SchWernerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 50.
Samstag, den 23. Juni 1900.
51. Jahrgang.
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^^ Zur 300fahrigen Gntenberg-Feier am 24. Juni 1900.
Am 23 , 24., 25. und 26. Juni soll in Mainz, der Vaterstadt Jo hann Gutenbergs, der 500jährige Geburtstag des Mannes gefeiert werden, welchem die Welt eine der großartigsten Erfindungen verdankt Genau hat leider die Geschichte das Geburtsjahr Gutenbergs bis heute nicht ermitteln können; es läßt sich nur als bestimmt annehmen, daß es in eines der letzten Jahre des 14 Jahrhunderis, also 1398, 1399 ober 1400, fällt. Ueberhaupt ist von Gutenbergs Kindheit und Jugend sowie von seinem Bildungsgang nichi das geringste bekannt. Nicht eine Spur deutet auf diese, deren nähere Umstände sicher das Interessanteste an dem Lebensgange deS großen Ersin ders sein müssen. Bleibt es doch merkwürdig, daß Gutenberg, der stolze Junker mit soundsoviel Ahnen, der Sprößling eines der angesthendsten Patriziergeschlechter, sich dem Betriebe eines Gewerbes, oder sagen wir: einer Kunst, widmete. Wir erhalten die erste Nachricht von Johannes Gutenberg erst im Jahre 1434 durch eine von ihm veranlaßte Verhaftung
des zufällig in Straßburg anwesenden Mainzer Stadtschreibers ; die Verhaftung er olgte einer Zinsschuld wegen, die der Magistrat der Stadt Mainz an Gutenberg schuldete; als die Behörde der Vaterstadt Gulenbergs jedoch Zahlung versprach, ließ dieser den Stadtschreiber sofort in Freiheit setzen.
Im Jahre 1448 tauchte Gutenberg in Mainz auf. Jedenfalls war seine Erfindung damals schon weit vorgeschritten. denn zwei Jahre später, 1450, entschloß sich Johann Fust, ein ebenso vorsichtiger wie wohlhabender Mainzer Bürger, ihn zum Betriebe seiner neuen Kunst mit größeren Kapitalien zu unterstützen. Er lieh ihm zu diesem Zwecke vorschußweise 800 Gulden, wofür Gutenberg die Herstellung des Geräths übernahm und es Fust verpfändete. Fust behielt sich außerdem schriftlich sechs Procent Zinsen vor, während er mündlich versprach, davon abzusehen. Ferner hatte Fust jährlich noch 300 Gulden baar einzuschießen sowie die Auslagen für Gesindelohn, Hauszins, Druckerschwärze, Pergament und Papier zu bestreiten. Wie ungeduldig mag damals Gutenberg die Vollendung seines Lebenswerkes ersehnt haben, um ohne weiteres auf alle Bedingungen des geriebenen Fust einzugehen! Aber er hatte sich getäuscht; so schnell wie er gehofft, gelang das Werk nicht, dagegen wuchsen die Auslagen von Tag zu Tag. Fust war ungeduldig und drängte, und als ein versuchter Vergleich sich zerschlug, forderte dieser sein erstes Darlehn von 800 Gulden nebst 250 Gulden Zinsen und weitere 800 Gulden nebst 140 Gulden Zinsen, endlich 36 Gulden Zinics- zinsen, mithin 2026 Gulden von Gutenberg zurück. Natürlich konnte der Erfinder nicht zahlen, und so kam es zur Klage. Nach dem Nichterspruch sollte Gutenberg über alle von Fust erhaltenen Gelder Rechnung legen; was davon nicht für das gemeinsame Unternehmen verbraucht war, sollte bis zur Höhe von 800 Gulden in das erste, vertragsmäßig zurückzuzahlende Kapital einbezogen, das übrige zur Schuld hinzugeschlagen werden Hierdurch war der finanzielle Ruin Gutenbergs besiegelt. Das verpfändete Druckgeräih verfiel dem Gläubiger, der nun das Geheimniß mit Peter Schöffer, seinem Gehülfen und Schwiegersohn, sehr geschickt auszubeuten verstand. Gutenberg vermochte seinen vollständigen Zusammenbruch poch bis zum Jahre 1458 hmauszuschleben, dann aber
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gerieth er in die äußerste Bedrängniß. Auch der Apparat zur sechsunddreißigzeiligen Bibel ging jetzt in Besitz eines anderen Druckgenossen, Hermann Pfister's, über und wanderte nach Bamberg. Aber trotz der nun drohenden Konkurrenz und seiner eigenen verzweifelten Lage fand Gutenberg nochmals einen Helfer. Es war der Mainzer Stadtsundikus Dr. Konrad Homer y. der ihm die Mittel gab zum Drucke eines neuen großen Werkes. So war
er wenigstens im Alter vor Noth geschützt, und er sichelte nun an den kurfürstlichen Hof in Elt- oille über. Dort lehrte Gutenberg noch die Brüder Bechtermünze seine Kunst, aber nicht lange darauf, Ende 1467 oder Anfangs 1468 starb er. Nach einer glaubwürdigen Nachricht wurde'seine sterbliche Hülle in der Franziskaner- kirche zu Mainz bestattet.
Das ist. in kurzen Zügen geschildert, der Lebensgang Johannes Gutenberg's, dessen Erfindung eine der weittragendsten ist, die je gemacht worden sind.
Die Feier, welche in Mainz begangen werden soll, war anfangs nur in engem Rahmen und in mehr akademischer Weise geplant, allmählich aber wuchs die Begeisterung |o, daß man beschloß, die Feier auch nach außen hin durch ein auf mehrere Tage sich erstreckendes Fest möglichst glanzvoll zu begehen. Vor allem soll ein historischer Festzug in großem Stile der Huldigung das richtige volksthümliche Gepräge verleihen.
Er soll eine Huldigung der großen Geister aller Zeiten und aller Kulturnationen für den großen Erfinder harftellen und 40 große Abtheilungen umfassen. Herren und Damen aus den beiieu Kreisen nehmen daran theil; ihre Zahl betrügt 1400; außerdem wirken noch 1100 Staunen mit. 380 Mann Musiker, darunter 8u zu Pferd, die in etwa 21 Gruppen eingetheilt sind und in historischer Treue ihre Weisen ertönen lassen, sind vorgesehen 40 Wagen, darunter 21 Prunk- wagen, werden mitgeführt und etwa 700 Pferde dabei verwandt. Außer dem Fenzuge sind in dem Programm noch eine akademische Feier und ein Kostümfest in der Stadthalle, ein Volksfest,
ein großes Konzert und eine Rhein- fahrt mit Uferbeleuchtung nach Bingen und Ettville vorgesehen. Ueber die Zeit des Festes hinaus .-leibt eine typographische Ausstellung bestehen, die in außerordentlich reichem Material die Entwickelung Der Druckkunst von ihren Anrängen ms zur Gegenwart, die graphischen Künste und die verschiedenen Zweige des Buchgewerbes zur Anschauung bringen wird.
Die beistehenden Bilder, welche wir aus Anlaß der Feier unseren Lesern bieten, stellen eine alte Buch- druckerei zur Zeit Gutenbergs und den Abdruck des Pergamentblattes eines von Gutenberg hergeneUlen Oonaldruckcs mit je 27 Zeiten dar, welches als Umschlag einer alten llcchimnginMainzaufgcfundenwurde und jetzt in Paris aufbewahrt wird. Ursprünglich hatte Gutenberg beabsichtigt, als erstes, größeres Werk -ine Bibel drucken zu lassen; allein eine solche fertig zu stellen, fehlte ihm die Menge nothwendiger Lettern.
So war er genöthigt, sich nach einem
kleineren Werke umzusehen, zu dessen Druck nicht so viel Lettern nöthig waren, und welches dennoch großen Absatz versprach. Das waren die unter den Namen der Donate in den Schulen der damaligen Zeit gebrauchten Lehrbücher der lateinischen Sprache, aus denen ein später durch einen Zufall entdecktes Blatt auf unserer Abbildung dargeslcllt ist.
Typ eines 27zeiligen Donat Druckes.
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