Ober.Moos, 6. Sept. Auf der schon theilweise planirten neuen Kreisstraße von hier nach Bermutshain mit Abzweigung nach Crainfeld, die in der Nähe des sog. Rothenbacher Teiches eine sehr nasse Stelle durchschneidet, sanken gestern Pferd und Wagen eines Fuhrmannes aus Ulmbach so ein, daß beide nur mit Mühe herausgeschafft werden konnten.
Bon der Rhön, 11. Sept. Die früher planlos betriebene Entwaldung unserer Berge haben Generationen in sehr empfindlicher Weise tragen müssen. Auch die Bewohner der Rhön wissen davon ein Lied zu singen. Besonders während der französischen Invasion ist in dieser Beziehung arg gehaust worden. In Unterfranken regt es sich jetzt mächtig, die Schäden der Entwaldung durch Aufforsten auszumerzen. Es wäre zu wünschen, daß auch die Gemeinden der nicht bayerischen Rhön diesem Beispiele folgten, daß insbesondere aber Preußen, Weimar und Meiningen den Waldbestand vermehren helfen. Jetzt fließen von den entwaldeten Bergen die Regengüsse und Schneeschmelzen äußerst schnell ab, und vornehmlich wird im Herbst und Frühjahr, wenn der Niederschlag besonders reichlich ist, viel von der Humusschicht durch das rasch zu Thal stürzende Wasser fortgeschwemmt. Die rauhen Winde finden kein Hinderniß und brausen über die entwaldeten Strecken, so daß der rauhe Charakter der Rhön noch gesteigert wird. — Der Frickenhäuser See bei Mellrichstadt, in den im Jahre 1887 200 000 Stück Saiblinge, 5000 Stück Muränen und andere Fische eingesetzt wurden, wird am 30. September zum ersten Male ausgefischt. Die Pächter haben sich zu diesem Zwecke ein 70 m langes und 8 m tiefes Zugnetz mit 10 m langem Sack in Holstein anfertigen lassen. Es wird erwartet, daß Karpfen-Exemplare im Gewichte von 40 Pfund gefangen werden. Ueber das Ergebniß herrscht allseitige Spannung.
Hanau, 11. Sept. In Lindelbach bei Wertheim a. M. fiel dieser Tage ein elfjähriges Mädchen von einem Zwetschenbaum auf einen Zaunpfahl, welcher dem Kinde in den Leib drang. Das Mädchen arbeitete sich allein vom Pfahl los, schleppte sich trotz der schweren Wunde nach Hause, woselbst es aus Furcht vor Straft den Unfall verschwieg, und sich ruhig zu Bett begab. Später fanden die Eltern das Kind im Blute liegen. Ein herbeigeholter Arzt legte einen Nothverband an und ordnete die Ueberführung des unglücklichen Kindes in das Spital zu Wertheim an. Trotzdem man dort die Därme und den Unterleib zusammennähen mußte, hofft man das Mädchen am Leben zu erhalten.
Rotenburg a. d. Fulda, 10. Sept. Wie in den meisten anderen Kreisen unseres Regierungsbezirks so ist auch bei uns die Hafer- und Grummekerndte eine recht befriedigende zu nennen. Die Kartoffeln zeigen zwar viele faulen, werden aber immerhin noch guten Ertrag liefern. — Das in manchen Orten bereits verkaufte Gemeindeobst hat, besonders in Rotenburg, Baumbach, Braach u. s. w. recht erhebliche Summen Geldes eingebracht. Hohe Preise wurden hauptsächlich für gute Aepfel bezahlt, obwohl eine guteErndte zu erwarten ist. — Am letzten Donnerstag Morgen ließ die Frau des Landwirths Jakob Berge in Erkshausen ihre 8 Gänse in den Grasgarten hinterm Hause. Als sie dieselben um Mittag füttern will, wird sie zu ihrem nicht gelinden Schrecken gewahr, daß alle Gänse gründlich gerupft sind. Vom Thäter fehlt jede Spur. Im vorigen Jahr wurde dem q. Berge der gleiche Streich gespielt.
Der Orkan von Galveston.
Amerika ist von jeher das Land schrecklicher Natur- Ereignisse gewesen, und das furchtbare Unglück von Galveston bestätigt diesen traurigen Ruf aufs neue. — Eine gewaltige Kundgebung der Natur — Wirbelsturm oder Springfluth, oder auch beides zusammen — hat am 9. September eine große Anzahl am Gestade des Meerbusens von Mexiko belegener blühender Städte, Ortschaften und Ansiedelungen in Ruinen verwandelt, sowie über zehntausend Menschenleben vernichtet. — Da sich Galveston nur wenig über dem Wasserspiegel erhebt, hat man schon seit langer Zeit ein Unglück befürchtet; weil sich aber die Fluth im Golf von Mexiko gewöhnlich nicht bemerkbar macht, hatte man nicht besonders darauf geachtet, daß schon wiederholt unter dem Drucke heftiger Stürme der Wasserstand rasch und bis zu gefährlicher Höhe angeschwollen war. Diesmal aber war die ganze Stadt in kurzer Zeit überschwemmt und alle Schrecken, die das Unglück noch entsetzlicher machen konnten, brachen mit den Fluthen über die Bewohner
herein. Eine tiefe Finsterniß ging dem Sturm voran- 5 dann erbrauste der Orkan in kurzen, brüllenden Stößen^ i die immer wilder und heulender anschwollen; mit u^ t wiederstehlicher Gewalt raste ein Wirbelwind daher, der s alles niederbrach, was er auf seinem Wege traf: Häuser, ( Bäume, Mauern waren im Nu wegrasirt. Und dazu t das Brüllen der See, die immer mächtiger andringendl schwarze Fluth, die über Wall und Bollwerk hin brauste: s es war ein Anblick, wie er schreckensvoller nicht gebaut , werden kann. Sechs Meilen weit drangen die Wasser- - Massen ins Land hinein, alles Lebende auf ihrem Wege vernichtend. Ueber 10,000 Menschen sind umgekommen, t fünf Städte und über fünfzig Ortschaften wurden zer- t stört, an 200 Schiffe aller Art, große und kleine, von t den Wogen hoch aufs Ufer geworfen, und ein Schaden j verursacht, den man auf 50 bis 60 Millionen Dollar- , schätzt. Ganze Familien sind verschwunden; aus den i i St. Marien-Hospital, wo über hundert Kranke lagen, ) . sind nur acht Personen entkommen. Die amerikanisch, i Regierung sandte alsbald Zelte und Lebensmittel not i Galveston ab. Die Miliz wurde angewiesen, die Oni nung aufrecht zu erhalten, da allerhand lichtscheue LemU ; anfangen zu stehlen und zu plündern, weshalb dM । Standrecht verkündet werden soll. Man fürchtet d»U | Ausbruch einer Epidemie durch die vielen tausend überD ; all herumliegenden, und in der Hitze schnell in FäulmM übergehenden Menschen- und Thierleichen. Die Leichen , in Galveston werden mit Schleppbooten hinaus am- - , Meer geschafft und dort versenkt, da eine normale Be- ; erdigung am Lande nicht möglich ist. Es giebt kein Trinkwasser, da die Wasserleitung zerstört ist, und auch der Hunger tritt auf, denn alle Lebensmittel sind durch | das Seewasser ungenießbar geworden. Alle öffentlich» ; Anlagen, die Straßenbahnen, die elektrischen Werke, du ! Jndustrieetablissements, wie Baumwollfabriken rc., all, sind zerstört, so daß der Betrieb lange Zeit ruhen muß. Der Schaden, den die Stadt Galveston erlitten hai, | wird schwerlich wieder gutzumachen sein, und der Platz I wird wohl verlassen werden. Auch die 200 engl. Meilen nördlich belegene Stadt Alwin ist völlig zerstört. Eine Uebersicht über den ganzen Schaden ist noch unmöglich, da der Bezirk des Orkans zu ausgedehnt ist. Dies! Katastrophe zählt zu den furchtbarsten Elementarereig- nissen, deren die Menschen sich erinnern können.
Die Irre von Sankt Rochus. Krimlnalroman von Gustav Höcker. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Er nahm das Bild herab, auf welchem außer den Unternehmern des Merkur und dessen Oberbeamten etwa fünfzig bis sechzig Briefträger in ihrer ergermrsigen Dienstkleidung abkonterfeit waren, umgeben von der üblichen landschaftlichen Staffage; die hintere Reihe stehend, die vordere sitzend und ganz im Vordergründe ein halbes Dutzend malerisch hingestreckt — alles in allem eine Terrasse von Gesichtern und Gestalten. Der gefällige Büreauvorsteher, der sich ebenfalls auf dem Bilde befand und ein Buch in der Hand hielt, zwischen dessen Blätter er den Zeigenfiger geklemmt hatte, fuhr mit demselben » Zeigefinger ein paarmal über die Gruppen hinweg. „Da | ist Grotjan," sagte er und machte bei einer der Figuren | halt, einem bartlosen, allerdings recht hübschen jungen I Manne, der zunächst einem Baume stand. Das Bild I mußte ich auf ein paar Tage haben, und nach einigen I Schwierigkeiten gelang es mir, den Büreauvorsteher zu W überreden. Daß ich ihm persönlich bekannt war, hätte hierzu nicht ausgereicht aber die schönen Dinge, die ich ihm über sein Porträt, seine vornehme Haltung und das graziöse Spiel seiner Hand mit dem Buche sagte, wirkten Wunder. Mit dem Bilde reiste ich nach Berlin und suchte den Antiquar auf. Er zeigte sich mir entgegenkommend; er wußte, daß ich ihm damals wegen des nicht ganz sauberen Bibelhandels Unannehmlichkeiten hätte bereiten können und ihn — freilich aus guten Gründen, die er nicht kannte — geschont halte. Ich legte ihm das Bild vor und frug ihn, ob er unter dieser | Gruppe wohl noch den Mann werde herausfinden können, welcher ihm die Bibel gebracht hätte. Meine Hoffnung war natürlich gering; fünf Jahre waren für das Gedächtniß eines so alten Mannes wie der Antiquar eine geraume Zeit. Aber in einem lange betriebenen Geschäft schärfen und erhalten sich die Sinne, die man dazu braucht. Ohne einen Blick auf das Bild zu werfen, brächte der Antiquar einen älteren Kupferstich herbei, auf welchem eine historische Szene dargestellt war. Der Alte wies auf eine im Vorgrunde stehende weibliche Gestalt und sagte: „Betrachten Sie diese Frau mit dem leisen Zuge von Grausamkeit um den Mund, welcher dem Antlitz etwas männliches giebt. Dieser Frau sah jener Mann ähnlich, und als er mir die Bibel brächte, mußte ich an diesen Kupferstich denken, der damals sehr beliebt war und viel gekanft wurde und ich sagte mir: wenn man diesen Menschen in die Tracht dieser Frau kleidete, so würde man glauben, er sei das Modell dazu gewesen. Und nun lassen Sie mich sehen, ob ich ihn finde." Der Antiquar betrachtete das Gruppenbild und brauchte nicht lange zu suchen. „Dieser hier ist's und kein anderer," bemerkte er und legte den Finger auf Grotjan.",
„Also wirklich der alte Verbündete Wippach'S!" rief