SchlWernerZeitung
Erscheint Mittwoch und Samstag — Prcis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kc:en die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.
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^L 40. Samstag, den 19. Mai 1900. 51. Jahrgang.
Up^p^NM^pIr E die ^Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen —- — Postanstalten undLandbriejträgern,
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Aus der Mark wird der Kreuzztg. geschrieben: Ein trostloseres Frühjahr hat die Mark in 25 Jahren nicht erlebt. Seit 6 Wochen Trockenheit und Kälte, seit dem 9. Mai jeden Morgen Eis. Die Obstblüthe, die Erdbeeren sind total erfroren, der Roggen hat stark gelitten und ist faum fußhoch; Hafer und Gerste haben in den letzten Tagen schwer gelitten und sind auf leichterem Boden total erfroren, eine Erscheinung, die sogar 1880 dem letzten Frostjahre, nicht beobachtet wurde. — Nach einer Meldung aus Magdeburg zerstörte ein Brand im Bezirk der Oberförsterei Järenitz 400 Morgen Wald bestand. Ein junger Mann kam in den Flammen um.
— Zum Konitzer Mord wird gemeldet, daß jetzt das Gutachten des Berliner Gerichtschemikers Dr. Bischofs über den Inhalt der Mundhöhle Winters, sowie in dessen Speiseröhre vorgefundene Speisereste eingetroffen ist. Das Gutachten lautet dahin, daß Chloroform oder ein anderes die Narkose herbeiführendes Mittel nicht gefunden worden sei. Damit ist das Gerücht widerlegt, Winter sei bei einem Zahnarzt in der Narkose gestorben. Zur Ermittelung des Thäters sind jetzt nicht weniger als 32 000 M. als Belohnung für die Aufdeckung der That ausgesetzt worden. Diese hohe Summe hat dazu beigetragen, daß auch unberufene Personen auf eigene Faust nach dem Thäter forschen, eine Unzahl von Anzeigen bei den Behörden einlaufen und Dinge mit dem Mord in Zusammenhang gebracht werden, die sich bei den Nachforschungen als ganz harmlos herausstellen. Trotz aller Schwierigkeiten, die sich bis jetzt bei der Untersuchung dieses mit großer Verschlagcnhei. aus- geführten Kapitalverbrechens ergeben haben, scheint jetzt begründete Hoffnung vorhanden zu sein, daß der Mord aufgeklärt wird, weil nach den bisherigen Ermittelungen mehrere Personen darum wissen müssen und das Wort „cherchez la femnie" auch in diesem Falle wieder zutreffen dürfte. Im Interesse der Ermittelungen und mit Rücksicht auf den Gang der Untersuchung kann vorläufig über die Spur, die verfolgt wird, nichts mitge- theilt werden.
Planen i. B, 16. Mai. Seit gestern herrscht hier und im übrigen Voigtlande großes Schneetreiben. Es schneit unaufhörlich. Der Schnee liegt bereits fußhoch. Vorher war große Kälte und regnerisches Wetter; alle Pflanzen sind verdorben. Auch wird Hochwasscr befürchtet.
Gotha, 11. Mai. Der hiesige Ockonomische Verein hat für die im vergangenen Jahre in hiesiger Stadtflur eingefangenen 4000 Stück Hamster 562 Mark bezahlt. In den Jahren von 1890 bis zum vorigen Jahre sind zusammen gegen 120 000 Hamster gefangen und cinge- liefert und da'ür 11 000 Mk. bezahlt worden. Durch diese Maßnahme der ökonomischen Vereine ist allgemein eine Abnahme der Hamsterplage zu verzeichnen.
In einer in Leipzig stattgehabien außerordentlich zahlreich besuchten Generalversammlung des „Pcreius deutscher Zeitungsverleger" wurde, wie die „Leipz. N. Nachr." mittheilen, angesichts der enormen Preissteigerung des Papiers infolge einer Syndikatsbildung beschlossen, den Bau von Papierfabriken im Wege des Genossenschaftswesens sofort anzubahnen. Es wurde eine Kommission gebildet, welche einer baldmöglichst nach Berlin einzuberufenden Versammlung. zu welcher auch Verleger größerer, dem Verein nicht angchörender Zeitungen ringelnden werden, Bericht erstatten soll, an welchen Orten Deutschlands am geeignetsten Papierfabriken größeren Stiles zu errichten sind. Ein ScutraO büreau in Hannover nimmt Zeichnungen zur Betheilig ung an der Genossenschaft entgegen. In der Versammlung erklärten bereits zahlreiche Verleger mit einem Jahresbedarf von über 40 Millionen Kilo Papier ihren Beitritt zu der Genossenschaft. Die Versammlung stellte ferner die Grundzüge einer Tariivercunguug zwischen
Verlegern und Auuoccnbüreaus auf.
Eine folgenschwere Explosion erfolgte in Elberfeld in der chemischen Fabrik von Karl v. Bauer durch Unvorsichtigkeit eines Arbeiters, der schadhafte Stellen der Gasleitung mit brennendem Lichte untersuchte. Durch die Explosion wurde das ganze Fabriketablissement bis
i (barunter 80 zu Pferd), die in etwa 21 Gruppen getheilt sind und in historischer Treue ihre Weise ertönen lassen, sind vorgesehen. 40 Wagen, darunter 21 Prunk- wagen, werden mitgeführt und ca. 700 P erde dabei verwandt. Außer dem Fcstzuge find, noch eine akademische Feier und ein Kostümfest in der Stadthalle, ein Volksfest, ein großes Concert und eine Rheinfahrt mit Uferbeleuchtung nach Bingen und Eltville vorgesehen. Ueber die Zeit des Festes hinaus bleibt eine große typographische Ausstellung bestehen, die in außerordentlich reichem Materiale die Entwickelung der Druckkunst von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, die graphischen Künste uns die verschiedenen Zweige des Buchgewerbes zur Anschauung bringen wird.
Ausland.
London, 16. Mai. Der Berichterstatter der „Daily Mail" in Lorenzo Marques telegraphirt unter dem 15. Mai: Folgende Kricgsbullctins wurden in Pretoria veröffentlicht : Während des am Samstag in Mafeking stattgehabten Kampfes brannte das Kaffcrnvicrtcl ab. Oberst Baden-Powell hat, nachdem er einen Waffen ftillstand nachgesucht hatte, am Sonntag Morgen um 7 Uhr kapitulirt. — Das zweite, vom General Snec wann unterzeichnete Telegramm lautet: Ich hatte das Glück, heute Morgen den Obersten Baden-Powell mit seinen 900 Mann gefangen zu nehmen.
— Der Rückzug der Transvaalburen scheint in aller Ordnung vor sich gegangen zu sein. Außer einigem Betriebsmaterial haben sie alles in Sicherheit zu bringen vermocht, und kein Geschütz ist in die Hände der Engländer gefallen. Auch die Versuche der englischen Ka Datierte. die zurückweichenden Buren abzuschneiden, hatten keinen Erfolg, da diese die Vorsicht gebraucht hatten, die Eisenbahnbrücke zu verbrennen und die Brücke über den Vaal zu zerstören. Lord Roberts wird erst diese wieder herstcllcn lassen müssen, ehe er den weiteren Vormarsch fortsetzen kann. Ob er auf dem Wege bis zum Vaal noch Widerstand zu überminben hat, ist recht zweifelhaft, aber am Vaal selbst dürfte es zu entschiedenen Kämpfen kommen. Selbst wenn die Buren noch hier und da Erfolge erringen sollten, so können sie das Kriegs- glück kaum mehr an ihre Fahne tesselu. Sie können der starken Ucbermacht nicht auf die Dauer Widerstand ersten, zumal die englischen Erfolge seit Cronjes Kapst utation und die von Roberts mit so viel Glück angewandte Umgehungstaktik sie davon Überzeugt haben müssen, daß diesem Führer gegenüber ihre unter anderen
Verhältnissen wohlbewährte Taktik wirkungslos bleiben
auf einzelne Nebengebäude in einen Trümmerhaufen verwandelt. Ein Mitinhaber der Firma sowie acht Arbeiter wurden schwer verletzt. Der Schaden ist ungeheuer und der Betrieb auf Monate hinaus unterbrochen
Aus Gerolstcin im Rheinland meldet die „Koblenzer Volkzeitung" : In der Gewerkschaft Jünkerstein kippte ein Kessel mit flüssigem Eisen um, wodurch 23 Mann verunglückten; 7 sind vollständig verbrannt.
Kreuznach, 14. Mai. Der Kälterückschlag der letzten Nächte ist, wie sich immer mehr erkennen läßt, für zahlreiche Gartengewächse und die Weinberge vcrhänguiß- voll geworden. In den Weinbergslagen, in denen schon gegraben war, findet man die jungen Triebe vielfach vom Froste gedrückt. Besonders viel wird dies aus dem benachbarten Rheinhessen gemeldet, wo manche tiefer gelegene Weinbergslagen fast ganz erfroren sind.
Im goldnen Mainz arbeitet man eifrig daran, den 500jährigen Geburtstag Gutenbergs, der dort geboren wurde und seine große Erfindung vollendete, feierlich zu begehen. Anfangs war die Feier nur in engem Rahmen und in mehr akademischer Weise geplant, allmählich aber wuchs die Begeisterung so, daß man beschloß, die Feier auch nach außen hin durch ein auf mehrere Tage sich erstreckendes Fest (23.-26. Juni) möglichst glanzvoll zu begehen. Vor allem soll ein historischer Festzug in großem Stile der Huldigung das richtige volksthümliche Gepräge verleihen. Derselbe verspricht in der That großartig zu werden, sind doch zur Durchführung des Zuges bereits 44 000 Mark allein in der Bürgerschaft gesammelt worden. Der Zug. der eine Huldigung der großen Geister aller Zeiten und aller Kutturnationen für den großen Erfinder darstellen soll, umfaßt 40 Abtheilungen. Herren und Damen aus den besten Kreisen nehmen daran theil; ihre Zahl beträgt 1400 ; außerdem wirken noch 1100 Statisten mit. 380 Mann Musiker
muß. Aber auch wenn die Republik znsammenbncht und in die Reihen der englischen Kolonien eintreten muß, so bleibt den Buren, die so hartnäckig und rühmlich für ihr Land gefochten haben, nicht nur die Sympathie, sondern auch die Hochachtung der ganzen Welt.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 18. Mai.
* — Vor drei Wochen wurde hier in Schlüchtern, ferner in Salmünster und Soden, sowie in Fulda durch einen angeblichen Postrath, auch Seeoffizier a. D., ferner Regierungs-Bauführer Schmitz (er nannte sich auch Eckhardt) Gastrollen als Schwindler, Betrüger und Zechpreller gegeben. Die Nemesis hat diesen Gauner in der Person des ledigen Kommis Gustav Otto Bernhard Pohl aus Lippehne, Kreis Soldin in Preußen, nun erreicht. Es geschah in Kulmbach, wo er wegen Betrugs festgenommen und in die Frohnfeste nach Bayreuth (St. Georgen) abgeliefert wurde. Der Hochstabler hat schon Verschiedenes auf dem Kerbholz: Fahnenflucht, Betrug, Dieb stahl im Rückfall, Unterschlagung rc., weshalb er schon seit einem Jahre steckbrieflich verfolgt wird. Hoffentlich wird er nun für einige Zeit unschädlich gemacht werden.
* — Aus Stuttgart wird mitgetheilt, das in ganz Württemberg anhaltender Schneefall herrsche. In Posen sank die Temperatur Dienstag Mittag bei ziemlich starkem Schnee all auf 1 Grad über Null, ebenso in Sachsen und Böhmen. Diesmal scheint Falb Recht behalten zu sollen, der behauptet, die Temperatur werde nach dem 14. d. Mls unter die normale zurückgehen und weit auSgebreiteter Regen eintreten. Vom 21. bis 25. Mai wird es nach ihm sogar „sehr kalt".
* — Wie berichtet wird, ist die am Sonnabend früh 5 Uhr in Straßburg mit Radfahrern abgegangene Depesche, welche den Weg über Rastatt—Durlach —Heidelberg—Darmstadt - Frankfurt - Gelnhausen —Schlüchtern - Fulda — Schlitz - Hersfeld — Hönebach—Eisenach— Gotha—Erfurt — Kösen—Weißenfels —Halle —Bitterfeld — Wtttenberg -Potsdam— Berlin genommen, am Sonntag Nachmittag 2 Uhr 40 Min. in Berlin abgelierert worden. Die Strecke betrügt 756,4 Kilometer. Ein Personenzug braucht zu der Fahrt 24, ein Schnellzug 151» Stunden.
* — Eine Aenderung der amtlichen Rechtschreibung ist in Preußen im Werke. So hat der Kultusminister den Vorstand des Börsenvereins deutsch.Buchhändler beschieden,
* — Durch Verfügung Königlicher Regierung vom 9 Mai d. J. wird denjenigen Lehrern, welche die am 13. Juni in Kassel stattfindende Jahresversammlung des Centralvereins der deutschen Lutherstiftung besuchen wollen, für den genannten Tag Urlaub ertheilt.
*— Nach einer Entscheidung der Medizinalabthei- lung des Kriegsministeriums kann der Eintritt zur Ableistung der einjährigen Dienstzeit seitens der Mediciner nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt wie bisher, sondern nur zu den festgesetzten EinstellungSzeiten (l. April und 1. Oktober) erfolgen. Ausnahmen sind nur noch mit Genehmigung des Generalkommandos gestattet.
* — Tue neuen Fünfmarkscheine tragen veränderte Embleme. Durch Vergleich kann man sich überzeugen, daß auf den alten Scheinen im Vordergründe der Pflug nebst landwirthschaftlichen Früchten zu sehen ist, während der Waarenballen mehr in den Hintergrund tritt. Auf >en neuen Scheinen dagegen verdeckt der Waarenballen den Pflug. Die Früchte sind ganz verschwunden, statt reffen ist ein Zahnrad als Zeichen der Industrie er« chienen, auch die Kunst ist durch Palette rc. vertreten.
*— Die Einziehung der silbernen Zwanzigpfcnnig- tücke geht flott von stalten. Ende April d. J. waren von den gesammten im Betrage von 35.7 Millionen Mark ausgeprägten Stücken nur noch 7,7 Millionen im Verkehr, so daß also seit dem Vorjahre für 28 Millionen Mark eingezogen worden sind. Bei den goldenen Fünf- markstücken bleibt dagegen nach wie vor der nicht zur Einziehung gelangte Theil auf der Summe von nahezu 6 Millionen bestehen. Etwas mehr 1000 dieser Stücke sind also wohl in Sammlungen rc. festgelegt und aus dem Verkehr gänzlich ausgcfchieden, so oaß sie überhaupt nicht zur Einziehung gelangen.
Gersfeld, 16. Mai. Herr Landrath von Marcard ist in der vergangenen Nacht im Alter von 43 Jahren gestorben. Derselbe hat seit dem 9. Oktober 1889 die Verwaltung des Kreises Gersfeld geführt.