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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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.V 74 Samstag, den 15. September 1900. 51. Jahrgang.
D«xt!ches Reich.
Berlin. Nach Beendigung der Kaisermanöver bei Slettin begiebt sich das Kaiserpaar auf das Gut Cadi- nen bei Elbing. Die Abreise des Kaiserpaares von Cadinen erfolgt Sonnabend den 23 d. Mts. direkt nach Tilsit zur Enthüllung des Denkmals der Königin Luise.
Eine Einberufung des Reichstages im Laufe des Oktober ist den „Berl. N. N." zufolge in amtlichen Kreisen seit längerer Zeit in Aussicht genommen. Die endgiltige Feststellung des Termins dürfte wohl erst nach der Rückkehr des Reichskanzlers zu erwarten sein. Man wird annehmen können, daß es sich nicht um eine außerordentliche Session handelt, sondern daß der Termin so gegriffen wird, daß für eine ordentliche Session der hinreichende Berathungsstoff gesichert ist.
— Eine neue wichtige Behörde der Militärverwaltung wird binnen Kurzem ins Leben gerufen werden. Sie wird die Bezeichnung „Beschaffungsamt" führen und die Aufgabe haben, für sämmtliche Militärwerkstätten den Bedarf an Materialien zu decken. Bisher besorgten die Direktionen der königlichen Fabriken selbstständig, jede für sich, den Einkauf aller Rohmaterialien, Maschinen u. Diese ganze Thätigkeit sämmtlicher Werke der Militärverwaltung übernimmt das „Beschaffungsamt", das seinen Sitz in Spandau, der bedeutendsten Stätte der umfangreichen Militärindustrie, erhält.
— Bezug amerikanischer Kohlen. Wie aus London geschrieben wird, hat eine große Londoner Gasgesellschaft einen Vertrag zur Beschaffung amerikanischer Kohlen geschlossen wegen der starken Gaserzeugung dieser Kohlen. Ueber weitere große Lieferungen für London nnd Liverpool wird augenblicklich noch verhandelt. Die amerikanische Kohle ist billiger als die englische. Wenn die Schiffer ihre Frachtsätze nicht erheblich niedriger stellen als bisher, io sind die amerikanischen Besitzer gesonnen, eine eigene Flotte für Kohlenverfrachtung zu bauen; sie würden dann die Kohle zu einem sehr billigen Preise liefern.
Aus Thüringen. Der ungünstige Einfluß der China- wirren auf die deutsche Industrie macht sich, wie der »Voss. Ztg." aus Erfurt geschrieben wird, ganz besonders in Mitteldeutschland und Thüringen bemerkbar. Die sächsisch-thüringische Eisen-, Maschinen und Mühlenbau- industrie, die Holzbearbeitungsfabriken, die Spezialiabriken von Waagen, Filtereinrichtnngcn, hölzernen Riemen- und Seilscheiben, Radkämmen usw leiden außerordentlich unter den wirthschaftlichen Folgen der Chinawirren Nicht nur stockt der Absatz nach dem eigentlichen China, sondern vor allem nach Südasien und ganz besonders nach Indien. Letzteres richtete seit mehreren Jahren fortgesetzt Reismühlen ein und bezog die maschinellen Einrichtungen vielfach aus Thüringen. Seit dem Ausbruch der Unruhen und der Feindseligkeiten in China ist aber der Bau dieser Reismühlen gänzlich eingestellt worden. Wie in Indien und Südasien der Bau von Reismühlen, so stockt in Japan der Bau von Zucker fabriken, die ihre maschinellen Einrichtungen zu einem großen Theile aus der Halle Zeitzer Maschinenfabrik und anderen Werken in Mitteldeutschland erhielten. Ganz besonders schwer von den Chinawirren sind die Wilhelms- Hütte zu Saalfeld, das Thüringer Eisenwerk zu Mühl- hausen, die v. Dreyseschen Werke in Sömmerda, Fabriken in Suhl, Ruhla, Gotha und anderen thüringischen Städten betroffen. Viele Etablissements haben ihren Betrieb eingeschränkt und einen Theil ihrer Arbeiter entlassen. Auch der Holzhandel wird dadurch ungünstig beeinflußt, da dieser, insbesondere der Hartholzhandel, bedeutenden Ab- !atz bei Maschinenfabriken hat.
Aus Baden Ein unverhofftes Glück wurde einem Einwohner von P orzheim in Baden zu Theil. Der Mann hatte vor Jahren 'ür einen guten Freund Bürg ichaft geleistet. Die Verhältnisse des Freundes verschlechterten sich aber, sodaß er schließlich nach Amerika entfloh. Jetzt wurde der Bürge von den Gläubigern in Anspruch genommen. Er mußte zahlen und kam hierdurch an den Bettelstab. Er schlug sich später küm nierlich durch, hörte aber von seinem Freunde nichts mehr. Dieser war in Amerika vorwärts gekommen und hatte die Freundesthat nicht vergessen. Kürzlich erhielt der Pforzheimer von seinem ehemaligen Freunde einen Brief, dem ein Check über 18 000 Mk. auf ein Karlsruher Bankhaus beigelegt war als Entschädigung für den vor Jahren erlittenen Verlust.
Mainz, 10. Sept. Der Streik in den Mainzer Lederwerken dauert nun schon drei Wochen und noch ist kein Ende abznsehen. Die Betriebsleitung hat zwar einige Zugeständnisse gemacht, doch gingen die Strecker nicht darauf ein. Am Samstag kamen ca 40 in Berlin angeworbene Arbeiter hierher und wurden in die Fabrik gebracht, wo sie auch Kost und Schlafstellen erhielten. Auf dem Wege zur Fabrik wurden sie aber von den Ausständigen über die Lage aufgeklärt. Gestern wurde mit den Neuangekommenen auf Kosten der Fabrik ein Ausflug nach Wiesbaden unternommen. Am Abend wurden sie in ihre Quartiere in der Fabrik zurückgeführt und die Thore verschlossen. Heute morgen nun lehnten sich die Regulierten unter großem Zulauf des Publikums zu den Fenstern hinaus und erklärten, unter keinen Umständen arbeiten zu wollen. Aus der Fabrik konnten sie sich jedoch nicht entfernen, da während der Arbeitszeit die Thore geschlossen gehalten werden. Dies führte zu einer großen Menschenansammlung und zu erregten Scenen, zumal die Fabrik nahe dem Centralbahnhof liegt. Schließlich ließ die Betriebsleitung nothgedrungen die Neueingestellten gehen. Dieselben schloffen sich alsbald den Streikenden an und werden gleich diesen unterstützt. Es streiken ca 600 Personen, an welche bis jetzt schon ca. 24,000 Mark Unterstützung gezahlt sind.
Ausland
Budapest, 7. Sept. Bei den diesmaligen Manövern geschahen besonders viele Unglückfülle. In Podgorarz in Slavonien wurden bei einem Gefecht zwischen dem 79. und 78. Infanterieregiment von letzterem ein Zugführer und ein Mann erschossen. Die Untersuchung ergab. daß mehrere von der Mannschaft des 79. Regiments scharf geschossen hatten. Das zweite Honved-Jnfanterie- regiment soll bei bcm Marsch aus dem Pilischer Lager nach Arad außerordentlich infolge Mängel im Verpflegungs- ; Wesen gelitten und, wie hier verlautet, 7 Todte haben, während das erste Honved-Jnfantcriercgiment sogar 21 Todte infolge eines forcirten Marsches gehabt haben soll. Zwischen Szolhova und Jablunka bei der ungarischen Grenze explodirte während der Uebungen eines Artillerie- regiments ein Geschoß. Vier Mann wurden hierdurch gelobtet und 18 schwer verwundet; das Geschoß soll angeblich mit Dynamit gefüllt gewesen sein.
Bukarest. Die bulgarische Regierung wies ihren Bukarester Vertreter an, sich reisefertig zu halten. Alle größeren Städte veranstalteten anti-bulgarische Meetings zumeist mit der Forderung, Bulgarien sofort den Krieg zu erklären. Die rumänische Kriegs Verwaltung berief alle beurlaubten Mannschaften zurück, brach die Manöver ab und dirigirte Artillerie- und Genie-Truppen zu den Korps.
Aus Serbien. Liebe Frauen sind in der serbischen Gemeinde Kisoda zu Hause. Frauen und Mädchen dieser Gemeinde haben seit einer Reihe von Jahren sich der Gatten oder des eifersüchtigen (beliebten durch Gift entledigt. Der Gendarmerie fiel es schon längst auf. daß in Kisoda die stärksten Männer, zumeist Gatten leichtfertiger Frauen, in kurzen Zwischenräumen plötzlich erkrankten und trotz der sorgsamsten ärztlichen Pflege nach wenigen Tagen stürben. Ebenso fiel es auf, daß die dermaßen zu Wittwen gewordenen Franen stets solche Männer heiratheten, mit denen sie schon bei Lebzeiten des Gatten ein intimes Verhältniß unterhielten. Auf erfolgte Anzeige begab sich eine gerichtliche Untersuchungs kommission nach Kisoda, die die zuletzt gestorbenen Männer ausgraben ließ, doch waren im Friedhof die Kreuze vertauscht oder gänzlich entfernt und die Untersuchung infolgedessen fast unmöglich gemacht. Nichtsdestoweniger konnte in achtzehn Fällen Vergiftung festgestcllt werden; da aber die des Mordes verdächtigen Personen beharrlich leugnen, ordnete der Untersuchungsrichter an, daß sämmtliche in den letzten zwei Jahren gestorbenen Männer ausgegraben werden.
Aus Lvrcnzo Marques wird gemeldet: Präsident Krüger ist hier eingetroffen und beim holländischen Konsul abgelegen. Er wird sich am 24 September au Bord des deutschen Dampfers „Herzog" nach Europa einschiffen, um einen letzten Schritt zur Intervention der Großmächte zur Gunsten der beiden Republiken zu unternehmen. Präsident Steyn bleibt in Transvaal.
China. Wie aus glaubwürdiger Quelle verlautet, flüchtete die Kaiserin und die kaiserliche Familie aus
Peking am 4. August. Prinz Tuan befand sich in Tung-chon als die Verbündeten eintrafen und rettete sich nach Peking, um der Kaiserin die Ankunft der Truppen anzu- zeigen. Sämmtliche Maßnahmen zu ihrer Flucht waren schon getroffen, aber die Kaiserin wollte nicht eher die Stadt verlassen als bis die Verbündeten eindrangen. Die Kaiserin und der kaiserliche Hof entfloh durch das westliche Thor zur selben Zeit, als durch das östliche Thor bie Verbündeten einrückten. Es gilt als sicher, daß die Kaiserin nicht geflohen wäre, wenn die Verbündeten nicht von allen Seiten in die Stadt eingedrungen wären. — Der Pekinger „Times "-Korrespondent Doktor Morrison drückt seine höchste Entrüstung darüber aus, daß die chinesischen Gesandtes Lofengluh und Wutingrang, deren schamlose Lügen mch Vorlegen gefälschter Edikte den Entsatz Pekings verzögerten, bis es beinahe zu spät war, noch immer in London und Washington ehrenvoll empfangen werden. Er beklagt sich ferner bitter darüber, daß seit dem Entsatz Pekings nichts von dem geschehen sei, was man erwarten mußte, daß kein Boxerführer gesucht und bestraft sei, und daß die Tempel, die anerkanntermaßen den Boxern als Hauptquartier dienten, nicht zerstört wurden, und daß der kaiserliche Palast als ein Emblem chinesischer Macht geschont und verehrt wurde. — Der amerikanische Generalkonsul Goodnow hat nach eingehenden Nachforschungen erfahren, daß nachgewiesenermaßen während der letzten Unruhen 56 Missionäre, darunter 34 englische und 22 amerikanische, ermordet worden seien. Es liege ferner große Wahrscheinlichkeit vor, daß noch 37 Missionäre in Taijücnfu umgebracht seien. Die Liste der Vermißten weise 109 Engländer und 61 Amerikaner auf. Es sei unmöglich, die Zahl der ermordeten Katholiken festzustellen Dieselbe schließe jedoch viele französische Priester und barmherzige Schwestern ein, welche theil- weise in dem Gebiet ermordet wurden, in welchem die Russen kümp'en. Auch verschiedene schwedische und und dänische Protestanten seien getödtet. Das Morden und die Venolgung dauere unter den chinesischen Christen an. Ucberall würden von chinesischen Gelehrten und kleinen Beamten Denkschriften an die Kaiserin-Regentin gesandt, in denen ihr dafür gedankt wird, daß sie das Land von den Fremden befreie. Eine Meldung aus dem Inneren beweise, daß, abgesehen von dem durch die fremden Truppen besetzten Gebiet, die chinesische Bevölkerung glaube, die Kaiserin habe große Siege errungen und die Ausländer aus dem Lande vertrieben. Daß die Kaiserin von China in der That auks engste mit den Christenmetzeleien zusammenhängt, geht aufs neue deut, lich aus einer Menge von Berichten hervor, die man im Kaiserpalaste in Peking gefunden hat: diese Berichte an die Kaiserin verzeichnen fortlaufend genau die Zahl der ermordeten Christen. Außerdem wurde, ebenfalls im Kaiser- palaste, ein Aufruf des Polizeiministers Tschungli gefunden, worin Geldbclohnungcn versprochen werden für die Auslieferungen von Christen. — Einige der an den gegen die Fremden verübten Unthaten Schuldigen sind bereits feftgenommen worden. Die Deutschen haben drei Boxer erschießen lassen. Ferner ist der Polizeidirektor von Peking, Tschungli, der die Schuld an der Ermordung des deutschen Gesandten tragen soll, in deutschem Gewahrsam. Die Kriegsgerichte in Peking. werden also bald Arbeit genug bekommen. Bereits sind vier im deutschen Revier zu Peking verhaftete und des Christen- mordes überführte Boxer standrechtlich erschossen worden.
— Der Mörder des deutschen Gesandten in Peking, Baron v. Ketteler, ist ergriffen worden iinb dem deutschen Kommando übergeben. Er erklärte zuerst, nur den Leichnam wcggcschafft zu haben, gefta :b aber später den Mord ein, den die kaiserlich chinesische Regierung befohlen habe.
Amerika. Die nächste Weltausstellung soll in den Vereingtcu Staaten von Nordamerika, und zwar in St. Louis, Missouri, stattfinden. Es hat sich dort bereits ein Organisations-Comitce gebildet, an dessen Spitze der frühere Gouverneur D. R. Francis steht. Dasselbe hat für die geplante Weltausstellung das Jahr 1903 gewählt. Gouverneur Francis wird in den nächsten Tagen in Paris eintreffen, um daselbst Studien zu machen, deren Ergebniß für die St. Lomser Ausstellung verwerthet werden soll. — In Newyork wird wieder ein Riesenbau geplant, der an Höhe alle Gebäude übertreffen soll, die bisher zu Gc-