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MüchtemerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 11 Juli 1900.

51. Jahrgang.

&fh>llltttAM1 aus dieSchlüchterner Zeitung« werden noch fortwährend von allen ----------- - Postanstalten und Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Lage wurde der Verunglückte, nachdem er vier Tage vermißt worden war, aufgefunden.

Velbert, 7. Juli. Einen verhängnißvollen Traum hatte in einer der letzten Nächte ein zwölfjähriger Schüler. Derselbe träumte, er sei mit seinen Kameraden amBock­springen". In diesem Traume steigt er aus dem Bette, öffnet das Fenster und springt ans der ersten Etage zur Erde. Die Mutter hatte den Knaben beobachtet, aber ehe sie es verhindern konnte, war das Unglück geschehen. Der Knabe brach ein Bein und verletzte das andere und trug auch schwere innere Verletzungen davon.

Mainz, 5. Juli. In geschäftlicher Beziehung hat das Gutenbergfest vielerlei Enttäuschungen gebracht und statt erhofftem großen Verdienst haben Viele empfindliche Verluste zu verzeichnen. Am Meisten verrechnet haben sich die Spekulanten, welche gegen eine Pauschalsumme von Zimmermeister Gerster dessen sämmtliche Tribünen- Plätze übernommen hatten, indem viele Tribünenkarten unverkauft blieben. Der Verlust, welchen jeder der Spekulanten erleidet, soll sich auf mehrere Tausend Mark belaufen. Ein Versuch bei dem Zentrattestausschuß, von dieser Seite für den erlittenen Verlust eine Ent­schädigung zu erhalten, blieb natürlicher Weise ohne Er­folg. ebenso wie für Zimmermeister Gerster keine Ver- nnlassung vorlag, nachträglich von den gestellten Ueber- nahmsbedingungen abzugehen. Auch viele Wirthe haben sich stark verrechnet, und trotzdem, daß die Frequenz in den meisten Wirthslokalen während der Festtage eine sehr lebhafte war und Mancher erst mehrere Wirthschaften durchwandern mußte, ehe er seinen Hunger und Durst stille» konnte, wußten viele Restaurateure und Wirthe nicht, was sie mit den übrig gebliebenen Speisen be­ginnen sollten. Besonders in Bierlokalen war der Konsum an Speisen nicht den Erwartungen entsprechend, was thei^weise darauf zurückzufüyren ist, daß die Meisten der zum Feste gekommenen Landbewohner die Nahrungsmitte! mitgebracht hatten und sich ihr ganzer Konsum mit Kind und Kegel nur auf einige Glas Bier hier be­schränkte.

Erfurt, 5. Juli. Ein schrecklicher Unglücksfall er­eignete sich heute Nachmittag auf der Daberstädterstraße. Von der Bismarckstraße aus fuhr ein Radfahrer, der 28 Jahre alte Bildhauerssohn Herda aus Erfurt, die Daberstädterstraße entlang, in deren Mitte einige Wagen der städtischen Abfuhr hielten. Als der Radler in schnellem Tempo ankam, wurde eines der Pferde un­ruhig und sprang zur Seite. In demselben Augenblicke prallte Herda. der von der Sonne geblendet wurde, gegen die Wagendeichsel. Diese bohrte sich in den Unterleib des Radlers, welcher so'ort blutend abstürzte. Man trug den Schwerverletzten in das Haus des Bäcker­meisters Dietz. Dort trat darauf der Tod ein. Herda war erst seit Kurzem verhciraihtet.

Altenburg, 2. Juli. Die ersten mit dem Krach des Kahlaer Spar- und Vorschußvereines in Zusammenhänge stehenden Konkurse verlaufen in einem kläglichen Ende. Denn der Bankerott des Seilermeisters Karrenbach in Orlamünde ergiebt einen Massenbestand von 30 Mark, so daß es nicht einmal möglich ist, die Verlägc des Con« kursverwalters und die Gerichtskosten zu decken. geschweige denn den Gläubigern Dividende zu gewähren. Leider belaufen sich die Schulden des Karrenbach auf mehr als 100,000 Mark. Man sieht also, wie leichtfertig Kar­renbach Schulden gemacht hat, und dieser Mann paßte natürlich den Herren vom Kahlaer Spar- und Vorschuß- verein, weshalb sie nicht eher ruhten, bis sie ihn als Mit­glied im Aufsichtsrath sahen. Bei den Concursen Bergner, Hoffmann und Jecke liegen die Verhältnisse zum Theil ebenso so schlecht, zum Theil nicht viel besser.

Ausland.

London, 5. Juli. Nach einem Telegramm aus Shanghai vom 4. Juli wurde dem deutschen Konsulat die offizielle Mittheilung gemacht, daß sich der Kaiser von China am 19 Juni mit Opium vergiftet habe und ge­storben sei. Die Kaiserin machte auch einen Selbstmord- Versuch und ist wahnsinnig geworden. Alle staatlichen Gebäude in Peking und ein großer Theil des Tsung-li- Damen sind niebergebrannt. 30,000 Chinesen rücken von Norden auf Tientsin los. Die Verbündeten er­warten Verstärkungen, bevor sie den Vorstoß auf Peking versuchen. Die rcgneri che Jahreszeit, während welcher der Transport und das Marschieren schwierig sind, fängt jetzt an. Überschwemmungen sind wahrscheinlich. Der

Deutsches Reich.

Berlin. Wie demBerl. Tagebl." aus Kiel gemeldet wird, hielt der Kaiser an die Mannschaften der am Montag nach China abgehenden ersten Panzer-Division gestern eine Ansprache, in der er sie daran erinnerte, daß sie mit hinterlistigen, aber mit modernen Waffen ausgerüsteten Gegnern kämpfen müßten und sie ermähnte, Weiber und Kinder zu schonen. Er, der Kriegsherr, werde nicht ruhen bis China niedergeworien und alle Blutthaten gerächt seien. Schließlich forderte der Kaiser von den Mannschaften, daß sie mit den Soldaten der verschiedenen Nanonen gute Kameradschaft halten.

Der deutsche Kaiser hatte noch am Freitag an den Chef des deutschen Kreuzergeschwaders, den Gouver- neuer von Kiautschou in Tsingtau, den Generalgouverneur von Schantung, den Vizckönig von Wutschang folgendes Telegramm gerichtet:Ich verpflichte mich auf mein kaiserliches Wort, für jeden der zur Zeit in Peking ein- geschlossen Fremden jeder Nationalität, welcher lebend einer kaiserlich deutschen oder sonstigen fremden Behörde übergeben wird, demjenigen, der die Auslie erung herbei- führt, 1000 Tacls auszuzahlen. Auch übernehme ich alle Kosten, welche jedwede Uebermittelung meiner Zu­sage nach Peking verursacht, gez.: Wilhelm." Ein Tael hat den Werth von etwa 3 Mk.

Der russische Kriegsminister General Kuropatkin hat dem deutschen Militärattache in Petersburg folgendes Telegramm mitgetheilt, welches der russische Vizeadmiral Alexejew unter dem 3. d. M. aus Port Arthur an d-n russischen Kriegsminister gerichtet hat:General Stoesfel hat aus Taku am 30. Juni gemeldet: Während des gestrigen Kampfes trat deutsches Landungskorps, Offiziere und Mannschaften, unter unseren Befehl; ihr Verhalten war erhaben über jedes Lob; sie haben hervorragende Tapferkeit, gründliche Ausbildung, Umsicht und Manus- zucht gezeigt. Das Landnngskorps hat große Verluste erlitten. Ich erachte es für meine dienstliche Pflicht, von dem so überaus rühmlichen Verhalten der deutschen Truppen Eurer Exzellenz hiermit Meldung zu erstatten, gez. Alcxcjew.«

Deutsch. Freunde des Deutschthums in den Ostmarken wird die Nachricht angenehm berühren, daß viele Träger polonistrter Namen in der Provinz Posen die amtliche Aufforderung erhielten, ihren Namen deutsch zu schreiben. Für die Beibehaltung der polonisirten Form wird Strafe angedroht.

Der preußische Staatsminister a. D. und Prä­sident des Oberlandesgerichts in Hamm, Dr. Falk, ist dort nach kurzer Krankheit im Alter von 73 Jahren ge­storben. Dr. Falk ist derjenige Minister gewesen, dessen Name mit dem Kulturkampf in Preußen und dem Reiche untrennbar verbunden ist. Durch das Schulaussichts- gcsetz befreite Falk die Schule von dem Einfluß der Kirche, erhöhte die Lehrergehälter, vermehrte die Zahl der Seminare und Elementarschulen rc.

Kiel. Eigenthümliche Gerüchte gehen in Kieler Marinekreisen um. Man will daselbst wissen, es seien mehrere chinesische Kreuzer nebst einigen Torpedobooten heimlich in See gegangen, um die LloyddampferWitte­kind« undFrankfurt" mit den beiden Seebataillonen an Bord abzufangen; vornehmlich zum Schutze der beiden Dampfer solle ihnen daher die Panzerdivision schleunigst nachgesandt werden, auch der nach Ostasien abgegangene große KreuzerFürst Bismarck" soll Ordre erhalten haben, die zwei Dampfer zu geleiten und sie in Port Said zu erwarten. Inwiefern diese sensationell klingenden Gerüchte begründet sind, muß noch dahin­gestellt bleiben.

Düren. Auf eigenthümliche Weise kam ein bejahrter Waldarbeiter aus dem Dorfe Embken bei Düren ums Leben. Er hatte im Walde zwischen Wollersheim und Embken gearbeitet und war nach gethaner Arbeit in einen Fuchsbau gekrochen, vermuthlich, um in demselben sein Eßgeschirr zu verstecken; beim Versuche, wieder ins Freie zu gelangen, vermochte er nicht mehr seinen Körper durch die enge Oeffnung hindurchzuzwängen und fand so seinen Stob. Mit dem Oberkörper steckte die Leiche in dem Fuchsbau, während die Beine sichtbar waren. In dieser

Vormarsch dürfte bis zum Herbst unmöglich sein. (!) Wie man erfährt, stehen die chinesischen Gesandten Eu­ropas in reger telegraphischer Verbindung mit den Vize­königen und durch diese mit Peking. Vor acht Tagen fragten die Gesandten an, ob sie weiter in Europa bleiben sollten. Das Tsungliyamen unter der Inspiration des Prinzen Tuan anwortete, sie möchten untereinander darüoer berathen. Falls die Heimreise erwünscht sei, werde man ihnen Geld anweisen. Die Gesandten depe- schirren hierauf an Li-Hung-Tschang, welcher das Ver­bleiben in Europa anrieth.

London, 5. Juli. Wie zuverlässige Meldungen aus Shanghai berichten, sind alle Fremden in Peking er­mordet und ihre Köpfe öffentlich aufgepflanzt worden. Die Lage in Tientsin wird äußerst bedenklich. Die Ver­bindungen dieser Stadt mit Taku sind nur noch auf dem Wasserwege möglich. Aus Tschisn wird gemeldet: Sämmtliche Miffionare aus Monkteir im Norden von Peking sind ermordet und verbrannt. Außerdem sind mehrere hundert zum Christenthum bekehrte Chinesen ge- tödtet worden. Nach einem Telegramm derDaily Mail" aus Shanghai von gestern haben die Deutschen, als der Angriff aus die Fremden in Peking begann, das Tschien Mieng-Thor besetzt, während der den Boxers feindliche Prinz Tochang die übrigen 3 Thore besetzte. Es habe sich ein heftiger Kampf entsponnen, bei dem 2000 chinesische Soldaten und 5000 Boxers gefallen seien. Die Deutschen hätten ganz hervorragendes ge­leistet. indem sie mit ihren großen Geschützen die engen Straßen an dem Thor rein fegten.

China. Die Niedermetzelung aller Fremden in Peking. Ein Telegramm desDaily Expreß" vom 5. Juli Abends aus Schanghai stellt die Katastrophe bereits als geschehen dar. Der Bericht lautet: Eine chinesische Meldung aus Peking besagt, daß am 30. Juni oder l. Juli, als der Proviant und die Munition der Aus­länder in der englischen Gesandtschaft erschöpft waren, das Gesandtschaftsgebäude von Truppen und Boxern ge­stürmt wurde. Die Europäer wurden überwältigt und niedergemetzelt und das Gesandtschaftsgebäude in Brand gesteckt. Unzählige Horden wüthender, siegestrunkener Männer stürzten in den Hofraum der Gesandtschaft durch Breschen in den Mauern. Obwohl viele Chinesen gelobtet wurden, mußten die fremden Truppen schließlich der Uebermacht unterliegen. Die Chinesen fielen wie wilde Bestien über ihre Beute her. Der Hofraum wurde in einen Schlachthof verwandelt. Die Todten und Ver­wundeten wurden zerhackt, während andere Chinesen mit Triumphgeschrei iu das Innere der Gebäude drangen und dort die gräßliche Blutarbeit vollendeten. Hoffent­lich hatten die Männer in den Gesandtschaften Zeit, um mit eigener Hand ihre Frauen und Kinder zu tödten, ehe sie die Beute der mörderischen Horden wurden. Es ist unmöglich, die Bestätigung dieser Schreckenskunde aus europäischen Quellen zu erlangen, aber es ist gewiß, daß sie gleichzeitig tn Tientsin, Tschifu und Schanghai verbreitet ist. Das Konsularkorps fürchtet, die Meldung sei nur zu wahr. Den Londoner Abendblättern wird aus Schanghai gemeldet, in Peking seien, außer den Ausländern, fünftausend zum Christenthum übergetretene Eingeborene von den kaiserlichen Truppen niedergemetzelt worden.

Ueber die Motive des chinesischen Aufstandes giebt ein R. von Haewels imDeutschen Wochenblatt" bemerkenswerthe Aufklärungen. Er verweist auf ein Manifest, das der Vicekönrg von Hoking veröffentlicht hat, zum Nachweis, daß die Verhältnisse der Völker in Europa schlimmer stehen, als die Chinas. Die Chinesen hätten, ob arm, ob reich, ihr Einkommen und Grund, mit dieser Welt zufrieden zu sein. Nach einer Rede, die Prinz Heinrich in Hauhan gehalten, erschienen unter dem Titel:China muß zu allererst zum Kriege gegen Deutschland rüsten" in den gelegensten chinesischen Zei­tungen Brandartikel, worin es hieß:Krieg mit Deutsch­land ist die einzige Rettung vor Schmach und Schande! Die Idee der Ausheilung Chinas rührt vom deutschen Reichskanzler Bismarck her, nur um diese Idee zu ver­wirklichen, haben die Deutschen Kiautschou besetzt. Daß diese Austheilung Chinas jetzt so rapide Fortschritte macht, daran ist auch nur Deutschland schuld, durch seine Besetzung von Jchao-su. Ferner wird den Chinesen klar gemacht:In Kiautschou stehen noch nicht 1000 deutsche Soldaten. Im Kriegsfall würden doch 100 Chinesen wenigstens einen Deutschen tödten. Mit 100000 Chinesen