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Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Mittwoch, den 13. Juni 1900

51. Jahraang.

Wer eiee IMmhi

in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel' vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Poüamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post­abonnenten, welche bis spätestens 26. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den

amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Land­briefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Juli 1900 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Deutsches Reich.

Berlin. Aus Homburg v. d. Höhe schreibt man der Post" : Es sind ganz bestimmte Weisungen hier einge­troffen, wonach der Kaiser mit der Kaiserin, sowie den beiden jüngsten Prinzen und der Prinzessin am Diens­tag hier eintreffen wird und es ist ein längerer Aufent­halt hier vorgesehen. Gegen Mitte Juli wird sodann der Monarch von hier aus seine gewohnte Nordlands- reise antreten, während seine Familie voraussichtlich noch länger hier residiren wird.

Die Novelle zum Münzgesetz ist jetzt amtlich publizirt worden. Durch sie werden die goldenen Fünf- markstücke sowie die silbernen und die Nickel-Zwanzig- Pfennigstücke auf den Aussterbe-Etat gesetzt. Die goldenen Fünfmark Stücke werden eingezogen; der Bundesrath bestimmt, wann sie außer Kurs gesetzt, werden sollen. Die silbernen Zwanzigpfennig-Stücke werden am 1. Jan. 1902, die nickelnen am 1. Januar 1903 außer Kurs gesetzt. Ferner wird der Gesammtbetrag der Reichs­silbermünzen von 10 auf 15 M. für den Kopf der Bevölkerung des Reichs erhöht mit der Maßgabe, daß zu den erforderlichen Neuprägungen Thalerstücke ein­gezogen werden. Weiter soll das Zweiprennigstück aus dem Verkehr gezogen werden. Eine Neuansprägung solcher Münzen liegt für absehbare Zeit nicht in der Absicht der zuständigen Stelle, vielmehr sollen dieselben für den Münzumlauf entbehrlich gemacht werden, indem eine reichliche Versorgung des Verkehrs mit Einpfennig­stücken geplant ist.

Zur wirthschaftlichen Lage wird geschrieben: Es herrscht heute eine gewisse Zurückhaltung der Unter­nehmung, kein Nachlassen der Thätigkeit, auch keine Nachgiebigkeit des Preises; wohl aber im Nachlassen

reiche Verletzungen, zum Theil schwerer Natur. Eine Reihe von Frauen und Mädchen sind an Köpfen, Ar­men und Händen verwundet, ein alter Mann liegt schwer danieder; 16 Personen mußten das städtische Krankenhaus aufsuchen. Ein Arzt an der Bahrenwalder- straße stand mit Verbandzeug und Instrumenten in

Elberfeld, 8. Juni. Einen Mordversuch unternahm hier gestern Abend ein Schreinergeselle aus Hamburg, der sich hier vorübergehend aufhielt, auf eine Dame aus Düren. Als diese nämlich gleich nach 11 Uhr, von ' einem Ausgang heimkehrend, das HotelrestaurantZu den drei Kaisern", in dem sie abgestiegen war, aufsuchte, trat der Mensch ihr in den Weg und versetzte ihr, ohne

seinem Hausflur und leistete erste Hül'e. Dir Schutz

leute müssen fast ausnahmslos scharfe Hiebe geschlagen ein Wort zu sagen, drei Messerstiche. Die schwer ver­hoben. In der Apotheke und in den benachbarten letzte Dame rief laut um Hilfe, und mehrere Personen

Straßen waren heute früh noch reichliche Blutspuren darunter ein Wachmann, eilten herbei, um den Atten- zu sehen. Auf den Straßen sieht man viele Leute mit täter festzunehmen. Der stand ruhig da und ließ sich Binden um Kopf und Arme. Gestern Abend brach der ruhig abführen. Auf Fragen nach dem Motive zu der

Skandal von Neuem los. Am späten Abende und Nachts That blieb er anfänglich stumm, während des Trans- lärmien Volksaufen in der Vahrenwalderstraße und am ports zur Wache und bei seiner Vernehmu ig daselbst Steinthorbezirke, zertrümmerten Fenster und Laternen gab er aber an, er habe sich vorgenommen, Jemand zu und bewarfen die Schutzleute. Letztere und Militärpat-! ermorden und lediglich deshalb auf die ihm im Uebrigen rouillen säuberten die Straßen. Viele Personen wurden völlig unbekannte Dame losgestochen. Wie es scheint, hat

der Kauflust in fast allen Zweigen Stahlgewerbes. Die Lage ist aber wegen der Vorgänge in Amerika und als wegen des hohen Standes der wegen des Mißverhältnisses zwischen Rohstoffe und denen der Erzeugnisse.

des Eisen- und unsicher, sowohl an der Börse, Eisenpreise und den Preisen der Man darf nicht

vergessen, daß Roheisen auch im vorigen Jahre und bis Ende des ersten Vierteljahres 1900 noch anhaltend gestiegen ist, nachdem es sich doch schon vordem seit sieben Jahren in steigender Richtung bewegt hatte Daß das nicht so weiter gehen kann, sieht Jedermann ein, wenn er auch bis vor Kurzem nicht darüber nach­gedacht, sondern die Bewegung für dauernd gehalten haben mag, weil der große Bedarf anhielt. Mit letzterem hat'es in manchen Zweigen der Industrie, so z. B. in der Bauthätigkeit entschieden nachgelassen. Der Höhepunkt in der wirthschaftlichen Lage, den Jeder kommen sah, scheint überschritten und zwar überschritten nach einer Zeit des Aufschwunges von einer Macht und Nach- Haltigkeit, wie die Welt sie eigentlich noch nicht gekannt

hat. Was nunmehr kommt, entzieht Beurtheilung.

sich der sicheren

Hamburg, 29. Mai. Ungeheure Heiterkeit erregte gestern im Rathhause die Eröffnung der Offerten auf den ausgeschrieben Abbruch der beiden Wracklheile des Armin". Während Einer der Offerenten sich mit der bescheidenen Summe von 180 000 Mk. begnügen will, um die Wracktheile von der Wasser- und Bildfläche ver­schwinden zu lassen, bietet ein anderer der Behörde so­gar die Summe von 10 778 Mk. für den Fall, daß ihm diese Arbeit übertragen wird. Wer von den beiden Konkurrenten unter diesen Umständen schließlich als Sieger aus dem eigenthümlichen Wetlkampf hervorgehen wird, dürfte kaum noch zweifelhaft fein.

Hauuover. Die Ruhestörungen aus Anlaß des Straßenbahnstreiks haben am Mittwoch Abend einen außerordentlichen Umfang angenommen und zu Blutver­gießen geführt. Gegen das am Abend anrückende Schutz- mannsan gebot von 221 Mann wurden aus der johlen­den Menge Steine geworfen. Hierauf wurde die Menge mit blanker Waffe, scharfen Hieben und im raschesten Tempo auSeinandergetrieben. Natürlich erfolgten zahl-

verhaftet. Die Streikenden sind nach Aussage der Poli­zeibeamten an den Krawallen nicht betheiligt.

Magdeburg, 6. Juni. Auf eine ganz eigenartige Idee zur Hebung des Gemeindeeinkommens sind die Bauern von Parchau bei Burg verfallen, die über eine mit 12 000 Mark jährlich dotirte Pfarre verfügen. Als diese durch den Tod ihres Inhabers erledigt wurde, und sich viele Kandidaten meldeten, traten Gemeindemitglieder mit einigen der Kandidaten in Verhandlung und ver­sprachen ihnen die Stelle gegen Gewährung von Geld- vortheilen an die Gemeinde. Der Bruder des einen Kandidaten wollte 1000 Mk. jährlich zahlen, der Freund eines anderen hingegen verpflichtet sich zur einmaligen Zahlung von 24,000 Mark, wenn sein Freund gewählt würde. Das geschah denu auch, aber der Handel wurde bekannt, und es knüpften sich daran Untersuchungen aller Art und auch ein Prozeß wegen Meineids, der mit Freisprechung endete. Die Thatsache bleibt aber bestehen, daß mit der Pfarrstelle von Parchau ein arger Schacher versucht worden ist. Der Freund des einen Kandidaten, dessen Wahl dann auch erfolgte, ein Bankier Haseloff in Burg, stellte, derF. Z." zufolge, durchaus nich^ in Abrede, das Versprechen mit den 24,000 Mark ge­geben zu haben, erklärte aber, daß der Pfarrer nichts »avon gewußt habe, und daß er diese Summe ohne ein Wissen versprochen habe, um den Pfarrer, seinen >esten Freund, in seine Nähe zu bekommen. Ein Lehrer agte aus, die Verhandlungen seien so öffentlich geführt worden, daß jedes Kind in Parchau darum gewußt habe. Schließlich werden die schlauen Bauern doch hineinfallen, da der für 24,000 Mark gewählte Pfarrer nach allem, was bekannt geworden ist, die Bestätigung des Kirchen- regiments nicht erhalten wird.

Aus Kouitz kommt heute folgende überraschende Mel­dung: Gegen den Schlächtermeister Hoffmann ist auf Beschluß des Landgerichts die Voruntersuchung wegen Todtschlags eingeleitet worden. Vor einigen Tagen hieß es bekanntlich, daß gegen H. kein Verdacht mehr vorliege. . Memel, 7. Juni. Ein furchtbarer Unglücksfall in­folge unglaublicher Leichtfertigkeit hat sich vorgestern in Schnaugsten im hiesigen Kreise zugetragen. Der zum Pfingsturlaub dort sich aufhaltende Kanonier Petroschkat

vom Fußartillerieregiment v. Singer aus Königsberg hatte vom Schießplatz einen noch mit Sprengstoff ge­füllten Theil einer Granate, einen Zünder, mitgcbracht, den er in der Hosentasche bei sich trug. Als er gestern Vormittag mit seiner Schwester spazieren ging, cpplodirte plötzlich das Geschoß mit einer gewaltigen Detonation. Petroschkat selbst wurde in furchtbarer Weise zugerichtet. Die linke Hand wurde ihm ganz, von der rechten sämmt­liche Finger abgerissen. In den Unterleib riß ein Ge­schoßsplitter ein apfelgroßes Loch ein, aus dem, wie die Danz. Ztg." mittheilt, Därme und Magen, letzterer beschädigt, Hervorquollen. Außerdem erhielt der Un­glückliche starke Brandwunden im Gesicht. Er wurde in hoffnungslosem Zustande in das hiesige Garnisonlazareth eingeliefert. Aber auch seine Schwester hat ungemein schwere Verletzungen erlitten, welche ihr Leben gefährden.

völlig unbekannte Dame losgestochen. Wie es scheint, hat

man es mit einem Geistesgestörten zu thun. Die Ver­letzte befindet sich im städtischen Krankenhause in ärzt­licher Behandlung.

Vom Siebeugebirge. . Dieser Tage ließ sich ein ; Mann etwa 30 Fuß tief an einem Felsen des Sieben- gebirges herab und entnahm aus dem im Felsen befind- f lichen Reste eines Taubenhabichtpaares drei junge Ha- ;dichte. In dem Neste befanden sich etwa 70 bis 80 Taubenfüße mit Fußringen versehen und Flügel mit Vereinsstempeln bedruckt.

Koblenz. Ueber den Pfingstverkehr am Rheine wird aus Koblenz berichtet: Das Leben und Treiben am Rhein während dieser prachtvollen Pfingsttage war ein­fach enorm. Die Dampfer waren so gepfropft voll, wie ich sie niemals zuvor noch gesehen habe. Wenn hier in Koblenz zu ungefähr gleicher Zeit zwei Dampfer an- legten, von Köln und Mainz, so herrschte auf den ge­wiß nicht schmalen Quais ein geradezu lebensgefährliches

Gedränge.

Dazwischen die Radfahrer, ;a diese

Radfahrer! Was da seit Samstag herauf und herunter­geradelt kam, das spottet einfach jeder Beschreibung. Scharenweise, in großen und kleinen Trupps, Männer, Frauen und Kinder, sauste die wilde Jagd heran. Da­zwischen zahllose Autos aller Systeme, du meine Güte, war das ein Gewimmel auf den Chausseen! Und

die Wirthschaften! Ich sah in einer Wirthschaft den Eigenthümer wie todt auf einem Sofa liegen:Herr den meisten Wirth-

Gott! ich kann nicht mehr!" In

schaften waren Selterswasser, Eis und Limonade nicht mehr zu haben: Speisen konnte man überhaupt erst nach langem Warten. Bitten jtnb Betteln am Büffet bekommen. Die eleganten Speisesäle mit eleganten Tafeln in doppelter und dreifacher Reihe wiesen nicht eine Lücke auf, und ich sah in einem Hotel wahre Propfenberge im Vorzimmer des Speisesaals liegen. Um 6 Uhr Nachmittags am ersten Feiertag war in Koblenz und in den meisten umliegenden Ortschaften kein Zimmer mehr zu haben. In kleinen Orten wurden den biederen Wirthen Preise für ein Bett, nur ein Bett, mag's stehen wo es will, geboten, daß den Leutchen schwindlich wurde. Nachts um 2 Uhr wurde ich mehrere Male von Fremden angehalten und flehentlichst um Rath ersucht, was sie machen sollten, da sie nirgends

unterkommen könnten.

Mainz, 7. Juni. In der gestrigen Sitzung des Alldeutschen Verbandes, welcher zur Zeit hier tagt, wurde beschlossen, aus dem Buren-Fonds, der unge ähr eine Viertel Million Mark beträgt, 10,000 Mark an die Ortsgruppe Johannesburg für die Hinterbliebenen der Gefallenen zu überweisen. Weitere 20 000 Mk wurden zu dem gleichen Zweck der Hauptleitung des Verbandes zur Verfügung gestellt. Ueber den Rest des Fonds soll päter noch Beschluß gefaßt werden.

Darmstadt, 7. Juni DieDarmstädter Ztg." er- ährt von maßgebender Seite, daß die Mittheilung von >em Selbstmorde des Försters Sauerwein und angeblichen Enthüllungen desselben in der Mordsache Kuhmichel von Anfang bis Ende erfunden ist.