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Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 4.3 Mittwoch,"den'30~wT1900. 51. Jahrgang.

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N^^pülttiao^ auf ^Schlüchterner Zeitung« W »erben nod) fortwährend von allen

----Postanstalten undLandbrieiträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

nehmungen, welche fast den ganzen Tag dauern, werden zumeist von dem Kriminalinspektor Braun und dem Knminal-Kommissarius Wehn vorgenommen.

Leipzig, 22. Mai. Das Tagesgespräch bildet ein Einbruchsdiebstahl bei dem Händler Grunewald, wobei den Dieben 57 000 Mk. in Werthpapieren und Baar in die Hände gefallen sind. Die gestohlenen Beträge stellten sich zusammen aus 3000 M. baar, 32 000 M. Leipziger Stadtanleihe, 5000 M. Reichsanleihe, 2500 M. Carlsbader Anleihe, 2500 M. Leipziger Hypothekenbank und aus 6 Einlagebüchern der Leipziger Creditbank im Gesammtbetrage von 12000 M. Von den Einbrecher« fehlt zur Zeit noch jede Spur.

Weimar, 26. Mai. Zum Callmannschen Konkurs ist aus authentischer Quelle zu melden, daß die Unter­bilanz sich schließlich wohl auf weit mehr als eine Million Mark stellen wird. Die festgestellten Veruntreuungen an den offeuen Depots betragen nach derPößn. Ztg." schon ganz enorme Summen und täglich laufen nock neue Anmeldungen ein. Viele Hinterleger haben dabei in ganz unverantwortlich leichtfertiger Weise gehandelt, indem sie beispielsweise sichere Hypotheken kündigen und die Gelder, nur um höheren Gewinn zu erzielen, dem Callmannschen Bankhause überließen In dieser Rubrik gehört einer unserer Stadträthe. Ein pensionirter Pfarrer verliert etwa 80 000 Mk. und ein pensionirter Beamter eine fast gleich hohe Summe. Jetzt erinnert man sich übrigens wieder daran, daß sich hier vor etwa zehn Jahren ein sehr naher Verwandter, wohl ein Bruder von Georg und Otto Callmann, des betrügerischen Bankerotts und anderer Verbrechen schuldig gemacht hat und deshalb mit 8 Jahren Zuchthaus bestraft worden ist.

Eisenach. Fremde, welche die Stadt Eisenach auf einige Tage besuchen, werden nicht wenig überrascht sein, wenn sie jetzt bafür eine Steuer entrichten müssen. Vom 1. Mai d. I. ab gelangt nämlich die vom Gemeinde- rathe beschlossene Fremdenabgabe zur Erhebung. Diese Abgabe ist zu entrichten von allen Fremden, die in der Zeit vom 1. Mai bis 1. Oktober in Gasthäusern oder Miethwohnungen im Gemeindebezirk sich länger als fünf Tage aufhalten und beträgt für jede einzelne Person 2 Mark, für eine Familie 4 Mark Befreit find Per­sonen. die lediglich zu Berufszwecken sich dort aufholten.

Darmstadt, 25. Mai. Prinz Wilhelm von Hessen, Bruder des ehemaligen Großherzogs Ludwig IV., und Oheim des regierenden Großherzogs Ernst Ludwig, ist gestern Nachmittag um 5 Uhr 20 Minuten in seinem Palais auf der Rosenhöhe im Alter von 54 Jahren, an einem Lungenschlage verstorben. Die Trauerkunde verbreitete sich mit großer Schnelligkeit in der Stadt, und wurde überall mit lebhaftem Bedauern vernommen. Der Prinz war nur wenig Tage unwohl, und Niemand hatte eine solche Katastrophe vorausgesehen.

Trier, 24. Mai. Die von allen Seiten der Mosel und Saar eintreffenden Nachrichten über die Schäden der Frostnacht vom 20. auf den 21. Mai lauten so be­trübend, daß man schon jetzt sagen kann, ein Drittel der diesjährigen Weinernte an der Mosel und Saar ist vernichtet. Das Thermometer sank auf 4 Grad Kälte. Die jungen Gescheine hängen welk und schwarz herab. Die niederen Lagen wurden imehr mitgenommen als die höheren, und wiederum litten die jüngeren Weinberge mehr als die älteren. In den Weinbergen zu St. Ma­thias bei Trier blieben nicht 10 Prozent der Stöcke ver­schont, auch int Olewiger Thal ist fast alles erfroren. Da endlich auch die neu angelegten Wurzelrebanlagen vom Froste schwer gelitten haben, so bürste es im näch­sten Jahre sehr an Setzholz fehlen. Jetzt sind die Winzer damit beschäftigt, die Weinbergsparzellen mit Kartoffeln zu bepflanzen, um wenigstens einigermaßen für den Weinausfall entschädigt zu sein; die Landwirte sehen angesichts solcher Aussichten besorgt in die Zukunft.

Aus dem Elsaß. Zwanzig Jahre in einer Kammer eingeschlossen. Eine fast unglaubliche That wurde zu Engweiler im Elsaß aufgedeckt. In das Haus des Landwirths Jakob Beck kam der Gendarm Simsted aus Merzweiler, um sich nach dem Aufenthalte des 42 Jahre alten Sohnes Johann Georg zu erkundigen. Dem Be­amten wurde hierauf eine Kammer mit einem ganz kleinen Fensterchen gezeigt, in welcher der bedauernswerthe Mann in einer Ecke kauerte. Dieser litt seit Jahren an Geistesschwäche, weshalb er auch 1878 nach kurzer Dienstzeit vom Militär wieder entlassen wurde. Nach­dem er dann kurze Zeit in einer Irrenanstalt zugebracht

Amtliches.

J-Nr. 1741 K. A Die Herren Bürgermeister und Gntsvorsteher werden ersucht, in RubrikBemerkungen" der nach meiner Kreisblattverfügung vom 22. d. Mts. J.-N. 1791 K. A. einzureichenden Nachweisung den Zeitpunkt sowie die Gründe des Ab- bezw. Zuganges kurz anzugeben.

Schlüchtern, den 25. Mai 1900.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Deutsches Reich.

Berlin. S. Maj. der Kaiser hat für die nächste Zeit wieder seinen Wohnsitz im Neuen Palais bei Pots­dam genommen. Am 31. Mai ist die große Frühjahrs­parade.

Eine Nachricht die geeignet wäre, das ungemeine Interesse der Debeers Gesellschaft an den Gerechtsamen der South-West-African'Company vollauf zu erklären, verbreitet derDaily Expreß'. Danach wären in Deutsch- Südwestafrika Gold, Silber, Kupfer und Bleierze jn großer Menge ungefähr 400 englische Meilen landein­wärts von Walfischbai gefunden worden. Die englisch­deutsche Westafrikagesellschaft, zu welcher Rhodes, Werner Veit und andere Notabilitäten gehören, wolle 100,000 Pfund Sterling ausaeben, nm festzustellen, ob die Erze in genügender Menge vorhanden sind, so daß sich die völlige Ausbeutung lohnt. Sollte dies der Fall sein, so würde für zwei Millionen Pfund Sterling eine Eisenbahn von Walfischbai dorthin gebaut werden, und eine gleiche Summe würde für Minen daselbst veraus­gabt werden. Mitte Juni soll aus England eine Expe­dition nach dem betreffenden Gebiete in Deutsch Südafrika abgehen. An der Spitze der Expedition steht Christopher James aus Swansea, ein Minen. ingenieur, der in Kalifornien und Mexico Erfahr­ungen gesammelt hat. Ein. Arzt, einige Mechaniker und eine Abtheilung Bergarbeiter aus Cornwall werden sich der Expedition anschließen. Dazu ist zwar zu be­merken, daß Gerüchte von Erzfunden in Deutsch-Süd­westafrika nicht zu den Seltenheiten gehören, daß es aber hier den Anschein hat, als wären die Thatsachen absichtlich verheimlicht worden, um in Deutschland ein regeres Interesse an den dortigen Verhältnissen hintan- zuhalten.

Konitz. DerD. W." wird berichtet: In der Komtzer Mordaffäre stehen sensationelle Enthüllungen thatsächlich bevor. Die Verdachtsmomente gegen eine Anzahl Personen haben sich dermaßen gehäuft, daß man die Belassung derselben auf freiem Fuß nur damit er­klären kann, daß die Polizei glaubt, gerade dadurch noch mehr Beweismaterial berbeischaffen zu können. Selbst lange in der Stadt ansässige Juden bezweifeln nach Lage der Sache nicht, daß für die Thäterschaft leider Glaubensgenossen in Betracht kommen; nur wissen sie kein Motiv zu finden, weil Ritualmorde von ihnen in das Reich der Fabel gewiesen werden. Was die zur Untersuchung nach Berlin gesandten Körpertheile anbe­langt, so handelt es sich darum, durch Sanitätsrath Dr. Mittenzweig nachträglich feststelleii zu lasse«, ob der Tod durch einen tiefen Stich in die linke Halsseite er­folgt sei« kann oder ob er zunächst durch Erdrosselung emgetretcn ist. Was die Körpertheile anbelangt, so handelt es sich um Kopf, Arme, Rumpf und den linken Oberschenkel. Das ganze rechte Bein und der linke Fuß, sowie die Eingeweide können noch nicht bestattet werden, weil deren Verbleib bis zur Stunde in ein undurch­dringliches Dunkel gehüllt ist. Die Stimmung gegen die Juden ist gegenwärtig noch eine sehr gereizte; anderer­seits kritisirt die Konitzer Bevölkerung das Verhalten der Polizei-Organe in sehr abfälliger Weise. Was den im Untersuchungsgefängnisse sitzenden Wolf Jsraelski betrifft, so hält auch Kriminalinspektor Braun ihn lediglich nur der Mitwisfenschalt, nicht aber des Mordes selbst schuldig Die zahlreichen jüdischen Kaufleute hierfelbst sind übel daran, wie überhaupt der furchtbare Vorfall die weitesten Kreise in Mitleidenschaft zieht. Die Be­völkerung kauft bei keinem Juden mehr, und die Rei­senden meiden Konitz, weil sie an die vorwiegend doch jüdischen Händler nichts verkaufen können. Die Ver­

hatte, nahmen ihn seine Eltern, um die Kosten für den Aufenthalt in der Anstalt zu sparen, wieder nach Hause und hielten ihn 20 Jahre lang in jener Kammer ge­fangen. Die herzlosen Eltern sorgten nicht einmal für die Kleidung ihres Sohnes. Völlig nackt kauerte der Aermste im Winkel, den er nie verlassen konnte. In dem mit Ungeziefer und Schmutz angefüllten Raume herrschte ein ekelerregender Geruch. Dem Manne hing das Bart- und Haupthaar in wilden Strähnen auf den Körper hinab. Wiederholt hatten ihn die Nachbarn schreien hören, daß er von Ungeziefer aufgezehrt würde. Das Essen schoben die lieblosen Eltern ihrem Sohne durch ein Loch in der Thüre zu. Der unglückliche Mann wurde in das Bürgerspital nach Hagenau ge­bracht, während auf die Anzeige des Gendarmen die Staatsanwaltschaft bereits eine Untersuchung des That­bestandes an Ort und Stelle angeordnet hat.

Ausland

London, 23. Mai. Bei einer Temperatur von 35 bis 40 Grad Celsius und stinkendem Trinkwaffer, welches pro Gallone 50 Pfennige kostet, ist die Cholera in Siam ausgebrochen. In den Dörfern sterben sechzig Menschen pro Tag; keine Provinz ist von der Seuche frei. Der älteste Bruder des Königs ist ihr innerhalb 24 Stunden erlegen. Er lehnte europäische Hilfe ab. Auch von den Europäern ist eine große Anzahl bereits fortgerafft, darunter der belgische Generaldirektor der Eisenbahnen Bethgc und dessen Frau.

London, 28. Mai.Daily Mail" meldet aus Lo- renzo Marquez. daß die Lage in Pretoria eine sehr kritische ist Präsident Krüger gibt zu, daß Je^t die Lage Transvaals äußerst ernst sei. Präsident Steyn und Staatssekretär Reitz seien immer noch fest entschlossen, einer Kapitulation sich zu widersetzen. Krüger sei hier­über schwankend. Die Buren beabsichtigen den letzten Widerstana in den Gatrandbergen bei Johannesburg zu leisten, »ü 3000 Koffern mit dem Aufwerfen von Ver- schanzungen beschäftigt sind. Große Quantitäten Dyna­mit sind nach Johannesburg gesandt.

Es ist zwar schließlich aus London bementirt worden daß Präsident Krüger kürzlich um Frieden gebeten habe. Thatsache scheint aber doch zu sein, daß der Präsident des Transvaal sich bei Lord Salisbury nach den Friedens­bedingungen erkundigt hat. Dieselben müssen indessen so exorbitant gewesen fein, daß der alte Krüger so ort alle Verhandlungen abgebrochen hat und seine Burghers nun zum Kampf bis auf's Messer anspornt. Die Gesammtstärke der britischen Truppen auf beiden Kriegs­schauplätzen, in Natal und im Oranjefreistaate, stellt sich gegenwärtig etwa wie folgt: Beim Ausbruch des Krieges in Südafrika 12000 Mann, eine hastig aus Indien ge­holte Division 8000 Mann, vom 9. November 1899 bis 1 März 1900 gelandet 111622 Mann, vom 1. März bis 9. Mai 59,941 Mann, zusammen aus England bezw. Indien 191,583 Mann; dazu aus den Kolonien 8033 Mann, in Südafrika geworbene Kolonial- Truppen 21,240 Mann, insgesammt 220,856 Mann. Davon ab Verluste bis jetzt wie folgt: Gefallen 221 Offiziere, 2085 Mannschaften; an Wunden erlegen 54 bezw. 204; an Krankheiten erlegen 6* bezw. 2224; vernnglückt 51 Mann; krank oder verwundet nach Eng­land gesandt 416 Offiziere, 7203 Mannschaften; ver­mißt (Gefangene) 470 bezw 4221. Insgesammt 299 Offiziere und 16,288 Mannschaften, zusammen 17,217. Im Hospital an der Front und Basis etwa 3000, bleibt also Gesammtbestand 200,836 Mann mit 469 Feldge­schützen (nicht eingerechnet Maximgeschütze), 81 Belage- rungs-Kanonen, 57 Flottengeschütze, zusammen 607 Kanonen. Bis Ende Mai werden weitere 11 Transport­schiffe mit Verstärkungen und Ersatztruppen in der Stärke von etwa 10,000 Mann von England nach Südafrika entsandt werden. Diesen Zahlen haben die Buren nur den 8. oder 10. Theil gegenüberstellen können!

Türkei. Unter den Anhängern des Islam gährt es. Die Bewegung greift auch nach Aegypten über. Wie dieTimes" aus Kairo vom Mittwoch melbet, sind nicht nur die Engländer, sondern auch andere Nationen und hauptsächlich die Franzosen wegen der Zunahme des panislamitischen Fanatismus in Aegypten besorgt. Die Bewegung verursacht bereits eine gefährliche Auf­regung. Der Khedive würde mit Vergnügen den Aus­bruch des Fanatismus sehen. Dem Sultan setzen die Vereinigten Staaten noch weiter ganz energisch zu;