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SchlüchterMMun

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

iM 46. Samstag, den 9. Juni 1900. 51. Jahrgang.

meter großen Fläche befanden, an der Erde liegen. Durch Rütteln brächte er jene Zwölf wieder zum Bewußtsein zurück. Bei Franze zeigte die Leiche eine Verletzung am Kopse, die Augenbrauen und das Kopfhaar waren angesengt.

Bei dem großen Waldbrand bei Finsterwalde find nach der jetzt erfolgten Schätzung Sachverständiger 5500 bis 5600 Morgen meist hundertjährigen Bestandes eingeäschert worden. Der Schaden ist ein ganz bedeu­tender; er beträgt mehrere Millionen, da das dem Feuer zum Opfer gefallene Gelände mit im besten Wachsthum begriffenem Bauholz bestanden war. Es müssen sämt­liche Bäume gefällt und die riesige Brandstätte neu auf- geforstet werden.

Riesenburg, 28. Mai. Carl Neur'eld, der frühere Gefangene des Mahdi, wird nachdem seine Mutter das ihr gehörige Gut Kl. Rhodau verkauft hat, im Laufe des nächsten Monats nach dem Sudan zurückkehren. Er hat daselbst bte Stelle eines ersten Directors in einer großen, von Deutschen gegründeten Fabrik übernommen. Mit ihm geht seine erste Gemahlin, welche er vor An­tritt seiner Forschungsreise in England gehcirathet hatte, seine erwachsene Tochter, seine Schwester, Frau Fröden- Hagen, und der bisherige Jnspector seiner Mutter, Herr von Natzmer. Letzterer wird in der von Neufeld zu leitenden Fabrik die Stelle eines Buchhalters bekleiden.

Eckernförde. Ein interessanter Fund ist, wie die Eckernförder Nachrichten" melden, in Damendorf ge macht. Dort fanden vor einigen Tagen Arbeiter beim Torfstechen eine gut erhaltene Leiche im Moor, welche mit einem groben, wollartigen Stoff bekleidet war, rothes Haar hatte und Sandalen an den Füßen trug. Herr Dr. Splieth aus Kiel, welcher sofort von dem Funde benachrichtigt wurde, schätzte das Alter der Leiche au etwa 1500 Jahre. Schon vor einigen Jahren fand man in der Nähe des jetzigenfFundortes mehrere Münzen, welche nach Untersuchung Sachverständiger ebenfalls aus den ersten Jahrhunderten nach Christi stammten. Der Fund wird dem Museum für vaterländische Alterthümer einverleibt.

Mainz, 3. Juni. Vor einigen Tagen wurden mehrere Soldaten des hier garnisonirenden Jnfanterie-Regimenls Nr. 117 von der Genickstarre befallen. Die Kranken wurden sofort ins Militärlazareth gebracht, wo gestern ein Unteroffizier aus Hcrrnsheim bei Worms der Krank­heit erlegen ist. Der Festzug zum Gutenbergfest in Mainz wird der größte sein, den man in den letzten Jahren gesehen hat. Mitwirkende sind nach der Köln. Ztg. 1000 Herren und Damen zu Fuß, 180 zu Pferde, 190 auf 41 Wagen, von denen 23 Prunkwagen sind. Weiter sind es an Statisten: 270 zu Pferde, 300 zu Fuß, 100 für Be­spannung und 250 als Pferdeführer. 442 Musiker sind in 29 Unter Abtheilungen im Zuge vertheilt, darunter 7 berittene Abtheilungen. Im Ganzen werden 760 Pferde im Zuge gehen. Angemeldet sind ferner zur aktiven Mitwirkung 300 Studirende von den Hochschulen zu Darmstadt und Heildelberg, darunter 70 Chargierte zu Pferd.

Mainz, 5. Juni. Als Heeresunsicherer wurde am Samstag in Frankfurt der Bruder des bekannten Rad­fahrers Lehr, der bisher im Auslande gelebt hat und zu Radrennen nach Deutschland kam, von der Polizei aufgegriffen und der Militärbehörde überwiesen. Letztere theilte ihn dem hiesigen Infanterie-Regiment Nr. 88 zu und ließ ihn durch einen Sergeanten und einen Gefrei­ten des Bezirkskommandos Frankfurt hierherbringen. Der Sergeant beging nun den großen Fehler, mit dem ca. 2000 Mark baares Geld bei sich führenden Trans, portanten vor der Ablieferung an das Regiment eine hiesige Wirthschaft zu besuchen und dem jungen Manne dort zu erlauben, ohne Begleitung, bezw. Aufsicht, aus, zutreten. Als L nach längerer Zeit nicht in das Lokal zurückkam, fand man, das er die Flucht ergriffen hatte. Die Transporteure befanden sich darauf in großer Auf­regung. Sie wandten sich an die Polizei und mit deren Hilfe gelang es nach mehreren Stunden den Flüchtling festzunehmen und dann an das Regiment abzuliefern.

Mannheim, 5. Juni. In Dossenheim verursachte gestern Abend ein Radfahrer ein schweres Unglück Kanonier Stettinger vom Feldartillerieregiment Nr. 50 in Karlsruhe riß ein Kind von den Schienen der elekt­rischen Straßenbahn, als gerade ein Zug heranfuhr. In diesem Moment wurde der Retter des Kindes von einem

Amtliches.

J.-Nr. 1847 K. A. Dem bei dem Bäcker Wilhelm Euler m Dienst stehenden Knecht Georg Kreß in Steinau ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prä­mie von 10 Mark aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlüchtern, den 2. Juni 1900.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.

DeutschesReich.

Berlin. Der Kaiser hat gelegentlich der am 12. d. Mts. stattfindenden 700jährigen Jubelfeier der Mans- felder Kupferschiefer banenden Gewerkschaft zu Eisleben sein Erscheinen zugesagt. Nach derPost" wird der Kaiser auf dieser Reise von seiner Gemahlin begleitet sein. Nach Beendigung der Feierlichkeiten tritt das Kaiserpaar gemeinsam über CasselFrankfurt a. M. die Weiterreise nach Homburg v. H- an, wo inzwischen im dortigen Schlosse die jüngeren kaiserlichen Prinzen, sowie die Prinzessin Viktoria Luise eingetroffen sein werden.

Kaiser Wilhelm sollte, wie Londoner Blätter zu melden wissen, der Königin Viktoria zu den kriegerischen Erfolgen des Feldmarschalls Roberts in Südafrika tele­graphisch in den wärmsten Ausdrücken gratuliert und hierbei seine besondere Freude über das Glück der briti­schen Waffen noch speziell bekundet haben. Die Nach­richt ist nach derMagdeb. Ztg." unbegründet.

Der Kaiser hat bestimmt, daß die bei Metz in Ausführung begriffenen Befestigungen wie folgt benannt werden sollen: Das Werk auf dem GorgimontFeste Kronprinz", das Werk bei la Ponet de jourFeste Kaiserin" und das Werk bei SaulwyFeste Lothringen". Es soll dies ein Zeichen sein, wie eng verbunden der Kaiser und sein Haus sich mit dem Reichslande fühlen.

Nachdem im letzten Jahre von der Eisenbahn­verwaltung die Spiritusbeleuchtung auf verschied.nen Bahnhöfen versuchsweise eingeführt worden ist, sollen jetzt, da der Verbrauch des Branntweins zu Beleuchtungs­zwecken aus volkswirthschaftlichen Gründen thunlichste Förderung verdient, auch in der Verwaltung der indi­rekten Steuern weitere gleichartige Versuche gemacht werden. Der Finanzminister hat angeordnet, daß Er­mittelungen darüber anzustellcn seien, bei welchen Zoll- und Steuerstellen die Beleuchtung durch Spirituslampcn zweckmäßig einzuführen sei.

200 Pioniere der Eisenbahnbrigade begeben sich im Juni auf die Dauer von vorläufig sechs Wochen von Berlin nach Goldap in Ostpreußen und betheiligen sich an dem auf Veranlassung des Kaisers beschlossenen Bahnbau Goldap-Rominten. Das Kommando wird den Oberbau der Strecke ausführen, da sie bis zum Herbst­aufenthalt des Kaisers in Rommten fertiggestellt sein soll.

Ein Bäckerstreik wird, nach der in den Gesellen­kreisen herrschenden Stimmung zu urtheilen, wahrschein­lich heute Donnerstag Nachmittag in Berlin proklamiert werden. Die Arbeit wird in denjenigen Bäckereien nicht wieder ausgenommen, wo die Forderungen nicht aner­kannt sind. Für heute ist eine Versammlung sämtlicher Bäckereiarbetter einberufen worden, in der über die Ant­worten der Meister um Bewilligung der gestellten For­derungen Beschluß gefaßt werden soll.

BreSlau. Im Breslauer zoologischen Garten er­regt zur Zeit eine Nubier-Truppe berechtigtes Auf­sehen durch das ungewöhnlich charakteristische Aussehen ihrer Mitglieder und die ungezügelte Wildheit, die sich in Blick, Geberde, Ton und Kriegstänzen auschricht. Neulich Abends, nach Feierabend, wurde in dem Zelt des Häuptlings ein eingeschriebener Brief mit der Adresse abgegeben:Herrn Leib Tirschticgel aus Polnisch-Lissa, zur Zeit Nubier im Zoologischen Garten in Breslau."

Schweiduitz. Dreizehn Knaben vom Blitz getroffen. Ein Unfall unter merkwürdigen Begleiterscheinungen er­eignete sich auf dem Felde bei Schweidnitz in Schlesien. Dort arbeitete unter Aufsicht eines Mannes eine An­zahl Knaben auf einem Felde hinter dem Bahnhof Niederstadt". Der Himmel war zwar bedeckt, doch war von einem nahenden Gewitter nichts zu inerten. Plötzlich zuckte aus den Wolken ein Blitz hernieder und traf den dort beschäftigten elf Jahre alten Augustin Franze, der sofort todt war. Der Blitz hatte gleichzeitig noch zwölf andere Knaben, die in der Nähe von Franze arbeiteten, betäubt und zu Boden geworfen. Auch der Aufseher fiel bewußtlos zur Erde. Als er wieder zur Besinnung kam, sah er alle zwölf seiner Aufsicht unter­stellten Knaben, welche sich aus einer etwa 20 Quadrat­

Radfahrer angestoßen, so daß er auf die Schienen flog und quer auf das Geleise zu liegen kam. Es wurden ihm der Kopf und die beiden Beine abgefahren. Der Radfahrer, der das Unglück herbeigeführt hatte, suchte unerkannt das Weite.

Ludwigshafen. Eine Benzin-Explosion mit entsetz­lichen Folgen ereignete sich am ersten Feiertag in Lud­wigshafen. Der im Hause Ecke Wrede- und Heinestraße wohnende verheirathete Privatmann Jean Lerchenmüller ging zwischen 6 und 7 Uhr Morgens in den Keller, um eine Flasche Benzin für sein Motordreirad abzuziehen. Das in seiner Begleitung befindliche Dienstmädchen, welches in der Hand eine brennende Stearinkerze trug, kam mit dieser dem Benzinbehälter zu nahe, sodaß dieses Feuer fing und mit furchtbarem Krach explodierte. Die Flamme schlug die offenstehende Kellertreppe hinauf und ergriff das ganze Stiegenhaus des Hauses, welches in wenigen Augenblicken bis zum vierten Stock hinauf in Hellen Flammen stand. Die im vierten Stockwerk woh­nende Familie des Postboten Leiner, eine Frau mit vier Kindern, sprang auf den Korridor heraus und suchte sich durch die in Hellen Flammen stehende Treppe hin­unter zu retten. Hierbei erlitten ein Mädchen von 12 Jahren, ein Knabe von 8 Jahren und ein Mädchen von 2 Jahren so schwere Brandwunden, daß sie sofort starken. Das vierte Kind, ein Mädchen von vier Jahren, ist leichter verletzt. Die Frau Leiner erhielt geradezu schreckliche Brandwunden, sodaß ihr die Haut in Fetzen vom Leibe hing. Die Unglückliche lebte noch einige Stunden, gab aber dann unter unsäglichen Schmerzen ihren Geist auf. Postbote Leiner war nicht zu Hause, sondern ging seinen Berufspflichten nach. Lerchenmüller kam mit einigen leichten Verletzungen davon, während d . Mädchen merkwürdigerweise völlig unversehrt blieb, Das Feuer selbst richtete in dem Hause keinen allzu großen Schaden an und wurde verhältnißmäßig rasch gelöscht. Desto schlimmer sind aber die Folgen der Detonation, durch welche sozusagen das ganze Innere des Hauses demoliert wurde. Das Ganze bildete ein wüstes Durcheinander. Die Fenster sind eingeschlagen, die Thüren zersprungen, die Wände haben Risse erhalten, die Einrichtungen der Wohnungen sind theilweise ver­nichtet.

Darmstadt, 2. Juni. DerWormser Ztg.«» wird von hier gemeldet: Vor ungefähr zehn Jahren wurde im Mörfelder Walde, auf der Chousse zwischen Frank­furt und Mörfelden, der Landwirth Schalmeyer ermordet und als Mörder ein gewisser Kuhmichel vom Schwur­gericht zum Tode verurtheilt und hingerichlet. Nunmehr dringt die Kunde hierher, daß der Förster Sauerwein, der damals in Mörfelden stationiert war, sich erhängt und auf einen hinterlassenen Zettel sich als Mörder be­zeichnet hat. Eine an die Bürgermeisterei gerichtete An­frage bestätigt dieses Gerücht und stellt fest, daß Sauer­wein schon vor langer Zeit nach Oderhessen versetzt war, und daß die Staatsanwaltschaft schon seit längerer Zeit 'ich mit dieser Angelegenheit beschäftigt habe. Von Darm- tadt wird nun gemeldet, daß das angebliche Geständniß Sauerweins, der zuletzt in Conradsdorf in Oberhessen 'land, bis jetzt keine Bestätigung finde.

Gotha. Großes Aufsehen erregte im vergangenen Jahre die Nachricht, daß in Berlin fabrizirte Pferde- wurst in großen Quantitäten nach Gotha geschickt wird, um von dort von einer Gothaer Firma als echte Go- thaer Cervelatwurst in die Welt zu gehen. Unter anderen Orten wurde besonders München genannt, wohin Ber- iner Pferdewurst alsechte Gothaer" geliefert worden ei. Dem gegenüber erklärt jetzt der Vorstand der Flei- cherinnung in Gotha in einer an dieAllgemeine Flei- cher-Zeitung" gerichteten Zuschrift, daß durch die von icr Innung angestellten Recherchen nunmehr festgestellt st, daß bei den erwähnten Betrügereien eine Gothaer Firma überhaupt nicht betheiligt war, dieses saubere Gewerbe vielmehr von einer Firma in Eisenberg in Thüringen ausgeübt worden ist.

Ausland

London, 5. Juni. Pretoria ist von den Engländern besetzt worden. Mit der offiziellen Besitzergreifung Pretorias ist der südafrikanische Krieg, an dem die Eng­länder schon nach dem Fall des goldreichen Johannes­burg kein Interesse mehr hatten, thatsächlich zu Ende. Möglich, daß Präsident Krüger noch eine kleine Schaar Getreuer an sich zu fesseln vermag, die mit ihm der;