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SchlWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 25. August 1900.

51. Jahrgang.

der Ernteertrag des Weizens eine mit geringen Schwank­ungen stetig steigende Tendenz. So ist der Durchschnitts­ertrag auf den Hektar von 16,7 dz im Jahre 1894 auf 18,4 dz im Jahre 1898 und auf 19,1 dz im Jahre 1890 gestiegen.

Frhr. v. Stumm-Halberg leidet, nach denBer­liner Neuesten Nachrichten", seit einiger Zeit an einem Magenkatarrh, der zu keinem ernsten Bedenken Anlaß giebt. Er ist nicht einmal bettlägerig, nur hat ihm der Arzt, Professor Fleiner-Heidelberg, Schonung auferlegt. Frhr. v. Stumm wird voraussichtlich bald seine alte Thätigkeit in vollem Umfange wieder aufnehmen können.

Kiel, 20. August. Die Reichsregierung beauftragte die hiesige Rhedereifirma Diederichsen mit der Beförde­rung von 40,000 Kubikmeter Materialien und der Lieferung von 40,000 Tonnen Kohlen bis Ende Sep­tember nach dem Kriegsschauplatz. Diederichsen charterte elf deutsche, österreichische und englische Dampfer.

In einer in Essen abgehaltenen Zechenbesitzerver- sammlung des rheinisch-westfälischen Kohlensyndikats wurden 100,000 M. als Unterstützung für die Krieger in China bewilligt.

Gotha. Großfeuer brach auf der berühmten Zucht­anstalt des Domänenrathes Meyer in Friedrichswerth in der vergangenen Nacht aus, dem gegen 200 werthvolle Zuchtschweine zum Opfer sielen.

Friedrichroda, 17. August. Gestern verunglückte eine Magd dadurch, daß ihr von einer Mähmaschine ein Fuß vollständig abgeschnitten wurde. Sie war auf einem Weizenplan, der gemäht werden sollte, ein« geschlafen und hatte das Herannahen der Mähmaschine nicht gemerkt.

Mainz, 20. Aug. In dem nahen Wackernheim, Kreis Bingen, entstand gestern in später Abendstunde zwischen Bauernburschen, den Brüdern Weiland, und dem zur Zeit dorten im Quartier liegenden Gefreiten Helserich vom 1. Hessischen Husarenregiment Nr. 13 ein Streit, in dessen Verlauf der Soldat von einem der Burschen mit einer Mistgabel erstochen wurde. Der Streit war dadurch entstanden, daß die Brüder Weiland eine Wache der Husaren verspotteten, was die Veran­lassung gab, daß der wachhabende Gefreite heraustrat und die Weiland fortjagte. Hierauf eilten die Bauern­burschen in ihre Behausung, bewaffneten sich mit einer Mistgabel und einer alten Lanze, in welcher Ausrüstung das Brüderpaar den Gefreiten nochmals aufsuchte und ihm den tödtlichen Stich versetzte. Beide Brüder wurden alsbald nach der That von Soldaten festgenommen und dann der Gendarmerie überantwortet, welche dieselben heute morgen dem hiesigen Untersuchungsgefängnis ein- lieferte. In freudige Aufregung wurden dieser Tage die Bewohner des Ortes Bodenhcim bei Mainz versetzt. Irgend ein Spaßvogel hatte dort die Nummern einer Anzahl Loose erfahren, die von den Bewohnern des Ortes in der hessischen Klaffenlotterie gespielt wurden. Plötzlich erhielten mehrere Familien Telegramme mit der Angabe, daß ihr Locs mit einem großen Gewinne ge­zogen sei. Der eine sollte 50,000 Mark, der andere 30,000 Mark gewonnen haben. Im ganzen Orte herrschte darob eitel Freude, und man sah überall Gruppen von Einwohnern beisammen, die das glückliche Ereignis besprachen. Leider sollte die Freude nur von kurzer Dauer sein. Einer derBeglückten" wandte sich tele­phonisch an seinen Kollekteur in Mainz, um weitere Dis­positionen über das gewonnene Geld zu ertheilen. Da stellte sich dann heraus, daß von all den gemeldeten Treffern kein einziger wirklich gezogen war. Nur eine Familie, die keine Nachricht erhalten hatte, gewann 3000 Mark. Jetzt schlug die Freude in Erbitterung gegen den Uebelthäler um, der auch für seine recht schlechten Witze zu büßen haben wird.

Speier, 19. August. Bei den Arbeiten zur Eröffnung der Kaisergräber im hiesigen Dom traf man unvermutet in der Tiefe von nur 58 Zentimeter unter dem jetzigen Pflaster auf ein in Zugelmauerwerk Hergesielltes, mit einer Sandsteinplatte bedecktes Grab, welches einen früher schon geöffneten Blcisarg enthielt. Letzterer barg in der ursprünglichen Lage ihrer Bestattung die Leiche einer sehr vornehmen weltlichen Person Dieselbe war in ihrer ganzen Länge mit einem Mantel aus Seide, besetzt mit ornamentirten Goldborten überdeckt und soweit sich bis jetzt fcststellen ließ bekleidet mit Wams, Hosen, Schuhen an letzteren Eisensporen. Die Knochen sind mit Aus nähme des Schädels unter dem Einfluß der Oxydation

cmf d-eSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen - " Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. August. Das Kaiserpaar reist morgen früh ab zur Kaiserin Friedrich, welche etwas leidend sein soll. Sodann geht die Reise am Samstag nach Erfurt und Abends nach Potsdam. Die kaiserlichen Kinder fahren am Samstag direkt von Wilhelmshöhe nach Potsdam.

Der Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd Sachsen", mit welchem sich Graf Waldersee mit seinem Stäbe nach China begiebt, wird auf seiner Ausreise fahrplanmäßig folgende Häfen anlaufen : Genua 21. Aug , Neapel 22. August, Port Said 26. August, Suez 27. August, Aden 31. Aug, Colombo 7. September, Penang

11. September, Singapore 13. September, Hongkong 18. September, Shanghai 22. September.

Der dentsche Detachementsmhrer in Peking, Ober­leutnant Graf von Soden meldet: Peking am 15. d. Mts. entsetzt. Bon dem 50 Mann starken Detachement 11 gefallen, fünf leicht und einer schwer verwundet.

Die Ankunft der beiden deutschen Seebataillone in Tientsin ist, wie wir bereits mittheilten, Ende der vorigen Woche erfolgt. Wie der zweite Admiral des Kreuzergeschwaders weiter meldet, war der General- major von Höpfner mit dem Secbataillon am 15. August 5 Uhr Nachmittags in Taku eingetroffen. Das Wetter war für die Ausschiffung ungünstig. Bis 16. Abends war die Ausschiffung beendet. Kapitän Pohl (Komman­dant derHansa") hat am 14. Vormittags Ho-hsi-wu erreicht, am 15. um 9 Uhr Vormittags Ma-tau und beabsichtigt, dort zu bleiben, bis Verbindung mit Kapitän- leutnant Hecht (S. M. S.Hertha ) hergestellt ist, da Proviant für weiteres Vorgehen unbedingt erford lich war. Hecht hat Iangtsun um 15. Mittags verlassen. Die Gesundheit der Mannschaften ist trotz großer An­strengung gut. An dem Einmarsch in Peking hat al'o das deutsche Detachement nicht mehr theilnehmen können. Eine weitere Nachricht besagt: Drahtverbin­dung mit dem russischen Führer ist ausgenommen und ein Adjutant zu ihm geschickt. Das Detachement wird voraussichtlich am 17. d. M. Abends in Tientsin ver­sammelt und tritt dann den Eilmarsch nach Peking an. Mit ihm marschiren 400 Mann italienische Matrosen nach Peking.

Seit 1893 hat sich in Deutschland die Anbau­fläche für Roggen stetig vermindert. Sie betrug im Jahre 1893 noch über 6 000 000 ha, war im Jahre 1898 auf 5 945 000 ha gesunken und ist im Jahre 1899 weiter auf 5 871000 ha zurückgegangen. Auch die Anbaufläche von Weizen ist zunächst von 2 0440«>0 ha im Jahre 1893 auf 1 920 000 ha im Jahre 1897 gesunken, befindet sich seitdem aber wieder in der Zunahme.

1899 war sie auf 2 016 000 ha gestiegen, hatte aber immer noch nicht den Stand von 1893 erreicht Um­gekehrt weist die Anbaufläche von Sommergerste und Hafer, wenn auch mit gewissen Schwankungen, eine stetige Zunahme auf. So ist die Anbaufläche von Gerste von 1594000 ha im Jahre 1893 auf l 640000 ha im Jahre 1899 und die Anbaufläche von Hafer in demselben Zeitraume von 3 906 000 ha auf 4 000 000 ha gestiegen. Ebenso bewegt sich die Anbaufläche der Kartoffeln in stetig aufsteigender Richtung. Sie ist von 1894, wo sie den niedrigsten Stand mit 3 025 000 ha aufwies, von Jahr zu Jahr bis auf 3131000 ha im Jahre 1899 gestiegen. Diese Zunahme des Hackfruchtbaues Und die Abnahme des Anbaues von Brotfrüchten steht offenbar im inneren Zusammenhänge. Sie rührt von der geringeren Rentabilität des Getreideanbaues und der höheren Rente her, welche durch den Anbau von Hack­früchten erzielt werden kann. Was den Ernteertrag an- langt, so bestätigt sich die namentlich auch von frei- händlerischer Seite aufgestellte Behauptung, daß gerade in den letzten Jahren sehr viel höhere Erträge erzielt worden seien, wenigstens für die Hauptfrucht, den Roggen, nicht. Im Jahre 1893 belief sich im deutschen Reiche der durchschnittliche Ernteertrag für den Hektar auf 14,9 dz. Dieser Ertrag ist nur bei der ungewöhnlich guten Ernten von 1898 mit 15.2 dz Durchschnittsertrag über- t»offen worden, während der Ernteertrag des Jahres !899 mit durchschnittlich 14,8 dz auf den Hektar da- öegen um etwas zurückblieb. Umgekehrt zeigt allerdings

des Bleisarges ganz vermorscht. Form und Dekoration der Beigaben gestatten, die ursprüngliche Beisetzung der Leiche für die Frühzeit des 13. Jahrhunderts anzu- nehmen. Ob man es mit der Leiche eines Kaisers zu thun hat, was sehr wahrscheinlich ist, wird die fort­schreitende Untersuchung feststellen.

Ausland

London, 22. Angust. Das Kriegsamt macht große Anstrengungen, um die Meldungen, nach welchen unter den kanadischen Soldaten in Südafrika zahlreiche Spione entdeckt wurden, welche den Buren Mittheilungen über die Bewegungen der englischen Truppen zugehen lassen, verheimlichen. Dem gegenüber stellen die Blätter fest, daß 20 Kanadier zu je 10 Jahren Gefängniß wegen Verraths verurtheilt worden sind.

China.Daily Mail" meldet aus Shanghai vom 21. d. Mts.: Nach blutigem Kampfe rückten die Verbün­deten in die heilige Stadt in Peking ein, nachdem durch Dy­namit eine Bresche in die Mauer gelegt worden war. 4000 eingeborene Christen unterstützten die Verbündeten offen. Die Fahnen der Verbündeten wehen jetzt über dem kaiserlichen Palast. Der Kampf in den Straßen, wo die Chinesen noch hartnäckigen Widerstand leisten, dauert noch fort. Die fremden Gesandten und die Detachements der Verbündeten befinden sich in der kaiserlichen Stadt. Die chinesischen Prinzen und die Minister zogen sich nach Singan'u zurück, westlich von Peking. Den Japanern gelang es erst im Morgengrauen des 15., das obere Thor zu sprengen, aber sie wagten sich zunächst nicht allzuweit vor, weil sie nicht stark genug waren. Die Kaiserin-Wittwe und Prinz Tuan waren nicht zu finden. Die Gesandtschaften hatten 67 Todte, meist Marinesoldaten aller Nationen, welche mit nicht genug zu rühmender Braveur und Ausdauer den Wall der Gesandtenstraße vertheidigt hatten. Alle Diplomaten stimmen darin überein, daß die Kaiserin-Wittwe unehrlich gehandelt habe und daß alle fremdenfeindlichen Unter­nehmungen in Peking auf die Ränke dieser Frau zurück- zuführen seien.

General Aamagushi meldet: Infolge Bombar- dierens des Alliirten brennt die cernirte innere Palast­stadt. Fanatiker sümpfen verzweifelt in dem Kaiserpalast, worin angeblich General Junglu den Kaiser vertheidigt. Die Chinesen behaupten, General Lipenheng mit zwei Generalen sei vor dem Palast gefallen; die Kaiserin sei bereits in Wtüaioan in Shansi mit Prinz Tuan und 30,000 Mann Eskorte eingetroffen.

Transvaal. Lord Roberts ist über alle Maßen ärgerlich; die Erfolglosigkeit der langwierigen Jagd auf Dewet allein erklärt diese Verdrießlichkeit garnicht zur Genüge; er muß auch sonst noch Mißgeschick gehabt laben. Eine von dem Generalissimus soeben erlassene Proklamation zeugt von einer nichts weniger als heiteren Gemüthsverfassung. Alle Personen, heißt es in dieser Proklamation, welche ihren Eid, neutral zu bleiben, brechen, machen sich der Todesstrafe oder einer Freiheits­oder Geldstrafe schuldig. Alle Burghers, welche inner­falb der britischen Okkupation wohnen, die den Neu­tralitätseid nicht gleistet haben, werden als Kriegsgefangene betrachtet und fortgeschafft. Alle Häuser und sonstige Gebäude der Farmen, die Feinde beherbergen, sollen dem Erdboden gleichgemacht und den Besitzern dieser Farmen Geldstrafen auferlegt werden. Ob Proklamationen im Sinne, wie General Roberts sie erlassen hat, für die britischen Interessen von Vortheil sind, ist zu bezweifeln. Für die fügsamen und schwächlichen Gemüther hat die Sache keinen Zweck denn von ihnen haben die Engländer überhaupt nichts zu befürchten. Jene aber, die sich nicht beugen wollen, werden dadurch nur zu immer erbittertem Widerstände getrieben, und was dann schließlich noch kommen kann, davon haben die britischen Generale ja schon einen Vorgeschmack in den so argen Verlegenheiten, die durch den vortrefflichen Burengeneral Dewet ihnen bereitet werden. Bezüglich der Robertsschen Proklama­tion sei schließlich noch bemerkt, daß sie den Regeln des Völkerrechts widerspricht und daher erst recht geeignet ist, böses Blut zu machen.

Amerika. Der Philippinenkrieg hat nach einer Zu­sammenstellung desNew Dort Herold" den Amerikanern bisher gekostet: in Gefechten getödtete Soldaten 533, den Wunden erlegen 193, an Krankheiten gestorben 1668 zusammen 2394 Verwundet im Ganzen 3073, Kosten in Geld 1867 Mill. Dollar. Ehe Truppen nach