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MWerner Mung

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 49.

Mittwoch, den 20. Juni 1900.

51. Jahrgang.

Wer eine Unterireeto

in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post­abonnenten, welche bis spätestens 26. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, türmen verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den

amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Land­briefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Juli 1900 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Juni Der Kaiser besichtigte heute Vor­mittag das KanonenbootTiger" in Brunsbüttel, welches nach der Besichtigung nach Ostasien (China) in See ging. Um 2 Uhr Nachmittags fuhr der Kaiser auf der Hohenzollern" nach Helgoland, wo die Ankunft gegen 5 Uhr erfolgte.

Mit der entgültigen Annahme des Flottengesetzes im Reichstage hängen verschiedene vom Kaiser ertheilte Gnadenbezeugungen zusammen, wie z. B. die Erhebung des Staatssekretärs des Reichsmarineamtes, Tirpitz, in den erblichen Adelstand. Auf ein ihm anläßlich der Ge­nehmigung der Flottenvorlage zugegangenes Glückwunsch­telegramm der Direktion der Hamburg-Amerika-Linie dankte der Kaiser telegraphisch, hierbei wünschend, daß die verstärkte deutsche Flotte bald auch wirklich Achtung gebietend auf dem Meere erscheinen könne, um als Kraft­zuwachs in seiner Hand der Welt den Frieden zu be­wahren.

DerStaatsanzeiger" meldet: Da nach einer Mittheilung des Reichskanzlers alle mit Reaumur- Skalen versehenen Thermometer vom 1. Januar 1901 ab von der Prüfung ausgeschlossen sind, ordnet der Kul­tusminister an, daß in allen öffentlichen Kranken-, Irren­anstalten und öffentlichen Badeanstalten, sowie höheren Schulen die vorhandenen Reaumur-Thermometer durch 100theilige Instrumente nach Celsius zu ersetzen sind.

Schon früher hatte verlautet, daß die Südostecke unseres Kamerun-Schutzgebietes reiche Bestände an Kaut­schuk haben müsse, aber erst durch die Untersuchungen des Dr Schlechter ist etwas Genaueres über den Reich­thum dieser Gegend bekannt geworden. Dr. Schlechter hat die Reise im Auftrage des von der Koloniallotterie unterstützten kolonial-wirthschaftlichen Komittees gemacht und berichtet in der letzten Nummer desTropeupflan. zer" eingehend über seine Untersuchungen. Dr. Schlech­ter konnte auf seinen zahlreichen Streifereien feststellen, daß Gummibäume in Unmengen vorhanden war, so daß man, um viel Milch zu gewinnen, nur sehr geringe Zeit gebrauchte, da die Leute nicht wie im Jorubalande erst immer lange nach den einzelnen Stämmen zu suchen hatten. Um zu zeigen, in welchen Unmengen der Baum vertreten ist, wird erwähnt, daß ein Mann, den Dr. Schlechter ausschickte, in einem Tage genügend Milch einbrachte, um daraus 2*|a Kilogramm Gummi zu ge­winnen.Um festzustellen, wie viel Gummi von einem Baum gewonnen werden kann, ließ ich einen einzigen Baum am Nachmittage anzapfen. Aus der gewonnenen Milch ließen sich annährend zwei Kilo Kautschuk her- .stellen. Im Kongostaat rechnet man, daß ein Mann an einem Tage höchstens ein Pfund Kautschuk zusammen­bringen kann. Man sieht also, daß an Gummireichthum die Südostecke unseres Gebietes als Hervoreagend be­zeichnet werden kann, wenn sie nicht gar eine der reich­sten Kautschukregionen Afrikas ist."

Ein Preisausschreiben für eine Spiritus-Glüh­lampe und einen Spirituskocher verunstalten der Verein der Spiritusfabrikanten in Deutschland, der Verwerth­ungsverband Deutscher Spiritusfabrikanten und die Zent­rale für Spiritusverwerthung in Berlin. Für die Lampe ist ein erster Preis von 7000 Mk. und weitere Preise mit zusammen 5000 Mk. in Aussicht genommen. Für den Spirituskocher find 2500 Mk. zu Preisen ausgesetzt. Bewerbungen zur Theilnahme sind bis zum 1. Dezem­ber ds. Js. an die Zentrale für Spiritusverwerthung in Berlin, Abtheilung für technische Zwecke, zu richten, die den Interessenten auch nähere Auskunft ertheilt.

Gönczi ist nun endgültig zum Tode verurtheilt. Das Reichsgericht erkannte gestern in der Revisionsver- Handlung des Prozesses nach dem Antrag des Reichsan- Waits, den dieser, wie wir kürzlich berichteten, am Diens­tag gestellt hatte, auf Verwerfung der Revision und Be­stätigung des Urtheils des Berliner Schwurgerichts vom 7, April, Die erhobenen prozcssualen und materiellen

Beschwerden wurden als unbegründet zurückgewiesen. Somit ist das auf Todesstrafe lautende Erkenntnis des Berliner Schwurgerichts rechtskräftig geworden.

In Konitz haben weitere Ruhestörungen nicht statt gefunden. Der Belagerungszustand ist nicht verhängt sondern anscheinend nur angedroht worden. Die Kosten, die der Stadt Konitz aus der Einquartierung erwachsen, belaufen sich auf 3300 Mark pro Tag. In den Hotels rc. wohnen 17 Offiziere. Die Stadt wird genöthigt sein, einen Zuschlag zu der Einkommensteuer zu erheben.

Emden. Beim Sortiren von Pflastersteinen, soge- nannteFlinten", fanden Arbeiter unter letzterem einen werthvollen Achat, der vielleicht schon Jahrhunderte lang als Pflasterstein gedient haben mag. Der Stein sHalb- edelstein) wiegt etwa 4 Pfund und soll einen Werth von

500 Mk. herrlichen, Mitte des wurde dem

besitzen. Nach seiner Polirung traten die bunten, gleichmäßig geformten Adern in der Steines deutlich an den Tag. Der Achat Museum zum Geschenk gemacht.

durch zahlreiche Ohrfeigen, Stöße und Tritte mißhandelt. Der Staatsanwalt beantragte 6 und 7 Monate Ge­fängniß. Es sei anzuerkennen, daß die Polizeiorgane Betrunkenen gegenüber einen schwierigen Stand haben; gerichtsseitig komme man ihnen deshalb mit Wohlwollen entgegen, aber dieses Wohlwollen dürfe nicht so weit gehen, Polizeisergeanten Alles zugute zu halten, was sie an Verfehlungen begingen. Der Gerichtshof schloß sich den Auslührungen des Staatsanwalts an und erkannte auf die oben nmgetheilte Strafe.

Mainz. 12. Juni. Nachkommen Gutenbergs werden demRh. Cour. zufolge bei dem bevorstehenden Guten­bergfeste anwesend sein. Es sind die beiden letzten männ­lichen Nachkommen aus Gutenbergs Geschlecht. Der Oheim des kinderlos verstorbenen Erfinders, Ortlieb Gensfleisch zur Laden, verheirathete nämlich seine Toch­ter Hildegard, also Gutenbergs Base, an den Mainzer weltlichen Richter Johann von Molsberg (14241465). Aus dieser Verbindung stammt in urkundlich feststehender

Folge das noch lebende Brüderpaar Baron Paul Adolf

Papeuburg Die immer größer werdende Kohlen- u^m- v«=«^ ~^w.r~... ^.-.. ^u«» «v«,

noth in Dentschland lenkt zur Zeit die Aufmerksamkeit; von Molsberg aus der Langenau bei Mainz, einer der aller interesfirten Kreise auf die Torfproduktion der han- * bedeutendsten Obstbauzüchter Deutschlands, und Freiherr noverschen und oldenburgischen Moorkolonien bezw. Hoch-Heinrich Otto von Molsberg, General der Artillerie z. D.

moore.

Während der Torf als Brennmaterial seither nur in Stuttgart.

Aus Heilbronn wird derFranks. Ztg.

eine lokale Bedeutung besaß, beabsichtigt man, in diesem

berichtet:

Jahre die Torssadrikation tg umfangreicher Weise aufzu- Mit wirksamen Belegen hat der hiesige Stadtuhrmacher, nehmen, und es dadurch zu ermöglichen, nicht nur den dessen Aufgabe es ist, die städtischen Zeitmesser aufzu« größeren Plätzen Westfalens den Torf zum Privatge-ziehen und sonst in Ordnung zu halten, sein Gesuch um brauch zugänglich zu machen, sondern ihn auch, wie das eine Gehaltserhöhung ausgestattet, das er dieser Tage schon vielfach bei zahlreichen industriellen Anlagen ge- f an die bürgerlichen Kollegien gerichtet. Nach den An- schieht, zur Heizung der Maschinen zur Verwendung zu: gaben dieses um die Pünktlichkeit der Uhren seiner Va- bringen. Seither hinderten die theueren Bahusrachten: terstadt besorgten Mannes mußte er seither behufs Er- eine Realisirung dieses Unternehmens. Da die Hoch- i füllung feiner Obliegenheiten jährlich etwa 288,oOO moore durch Stichkanäle in direkter Verbindung mit dem' Treppenstufen steigen und 228,000 Zentner aurziehen. Dortmund-Emskanal stehen, also ein billiges Verfrachten j Dieses Ausziehen wiederum erfordert 44l,650 Schlüffel- zn Schiff möglich ist, so dürfte auch dieser Umstand viel; Umdrehungen. Nun hat diese Leistung aber durch eine dam beitragen, das bequeme und billige Brennmaterial! neue Kirche und Schule eine Steigerung von 83,025 weiteren Bezirken zugänglich zu machen. Durch die s Treppenstufen und 113,180 Zentnern, sowie einigen neuerdings angebabnte Verbindung der Torfwirthschaft j Tausend Umdrehungen erfahren ergo: Der Verdienst mit der Industrie ist die Grundlage für ein gedeihliches steht nicht mehr im Verhältniß zu dem vermehrten Kraft- Emporblühen der ersteren geschaffen, umsomehr, als es'aufwand. Die Stadtväter waren einsichtig genug, die dem rastlosen Forschen gelungen ist, aus dem noch immer * ziffernmäßige Beweisführung anzuerkennen und die Ge­recht stiefmütterlich behandelten Torf ein Produkt zu

schaffen, das die Steinkohle an Werth übertrifft Gegen­wärtig wird von der Internationalen Gesellschaft für Torfverwerthung in Oldenburg nach der bekannten Zieg- lerschen Erfindung durch ein besonderes Verfahren der Torf verkokt, wodurch er nach den Urtheilen namhafter Sachverständiger die größtmögliche Anwendbarkeit zn technischen Zwecken erhält. Der reiche Kohlenstoffgehalt, besonders aber der große Härtegrad und das absolute Freisein von Schwefel michen die Torfkohle besonders für jeden Hochofenbetrieb geeignet; aber auch in Ma­schinen- und Armaturenfabriken, Kupferschmieden, Gelb- gießcreincn, zum Löthen und Schweißen findet der ver­kokte Torf die weitestgehende Verwendung. Für unsere ausgedehnten Hochmoore ist die Anwendung des Torfes zu technischen Zwecken von hervorragender Bedeutung.

Dortmund. Auf der Zeche Viktor bei Rauxel ist daS mächtige Flötz Bertha in Brand gerathen. Eine ganze Abtheilung des Betriebes hat infolge dessen still­gelegt werden müssen; der tägliche Ausfall der Förde» rung beträgt etwa 500 Wagen.

Halle a. S., 13, Juni. Die Strafkammer verur- theilte die beiden Polizeisergeanten Schnelle und Schock) aus Gicbichenstein wegen vorsätzlicher Mißhandlung eines Verhafteten und unberechtigter Verhaftung zu je fünf Monaten Gefängniß. Die Angeklagten hatten am! 21. Februar d. J. Nachts in Gicbichenstein den 2 l jährigen

Haltserhöhung zu bewilligen.

Coustauz. In einem schwimmenden sehr geräumigen

- Holzschuppen auf den Fluthen des BodenseeS geht das lenkbare Luftschiff des Gra en v. Zeppelin nunmehr seiner Vollendung entgegen. Es ist das größte Fahrzeug dieser Art, was je gebaut wurde. Der Erfinder geht mit Recht von dem Gedanken aus, daß zum Bewegen und Lenken eines Luftschiffes vor allen Tangen Maschinen solider Bauart erforderlich sind, die nothwendigerweise ein gewisses Gewicht besitzen müssen. Der eigentliche Ballon hat die bekannte Cigarreniorm und besteht aus einem Gitterwerk aus Aluminium mit einem Ueberzug von Seide und Pegamord versehen. Die Länge dieses Cylinders beträgt 416 Fuß bei einem Durchmesser von 38 Fuß. Der Ballonkörper ist der Länge nach in 17 durch Scheidewände getrennte Abtheilungen getheilt, von denen jede ihren besonderen Gasbehälter enthält. Es sollen hierdurch die durch das Schwinden bezw. Aus­dehnen des Gases erzeugten Stöße gleichmäßig vertheilt werden, um dadurch einem Verbiegen des Ballons vor« zubeugen. An jeder Seite des Ballons sind zwei Propellerschrauben angebracht, die von zwei Benzinmotoren von zusammen 32 Pferdestärken angetrieben werden. Diese befinden sich in 7 Fuß unter dem Ballon ange­brachten Gondeln, die durch eine Alumiuiumbrücke von 302 Fuß Länge verbunden sind. Diese Brücke, die ebenso wie die Gondeln durch solide starke Anker mit dem Gitterwerk des Ballons verbunden ist, dient

Studenten Quandt, der sich stark angeheitert von einem;

Commers kommend, auf der Straße einige nicht erhebliche! als Aufenthaltsort für die Mannschaft und die Passagiere. Ungehörigkeiten erlaubt hatte, verhaftet und ihn, obgleich Der Ballon umfaßt 11,300 Cubikmctcr Gas und ist er sich im Wachtlokale durch seine Studentenkarte legiti-^nach der Berechnung im Stande, über 10,000 Kilogram n mirte, bis zum andern Morgen in Haft behalten und' zu heben. Das zu hebende Gewicht beträgt jedoch mit