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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

M 69. Mittwoch, den 29. August 1900. 51. Jahrgang.

1Mh>llltt1ftM1 auf bie -Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen - Postanstalten undLandbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

jetzt aus Tischlereien, Möbel- und Clavierfabriken rc. den i Holzabsall, der nicht einmal billig abgegeben wird. Bäcker t und Gastwirthe, die ihre Holzvorräthe sonst von Händlern kauften, fahren jetzt vielfach selbst nach Holzreichen Gegen- den und bringen das erstandene Brennmaterial auch selbst ein.

Königsberg i. Pr., 15. August. Ueber eine em- pörende Herzlosigkeit des eigenen Sohnes gegen seine : leibliche Mutter wird derKönigsb. Hart. Ztg." aus : Bartenstein gemeldet: Der Barbier K. hatte seine Mutter bei sich wohnen. Seit längerer Zeit war es aufgefallen, daß die alte Frau nicht mehr sichtbar war, und als man K. nach dem Grunde ihres Verschwindens befragte, er­klärte er, daß seine Mutter verreist sei. Vor Kurzem waren Gerüchte laut geworden, daß die alte Frau von ihrem Sohn eingesperrt gehalten werde, insbesondere wollten fremde Kinder, die mit den Kindern des K. auf dem Hofe spielten, durch ein Loch des Schweinestalls ein grausiges Gesicht gesehen haben. Ferner hatten Anwohner öfters bemerkt, wie nach dem Schweine­stall Essen getragen wurde. Auf Anzeige bei der Polizeibehörde wurde der Sache am vergangenen Freitag nachgeforscht nnd dabei die 70jährige Frau in elendestem Zustande im Schweinestall vorgefun- dcn. Sie soll dort seit fünf Monaten gelegen haben. Ihr Körper starrte über und über von Schmutz und Ungeziefer, und der ganze Leib war mit Wunden bedeckt. Ihr Lager bestand aus einem Strohhaufen, der mit Koth besudelt war. Man hat die beklagenswerthe Frau bei fremden Leuten untergebracht. Die ganze Stadt ist über das Geschehniß empört, zumal K. ein wohl- situirter Mann und Hausbesitzer ist. Wie weiter ge­meldet wird, ist Barbier K. in Haft genommen.

Eine merkwürdige Anwendung der Lustbarkeitssteucr war in Sorau vorgekommen. Der evangelische Arbeiter­verein hatte bei der Polizei für einen gemeinschaftlichen Kirchgang ohne Musik 1,50 Mk. Vergnügungssteuer bezahlen müssen. Auf die erhobene Beschwerde hat der Finanzminister die Rückzahlung der Abgabe verfügt.

Weimar, 26. Aug. Der bekannte Philosoph Fried­rich Wilhelm Nietzsche ist gestern Vormittag ll3/4 Uhr in Folge eines Schlaganfalles gestorben. Seine letzten Jahre hat der Vater desUebermenschen" und Verfasser vieler philosophischer Schriften, die sich durch ihren poin- tirten Styl auszeichneten, in Geistesumnachtnng zugebracht. Auf die moderne Geistesbildung hat Nietzsche im Guten wie im Bösen einen großen Einfluß ausgeübt.

Gotha, 24. August. In der großen Schweinezüchterei des Domänenraths Meyer zu Friedrichswerth ist am Mittwoch früh Feuer ausgebrochen. Das Feuer hatte leichten Weges und ohne Aufenthalt sich [über den an den Kuhstall anstoßenden Mastschweinestall verbreitet. Hier geschah in wenigen Minuten eine jammervolle Katastrophe. Unter fürchterlichem Stöhnen verbrannten, erstickten oder verkohlten 127 Mastschweine im Gewicht bis zu sechs Centnern. Das Feuer hat zwei Ställe in einer Länge von 75 Metern und einer Länge von 15 Metern niedergelegt. In ihrer blinden Angst stürmten große Eber im Werthe von 300 bis 600 Mk. durch die sengende Gluth. Das sonstige Schweinevieh wurde sämmtlich, nahezu an 2000 Stück, aus den Ställen ge­trieben. Viele Ferkel kauerden verendend mit verbrannten Körpertheilen auf dem Brandplatz. Am Nachmittage sah man sie in steifem Zustande da und dort todt herum­liegen. Durch Rauchen von Zigaretten soll die Kata­strophe entstanden sein. Zwei junge Polen werden vermißt, vermuthlich sind dieselben lebendig verbrannt.

Köl». Nunmehr ist die Typhusseuche auch beim 65. Infanterie-Regiment in Mühlheim auSgebrochen; i 50 Soldaten wurden bereits dem Lazareth überführt. . Die Militärverwaltung hat die umfassendsten Vorsichts maßregeln bezüglich des Verkehrs mit Civilpersonen ge troffen. i

Essen. Der Gemeinderath in Altendorf, der größten Landgemeinde Preußens, hat einen Eingemeindungsvertrag | mit der Stadt Essen abgeschlossen. Altendorf zählt gegen : mehlig 65,0u0 Einwohner, davon sind 18,500 in den i Kruppschen Kolonien angesessen. 1

Mainz, 18. Aug. Bei einem Wirthe in dem be­nachbarten Orte Weisenau wurden vor Kurz ein zwei Faß 1 Wein gepfändet. Bei der gestrigen Versteigerung stellte : sich nun heraus, daß das eine Faß anstatt süßen Weines j nur Wasser enthielt. Wahrscheinlich hat man es unter- s lassen, die Spunde des Fasses rechtzeitig zu versiegeln; 1

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin haben am Sonn­abend Vormittag in Erfurt der Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals beigewohnt. In einer Ansprache sprach der Kaiser den innigen Wunsch aus, daß die Stadt Erfurt sich weiter entwickeln möge, in der Hoff nung, daß es ihm vergönnt sein werde, ihr den für die Entwickelung einer großen städtischen Gemeinwesens nöthigen Frieden zu erhalten. Sonnabend Nachmittag ist das Kaiserpaar in Wildpark eingetroffen.

Eine neue Kaiserrede. Als am 4. ds. Mts. der Rest der Seebrigade auf den TransportdampfernRhein" undAdria" Bremerhaven verließ, hat der Kaiser an die versammelten Offiziere und Beamten eine Ansprache gehalten, deren Wortlaut dieKöln. Volksztg." mitzu- theilen in der Lage ist. Die Herren thäten einen sehr ernsten Gang, so etwa hob der Kaiser nach dem er- erwähnten Berichte an; es könne dieser Krieg der Beginn eines Krieges werden zwischen Morgen- und Abendland. Das ganze Abendland gehe einmüthig vor. Den Offizieren rief der Kaiser die Mahnung zu, den deutschen Namen auch in China zu Ehren zu bringen, zugleich aber auch gute Kameradschaft mit allen übrigen Contingenten zu halten. Die erste Sorge müsse sein, für die Gesundheit der Leute zu sorgen, das lasse sich durch Spiele an Deck bequem erreichen. Körperliche Beschäftigung sei auf der Fahrt die Hauptsache. Besonders wies der Kaiser noch auf die Hinterlist der Chinesen hin, man habe es in ihnen mit einem verschlagenen Feinde zu thun, der, an einer Stelle geschont, mit Hinterlist an einer anderen hervorkomme. Der Chinese Überfälle aus dem Hinterhalt oder bei Nacht und mit großer Ueber- Macht. Halten Sie besonders auch strenge Manneszucht, schonen Sie die feindliche Bevölkerung, doch seien Sie schonungslos gegenüber Denjenigen, die Ihnen mit der Waffe in der Hand entgegentreten. Nach einem Hurrah des kommandirenden Generals von Sessel verabschiedete sich der Kaiser von den Truppen mit dem Ersuchen an den General: Geben Sie mir täglich Nachricht! Jede Kleinigkeit interessirt mich und ist für mich von Wichtig teil, und wenn Sie mir auch nur melden:Nichts Neues".

Was Kohlenhändler jetzt verdienen, ersieht man von neuem aus einer kleinen Notiz in dem örtlichen Theile verschiedener Berliner Blätter. Die Berliner Bäckerinnungen haben mit mehreren Großkohlenfirmen Berträge abgeschlossen, um ihren Mitgliedern Brenn­material zu ermäßigten Preisen zu verschaffen. Der Unterschied zwischen diesen ermäßigten Preisen und den jetzt üblichen Preisen der Berliner Kohlenhändler ist so bedeutend, daß verschiedene Bäckermeister die Gelegen­heit benützten, um nebenbei einen Kohlenhandcl auf eigene Rechnung zu betreiben. Sie verkauften Kohlen an Be- lannte erheblich unter dem Preise der Berliner Händler und machten sich selbst dadurch großen Stutzen. Der Nutzen also, den die Kohlenhändler haben, muß ganz über Gebühr hach sein

Zur Kohlentheurung berichten die Blätter: Brennholz kommt seit einigen Tagen in solchen Massen Uach Berlin, wie es seit Jahrzehnten nicht der Fall war. Die immer noch steigenden Preise für Kohlen, Preß- Wen und Koks haben diese Erscheinung zu Wege ge- Httlcht. Hauptsächlich wird das Holz auf dem Wasser­te hierher gebracht. Von der Oberspree kommen nicht UUe täglich außerordentlich viele hoch mit Brennholz ^ladene Kähne in Berlin an, sondern zu ihnen gesellen | R auch zahlreiche riesige Flöße, sog.Matätschen" aus oberen Oder- und Wartbegebiete. Die Kohlennoth hat auch noch andere bisher nicht oft gesehene Erscheinungen Uu GemIge. Eine ganze Zahl von Kleinhändlern, die früher von Straße zu Straße gezogen und Preßkohlen fkllhielten, hat diesen Betrieb gänzlich an gegeben. Statt ''Preßkohlen, Preßkohlen!" rufen jetzt die Händler: Brenn-

Brennholz!" und in den Vorstadtstraßen auch vereitS:Torf, Torf!" Da eine weitere Vertheuerung i p Preßkohlen befürchtet wird, decken zahlreiche Leute f i<t)°n jetzt ihren Winterbedarf, und zwar suchen sie ! wbei möglichst die Kohlen durch Holz zu ersetzen. Selbst Leute, die es bisher nicht nöthig hatten, holen sich 11

der kluge Wirth hatte dem Fasse das köstliche Naß ent­nommen und den Hohlraum mit reinstem Brunnenwasser ausgefüllt.

München, 24. August. Wie dieAugsb. Abdztg." berichtet, wird zur Zeit hier in München in einigen Cafes das Würfelspiel mit Leidenschaft getrieben. Vom frühen Nachmittag bis spät in die Nacht hinein kann man in manchen Lokalen förmliche Spielgesellschaften, aus Angehörigen der besten Gesellschaft bestehend, bei­sammen sehen. Kürzlich geschah es bei einer solchen Gesellschaft in einem eleganten Cafe, wo das Würfelspiel nur im Großen betrieben wird, daß ein fremder Rei­sender nach Verlust seines gesammten Baargeldes im Betrage von 2000 Mark zum Weiterspielen seinen golde­nen Ring bei der Kellnerin versetzt und, da er auch das dafür erhaltene Geld verlor, aus der gemeinsamen Kasse mit etlichen Mark in seiner momentanen Noth unterstützt werden mußte. In einer anderen Würfelspielgesellschaft büßte ein Berliner Mode- und Manufakturreisender nicht nur sein ganzes Geld ein, sondern er versetzte auch seinen Musterkoffer. Nur durch rasches Eingreifen seiner Ver­wandten blieb er von einer Strafanzeige verschont, seines Vertrauenspostens aber wurde er enthoben. Ein beur­laubter Commis eines Bankgeschäftes fröhnte ebenfalls seiner Spielleidenschaft in solchem Maße, daß er in kurzer Zeit sein ganzes für den Sommerurlaub bestimmtes Geld verspielte.

Aus der Pfalz, 12. August. Aus Mehlbach (im Bezirksamt Kaiserslautern) wird die verbrecherische That eines Schulknaben berichtet: Der dreizehn Jahre alte Otto Forrel zündete das Schulhaus an, um nicht die Schule besuchen zu müssen. Vor vierzehn Tagen schon versuchte er den Brand zu legen, wurde aber an seinem Vorhaben verhindert. Am Donnerstag ist es ihm gelungen, und zwar legte er den Brand auf dem Speicher, wo das Brennmaterial des Lehrers gelagert war. Das ganze Schulhaus, das bald umgebaut werden sollte und versichert ist, brannte bis auf die Umfassungsmauern nieder, und es konnte nichts mehr gerettet werden. Der jugendliche Brandstifter wurde durch die Gendarmerie in Otterberg verhaftet.

Ausland.

Wien, 23. August. Der in Petersburg und Wien akkreditirte chinesische Gesandte Dang-M hat an den be­kannten Vorkämpfer der europäischen Friedensbewegung, Freiherrn Gundaccar v. Suttner, ein Schreiben gerichtet, in welchem er sich über die Ursachen des zu so schreck­licher Explosion gelangten Fremdenhasses in China in bemerkenswerther Weise ausspricht. Was Iang- in in dieser Beziehung sagt, stimmt merkwürdig mit den von europäischen Kennern Chinas, unter Anderen auch von dem ehemaligen Gesandten v. Brandt, ausgesprochenen Anschauungen überein. Nang-M schreibt: Die erste Ursache, die den gegenwärtigen Konflikt vorbereitet und herbeigeführt hat, liegt in dem Haß, den das chinesische Volk den Christen geschworen hat. Allerdings ist das Ziel der fremden Missionäre, Anderen Gutes zu erweisen, sehr lobenswerth, doch im Allgemeinen wollen die gut­denkenden Chinesen um nichts in der Welt die Religion ihrer Väter aufgeben, um einen anderen Glauben anzu- nehmen, welcher ihnen vollkommen fremd ist. Hieraus folgt daß die Neubekehrten leider in großer Zahl un­ehrliche Leute sind, welche sich unter dem Deckmantel der Kirche verbergen, um sich ihren bösen Leidenschaften hinzugeben, als da sind: gefahrlos ihren Landsleuten Prozesse anzuhängen, diese zu schädigen und zu berauben. Die Empfindungen des Volkes, die anfänglich nur Zorn und Entrüstung waren, haben sich nun in unerbittlichen Haß gewandelt, dessen Wuthausbrüche man nicht mehr eindümmen kann. Die Chinesen wollen sich ebenso wenig zum Christenthum bekehren, wie sich die Europäer zu den Lehren des Konfuzius bekennen würden.

Paris. Eine Verlängerung der Pariser Weltaus­stellung ist, wie dem Berl. Tagebl. gemeldet wird, in Aussicht genommen. Das Generalkommissariat studierte die Möglichkeit, den großen Völkerjahrmarkt noch bis Ende November auszudehnen.

London, 24. August.Standard" meldet aus Pre­toria vom 22. August, die Zahl der im Felde stehenden Buren beträgt 20,000. Die Linien ihres Detachements ziehen sich genau westlich vvn Belfast bis zum Krokodil­fluß (Limpopo) und decken so die Zugänge zum Busch- weldt, wo sich die Viehherden von taufenden von Stück