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Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mit «Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

63. Mittwoch, den 8. August 1900. 51. Jahrgang.

NostollltHHOH auf dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen " - Postanstalten und Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Bekanntmachung.

Nach Allerhöchster Kabinets-Ordre vom 27. Juli 1900 ist die Feststellung der Zahl der zu einer Verwendung in China bereiten, tropendienstfähigen Unteroffiziere und Mann­schaften des Beurlaubtenstandes bestimmt worden. Es ist in Aussicht genommen, daß die sich meldenden Leute außer den zustän­digen Gebührnissen Kapitulationshandgeld, sowie Löhnungszuschuß empfangen und sich auf etwa 1 Jahr zu verpflichten haben.

Sämmtliche Unteroffiziere und Mann­schaften des Beurlaubtenstandes, welche sich zu einer Verwendung in China freiwillig bereit erklären, haben sich schriftlich oder mündlich unter Vorlage ihrer Militärpa­piere bei ihrem zuständigen Bezirksfeld­webel sofort spätestens aber bis zum 18. August d. I. zu meldem

Die Herren Bürgermeister und Guts­vorstände werden ersucht, dies umgehend in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Fulda, den 3. August 1900.

Königliches Bezirks-Commando. Reimers, Oberstleutnant z. D. und Kommandeur des Landwehrbezirks Fulda.

Des Kaisers Meerpredigt.

Der Kaiser ist bekanntlich als König von Preußen oberster Bischo: der protestantischen Landeskirche Preußens. In dieser letzteren Eigenschaft ist der Monarch bislang nur selten hervorgetreten; nur an Bord seiner Macht Hohenzollern" pflegt Kaiser Wilhelm hier und da seine kirchlichen Rechte durch gottesdicnstliche Ansprachen an Mannschaft und Offiziere wahrzunehmen. Ein solcher Vorgang liegt auch jetzt wieder vor, da den Blättern der Wortlaut einer durch Form und Inhalt gleichbe­deutenden, das innerste Denken und Wesen des Kaisers wiederspiegelnden Schiffspredigt zugeht. Am verflossenen Sonntag war es, als der Kaiser vor Helgoland an Bord der «Hohenzollern" in Gegenwart der Kaiserin eine von unerschütterlicher Glaubensfreudigkeit zeugende, tiefergrei­fende Predigt hielt, deren Inhaltdie heilige Pflicht und die heilige Macht der Fürbitte" behandelte; ihr lag als Text zu Grunde 2. Mose 17, V. 11:So lange Moses seine betenden Hände emporhielt, siegte Israel; wenn er aber seine Hände niederließ, siegte Amalek".

Ein ergreifendes Bild ist es", so begann der Kaiser wörtlich,das unser heutiger Text uns vor die Seele malt. Da zieht Israel hin durch die Wüste, vom Rothen Meere zum Berge Sinai. Aber plötzlich tritt ihnen das heidnische Amalekitervolk in den Weg, will ihnen den Durchgang wehren, und es kommt zur Schlacht. Josua führt die junge Mannschaft in den Streit, die Schwerter klirren aneinander und ein heißes, blutiges Ringen be­ginnt im Thale Raphidim Aber siehe, während der Kampf hin und her wogt, steigen die frommen Gottes- Männer Moses, Aron und Hur hinauf auf die Berges­höhe, sie strecken ihre Hände empor zum Himmel: sie beten. Drunten im Thale die kämpfende Schaar, droben auf dem Berge die betende Schaar das ist das hei­lige Schlachtenbild unseres Textes."

Wer verstünde heute nicht, was es uns sagen will! Wiederum hat sich ja heidnischer Amalekilergeist geregt im fernen Asien mit groß Macht und viel List, Mit Sengen und Morden will man dem Durchzug eu­ropäischen Handels und europäischen Geistes will man dem Siegeszug christlicher Sitte und christlichen Glaubens wehren. Und wiederum ist Gottes Befehl ergangen:Erwähle Dir Männer, zeuch aus und streitet wieder Amalek!" Ein heißes, blutiges Ringen hat begonnen, schon stehen viele unserer Brüder drüben im feindlichen Feuer viele fahren §en feindlichen

Küsten zu und Ihr habt sie gesehen, die Tausende, die auf den Ruf:Freiwillige vor! Wer will des Reiches Hüter sein" sich jetzt sammeln, um mit fliegenden Fahnen mit einzutreten in den Kampf. Aber wir, die wir zu­rückbleiben müssen, in der Heimath, die wir durch an­dere Pflichten gebunden sind, sagt, hört Ihr nicht den Ruf Gottes, der an Euch ergeht und der es Euch sagt: Steige hinauf auf den Berg! Hebe Deine Hände empor zum Himmel! Das Gebet des Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist!" Wohlan denn: drüben in der Ferne die Schaaren der Kämpfer, hier in der Heimath die Schaaren der Beter das sei das heilige Schlachtenbild auch unserer Tage. Mahne denn diese stille Morgenstunde, sie mahne uns an die heilige Pflicht der Fürbitte.

Der Kaiser schilderte dann, wie leicht Frische und Begeisterung der jungen Krieger ermatten, wenn es hingeht in die Gluthhitze des Rothen Meeres oder in die Sturzwellen des Oceans, wie leicht Fröhlichkeit und Kraft erlahmen unter den langen Märschen in Sonnen­brand, in den langen Biwaknächten im Regen. Dann fuhr der Kaiser wörtlich fort*.

Gewiß, ein langersehnter Augenblick, wenn endlich der Tambour anschlägt zum Sturm und die Trompeten blasen zum Streit, wenn das Kommando ertönt:Vor­wärts auf den Feind!" Aber wenn dann im Donner der Geschütze und beim Sprühen der Granaten die Kameraden fallen zur Rechten und Linken und die feindlichen Batterien wollen nicht weichen, wie leicht fängt da auch das tapferste Herz zu beben an!"

Christen, damit unsere Brüder da draußen fröhlich bleiben, auch in der drückendsten Noth, treu bleiben auch in der schwersten Pflicht, unverzagt bleiben auch in der größten Gefahr dazu brauchen sie mehr als Muni­tion und scharfe Waffen, auch mehr als jugendlichen Muth und flammende Begeisterung, dazu brauchen sie Segen von oben, Lebenskräfte und Siegesmächte von oben sonst können sie nicht gewinnen und den Sieg behalten und diese himmlische Welt, sie öffnet sich nur dem Gebet. Das Gebet ist der goldene Schlüssel zur Schatzkammer unseres Gottes. Aber wer ihn hat, der hat auch die Verheißung :Wer da bittet, der empfängt". Oder wollen wir etwa die Hände müßig in den Schoß legen? Wehe uns, wenn wir träge und lässig'wären, während sie das harte, blutige Handwerk treiben! Wehe uns, wenn wir hinter den Schranken dem großen Schau­spiel nur neugierig zusahen, während sie ringen im heißen Todcskamp'e! Das wäre Karns Geist mit der grausamen Sprache:Soll ich meines Bruders Hüter sein!' Das wäre Treulosigkeit gegen unsere braven Brüder, die ihr Leben einsetzen!"

Nimmermehr! Wir wollen nicht nur Bataillone von Kriegern mobil machen, nein auch eine heilige Streit­macht von Betern. Ja, wie viel gibt es doch für unsere ins Feld ziehenden Brüder zu erbitten und zu erflehen. Sie sollen der starke Arm sein, der die Meuchelmörder bestraft; sie sollen die gepanzerte Faust sein, die in das wüste Treiben hineinfährt; sie sollen mit dem Schwerte in der Hand eintreten für unsere heiligsten Güter."

Der Kaiser mahnte zum Gebet, damit Gottdie Krieger zu Helden und die Helden zu Siegern und sie dann mit dem Lorbeer um den Tropenhelm und mit dem Ehrenzeichen auf der Brust heimbringe in das Land ihrer Väter'.

Der Kaiser behandelte dann die heilige Macht der Fürbitte:

Oder glauben wir etwa nicht an die heilige Macht der Fürbitte?! Nun denn, was sagt unser Text?So lange Moses seine Hände emporhielt, siegte Israel!". Die heißen Gebete eines Moses machten die Schwerter des Feindes stumpf, sie schoben sich wie ein Keil in die feindlichen Schlachtreihen, brachten sie inS Wanken und hefteten den Sieg an die flatternden Fahnen Is­raels. Und wenn das die Gebete eines Moses vollbracht, sollten nicht auch unsere Gebete solches vermögen! Gott hat keine Silbe von seinen Verheißungen zurückgenommen treue Gebete können noch heute die Dracheubanner in den Stand werfen und die Kreuzesbanner auf die Mauern pflanzen."

An die Nachricht der Bibel, daß Abraham mit seinem Flehen Lothcrausgebctct" habe aus der brennenden Stadt Sodom knüpfte der Kaiser die Frage:Und sollte es da nicht unseren Gebeten auch gelingen, unsere käm-

!« pfenden Kameraden herauszubeten aus dem Feuer der Schlachten! Blick' hin, dort in Jerusalem liegt die junge Christengemeinde auf den Knien ihr Führer, ihr Vater liegt gefangen im Kerker und siehe, mit ihren Gebeten rufen sie den Engel Gottes ins Gefängnis und er führt den Petrus unversehrt heraus. Und unsere Gebete sollen nicht die Kraft haben, noch heute die Thüren der Bedrängten, Gefangenen, Verfolgten zu sprengen und ihnen die Engel zur Seite zu stellen?"

Ja, der alte Gott lebt noch", fuhr der Kaiser fort, Der große Alliirte regieret noch der heilige Gott, der Sünde und Frevelthaten nicht kann triumphiren lassen, sondern seine heilige Sache führen wird wider ein un* heiliges Volk der allmächtige Gott, der durch die stärksten Mauern greifen kann, als waren es Spinnge­webe, der die größten Massen zerstreuen kann wie Sand­haufen der barmherzige, getreue Gott, der das Wohl und Wehe seiner Kinder auf seinem Vaterherzen trägt . . . Ja, treue, anhaltende Gebete, sie holen den le­bendigen Gott vom Himmel herab und stellen ihn in unsere Mitte. Und ist Gott für uns, wer mag wieder uns sein! Wohlan denn! Droben in den Tauern hängen seltsame Glocken auf Bergcshöh'! Von keines Menschenhand werden sie geläutet. Still und stumm hängen sie im Sonnenschein. Aber wenn der Slrrmwind kommt, dann beginnen sie zu schwingen, heben an zu läuten, und ihre Glockenklänge hört man weit hinab ins Thal. Gott der Herr hat in jedes Menschenherz die Gebetsglocke hinein­gehängt. Doch, im Sonnenschein und Glück des Lebens, wie oft hängt sie still und stumm! Wenn aber der Sturmwind der Noth hervorbricht, dann hebt sie an zu klingen. Wie mancher Kamerad, der das Beten verlernt, wird drüben im Kampf auf Leben und Tod doch wieder die Hände falten. Noth lehrt beten! So solle es auch in der Heimath sein!...... Wie unsere Väter einst in Kriegszeiten an jedem Abend die Glocken läuteten und bei ihren Klängen die Häupter entblößten und be­teten :Ach bleib bei uns Herr Jesu Christ, weil eS nun Abend worden ist" so laßt auch uns an keinem Tage die Fürbitte vergessen . . Laßt unsere Gebete eine feuerige Mauer sein um das Lager unserer Brüder! Wie wird es sie stärken, begeistern, entflammen der Gedanke: Tausende, nein, Millionen daheim tragen uns auf betendem Herzen. Der König aller Könige ruft: Freiwillige vor! Wer will des ReichesBeter sein! O wenn es auch hier hieße: Der König rief und Alle, Alle kamen! Fehle kein einziger von uns!Der ist ein Mann, der beten kann." Die Weltgeschichte wird einst die Kämpfe dieser Tage beschreiben. Aber der Mensch sieht nur, was vor Augen ist, er kann nur sagen, was die Weisheit der Führer, der Muth der Truppen, was die Schärfe der Waffen gethan. Aber die Ewigkeit wird einst noch mehr offenbaren sie wird es zeigen, wie die verborgenen Gebete der Gläubigen eine Großmacht gewesen in diesen Kämpfen wie sich wiederum erfüllt die alte Verheißung: Rufe mich an in der Noth, so will ich Dich erretten." Und darum: Haltet am Gebet! Amen.

Mit einem Gebet schloß der Kaiser:Wir wagen es auf Dich! Führe Du uns an im Kampf! Wir rühmen, Herr, daß Du uns hilfst und in Deinem Namen werfen wir Paniere auf. Herr, wir lassen Dich nicht, Du segnest uns denn! Amen!"

Deutsches Reich.

Berlin. Nächsten Freitag Morgen trifft der Kaiser in Mainz ein, um daselbst die Truppen zu inspiciren. Außer der Mainzer Garnison werden an der Truppen­schau noch die Infanterie-Regimenter N. 116 (Gießen), Nr. 166 (Hanau) das erste und zweite Bataillon des Regiments Nr. 80 (Wiesbaden) sowie das Ulanenregi­ment Nr. 6, das Hessische Husarenregimenl Nr. 13 und die Unteroffizierschule Biebrich theilnehmen. Nach der Truppenschau begiebt sich der Kaiser direkt nach Homburg v. d. Höhe.

Hamburg. Ueber deutsche Waffenlieferungen für China wird demHann. Kur." aus guter Hamburger Quelle geschrieben: In den letzten Monaten sind keinerlei Waffenlieferungen über Hamburg oder auch nur auf Hamburgischen Schiffen nach China gegangen. Das be­zieht sich nicht nur auf die offenen Waffensendungen, sondern auch auf die geheimen Waffenlieferungen, welche im Verkehr mit China in den letzten Jahren eine ebenso große Rolle gespielt wie im Verkehr mit Transvaal