SchlüchternerZeitung
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
44. Samstag, den 2. Juni 1900. 51. Jahrgang.
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Amtliches.
Der Ackermann Adam Rüfser zu Kressenbach beabsichtigt, auf dem Grundstück Kartenblatt E Nr. 54 der Gemarkung Kressenbach eine Kalkbrennerei zu erbauen.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntniß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht auf Montag, den 18. Juni er. Vormittags 10 Uhr vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.
Schlüchtern, den 25. Mai 1900.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
Arbeiterwohnungen.
Während das Reich fortgesetzt an der Ausgestaltung der Arbeiterversicherung und des Arbeiterschutzes thätig ist und so auf diesen Gebieten Deutschland au die Spitze der Culturnationen bringt, sind die anderen Gemeinwesen auf dem Felde der Sozialpolitik durchaus nicht unthätig. Namentlich haben sich die Staaten und Gemeinden die Lösung der Arbeiterwohnungsfrage zur Aufgabe gesetzt, und es ist denn auch zu beobachten, wie sie in stetiger Arbeit dem gesetzten Ziele näher zu kommen suchen. Preußen steht dabei, soweit die staatliche Arbeiterschaft in Betracht kommt, in erster Reihe. Nachdem durch Gesetze vom Jahre 1895, 1898 und 1899 jedesmal 5 Millionen Mark zum Bau von Wohnhäusern für Arbeiter und Unterbeamten der großen Betriebsverwaltungen d^s Staates, der Eisenbahn-, Bau-, Bergwerks- u. s. w. Verwaltung freigegeben worden sind und die im Jahre 1899 bewilligte Summe selbstverständlich noch gar nicht verwendet sein kann, sondern erst im Anschläge nahezu verbraucht ist, ist bereits wieder eine Vorlage an das Abgeordnetenhaus gekommen, in der für die Staatsregierung ein weiterer Betrag von 5 Millionen Mark zum Zwecke des Baues von Arbeiter- u. s. w. Wohnungen zur Verfügung gestellt wird. Man sieht, daß es dem preußischen Staate heiliger Ernst mit der Lösung der Wohnungsfrage ist. Selbstverständlich können keine Staatsgelder für private Zwecke, d. h. für den Bau von Wohnungen privater Arbeiter zur Verfügung gestellt werden. Hier wird von anderer Seite z. B. den Versicherungsanstalten eingegriffen werden müssen. Aber soweit es nur irgend möglich ist, läßt sich der preußische Staat den Ausbau dieses sozialpolitischen Thätigkeitszweiges angelegen sein. Abgesehen von den durch besondere Gesetze bewilligten und zu bewilligenden Krediten wendet er in den Einzeletats verschiedener Verwaltungen, so der Justiz- und Zollverwaltung, beträchtliche Summen für den Bau von Arbeiter- und Beamtenwohnungen namentlich in den Gegenden auf, wo solche Wohnungen schwer und nur mit großem Kostenaufwande zu haben sind. Der Staat ist der größte Arbeitgeber. Er wird sicherlich darauf rechnen können, daß die anderen Arbeitgeber ihm in dieser Beziehung möglichst zahlreich folgen werden. Man erkennt in Arbeitgeberkreisen auch immer mehr die Nützlichkeit der Lösung der Arbeiterwohnungsfrage und macht sich theils allein, theils unter Zuhilfenahme von Ballgesellschaften daran. So wird auch auf diesem Gebiete Deutschland an der Spitze der Nationen marschieren und den Beweis erbringen, daß es auf allen sozialpolitischen Gebieten seinen Mann steht. Der Rechtsstaat wandelt sich immer mehr in den Kulturstaat um, und in dieser Umwandlung geht Deutschland mit starken Schritten vorwärts.____
Deutsches Reich.
Berlin. Donnerstag Vormittags stattete der Kaiser dem Kronprinzen im Kabinetshaus in Potsdam einen Besuch ab, fuhr um 11’/* Uhr mit Sonderzug nach Berlin und besuchte hier im königlichen Schlosse die kronprinzlich griechischen Herrschaften. — Der Kaiser hat dem Staatssekretär Grafen Posadowsky über die im Reichstage erfolgte Annahme der neuen Unfall-Vcrsiche-
rungs Gesetze, „dieses für den weiteren Ausbau der Fürsorge für die arbeitenden Klassen so bedeutungsvollen Werkes" ausgesprochen.
Konitz, 29. Mai. Der hiesige Fleischermeister Hoff- mann und seine Tochter wurden heute unter dem Verdacht der Ermordung Ernst Winters durch Kriminalin. spektor Braun verhaftet und in das hiesige Untersuchungs- gcfängniß übergeführt. In die Angelegenheit spielt auch die Person des früheren Lehrlings Hoffmanns und jetzigen Schlächtergesellen Wohlke hinein, der bald nach dem Morde Konitz verlassen, und bezüglich dessen Person Kriminalinspektor Braun vor einigen Tagen in Danzig recherchirt hat, ferner ein Kommissionär L. aus Richuow. bei dem vor einigen Tagen Haussuchung abgehalten wurde. L. soll in der Mordnacht in Konitz gewesen sein. — Wie dem „Lokal-Anzeiger" aus Konitz weiter gemeldet wird, wurde der frühere Geselle des Fleischermeisters Hoffmann, Wöhlke, gestern in Marienburg verhaftet und nach Konitz gebracht. Der Schlächtermeister Hoffmann und seine Tochter wurden bereits aus Haft entlassen.
Hamm i. W. Der Bürgermeister von Hamm, der gleichzeitig dem Verein gegen Mißbrauch geistiger Getränke vorsteht, geht den Trunksüchtigen, w:e man von dort schreibt, sehr entschieden zu Leibe. Er Hot im Namen der hiesigen Armenverwaltung an die Bezirksvorsteher, Armenpfleger und Geistlichen ein Schreiben gerichtet, in welchem er unter Berufung auf § 6 des bürgerlichen Gesetzbuches darauf hinweist, daß die Trunksüchtigen entmündigt werden können. „Wird gegen das unwirth schaftliche Verhalten von Trunksüchtigen und Verschwendern rechtzeitig eingegriffen", so führt der Bürgermeister aus, „so bedeutet das nicht allein für uns eine Abwendung einer dauernden Hilfsbedürftigkeit, sondern es wird auch der betreffenden Familie eine große Wohlthat erwiesen, und zwar um so mehr, wenn die Armenverwaltung, wie dies in vielen Fällen sich empfehlen dürfte, für die Heilung des Trunksüchtigen durch Unterbringung in einer Heilanstalt Sorge trägt. Wir richten deshalb an die Herren Bezirksvorsteher, Armenpfleger und Geistlichen die Bitte, uns alle Trunksüchtigen und Verschwender bekannt zu geben, die sich und ihre Familie durch ihr unwirthschaftliches Verhalten der Gefahr des Nothstandes aussetzen. Wir machen dabei besonders darauf aufmerksam, daß wir von der uns eingeräumten Befug- niß nur dann Gebrauch machen können, wenn der zu Entmündigende zu der begründeten Besorgmß Anlaß giebt, er selbst oder seine Familie werde der öffentlichen Armenpflege zur Last fallen. R. Matthai, Bürgermeister."
Seit längerer Zeit herrscht in Bochum der Typhus. Etwa dreihundert Fälle sind zur Anmeldung gelangt. Im allgemeinen verläuft die Epidemie gutartig, wenngleich es auch nicht an Todesfällen mangelt. Der Herd der Typhisbacillen ist bis jetzt nicht gefunden.
Lingen. Der Moorbrand im Regierungsbezirk Osnabrück hat schon den Emskanal übersprungen und wüthet in den herzoglich Arenbergschen Forsten. Die allerdings durch einige Niederschläge gemilderte Dürre befördert das Fortschreiten des Brandes. Die königlichen Forsten sind in großer Gefahr, ebenso die umliegenden Ortschaften, wie auch Schloß Herzford. Es kommt auf die Windrichtung an, welche Glück oder Verderben zu bringen vermag. Eisenbahnarbeiter sind nach wie vor bei den Eindämmerungsarbeiten thätig.
Ausland
Rom. Ueber einen unerhörten Vorgang im Peters- dom zu Rom machte ein deutscher Geistlicher dem Berichterstatter des »Berl. Tgbl." Mittheilung. Während des jüngsten Pilgerempfanges stimmten die in der Minderheit befindlichen Deutschen ihre Kirchenlieder in deutscher Sprache an. Sofort begannen die französischen Pilger wie auf Kommando zu zischen, zu pfeifen und die Deutschen in pöbelhafter Weise zu unterbrechen. Die wiederholten Vresuche der Deutschen, ihre Kirchenlieder zu singen, wurden in derselben Weise vereitelt. Dagegen bunten die Franzosen ihre Hymnen singen, ohne im Geringsten behelligt zu werden. Schließlich kam es zu derartigen Szenen, daß französische Geistliche einen deutschen Amtsbruder mitten in der Peterskirche ohrfeigten, was die Deutschen im Interesse des lieben Friedens unbegreiflicher Weise Hinnahmen. Das Erscheinen des Papstes machte den unwürdigen Vorgängen ein Ende. Wie es
JC^ Des hl. Pfingstfestes wegen erscheint die nächste Nummer Mittwoch Mittag,
heißt, haben die Deutschen die Sache dem Vatikan mitgetheilt und eine strenge Untersuchung beantragt.
London, 29. Mai. Das Reutersche Bureau meldet aus Kapstadt vom 28. ds.: Der Oranje-Freistaat ist heute formell annektiert worden.
London, 30. Mai. Lord Roberts hat dem Kriegsamt mitgetheilt, daß er Johannesburg besetzt hat. Die Meldung von der Einnahme von Johannesburg wurde vom Kriegsamt in der Nacht bekannt gegeben. General French rückte in die Stadt ein, nachdem er die Buren in einem mehrstündigem Gefechte zurückgeschlagen hatte. Die* Stadt wurde von Hamilton besetzt. Die Buren zogen sich in guter Ordnung mit sämmtlichen Geschützen nach Pretoria zurück. Weiter wird versichert, daß in Johannesburg alles ruhig sei und daß die Goldminen nicht zerstört seien, während andererseits verlautet, Johannesburg sei in einen Trümmerhaufen verwandelt und alle Minen zerstört.
Tientsin, 29. Mai. Eine bewaffnete Entsatzkolonne, welche aus Franzosen und Deutschen besteht, hat heute Nachmittag Tientsin verlassen, um die Befreiung der bei Chang-sin-tien eingeschlossenen Belgier zu versuchen. Der Vizekönig hat die Benutzung der Eisenbahn bis Fengtei erlaubt, wo der Schutz der chinesischen Behörden sein Ende erreicht. Die Erlaubniß ist auch nur auf starken Druck des französischen Konsuls ertheilt worden. Von dem Kreuzer der vereinigten Staaten „Newark" werden hundert Seeleute erwartet, welche noch heute Abend spät hier eintreffen sollen. Man sieht die Krisis in China sehr ernst an. Der amerikanische Admiral Kempff erhielt den Auftrag, jede Maßregel zum Schutze der amerikanischen Unterthanen zu ergreifen und eventuell seine Marinetruppen nach Peking marschiren zu lassen. Die amerikanische Regierung fürchtet, daß, wenn eine militärische Intervention fremder Mächte nothwendig wird, es mit Chinas Autonomie und der von Amerika geschützten offenen Thürpolitik wohl vorbei sein wird. Man scheint in Amerika das Einrücken von 20 000 Russen in Port Arthur zu fürchten.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern. 1. Juni.
*— Zu den bevorstehenden Pfingstausflügen möchten wir eine Mahnung aussprechen. Man achte die Heiligkeit der schönen Gottesschöpfung, man freue sich der Blumen und der Baumblüthen, ohne sie in blinder Sam- mclwuth oder einer augenblicklichen Laune zu Liebe zu verwüsten. Besonders vorsichtig aber sei man mir Cigarren und Streichhölzern. Oft wird ein Cigarren- stummel, den man erloschen glaubt, oder ein noch glimmendes Streichholz weggeworfen und verursacht einen Brand. Schon viel Schaden ist durch solche Unachtsamkeit angerichtet worden.
* — Maiblumen und Goldregen sind giftige Blumen! Dies sei von neuem wieder in Erinnerung gebracht. Man nehme diese Blumen nicht in den Mund und ermähne namentlich die Kinder zur Vorsicht.
* — Am 1. Juni d. J. gelangte ein neues Verzeich- niß der zusammenstellbaren Fahrscheine des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen zur Ausgabe. Nähere Auskunft über den Kostenpreis u. s. w. ertheilen sämmtliche Fahrkartenausgaben.
* — Die nächste Schwurgerichtsperiode zu Hanau beginnt am 18. Juni er. und wird von Herrn Landgerichtsrath Kleinmann geleitet.
* — Als Geschworene für die am 18. Juni beginnende zweite Schwurgerichtsperiode wurden u. a. folgende Herren aus dem Kreise Schlüchtern ausgeloost: Ruppel, Lehrer in Soden, Koch, Fabrikdirektor in Soden, Wolf, Seifenfabrikant in Schlüchtern, Fink, Landwirth in Steinau, Kaiser, Gutspächter in Steinau, Jeschke, Rentmeister in Ramholz.
*— Wie verlautet, tritt die Handwerkskammer des Regierungsbezirks Cassel im Laufe des nächsten Monats zu ihrer 2. Vollsitzung zusammen.
*— Die Handwerkskammer zu Cassel richtet an alle Handwerker im Regierungsbezirk Cassel das freundliche Ersuchen, in allen das Handwerk betreffenden Angelegenheiten mit ihr Fühlung zu nehmen und sie in der Erfüllung der Aufgaben, deren Lösung der Kammer obliegt, zu unterstützen. Die Geschästsstelle der Kammer befindet sich in Cassel, Sophienstraße '8. Sekretär der Kammer ist Dr. W. Kley, die Geschäftsstunden sind täglich von 11—2 Uhr,