auf die Gefahr aufmerksam, daß die von dem deutschen Reich eröffnete, an sich berechtigte und nothwendige Weltpolitik in das Fahrwasser der Kreuzzüge einlenken könnte. Das Reich Gottes wird weder durch das Schwert gebaut, noch durch das Schwert geschützt.
Koburg, 31. Juli. Der Herzog Alfred von Sachsen- Koburg-Gotha ist gestern Abend 10 Uhr auf Schloß Rosenau gestorben. Er war erst vor kurzem in Wien, um sich daselbst wegen eines Halsleidens behandeln zu lassen. Das Uebel wurde von den Aerzten als Zungenkrebs erkannt. Ein eingetretener Herzkrampf führte aber schneller den Tod herbei. — Herzog Alfred war der zweite Sohn der Königin Viktoria von England, also ein Bruder der Kaiserin Friedrich, geboren am 6. August 1844 zu London, folgte seinem Oheim Ernst II. am 22. August 1893 in der Regierung des Herzogthums Koburg. Er war kgl. preußischer General der Infanterie, Chef des 95. Infanterie- und des 9. Husaren-Regiments. Seit 1874 mit einer russischen Großfürstin verheirathet, hinterläßt er vier Töchter (die Gemahlin des Thronfolgers von Rumänien, die Gemahlin des Großherzogs von Hessen, die Erbprinzessin von Hohenlohe-Langenburg und eine noch unvermählt). Thronfolger ist der Bruderssohn des Verstorbenen, Leopold, Herzog von Albany, geboren am 19. Juli 1884, also jetzt 16 Jahr alt. Für den unmündigen Herzog von Albany ist Regierungsver- weser^der hier anwesende Vormund Erbprinz Hohenlohe- Langenburg, der Schwiegersohn des Verstorbenen.
Kouitz. Der fürchterliche Mord, welcher die Gemüther der gesummten Bevölkerung in so hohem Maße beunruhigte, scheint unentdeckt zu bleiben. Der Untersuchungsrichter Dr. Zimmermann hat die Akten abgeschlossen, nachdem das Verfahren gegen den Schlächter Hoffmann eingestellt worden ist, und Verdachtsmomente gegen andere Personen, nach Ansicht der Behörde, nicht bestehen. Kriminalkommissarius Klatt kehrt daher Ende dieses Monats nach .Berlin zurück. Der Konitzer Polizeikommissar Block geht zu 1. Oktober fort, und zwar soll er in Spandau Anstellung gefunden haben. Martha Hoffmann, die Tochter des so viel genannten Schlächtermeisters Hoffmann, hat sich mit dem Redakteur des antisemitisch gewordenen „Konitzer Tageblatt" verlobt. Jsraelski, der unter dem Verdacht der Mitwissenschaft seinerzeit in Haft genommene Händler, ist auf freien Fuß gesetzt worden. Das Bataillon des 14. Regiments verläßt Ende dieses Monats die Stadt, nachdem eine Gefährdung der Ruhe nicht mehr zu befürchten ist. Die Kosten der Unterhaltung belaufen sich für die Stadt auf 60,000 Mark.
Kattowitz (Oberschlesien). Die „Katt. Ztg." meldet: Sechs Fahnenflüchtige des in Czenstochau (Russisch- Polen) garnisonirenden Schützen-Bataillons mürben gestern erschossen. Das betreffende Bataillon sollte demnächst mit der sibirischen Eisenbahn nach dem chinesischen Kriegsschauplatze befördert werden. Die Folge bei ihrer Ergreifung war, daß sie erschossen wurden.
Aschasfenburg, 30. Juli. In der Nacht vom 28 auf den 29. Juli kurz nach 10 Uhr, entlud sich über Stadt und Umgebung ein von Sturm und Hagel begleitetes Gewitter. Im Hofgarten, Schönthal, Schön- busch und der Fasanerie zersplitterte der Sturm Pappeln, Platanen, Eichen, Buchen, Fichten wie Schwefelhölzer oder streckte sie entwurzelt in den Sand. In der Pla- tanenallee legte der Sturm 26 Riesenplatanen, die ein Alter von 80 Jahren und darüber haben, nebeneinander hin. alle sind vollständig entwurzelt. Die Bahnstrecke Mit- tenberg war kurze Zeit gesperrt, da die an der Böschung stehenden Akazien auf das Geleise geschleudert wareni — In dem benachbarten Hörstein, woselbst der Stand des berühmten Königl. Weingutes zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, wie auch in anderen Weinbergen, soll Alles zerstört sein.
Ausland
Fiume, 28. Juli. Mitte August werden hier 10 000 Mann deutscher Truppen nach China eingeschifft, weil durch die Einschiffung von hier der Weg nach China bedeutend abgekürzt wird.
Rom, 31. Juli. Nach Blättermeldungen hatte der Mörder Bressi in Mailand einen Gefährten, der die Nacht bei ihm zubrachte, dann aber erklärte, daß er abreisen müsse. Er sprach nur gebrochen italienisch. Ein Bruder Bressis ist Artillerieleutnant und steht in Caserta in Garnison. In Mailand wurden einige Ver- ha'tungen vorgenommen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Ermordung König Humberts auf ein anarchistisches Komplott zurückzuführen ist. Ein in Graz ansässiger Italiener erhielt im vorigen Monat von seinem in der Fremde weilenden Sohn einen Brief, worin er sich als Anarchist bekennt und mittheilt, daß er durchs Loos bestimmt sei, den König von Italien zu ermorden. Es sei beschlossen, in diesem Jahre noch vier andere Fürsten zu ermorden. Der Vater übergab dieses Schreiben der Gendarmerie, die seinen Sohn, der thatsächlich auf der Reise nach Rom begriffen war, an der österreichisch- italienischen Grenze verhaftete. — Das Bulletin der Aerzte stellt fest: 1. Verwundung an der Spitze des Herzmuskels, 2. Verwundung über dem linken Schlüsselbein eindringend, mit Auslauf nach dem Rücken des linken Schulterblattes. 3, Verwundung zwischen der dritten pnb vierten Rippe. Die Kugel prallte aus der Rippe
auf, glitt nach dem unteren Theil des Brustbeines über und blieb dort haften. Alle drei Wunden sind tödtlich. Die Aerzte vermuthen, daß die erste Wunde von einer Waffe kleineren Kalibers erzeugt sei als die anderen. Bewahrheitet sich diese Vermuthung, so "waren es zwei Mörder, was nicht unmöglich ist. Die Leiche wird durch Eis und Ventilatoren vor drohender Zersetzung bewahrt. — Depeschen aus allen Städten und Flecken Italiens berichten von allgemeinen Kundgebungen tiefer Trauer. Die Läden sind geschlossen. Ueberall Hängen Fahnen mit Trauerflor. Am Montag Mittag wurden in allen Garnisonstädten 100 Kanonenschüsse abgefeuert. In den Hafenplätzen gaben die Geschütze alle Viertelstunden Trauersalut. In Mailand wehen auf den städtischen Gebäuden umflorte Fahnen. Die Stadtverwaltung veröffentlichte ein Manifest, worin das entsetzliche Verbrechen gebrandmarkt wird. In Rom tragen die Kundgebungen einen wahrhaft erhebenden Charakter. Die Börse und die Kaufhäuser sind in den Mieren Städten meist geschlossen. Von sämmtlichen Souveränen und Staatsoberhäuptern gingen Beileidstelegramme ein. — Aus Monza wird vom Montag noch gemeldet: Nach der Verwundung sagte der König: „Es ist nichts". Der Wagen fuhr nur drei Minuten bis zum Schloß. Als der König in dasselbe eintrat, starb er. Die Königin hoffte, daß der König nur verwundet sei, als sie aber die Wahrheit erfuhr, spielte sich eine erschütternde Scene ab.
Die Hitze in P^ris fährt fort, zahlreiche Opfer zu fordern. Die Sterblichkeit ist von einer Woche zur anderen von 982 auf 1547 gestiegen. Der Ueberschuß an Todesfällen ist fast ausschließlich von Kindern geliefert; außerdem wurden Todesfälle von Hitzschlag verzeichnet. Die Zeitungen haben jetzt eine besondere Rubrik für plötzlichen Tod auf der Straße; am Donnerstag gab es siebzehn solcher Fälle. Die Omnibus- und Droschken- gesellschaften haben seit 10 Tagen von ihren 40,000 Pferden 1200 an Hitzkrankheiten verloren. — Auch in Wien hat die brennende Hitze der letzten Tage viel Unheil angerichtet.
London, 31. Juli. Wie nunmehr amtlich gemeldet wird, haben sich die Burengenerale Prinsloo, Villiers und Crowther mit 986 Buren dem General Hunter ergeben. Der Rest der Buren leistet noch hartnäckig Widerstand. (Die erste Meldung sprach von 5000 Buren)
London, 27. Juli. Ein Shanghaier Telegramm der „Daily Mail" berichtet, daß, als die Unruhen in Mukden ausbrachen, der dortige Bischof sich mit 200 eingeborenen Christen bewaffnete und Vorkehrungen zur Vertheidigung traf. Als die regulären chinesischen Truppen herankamen, glaubten die Christen, es würde ihnen Schutz gebracht. Als die Truppen jedoch kaum in die Nähe der Christen gekommen waren, gaben sie auf diese Feuer und machten gemeinsame Sache mit den Boxern. Alle Christen mit Ausnahme des Bischofs wurden getödtet. Der Bischof selbst wurde zum Vizekönig geführt und nach langen Foltern enthauptet. Sein Kopf wurde am Eingänge der Wohnung des Vizekönigs aufgesteckt.
Eine über Tschifu nach London gelangte Depesche aus Tientsin vom 27. Juli besagt: Hier kam ein Kurier mit Depeschen aus Peking an, die vom 21. Juli datirt sind und vom Gesandten Conger und britischen, japanischen und deutschen Vertretern sowie von verschiedenen Privatpersonen herrühren; sie bestätigen alle früheren Berichte. Der Kurier seinerseits bestätigt die Nachrichten über den schlechten Zustand der Wege und über die Menge der Chinesen, die sich längs des Weges nach Peking befinden. In der Note Congers an den amerikanischen Konsul heißt es, gemäß einer Vereinbarung würde seit dem 16. Juli nicht mehr geschossen. Wir haben Lebensmittel für verschiedenen Wochen, jedoch nur wenig Munition. Wennn die Chinesen fortfahren uns zu beschießen, wie sie es gethan haben, so können wir nicht lange aushalten; eine Niedermetzelung Aller wird folgen. Ich hoffe, daß der Entsatz bald kommt. Eine Privatnachricht ohne Datum besagt, gestern brächte ein Bote mit der Parlamenttärsflagge dem Gesandten Macoo- nald eine Note von Jung, in welcher dieser fragt, ob man gewillt sei, einen Waffenstillstand abzuschließen. Macdonald erwiderte, er sei geneigt, vorausgesetzt, daß die Chinesen aufhören zu schießen, und nicht näher an die Gesandtschaften kommen. Das Schießen hat jetzt aufgehört und es herrscht vollständige Ruhe. Die Lebensrnittel bestehen aus Reis und Perdefleisch. Eine große Gefahr besteht darin, daß die in Tientsin geschlagenen Chinesen nach Peking kommen. Die Amerikaner machten in der Nacht des 3 Juli einen muthigen Ausfall und fügten den Chinesen schwere Verluste zu.
Washington, 31. Juli. Oberst Caolidge, der Befehlshaber der amerikanischen Truppe» in Tientsin, tele graphiert: „Ein vom 22. Juli datierter Brief des japanischen Militär Attachees in Peking sei am 25. Juli in Tientsin eingetroffen, worin derselbe in größter Angst erkundigt, wann die Entsatztruppen eintreffen werden. Seit dem 13. Juni, heißt es in dem Brief weiter, sind wir Tag und Nacht fortwährend angegriffen worden. Mit äußerster Anstrengung vertheidigen wir uns noch. Wenn Ihr nicht innerhalb einer Woche hier ankommt, werden wir wahrscheinlich nicht mehr aushalten können." In dem Briefe ist von einer Einstellung der Feindseligkeiten keine Rede.
Lokale- und Provinzielle-.
* Schlächter«, 3. August.
— Laut dem vor uns liegenden Bericht der Generalversammlung der Raiffeisenverbände in Frankfurt a. M. betrugen die Bareinnahmen pro 1899 Mk. 76,000,000,—, die Barausgaben pro 1899 Mk. 75,692,298,66. Der Umschlag des Jahres 1899 ist 37 Millionen Mk. größer als der im Jahre 1898. Das Aktienkapital wurde auf 10 Millionen Mark erhöht. Laut dem von Herrn Generaldirektor Heller vorgetragenen Berichte haben sich die Kornhausgenossenschaften hervorragend bewährt. Um die Entwickelung und Centralisirung der Kornhäuser und den hierdurch bedingten Einfluß auf die Großmühlen, Märkte und Börsen hat sich der in der Agrarbewegung bekannte Verbandsdirektor Rexerodt aus Kassel besondere Verdienste erworben. Wie segensreich solche Lagerhäuser wirken können, zeigt der Absatz von 1200 Doppelwagen Getreide allein durch den Raiffeisenverband Danzig. Im weiteren zollte der Herr Generaldirektor Heller der Neuorganisation des Raiffeisenverbandes durch Eintheilung in selbstständige Provinz-Verbände und Verschmelzung der Firma Raiffeisen & Co. mit der Raiffeisen'schen Central-Darlehnskasse volle Anerkennung. Alles in Allem gibt der Bericht des Herrn General-Direktors Heller ein hocherfreuliches Bild der Thätigkeit des Raiffeisen- Verbandes im Jahre 1899.
Sannerz, 1. August. Bei der hiesigen Posthilfstelle ist am 27. v. Mts. der Telegraphen- und Fernsprech- betrieb mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fernsprech- stelle eröffnet worden.
Fulda, 29. Juli. Die Städte Fulda und Schlitz, zwischen welchen von jeher ein lebhafter Verkehr bestanden hat, werden demnächst durch eine elektrische Kleinbahn verbunden, zu deren Bau der Minister der öffentlichen Arbeiten bereits die Erlaubniß ertheilt hat. Die neue Bahn wird vom hiesigen Bahnhöfe über die Unterstadt das Fuldathal entlang nach Schlitz geführt werden.
Sontra, 29. Juli. In dem Gipsbruch am Schloßberg wurde bei den Sprengungsarbeiten eine große Höhle entdeckt, die mit 6 bis 7 Meter Wasser gefüllt war. Durch Auspumpen wurde das Wasser vermindert und in der Schlammschicht ein Horn eines antediluvianischen Thieres gefunden.
Bleichenbacht 25. Juli. Gestern fuhr ein hiesiger Landwirth mit seinem 12jährigen Jungen in das Feld, um Klee zu holen. Sense und Rechen liegen auf dem Wagen, und der junge sitzt sorglos auf dem Sitzbrett. Plötzlich zogen die Kühe an und der Junge stürzte rücklings in die verkehrt liegende Sense. Der Oberschenkel wurde glatt abgeschnitten und es stellte sich eine bedeutende Blutung ein. Ein zufällig anwesender früherer Spitalpfleger konnte die erste Hilfe leisten.
K. Wanderung über Felder der Ehre. (Fortsetzung.)
Im Gasthaus fanden wir gutes Logis. Der freundliche Besitzer zeigte uns einen Glasschrank, welcher mit Gegenständen vom Schlachtfeld voll behängen war. Be- kleidungs- und Armaturstücke, die mannigfachsten Sachen von Freund und Feind hingen da beisammen. Unser Wirth hatte, wie er erzählte, nach der Schlacht Verwundete aufsuchen und bergen helfen; mehrere Tage nach der Schlacht seien im Walde noch Todte, dick aufgetrieben, gefunden und beerdigt worden. Er bezeichnete uns die Stelle auf der dem Dorfe Fröschweiler gegenüber liegenden Seite des Thales, wo der Kronprinz mit seinem Stäbe gestanden hat. Wir besuchten die Stelle. Es war an der Straße, die von Diesenbach herkommt, welches oben rückwärts auf der kleinen Ebene liegt. Ueppig nickten uns die Halme entgegen, ein Feldarbeiter pfiff sich ein fröhliches Liebchen. Er wußte genau die Stelle, wo die bayrische Artillerie in Aktion war und wo der Kronprinz gehalten hat. Von dieser Stelle kann man auch das ganze Thal übersehen. Auf der Jenseite des Thales, auf einem Vorsprung im Feld, nahe Elsaßhausen, hat Mac-Mahon mit seinem Stäbe gestanden. Wie mögen die Feldherrn mit ihren Feldstechern nach einander hingcschaut haben, oft verhindert durch den qualmenden Pulverdampf! Der Feldherr bei Elsaßhausen mußte seinen Standort flüchtig verlassen. Wir waren in der Nähe von Spachbach, welches in einem Seiten- thälchen liegt, sahen die Obstbäume von Gunstätt und unten die in den Schlachtberichten viel genannte „Bruchmühle". Des Weges daherkommende Leute nannten sie „Brückmühle", weil sie an der über die Sauer führenden Brücke liege. Diese Brücke passirte ein Theil des elften Armeekorps. Dieses Armeekorps hatte vor dem Eingreifen seinen Standpunkt auf dem hohen Vorsprung zwischen Spachbach und Gunstätt bei Oberdorf. Auch dort war der Kronprinz und leitete die Schlacht. Wir sahen als provisorisches Mal ein hohes Kreuz errichtet. Wir kehrten nach Wörth zurück und fuhren nach Mors- bronn, dem Wiesengrund entlang, wo es an Gräber bezeichnenden Kreuzen nicht fehlte. Durchs Dorf geht es bergan. Oben, an der nach Eberbach führenden Straße ist die Stelle, wo das Schnellfeuer der Zweiunddreißigcr ein Kürassierregiment von der französischen Brigade Michel vernichtet hat. Frankreich hat dort diesen muthvoll im Todesritt hingesunkenen Kürassieren ein Denkmal errichtet, welches auch die Benennung der dort im Kampf gestandenen französischen Truppentheile und folgende Inschrift trägt!