MWerner Zeitung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 66. Samstag, den 18. August 1900. 51. Jahrgang.
iltftdlltttAOtt auf die „Schlüchterner Zeitung" yHlvUUliyvIl werden noch fortwährend von allen
-' —....... Postanstalten und Landbri esträgern owie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Eine Erkrankung der Kaiserin Friedrich wird der „Berliner Volkszeitung" aus London gemeldet. Obgleich man die Angelegenheit sehr geheim hält, so verlautet doch, daß im Kreise der königlichen Familie große Be- sorgniß über das Befinden der Kaiserin Friedrich herrscht; sowohl Kaiser Wilhelm als die Königin von England sollen tief bekümmert sein über die andauernde und ernste Krankheit der Kaiserin.
— Der bei der Erstürmung der Tukaforts am 17. Juni schwer verwundete Kapitän Lans des deutschen Kanonenbootes Iltis" hat an seine Verwandten in der Heimath wenige Tage nach dem Gefecht Briefe geschrieben, in welchen sich folgende charakteristische Stelle findet: „17 Volltreffer an Granaten (12-24 Centi- meter Kaliber) haben wir bekommen, von denen die bei weitem größere Zahl im Schiff krepiert ist und hier leider so viele meiner braven Leute getödtet oder verwundet hat. Und welcher Hohn! Alle feindlichen Geschütze und Geschosse kommen aus unserer Heimath; es sind alles moderne Schnellladekanonen von Krupp." Die Krupp'schen „Bert. Neuest. Nochr." drucken die Briefe des Kapitäns Lans ab, unterdrücken aber ebenso wie der „Berl. Lokalanz." den obigen Stoßseufzer eines tapferen Offiziers über die Hinmordung deutscher Soldaten durch Geschütze aus deutschen Fabriken!
— Der Fall Prinz Arenberg. Es find Briefe von Offizieren aus Windhoek in Berlin eingcgangen, aus welchen hervorgeht, daß der bekannte Prinz Arenberg schon bald nach seiner Ankunft sowohl mit seinen Kameraden, wie auch mit seinen Vorgesetzten recht unliebsame Differenzen gehabt hat; er bereitete infolge dessen auch dem Oberstleutnant Lcutwein viel Aerger und Verdruß, und man weinte dem Prinzen keine Thräne nach, als man ihn endlich nach Deutschland zurückjenden konnte.
— Eine massenhafte Einführung von österreichischen Guldcnstückcn ist in der jüngsten Zeit in Berlin beobachtet worden und dürfte auch bald ihre Wirkung weiter geltend machen. Ueberall tauchen die unseren Zweimarkstücken so ähnlichen Guldenstücke auf und werden statt unserer heimischen Münze in Zahlung gegeben Während früher nur vereinzelte Exemplare hin und wieder zu finden waren und infolge der Unachtsamkeit des Publikums an den Mann gebracht wurden, sind jetzt zahllose Fälle zu verzeichnen, wo ein Guldenstück statt des Zweimarkstücks eingeschmuggelt worden ist. Das ist für den Emofänger sehr empfindlich, denn das österreichische Geldstück hat nur den Werth von 1,45 Mark. Der Empfänger büßt also dabei 55 Pfg. ein. Dabei macht es immerhin große Mühe, das Guldenstück wieder los zu werden, denn selbst die Banken nehmen nur mit Widerstreben österreichische Münzen an. Es liegt deshalb wohl im allgemeinen Interesse, das Pub likum zu warnen und auf den Unterschied zwischen den zwei Geldarten hinzuweisen. Die zwei Stücke sind leicht durch den Rand zu unterscheiden, der bei dem Zweimarkstück gerippt und bei dem Guldenstück glatt ist.
— Die Aussichten für die Gestaltung des Arbeits Marktes werden zusehends, wie es in der Zeitschrift »Der Arbeitsmarkt" heißt, trüber. Aus den Bezirken der rheinisch westfälischen Eisenindustrie wird ein starkes Nachlassen des Beschäftigungsgrades gemeldet. Während die großen Werke noch gut beschä tigt bleiben, leiden die Mittleren und kleinen thatsächlich Noth um Arbeit, utld » zeigt sich keine AuSsicht, daß diese Verhältnisse sich bessern könnten. Die Lager füllen sich in bedenklicher Weise, und eS bleibt schließlich nur ein Mittel: möglichste Betriebseinschränkung. Gleich ungünstig liegen die Verhältnisse im Bau- und Textilgewerbe, in der Leder- und auch einem Theil der Ccmentindustrie. Wenn trotzdem die Ungunst auf dem ArbeitSmarkt selbst im Monat Juli sich im Vergleich zum Vormonat nicht noch wesentlich verschlechtert hat, so liegt das daran, daß die Landwirth- schafl jetzt zahlreiche Arbeitskräfte absorbirt und das An- Sebot auf dem Arbeitsmal kt nicht anschwellen läßt.
Hamburg. Der Hamburger Schnelldampfer „Deutschland , welcher gestern Morgen von Newyork kommend wohlbehalten in Plymouth eingetroffen ist, hat die Reise
in 5 Tagen 11 Stunden und 45 Minuten zurückgelegt. Das Schiff erzielte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von von 23'/z Meilen per Stunde und überschritt damit den auf der letzten Reise schon geschaffenen Rekord als schnellster Postdampfer der Welt.
Bremen. Die Nachricht von der Hinaussendung weiterer Truppen nach China bestätigt sich. Wie die ..Weserztg " meldet, hat die Regierung beschlossen, die deutschen Streitkräfte in China abermals um circa 7000 Mann zu verstärken, welche bereits Ende dieses Monats und in den ersten Tagen des September nach Taku abgehen sollen. Die Einschiffung der Truppen wird wiederum in Bremerhaven stattfinden; die technische Organisation wird dieselbe sein wie bei den früheren Transporten. Für die Beförderung der Truppen sind von dem Norddeutschen Lloyd bte Dampfer „Krefeld", „Darm stadt", „Hannover" und „Roland", von der Hamburg- Amerika-Linie die Dampfer .Andalusia", „Arkadia", „Palatia" und „Valdivia" gechartert worden. Die Expedition der Schiffe wird in drei Gruppen von drei, zwei und drei Dampfern erfolgen, und zwar am 31. August, 4 und 7. September. Die Zusammensetzung der Transporte und Vertheilung derselben auf die einzelnen Schiffe ist noch nicht sicher bekannt. Die Abfertigung der sämmtlichen Dampfer liegt auch dieses Mal wieder in den Händen des Norddeutschen Lloyd.
Dresden. Laut Luzerner „Vaterland" wird Prinz Max von Sachsen in den Lehrkörper der katholischen Universität (Dominikanerschule) zu Freiburg in der Schweiz eintreten. — Das m Dresden abgehaltene deutsche Bundesschießen wird nach vorläufiger Schätzung einen Fehlbetrag von 60- bis 100,000 M. ergeben.
Aus Roßlau wird berichtet: In einem Abtheil vierter Klasse eines Eisenbahnzuges der Linie Magdeburg—Dessau—Leipzig fuhr am Freitag eine alte, ländlich gekleidete Frau, welche unaufhörlich weinte und laut schluchzte. Die Mitreisenden sprachen tröstend auf die Frau ein und fragten nach der Ursache ihres Kummers. Es währte geraume Zeit, bis die Aermste folgende traurige Geschichte zum besten gab: Sie war Wittwe und Eigen- thümerin eines schuldenfreien Häuschen in einer Stadt im sächsischen Voigtlande. Ihr einziger Sohn, der sich durch Liebeshändel in der Heirath in mißliche Verhält nisse gebracht, bestürmte die Mutter, daß sie ihr Haus verkaufen und mit ihm nach Amerika übersiedeln solle Im Anfang fand er kein Gehör, endlich gab die Fran nach und glaubte den Versicherungen, daß ihnen drüben das Glück blühe. Das Häuschen wurde vor einigen Wochen verkauft, ebenso das Mobiliar, und dann damp'ten Mutter und Sohn nach Hamburg ab. Hier angelangt, suchten beide einen Gasthof auf, dann machte sich der Sohn auf den Weg, um Ueberfahrtskarten zu lösen. Der Abend, die Nacht und der nächste Vormittag verging, ohne daß der Sohn zurückkehrte. Die Wirths- leute machten darauf aufmerksam, daß am Morgen ein Schiff nach Amerika ausgefahren sei, welches sie hätten benutzen müssen Mit Hilfe der Wirthschaftsleute wurden dann Nachforschungen angestellt, welche ergaben, daß der saubere Sohn, der das kleine Kapital der Mutter bei sich trug, ohne die Letztere die Ueberfahrt angetreten hatte. Mitleidige Menschen bezahlten die Gasthofsrechnung und ermöglichten der alten Frau die Rückfahrt in die Heimath, wo sie, völlig mittellos, auf die öffentliche Unterstützung angewiesen ist. Die Frau bürste den Streich ihres Sohnes nicht lange überleben. Der saubere Patron aber findet vielleicht dort drüben den Lohn für die Schandthat, seine Mutter im Alter zur Bettlerin gemacht zu haben.
Hürde. Ein Arbeiter von hier, dem der Arzt Morphiumtropfen verschrieben hatte, beachtete die Vorschriften nicht, sondern trank den ganzen Inhalt der Flasche auf einmal aus. Der unvorsichtige Mann hauchte unter gräßlichen Schmerzen schon nach kurzer Zeit seinen Geist aus.
Augsburg. Gold im Fichtelgebirge. In den vereinigten Erzgruben bei Kup'erberg (Fichtelgebirge) hat man außer den sehr gehaltreichen Kupfererzen nun auch eine Kiesschicht angebrochen, die nach einer Angabe in der Augsb. Abendzeitung bei einem Zentner Erz 17 Gramm reines Gold aufweist. In den Werken wurde schon vor 400 Jahren Gold und Kupfer gefunden.
Pforzheim. Eine kräftige Abbitte leistet im „Pforz- heimer Anzeiger" die Frau eines Angestellten in Pforzheim, Sie schreibt: Ich erkläre hiermit, daß alle von
mir gemachten Schulden ohne Wissen und Willen meines Mannes durch mein leichtfertiges, verschwenderisches Wirthschaften entstanden sind. Ich werde stets seitens meines Mannes reichlich mit Geldmitteln versehen und hätte bei häuslicher Brwirthschaftung noch Geld erübrigen können. Es thut mir sehr leid, meinem Ehemanne gegenüber so gehandelt zu haben, und bedauere sehr, daß dessen ehrbarer Name durch mein leichtfertiges Verschulden so belastet wurde. Karoline N., geb. D.
- Ausland
Algier. Wie der ^ -E meldet, besetzte General Serviere, als er von —^Tg Tidikelts zurück-
kam und nur von einet -^^ang Eingeborener begleitet wurde, ohne Schuß Adrar, die bedeutenste Stadt von Timmi, welche halbwegs zwischen Tidikclt und Gouara in der Sahara liegt. Die Gegend bei Adrar ist sehr reich. General Serviere meldet, man habe über Tuat hinaus eine ununterbrochene Reihe von Oasen gefunden, die stark bevölkert und gut bebaut waren. Das Klima ist sehr gesund und Wasser reichlich vorhanden.
China. Eine Depesche aus Shanghai vom Dienstag Nachmittag besagt: Ein authentisches Telegramm aus Peking vom 7. August ist hier eingetroffen. Dasselbe lautet: Die Angriffe auf die Gesandtschaften sind erneuert. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist eingestellt. Die Behörden hierselbst fürchten, daß die Nachrichten über das Vorrücken der alliirten Truppen den Fanatismus ins Grenzenlose gesteigert haben. — Am letzten Donnerstag stand das Expeditionskorps 30 (englische) Meilen von Peking, am Sonnabend nur noch 20 Meilen. Alle Sachverständigen glauben, daß die Alliirten Sonntag Abend vor den Thoren von Peking stehen. Die Vizekönige Li-Hung-Tschang, Linkungi und TschangDschitung haben die Kaiserin-Wittwe ermähnt. in der Hauptstadt zu bleiben und unter keinen Umständen vor den anrückenden Fremden zu fliehen. — Eine Depesche des „Bü rau Dalziel" aus Shanghai meldet, daß die Chinesen am 8. August verzweifelte Angriffe auf die nur schwach vertheidigten Gesandtschaften machten. Prinz Tuan und hundert hohe Beamte hätten Pecking verlassen, ebenso zahlreiche Einwohner. Als der Sieg der Alliirten bei Peitsang vom 5. August bekannt geworden sei, begann die Flucht. Aulu, der ehemalige Vizekönig von Tschili, ist bei Aangtsun gefallen. — Nach einer Petersburger- Depesche der „Times" vom 14. d. Mts. marschirten die Alliirten auf Muchang. ohne großen Widerstand zu finden. Die chinesischen Truppen sind bei Hsiangho und Hasten konzentrirt, wo es zur Schlacht kommen dürfte. Die Artillerie hat Mühe, auf den schlechten Straßen ihre Geschütze vorwärts zu bringen. Die Japaner sind mit der Ausbesserung der Straßen beschäftigt. — Aus Hongkong vom 13. b. M. wird gemeldet: Die Chinesen entwickeln in der Ausdehnung der Vertheidigungswerke Cantons eine erhöhte Thätigkeit. Das alte Lehmfort wird wieder armirt. Chinesische Berichte sagen, die Bogue-Forts würden zweifellos das Feuer eröffnen, falls noch weitere Kriegsschiffe nach Canton entsandt werden. Wie gemeldet wird, geht der amerikanische Monitor „Monterey" in wenigen Tagen nach Canton, um „Don Juan d'Austria" zu Hilfe zu kommen. Die Chinesen sagen, es sei zehn gegen eins zu wetten, daß bei der Annäherung des Monitors „Monterey" die Bogue- Forts das Feuer eröffnen werden. Man sagt, die Bewohner Cantons seien beunruhigt wegen der Anwesenheit einer so großen Zahl von chinesischen Truppen in der Nähe der fremden Niederlassungen in Shamien. Man fürchtet, der kleinste Anstoß könne zum Blutvergießen führen. Der britische Kreuzer „Argonaut" und der russische Kreuzer „Nachimow" sind von Singapore eingetroffen. — Nach einer Meldung der „Daily Mail" aus Petersburg gaben die Russen bei Aigun, wo der Aufstand in der Nordost-Mandschurei niedergeschlagen wurde, keinen Pardon. Nach der Schlacht, worin 4000 Russen unter dem Feuer aus 31 Kruppgeschützen gegen 15 000 Chinesen kämpften, ritten die Kosaken über das Schlachtfeld und tödteten alle verwundeten Chinesen. — In der Entsendung indischer Truppen nach China dürften erhebliche Störungen durch den Ausbruch der Cholera in verschiedenen Regimentern eintreten. Die 14. Sikhs und das aus 1000 Mann bestehende Träger- korps sind zurückbehalten, da 20 Mann auf dem Transport starben. Ebenso ist das für China bestimmte Shropshtre-Jnfanterieregiment, welches in Poona garni-