SchlüchternerMtung
Erstzeint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 51.
Mittwoch, den 27. Juni 1900.
51. Jahrgang.
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M BiB6 IMMlM
in der Zustellung unserer Zeitung durch die- Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 26. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß
_ ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder Land
briefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Juli 1900 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchteruer Zeitung."
ist zwar niemals so oft in schwungvollen, für die Oeffent- lichkeit bestimmten Reden gefeiert worden als in dem letzverflossenen Jahrzehnt. In Wahrheit hat es an Schätzung seines Werthes bedeutende Einbuße erlitten. Im Vordergründe steht überall die Pflege des eigenen Ichs. Jeder sucht möglichst schnell zu .iner Fülle irdischer Glücksgüter zu gelangen, und um dieses selbstgefällige Ich recht üppig betten zu können. Der Genuß ist jetzt auch in Deutschland das letzte und am heißesten erstrebte Ziel. Verschiedenes hat zu der betrübenden Wandlung in den Anschauungen unseres Kolkes beigetragen. An hervorragender Stelle sicherlich die Möglichkeit, schneller als früher Geld zu erwerben. Der Schweiß der Arbeit wird immer mehr znr Legende; und was mühelos eingeheimst ist, wird leichten Herzens wieder fahren gelassen. Mitgewirkt hat fraglos auch die unersättliche Freude an Festlichkeiten und Feiern. Wie sehr zehrt nicht, um uns ein Merkmal herauszugreifen, allein die unglückselige Vereinsmeierei an dem Mark der Nation! Was bezwecken denn die zahllosen bestehenden Vereine, ungeachtet ihrer auch noch so uneigennützig klingenden Namen, in der Hauptsache anderes als fest, liche Zusammenkünfte? Was muß in ihnen nicht alles gefeiert werden? Das Stiftungsfest, das Frühjahrs-, das Sommer-, das Weihnachtsfest, die Fahnenweihe! Zu diesen zieht der Familienvorstand mit Kind und Kegel, zu den wöchentlich wiederkehrenden Sitzungen des Vereins allein in das Wirthshaus Allmählich hat sich hierher schon der Schwerpunkt des deutschen Hauses verlegt. Nicht im ernsten Gespräch im stillen Ärbeitszim- mer daheim erledigt der deutsche Mann die Geschähe mit seinen Bekannten und Freunden, sondern in der munteren Unterhaltung bei dem Glase Bier in dem geräuschvollen Saale eines Restaurants."
— Die Eröffnung der Fernsprechverbindung zwischen Berlin und Paris wird demnächst erfolgen. Die Leitungen von Berlin bis zur französischen Grenze sind schon seit Monaten betriebsfertig hcrgeüellt. Wie cs hcißi, in auch der französische Theil der Verbindung fertiggestellt eine amtliche Nachricht darüber ist jedoch in Bcrlin'noch nicht eingegangen.
Kiel, 22. Juni. Hiesige Marinekreise behaupten, der deutsche Kreuzer „Hansa" bohrte in den chinesischen Se wässern ein chinesisches Schiff in den Grund und kaperte ein anderes. 50 Chinesen sollen gelobtet und 70 verwundet worden sein.
Essen. Das Schicksal eines Waarenhauscs. Ueber das Waarenhaus Leo Gottfeld in Essen, das vor etwa einem Jahr eingerichtet wurde und das sich infolge seiner billigen Preise eines großen Zulaufs erfreute, ist, der „Rh -W. Z." zufolge, das Konkurs-Verfahren eröffnet worden. Die Aktiva betragen dem Vernehmen nach etwa 20 000 Mk., denen rund 140U00 Mk. Passiva gegeuüberstchen.
Magdcbnrg, 25. Juni. (Zuckerkartell) Wie bekannt, wurde am 5. Mai ds. Js. das deutsche Zuckerkartell ins Leben gerufen und von allen deutschen Zuckerfabriken und Raffinerien endgiltig unterzeichnet; es trat sodann am 1. Juni 1900 in Kraft. Hiernach zogen sämmtliche Raffinerien die Preise vom Markte zurück, und Zucker wurde 12 Tage lang an der Börse nicht gehandelt, da nach diesem Termine die Vereinigung deutscher Zucker- fabriken die Preise für das Inland testieren werde. Die erste Notirung vom Syndikat an der Magdeburger Börse kam heute heraus und der Preis stellte sich für sammt liche Zuckerarten,' wie Hut Zucker, gemahlener Zucker, Würfelzucker durchweg 3 Mark pro Zentner höher,
Aus Sprotlau, 13. Juni, wird geschrieben; Der Waldbrand ist weil schlimmer und hat erheblich größeren Schaden verursacht, als die ersten Meldungen erkennen ließen und nur der umfassendsten Löschhilfe, die neben der hiesigen und Mallmitzer Feuerwehr ganz besonders von den Mannscha'ten des hiesigen Feldartillerie-Rcgiments unter Leitung des Offizierskorps wirksam unterstützt
Amtliches.
J.-Nr. 1944 K. - A. Der Schreiner Friedrich Rudolf zu Schlüchtern beabsichtigt, auf dem Grundstück Parzelle 292 der Gemarkung Schlüchtern einen Dampfkessel zum Betriebe einer Dampfschreinerei aufzustellen.
Ich bringe dieses Vorhaben znr öffentlichen Kenntniß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht auf Donnerstag den 12. Juli er. Vormittags 11 Uhr vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.
Zeichnung und Beschreibung können während der Dienststunden im Bureau des Kreisausschusses einge- gesehen werden.
Schlüchtern, den 19. Juni 1900.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin. Die Kaiserin reift am 29. Juni vom Homburg v. d. H. nach Wilhelmshaken, wo sie sich vor der Nordlandsreise des Kaisers von diesem verabschiedet Nach zweitägiger Abwesenheit setzt die Kaiserin in Homburg die Badekur fort, die bis zum 19. Juli währt; dann reist die Kaiserin nach Wilhelmshöhe bei Casfel.
— Vom deutschen Konsul in Tschifu ist folgendes Telegramm über die Verluste S. M. Kanonenboots .Iltis" eingetroffen: „Todt sieben, darunter Leutnant Hellmann; verwundet vierzehn, darunter Kommandant schwer. Täglich Kriegsschiffverbindung mit Saht.“ Vom Geschwaderchef ist eine Meldung eingegangen, welches vorstehendes näher berichtet: Der hiesige chinesische Gesandte hat dem Auswärtigen Amte mitgetheilt, daß er soeben ein Telegramm vom Vi.ekönig von Nanking erhalten habe, mit dem Inhalt, daß der Vizekönig Li-Hung-Tschang telegraphisch beordert ist, sofort nach Peking zn kommen, und daß der kaiserlich deutsche Gesandte (in Peking) sich in Sicherheit und wohlbefindet.
Berlin. Auf Befehl Seiner Majestät werden beide Seebataillone durch Freiwillige des aktiven D-enststandcs der Armee auf Kriegsstärke gebracht, und wiid der Transport nach China vorbereitet. Außerdem soll das Personal für 6 bespannte Geschütze von Kiautschan gestellt werden und eine vollständige Batterie 8,8 Centi Meter Geschütze mit Personal, aber ohne Pferde, aus den Beständen der Armee abgegeben werden.
— Mit Einschluß des bereits in Ostasien einge- froffenen Ablösungstransports von 1200 befinden sich im Ganzen 5300 Mann deutscher Seetruppen in China. Da die Garnison von Kiautichau eine erhebliche Verminderung im gegenwärtigen Augenblick nicht vertrügt so belauft sich die zum Vormarsch auf Peking zur Verfügung stehende deutsche Truppenmacht auf 3500, die stach Obigem indessen bald die erforderliche Verstärkung krhalten wird. Rußland hat weitere 4000 Mann entsandt, Japan kündigt die Absendung von neuen 5(00 Mann an, Frankreich, England und Amerika stehen gleichfalls nicht zurück, so daß den Chinesen der Stand- funkt a Sbi ld gründlich klar gemacht werden wird, falls ste aus der schnellen Eroberung ihrer Forts bei Taku stach nicht die heilsame Lehre gezogen haben sollten, daß Chinas Widerstand gegen die europäischen Mächte den Wahnsinn bedeutet.
— Mit dem „festesfrohen Deutschland" hält das "Deutsche Wochenbl." eine kleine Abrechnung. Die nachstehenden Ausführungen des Blattes sind nicht unbcrcch- *'9t: „Die Zeiten idealer Pflichter üllung sind auch für Preußen Deutschland längst dahin. Das „Vaterland"
wurde, ist es zu danken, daß der Brand nicht eine Ausdehnung nahm, wie er in der zeitgenössischen Unglückschronik seines Gleichen suchen dürfte. Nach den heute vorliegenden, in der Hauptsache amtlich beglaubigten Mittheilungen handelt es sich bei diesem furchtbaren Brandunglück um die Vernichtung eines Waldkomplexes von etwa 5000 Morgen, mit zumeist 15- bis 20jährigem, thcilwcise aber auch mit Nutzholzbestand. Hieran ist die Stadtgemeinde Sprottau mit reichlich 2uü0 Morgen belheiligt, während der übrige Schaden den Burggrafen zu Dohna in Malmitz, den Grafen Solms in Klischdors und den Rittergutsbesitzer Rogalla von Biberstein in Buchwald, Kreis Bunzlau, betrifft, rund 1000 Morgen entfallen wiederum auf das Gelände des für das IV. Armeekorps piojcktirten Truppen-Ucbungsplatzcs. Groß sollen auch die Verluste an Wild, namentlich Rothwild sein. In ernste Lebensgefahr gcrieth der um die Lösch- arbeit eifrig bemühte Burggraf zu Dohna. Derselbr sah sich plötzlich derartig von den Flammen eingeschlossen, daß er nebst seinen Begleitern und den Pferden nur mit genauer Noth dem Verhängniß entging, während die Equipage vom Feuer vernichtet wurde. Das Brandunglück ist auf bisher nicht aufgeklärte Weise in einer dichten Schonung des Reviers Buchwald, am sogenannten Oberländer Weg, ein Kilometer von der Eisenbahnlinie Lieguitz —Sagan entfernt, ausgekommen.
AuS Sachsen. Mangel an ländlichen Arbeitskräften. In drastischer Weise wird der überhandnehmende Mangel an ländlichen Arbeitskräften durch folgendes Inserat eines Leipziger Blattes tüuirirt: „Rittergut Zöschen (an der Merseburg-Lechziger Chaussee) gewährt sofort 15 bis 20 bleichsüchtigen ober sonst siadtsiechcn, im Ucb- rigen aber arbeitswilligen Mädchen und Frauen längeren Erholungsaufenthalt mit freier Station inkl. reichlicher Leerung von bester Milch. Dieselben müßten bereit sein, täglich mindestens sechs Stunden in Gärten, Baumschulen und Wiesen leichte Arbeit zu übernehmen." Das Rittergut gewährt eine kleine Vergütung in Geld, gibt aber auch Gelegenheit zu reichlichem Verdienst durch Akkordarbeit.
Mainz, 20. Juni. Zur Erhaltung des Fischbestandes im Rhein trägt der hessische Fijchereioereln sein MöJ chstes bei. ^o hat derselbe im letzten Geschästs- jahre in die hessische Stronmrccke ausgesetzt: 5ü,000 Zandcrcier, 6u,000 Karpfenbrut, 4UUU einsömmerige Splcgclkarp'cn, ferner einsömmerige Aeschen, laich ähigc Aeschen und Regenbogenforellen. Das Gleiche soll auch im laufenden Jahre erfolgen.
Mainz. Die große Gutenbergfeier in Mainz hat am Sonnabend mit der Eröffnung der typographischen Ausstellung durch den Großherzog von Hessen ihren Amang genommen. Oberbürgermeister Dr. Gaßner hielt eine Aniprache. Anwesend waren die Civilbchörden, hohe Militärs, sowie der Erzbischof. Die Ausstellung gliedert sich in mehrere Gruppen: Maschinen, Erzeugnisse des Buchdrucks, der graphifchen Künste, Schriftgießerei, Farbe, fabritaten, Buchbinderei. Sie gewährt ein großartiges Bild der geschichtlichen Entwickelung der Buchdruckerkunst. Am Sonntag folgte eine akademische Feier in der Sladthalle und dieser ein Huldigungsakt am Gutenberg- Denkmal, an dem sich Tausende betheitigten. Am Montag fand der große Festzug statt, der einzig in seiner Art. Die Stadt hatte ein herrliches Festkleid angelegt, und der Fremdenstrom war gewaltig.
Ein militärisches Kuriosum wird an5 Saarlouis berichtet. Dort wurde ein Hauptmann der Artillerie au die öffentliche Ferusprechstelle gerufen, weil man i^u von auswärts zu sprechen wniifchte. Erwartungsvoll bcgav 'ich der O fixier an den Apparat. um zu hören, was man von ihm wolle. Man kann sich leicht das erstaunte Gesicht des Offiziers ausmaleu, als dieser zn seinem Erstaunen hörte, daß ein auf Urlaub befindlicher «oldal einer Abtheilung ihn telephonisch um Gewährung eines Nachurlaubes von einigen Tagen ersuchte. Das Ge-