WWmm Zeitung
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 41. Mittwoch, den 23 Mai 1900. 51. Jahrgang.
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Himmelfahrt!
Vom hohen Himmel, dem blauen, Erschallet heut' Engelsgesang, Und ringsum Fluren und Auen Durchbebt der harmonische Klang.
Die Waldesblumen, sie neigen Vor dem sich, was klinget und weh't, Und unsere Knie'e, sie beugen In Demuth sich zum Gebet.
Und alle Felsen und Bäume Umstrahlet ein himmlischer Glanz, Und Hoffnung und selige Träume Erfüllen die Seele mir ganz.
Es murmeln die Quellen, die klaren, Es flüstert im schattigen Moos: „Der Herr ist zum Himmel gefahren, „Er ruht dem Vater im Schooß!
„Der einst hier sein Kreuz hat getragen, „Er prangt jetzt im himmlischen Kleid! — O Seele!, was willst Du noch zagen? Sieh! Dir auch nimmt er Dein Leid!
Ja! Dich auch tragen die Engel Nun baldigst zur seligen Ruh', Und alle Sünden und Mängel, — — Dein Heiland decket sie zu.
Darum in das Lied, in das hohe, Herz! stimme frohlockend mit ein, Denn diese Botschaft, die frohe, Soll für uns Alle ja sein.
Drum lasset den Heiland dort droben, Den einst uns die Wolke entrückt, Im Jubelton preisen und loben, Bis zum siebenten Himmel entzückt.
Wie einst er zum Himmel gefahren, So folgen die Seelen ihm nach Denn seine Worte, die wahren, Sie hielten, was er uns versprach.
Fritz Becker.
Deutsches Reich.
Berlin. Die Kaiserin Friedrich wird am 25. d. MtS. in Feiedrichshof den Besuch des Kaisers erhalten, der seinen Aufenthalt in Wiesbaden bis zum 24. verlängern und am 27. in Berlin eintreffen wird.
— Die Kaiserin wird bis zum 24. Mai in Urville bleiben und dann nach Berlin zurückkehren.
— Die Torpedoflotille ist am Montag im Maxauer Hafen eingetroffen. Die Stadt Karlsruhe hatte zu Ehren derselben verschiedene Festlichkeiten veranstaltet. In den letzten Tagen wurden Mannheim und Heidelberg besucht.
Berlin, 21. Mai. Anläßlich des Streiks der Angestellten der Straßenbahn-Gesellschaft kam es gestern an verschiedenen Punkten der Stadt zu Excessen. Am schwersten waren dieselben am Rosenthaler Thore. Vor diesem sammelte sich schon in der 5. Morgenstunde eine Menschenmenge an, um den Arbeitswilligen den Zugang zum Bahnhof im Weinbergsweg zu verwehren. Die Polizei mußte ihnen den Zugang frei machen. Um 7 Uhr Morgens mußte die Volksmenge, die zu Thätlichkeiten überging und die Scheiben der Wagen einwarf, durch die Polizei mit blanker Waffe anscinandcrgctrieben. werden. Bis gegen Mittag kam es zu verschiedenen ! kleinen Plänkeeleien zwischen Polizei und Publikum.1 Um diese Zeit wurde auf einen Wagen geschossen, doch wurde Niemand verletzt. Derselbe Wagen erhielt in j Schöneberg einen zweiten Schuß Nach wie vor wurden die Wagen mit einem Steinhagel empfangen und die Scheiben eingeworfen. Durch das Gejohle und Geschreie wurden die Pferde der Schutzleute wild. Auch schlug man ihnen mit Stöcken gegen die Hinterbeine, sodaß mehrere Polizisten abgeworfen wurden und 2 von ihnen schwere Verletzungen davontrugen. Zwei Personen aus dem Publikum sind im Krankenhause an den erhaltenen Säbelhieben gestorben, eine dritte ist schwer vexletzt
' zur Anwendung gekommen, die für ein Kurhotcl der i Neuzeit nur irgend als praktisch und in hygienischer Hinsicht als wünschenswerth befunden wurden. Der seit Bestehen des Bades aus der fürstbischöflichen Zeit existirende sogenannte Langbau ist im vorigen Herbste abgerissen und an Stelle seiner beiden Flügelenden sind zwei hübsche Pavillons für Verkaufsläden neu erbaut worden.
Ausland
Rußland. Zur Ansiedelung im asiatischen Sibirien will die russische Regierung ihre europäischen Unterthanen dadurch bewegen, daß sie ihnen einen außerordentlich billigen Fahrpreis auf der neuen transsibirischen Eisenbahn bewilligt. Wenn das europäische Rußland schon gering bevölkert ist, das asiatische ist es noch ungleich viel weniger. Die Regierung hat befohlen, — in Ruß« land wird bekanntlich in willkürlichster Weise von oben herab durch Festsetzung von Maximalpreisen in den Rechtsbereich eines Kaufmanns eingegriffen, wie dies beispielsweise bei der Kohlentheuerung im vergangenen Winter der Fall war — daß Familienbillets ausgegeben werden, mit denen eine Familie für den Preis von zwei Rubeln pro Kopf von irgend einem Platze des europäischen Rußland nach Tobolsk übersiedeln kann. Ueber Tobolsk hinaus stellt sich der Preis 4'/, Rubel oder etwa 10 Mk.; der reine Zonentarif! Es wird also möglich sein, den Weg von 6000 Kilometer für 10 Mk. zurücklegen zu können. Auf den preußischen Staatsbahnen würde das Billet für diese Strecke in der von den Auswanderern bevorzugten 4. Klasse 120 Mk. kosten!
Paris, 19. Mai. Die „Apence Havas" meldet aus Tanger: Nkich Berichten, die hier aus dem Innern von Marokko eingetroffen sind, wird in einigen Stämmen des südöstlichen Marokkos der heilige Krieg gepredigt. Die Krieger dieser Stämme sollen sich sammeln und sich in Tafilet vereinigen. Nach einem Berichte soll sich I die Bewegung gegen die französische Kolonne richten, ! welche am 8. April Jgli besetzte. Nach einem anderen Berichte rührt die Bewegung von Gegnern des Sultans ' her, welche den bevorstehenden Tod des Großvezrers benutzen möchten, um den Sultan durch seinen Bruder Mulay Mohammed zu ersetzen. Der Kommandant des Armeekorps in Algerien hat Befehl erhalten, die erivrder- 1 lichen Maßregeln zu ergreifen, um die südwestliche Grenze Algeriens zu schützen und die Okkupationstruppen zwischen Zubia und Jgli zu verstärken.
England. In den Kohlenbergwerken von Ruabon, Nordwales, ereignete sich am Mittwoch, kurz vor Feierabend, ein Unglück, das vielleicht noch böse Folgen haben kann. Diese Mine ist eine der tiefsten des ganzen Bezirks, der Schacht ist 600 Ellen tief. Das Seil des Auszuges riß plötzlich, der ganze Aufzug stürzte in die Tiefe hinab und richtete großen Schaden an. 500 Bergleute, die sich im Schacht befanden, können diesen nicht verlassen, und man fürchtet, daß ihre Lage kritisch werden könnte.
London, 18 Mai. Den „Times" wird aus Lou- renco Marques vom 16. Mai gemeldet: Es scheint kein Zweifel mehr darüber zu bestehen, daß, wie in Pretoria allgemein erzählt wird, Präsident Krüger wirklich die Absicht habe, die Hauptstadt zu verlassen. Man plant in Transvaal, den Sitz der Regierung nach Liedenburg zu verlegen und zu versuchen, dort dem Feinde den letzten Widerstand zu leisten. Der Volksraad soll diesen Vorschlag genehmigt haben. Zahlreiche Beamten bereiten sich schon zur Flucht vor. Staatssekretär Reitz soll beabsichtigen, sich in Südamerika niederzulassen. — Das Versprechen der Regierung, den Banken Gold in Barren zu liefern für die halbe Million in Münze, welche ihnen vor zwei Monate abverlangt wurde, ist bis jetzt nicht gehalten worden
— General Butter meldet aus Newcastle vom Freitag : Newcastle wurde letzte Nacht besetzt, und heute werden die zweite Division und die dritte Kavalleriebrigade hier konzentrirt sein. Die Eisenbahn ist schwer beschädigt. Die Waschbank-, Jogange- und Ukader-Brücken sind zerstört. Von den 7000 Mann, welche vor den englischen Truppen geflohen, haben sich etwa 1000 wahrscheinlich nach Wakkerstroom, andere nach dem Freistaat begeben, und der Rest, welchen Buller als eine desorganisirte Horde bezeichnet, hat sich nach dem Langsneck zurückgezogen, wo er weiteren Widerstand leisten will, Der Eisen'ahntunnel bei Langsneck ist
Abends um 7 Uhr verfügte das Polizei-Präsidium auf Anweisung des Ministers des Innern die vollständige Einstellung des Betriebes, da es während der Dunkelheit für den Schutz der Passagiere und Beamten keine Bürgschaft übernehmen könne. Die Polizei wurde, nachdem die Wagen auf die Bahnhöfe zurückgekehrt waren, zurückgezogen. Kaum hatten die Mannschaften die Reviere erreicht, als der Tumult von neuem losging. Eine große Menge griff den Bahnhof am Weinbergsweg mit einem Steinhagel an und als die Polizei wieder erschien, richteten sich die Steinwürfe gegen die Schutzleute selbst, von denen mehrere schwer verletzt wurden. Mit blanker Waffe hieb die Polizei auf die Menge ein und trieb dieselbe in die angrenzenden Straßen. Kurz nach 8'/» Uhr war die Ruhe gänzlich wiederhergestellt.
— Am Montag Mittag ist unter den Vorsitz des Oberbürgermeisters der Streik der Straßenbahnangestellten beigelegt worden, indem die Direction der Straßenbahn den Wünschen des Personals in den meisten Punkten nachgab.
— Die Bevölkcrnngszahl Berlins wird nach den neuesten Berechnungen des Berliner statistischen Amtes für Ende 1899 auf rund l 843 600 Personen angenommen, während die Berechnung für Ende 1898 rund 1801 300 Personen ergibt. Die Zunahme im Jahre 1899 stellt sich demnach auf 42 300 Personen. Davon kommen 27 200 auf den Ucberschuß der Zugezogenen über die Fortgezogenen und nur 15100 auf den Ueber- schuß der Geborenen über die Gestorbenen.
Kixl. Die ersten im Kaiser Wilhelmkanal gefangenen Heringe, etwa 50 Wall, sind jetzt in Kiel an den Markt gebracht worden. Der Fang ist insofern bemerkenswerth, als er erkennen läßt, daß der Kanal als Laichplatz für Heringe von Bedeutung geworden ist.
Leipzig. Der Verlagsbuchhändler Hermann J. Meyer hat der Stadt Leipzig die Meyer'schen Arbeiterhäuser, bestehend in einer großen Kolonie in Leipzig.Lindenau und einer weiteren im Bau begriffenen in Leipzig-Eutritzsch geschenkt. Für den Bau der Meyer'schen Häuser wurden Millionen aufgewendet; der Werth der Stiftung erhöht sich aber wesentlich damit, daß diese Häuser neben der Herstellung billiger und gesunder Wohnungen noch Ueberschüsse liefern, die immer wieder zum Bau neuer Häuser verwendet werden!
Muhlhausen i. Thür., 16. Mai. Die städtischen Behörden haben zwei hiesigen Handwerkern, einem Kunst- tischlermeister und einem Schlosscrmeister, je eine Reise- beihilfe von 300 Mark zum Besuch der Pariser Weltausstellung bewilligt. Da nach einer Mittheilung des Regierungspräsidenten zu Erfurt die Regierung bereit ist, solchen Städten beziehungsweise Gewerbevereinen, welche minderbemittelten tüchtigen Handwerkern oder gewerblichen nnd kunstgewerblichen Arbeitern Reisebeihilfen nach Paris gewähren, auch ihrerseits Mittel zur Entsendung weiterer Gewerbetreibenden überweisen will, so sollen der Regierung für diese staatliche Unterstützung noch zwei Bürger, ein Holzbildhauer und ein Steinbild- hauer, in Vorschlag gebracht werden. Auch will man eine Erhöhung der erstbezeichneten Beihil'cn erwirken.
Schlimme Nachrichten kommen aus Trier. Durch einen Frost, welcher in der Nacht zum Sonntag an der Mosel und Saar geherrscht und das Thermometer bis auf 3 Grad Kälte zum Sinken gebracht hat, ist in den Weinbergen der betroffenen Gegenden großer Schaden angerichtet worden. Die Hälfte der Weinstöcke dürfte erfroren sein.
Wie aus Gießen gemeldet wird, richtet die dortige Staatsanwaltschaft einen Steckbrief gegen den Grafen zu Altleiningen-Westerburg Friedrich Wichprecht Franz, geboren am 30. Dezember 1853. An dem Grafen soll eine durch die Gießener Strafkammer am 16. November 1898 verhängte Gefängnißstrafe von sechs Monaten vollstreckt werden. Die Strafe rührt aus dem bekannten Ehebruchsprozeß her.
Bad Brückeua» erfreute sich in den letzten Zeiten einer von Jahr zu Jahr derart gesteigerten Frequenz, daß die königliche Regierung sich veranlaßt sah, als Er- für eines der ältesten ärorialichcn Gebäude ein neues ßcs Kurhaus erbauen zu lassen, welches nun selbst seiner inneren Einrichtung als fast vollendet gelten f und in dieser Saison dem Betriebe übergeben wird, sind in diesem Gebäude, dessen Aeußercs schon durch ie prächtige Barockfassade aus hellen Sandsteinen für i Bad eine große Zierde ist, alle jene Neuerungen