SchlüchternerMtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
«A£ 67. Mittwoch, den 22. August 1900. 51. Jahrgang.
TlffldlmtA(M1 °uf ^e „Schlüchterner Zeitung" merben noc^ fortwährend von allen ............~ - Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Bekanntmachung.
Das Königliche Bezirks-Commando Fulda bringt hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß sich Unteroffiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes, welche freiwillig zur Verwendung nach China bereit sind, auch jetzt noch unter den in der diesseitigen Bekanntmachung vom 3. August er. gestellten Bedingungen bei ihrem zuständigen Bezirksfeldwebel melden können.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorstände werden ersucht, dies in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.
Fulda, den 16. August 1900.
Königliches Bezirks-Commando.
Aufruf!
Die Ermordung unseres Gesandten in Peking, die Niedermetzelung wehrloser Europäer, darunter vieler Deutschen, in China haben uns einen Kampf aufgedrängt, der, von den deutschen Schiffen draußen mannhaft ausgenommen, schon jetzt Tausende unserer tapferen Seeleute und umfangreiche Streitkräfte des deutschen Heeres nach Ostasien ruft.
Das ganze deutsche Volk begleitet sie mit heißen Segenswünschen und blickt mit Stolz und Bewunderung auf die Wackeren, die im fernen Osten für die Ehre des Vaterlandes ihr Leben einsetzen.
Damit darf es aber nicht genug sein.
Werkthätige Unterstützung muß den Kämpfen- den, ihren Angehörigen und den Hinterbliebenen derer, die auf dem Felde der Ehre fallen, zu theil werden.
Die geordnete Fürsorge des Reichs bedarf der Ergänzung durch eine umfassende Liebesthätigkeit des ge- sammten Volkes.
Die Unterzeichneten haben sich zu einem Deutschen Hilfskomitee für Dstuften vereinigt, das Hand in Hand mit den deutschen Vereinen vom Rothen Kreuz Mittel für diese Zwecke zu sammeln beabsichtigt.
Seine Majestät der Kaiser und König, Aller- höchstwelchem die Errichtung des Comitees gemeldet worden ist, hat unser Vorhaben freudig zu begrüßen. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin auf unsere Bitte das Protectorat zu übernehmen geruht; Seine Königliche Hoheit Prinz Heinrich von Preußen hat den Ehrenvorsitz unseres Comitees über hommen.
An die opferbereite Gesinnung aller Reichsangehörigen wenden wir uns mit der vertrauensvollen Bitte, uns die Erfüllung der übernommenen Aufgabe durch reichliche Gaben zu ermöglichen
Im Interesse einer einheitlichen Verwendung und im Einverständniß mit dem Central-Comitee der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz sind wir gern bereit, auch Uebertveifungen der an vielen Stellen bereits gebildeten örtlichen Hilfsvereine entgegenzunehmen.
Als Sammelstelle für uns einzutreten sind außer der Reichsbank die Reichsbank-Hauptstellen, die Reichsbankstellen und Reichsbanknebenstellen von dem Herrn Präsidenten des Reichsbank - Direktoriums ermächtigt worden. Ferner haben sich zur Uebernahme von Sam welstellen für uns zahlreiche Firmen in allen größeren Städten bereit erklärt.
Das Deutsche Hilfskomitee für Ostasien.
Das Präsidium:
Herzog von Ratibor, Graf von Lerchenfeld- Vorsitzender. Köfering,
Königl. Bayrischer Gesandter, Dr. P. D. Fischer, 1. stellvertr. Vorsitzender. Wirkl. Geheimer Rath, Emil Selberg, 2. stellvertr. Vorsitzender. General-Secretär.
Das Bureau beftndet sich: Berlin, Wilhelmstraße 68. ___ -
Aufruf.
Bei der ernsten Wendung der Ereignisse in China hat das Central-Comitee der unter Allerhöchstem Protektorat stehenden Deutschen Vereine vom Rothen Kreuz "'<bt gesäumt, die Unterstützung der amtlichen SanitätS- östege durch die Vereinsorganisation dem Reichs Marine- °Mt anbieten zu lassen.
Dieses Anerbieten ist angenommen worden.
Deutsches Reich.
Berlin. Das Kaiserpaar wird am 24. August Wilhelmshöhe verlassen und von dort nach dem neuen Palais bei Potsdam übersiedeln. — Das Befinden der Kaiserin Friedrich ist recht befriedigend. Alle Meldungen von der Erkrankung der Kaiserin sind unbegründet.
— Der Samstag in Cassel war gleichzeitig zwei bedeutungsvollen Ereignissen gewidmet, der Verabschiedung des GeneraUeldmarschalls Grafen Waldersee vor seiner Ausreise nach China und dem siebzigsten Geburtstage des dem deutschen Reiche so eng verbündeten Kaisers Franz Joseph. Beider Momente hat Kaiser Wilhelm in ernsten Ansprachen gedacht, denen der Hinweis auf das große Unternehmen in China gemeinsam ist, welches Deutschland nebst seinen Alliirten bis zum Ende energisch durchzuführen entschlossen ist. Des Kaisers Anrede an die Offiziere des Oberkommandos erfolgte im Residenz- schlosse zu Cassel bald nach dem Eintreffen des Monarchen, der dem Heerführer zugleich dem Feldmarschallstab überreichte. In der Rede betonte der Kaiser besonders das warme Einvernehmen mit dem Zaren Nikolaus, der Waldersees Ernennung augeregt und damit die traditionelle preußisch-russische Waffenbrüderschaft erneuert habe. Des Zaren auf der Haager Friedenskonferenz nicht erfüllter Wunsch, eine dauernde Verständigung der zivilisirten Mächte unter einander herbeizuführen, werde vielleicht durch einen gemeinsamen Feldzug besser gefördert werden.
— 20. Aug. General- Feldmarschall Graf Walder- hat heute Vormittag 7 Uhr 40 Min. mit seinem Stäbe die Reise nach China angetreten. Zur Verabschiedung hatten sich zahlreiche hohe Persönlichkeiten der Diplomatie und viele Angehörige des Militärs und höhere Offiziere eingefunden.
— Ueber die Zusammensetzung der neuen China- Brigade sind nunmehr endgültige Bestimmungen getroffen worden. Der Kaiser hat die Mobilmachung von 4 Infanterie-Bataillonen, einer Eskadron, 4 Feldbatterien, zwei Gebirgsbatterien, einer schweren Batterie, — die Artillerie ist durchweg mit dem neuesten Kruppschen Material ausgerüstet —, einer Pionier-Kompagnie und zwei Eisenbahnkompagnien befohlen. Zu diesen Truppen treten dir erforderlichen Munitionskolonnen und Trains Die ^Besetzung der Kommandostellen erfolgt in diesen Tagen. Die Zusammensetzung dieser neuen Formation unterscheidet sich von den bisher entsandten Truppen
Die dadurch, daß besonders Mannschaft,n des Beurlaubten-
erste Senduug reichhaltiger Materialien für Verpflegungszwecke, die Gestellnng von freiwilligem Personal für Lazarethpflege, sowie die Errichtung zunächst eines überseeischen Vereins-Lazareths sind in Vorbereitung.
Das Central-Comitee erachtet es für seine Pflicht, allen Kreisen in Deutschland, welche an dem Loos unserer braven Truppen herzlichen Antheil nehmen, hiervon Kenntniß zu geben.
Beiträge zur Verwendung für die obengenannten Bedürfnisse nimmt die Schatzmeisterkasse des Central-Komites, Königl. Haupt-Seehandlungskasse, Berlin W., Jägerstraße 21, entgegen.
Die Bildung weiterer Sammelstellen ist erwünscht. Das Central-Comitee
der Deutschen Vereine vom Rothen Kreuz:
B. von dem Knesebeck, Vorsitzender.
von Spitz, Dr. Koch,
General der Infanterie z. D. Präsident des Reichsbank-
1. stellvertr. Vorsitzender. Direktoriums, Wirklicher Geheimer Rath, 2. stellvertr. Vorsitzender.
Havenstein, Dr. Lieber,
Präsident der Seehandlung, Generalarzt a. D.
Schatzmeister Generalsekretär.
Vorstehenden an alle Deutschen Landes-Vereine vom Rothen Kreuz gerichteten Aufruf des Deutschen Central- Comitees bringe ich mit der Bitte um Gewährung von Spenden aus allen Kreisen hiermit zur öffentlichen Kenntniß. Der stellvertretende Schatzmeister vom hiesigen Zweigverein vom Rothen Kreuz, Kreis-Ausschußsekretär Schaefer, ist bereit, die für diesen Zweck bestimmten Gaben, über welche in der Presse Rechnung gelegt werden wird, zu jeder Zeit entgegen zu nehmen.
Schlüchtern, den 20. August 1900.
Der Vorsitzende des Zweigvereins vom Rothen Kreuz: Roth, Geheimer Regierungsrath.
standes, die sich freiwillig meldeten, berücksichtigt wurden, damit die aktive Armee nicht weiter geschwächt werde. Die Abreise dieser neuen Chinabrigade erfolgt, wie bereits bekannt, am 31. August, am 4. und am 7. September. — Bei dem nächsten Truppentransport nach China werden sich keine unmündigen Leute, die sich gegen den Willen ihrer Eltern oder Vormünder als Freiwillige für das Expeditions-Korps melden, mehr befinden. Diese Anordnung ist eine Folge der Mißhelligkeiten, die den Behörden aus dem Einspruch gegen die Erklärung einiger Freiwilliger seitens der Eltern oder Vormünder derselben erwachsen waren.
— Der Berliner Mützenfabrik Gaertner ist vom Kriegsministerium der schleunige Auftrag zur Lieferung von 10000 Stück Mützen für unsre Chinarruppen ertheilt worden, da sich die neu eingeführten Strohhüte nicht bewährt haben. Die Strohhüte waren bekanntlich an Stelle der unbrauchbaren Tropenhelme getreten. Ein überseeischer Krieg im großen ist eben von unseren Truppen noch nicht geführt worden, und da müssen die Heeres- und Marinverwaltungen nun Lehrgeld zählen^ Sobald kühlere Witterung eingetreten ist, werden in der Spandauer Armeekonservenfabrik 3000 Ochsen bester Qualität geschlachtet werden, aus dem Fleische werden Konserven hergestellt. — Die Sauerländische Schlächterei-Genossenschaft zu Niederbergheim erhielt vom Kriegsministerium den Auftrag zur sofortigen Lieferung von 10 000 Kilogramm ihrer besten Fleischdauerwaaren, welche für das deutsche Expeditionskorps nach China versandt werden müssen.
— Ueber die Ankunft der Seebrigade in China wird dem „Berl. T." geschrieben: Die Ankunft der ersten Verstärkungen aus der Heimath in Tsingtau ist ein freudiges Ergebniß, zumal seit dem 4. August keine Nachricht über die Fahrt der Schiffe „Fürst Bismarck", „Wittekind" und „Frankfurt" eingetroffen war. Die Flotille erhielt in Singapore eine andere Segelordre, so daß sie ohne Hongkong anzulaufen nach Kiautschou dampfte. Die Chinafahrt des Panzerkreuzers „Fürst Bismarck", dem ein so düsteres Prognostikon gestellt wurde, erweist sich nach einem Vergleich mit den Leistungen unserer besten Kreuzer als sehr befriedigend. Nur ein Schiff, die „Kaiserin Augusta", der schnellste Kreuzer unserer Marine, jat den Weg in kürzerer Zeit, in 41 Tagen, zurückgelegt. Dagegen hat der „Fürst Bismarck" die Leistung der „Prinzeß Wilhelm", die seiner Zeit Aufsehen erregte, überflügelt. Die Fahrt des Schiffes verzögerte sich dadurch um drei Tage, daß es in «singapore die Ankunft des „Wittekind" und „Frankfurt" abwarten mußte, um den Transportdampfern durch das chinesische Seegebiet als Deckung zu dienen. Die 41tägige Fahrt der beiden Schiffe ist eine günstige gewesen. Nur im Rothen Meer hatten die Mannschaften sehr unter einer überaus großen Hitze zu leiden, und zwischen Aden und Colombo traten heftige Stürme auf.
— Ueber die Verpflegung des ostasiatischen Expeditionskorps auf der Fahrt nach China theilt ein Techniker aus Spandau, welcher beim Telegraphenbataillon in Frankfurt a. O. diente und jetzt als Freiwilliger der Telegraphenabtheilung des Expedionskorps angehört, in einem Briefe an seine Eltern, der als „Feldpostbrief" am 7. August in Port Said aufgegeben ist und gestern in Spandau eintraf, Folgendes mit: Das Essen ist großartig. wir erhalten Morgens Kaffee, Biskuit, Butter, Pumpernickel; als Frühstück Butter, Brod, Wurst, Kakao; zu Mittag Suppe, Fleisch, Kartoffeln, Kompot, sowie dreimal in der Woche Bier; zum Vesper Kaffee, Biskuit, Kales und als Abendbrod Suppe oder Butter, Brod, Thee. Das Essen ist kräftig zubereitet und wird in reichlicher Menge verabreicht. Unteroffiziere und Mannschaften erhalten gleiche Kost. Die Speisen werden von Angestellten des Norddeutschen Lloyd hergerichtet.
— Die Preisrichter der Pariser Weltausstellung haben in dieser Woche ihr schwieriges Arbeitswerk vollendet und am 18. August fand in Paris die große offizielle Preis- vertheilung statt. Deutschland soll auf der Pariser Weltausstellung annähernd 250 große Preise errungen haben. Unter den Ausgezeichneten befindet sich auch Altmeister v. Menzel, ferner die Reichsdruckerei und die Ausstellung der Uniformen.
PotSdam. Auch ein Freundschaftsdienst. Unter den bei einem Potsdamer Garde Kavallerieregiment eingezogenen Reservisten erregte ein Mann dadurch die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten, daß er sich bei allen kavalleristischen