Schtuchterner Zeitung
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich I Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 38.
Samstag, den 12 Mai 1900
51. Jahrgang
auf die Schlüchterner Zeitung" lichen Kindern erst am 23. d. Mts nach Berlin oder ^PllCUuull^H werden noch fortwährend von allen Potsdam zurückkehrt
Der kaiserliche Hofstaat einschließ
Postanstalten undLandbrie'trägern, lich der Dienerschaft, beziffert sich auf 39 Personen.
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Anbau von Getreide
Die Bevölkerung Deutschlands wächst durchschnittlich eingetroffen.
Der kaiserliche Marstall, bestehend aus 20 Reit- und 50 Wagenpferden, ist mit den erforderlichen Hoiwagen und der dazu gehörigen Bedienung bereits in Urville
um 800 000 Köpfe im Jahre. Der durchschnittliche
— Die Nordlandsreist des Kaisers beginnt in diesem
Verbrauch an Brotgetreide beträgt auf den Kopf der Jahre am 2. Juli. Prinz Heinrich macht die Reise mit.
Bevölkerung im Jahre mehr als zwei Doppelzentner.
.. . _ — Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen sind
Man hat daher mit einem von Jahr zu Jahr mindestens ^ längerem Besuche bei der Kaiserin Friedrich in Cron- um 1 600 000 Doppelzentner steigenden Verbrauch an berg eingetroffen.
Brotgetreide zu rechnen. Es ist für eine Vermehrung
— Die Königin Wilhelmine und die Königin Mutter
heimischen Getreidebaus mehr als ausreichender An- d-r Niederlande sind zu längerem Aufenthalt in Blanken- laß gegeben. Die landwirtschaftliche Technik steht zur - burg {n Thüringen einaetroffen.
Icharen auf eine Mill on Mark belaufen, da der Wald- brai b 4000 Morgen ergriffen hat. — Nördlich von Münster verursachten Nester suchende Jungen gleichfalls einen Brand, wodurch 2000 Morgen Holzbestand zerstört wurden. Ein großer Waldbrand vernichtete ferner im Neuenwalder Klosterholz bei Geestemünde etwa 2000 Morgen Tannenholz. Vermuthlich liegt fahrlässige Brandstiftung vor. In den Staatsforsten bei Mansholt zwi chen Oldenburg und Varel ist ebenfalls ein großer Waldbrand ausgebrochen. Die Bewohner der ganzen Umgegend wurden zur Hilfe aufgeboten. — Durch Funken aus der Lokomotive entstand bei Marktheidenfcld ein Waldbrand und wurden ca. 5 Morgen beschädigt
Zeit auf einer so hohen Stufe, daß auch ohne Vermehrung der Anbaufläche in Deutschland zweifellos erheblich mehr Getreide erbaut werden könnte, als das jetzt, der Fall ist. Die wirthschaftlich technischen Kenntnisse der- breiten sich auch immer mehr, und werden in nicht zu langer Zeit Gemeingut der großen Mehrzahl der deutschen Landwirthe sein. Aber es kommt für eine ins Gewicht fallende Vermehrung des deutschen Getreidebaus nicht blos auf die technischen, sondern auch auf die ökonomischen Voraussetzungen dafür an. Der Getreidebau muß eine solche Rente abwerfen, daß die durch . einen intensiveren Betrieb bedingten Mehrkosten sich wirtschaftlich rechtfertigen. Sorgfältige Auswahl des Saatgutes, vermehrte und verbesserte Düngung u. s. w. erfordern einen erheblichen Mehraufwand gegenüber dem einfacheren Betriebe des Getreidebaus und lassen sich daher nur allgemein einführen, wenn der Getreidepreis hoch genug steht, um den zu erwartenden Mehrertrag über die vermehrten Kosten ansteigen zu lassen. Eine solche auf einen besseren Getreidepreis gestützte höhere Rentabilität des Getreidebaus ist aber auch die Vr^us- setzung für eine Erweiterung der Anbaufläche. Wegen der unzureichenden Rentabilität des Getreidebaues ist zur Zeit der Anbau von Hackfrüchten, insbesondere der Zuckerrüben, vielfach auch auf solche Flächen ausgedehnt welche ihrer Natur nach sich besonders zum Getreidebau eignen. Mit dieser auch sonst nicht unbedenklichen Erweiterung des Anbaues von Hack rächten steht der starke Mehrbedarf an landwirthschaftlichen Arbeitskräften, durch welchen der Mangel an ländlichen Arbeitern zum Theil
— Es wird bestätigt, daß in dem Befinden des Königs Otto von Bayern eine Wendung zum Schlimmeren eingetreten ist so daß das Ende des geisteskranken Monarchen uahe bevorzustehen scheint.
— Unser Kaiser, der soeben den Grafen Walderiee zum General cldmarschall ernannt hat, ist vom Pnnz- regenten Albrecht von Braunschweig erhubt worden, eben falls die Abzeichen eines preußischen Generalreldmarsktzalls anlegen zu wollen Nach der „Köln. Ztg " trat der
Ausland
Paris. Die Hoffnung der Pariser, daß ihre Welt- aus^ellung bereits im Mai täglich von */« bis 1/s
Millionen ißerioiien besucht werden würde, hat sich her nicht erfüllt der Be uch ist Wochentags dür lig und uit Gu r.äfle gehen daher recht schlecht. Folge wird der inferoa du medener Pächter Restaurants und ou ger Ver Haltungen sein. —
bis» sehr Dir von Der
wenigstens hervorgerufen wird, in ursächlichem Zusammenhänge. Auch die Kultivirung unserer größeren Moore i ist wenigstens bis zu einem gewissen Grade von der
Rentabilität des Getreidebaues abhängig. Wenn daher für die Zeit nach dem Ablauf der jetzigen Handelsverträge ein wirksamer Zollschutz für den deutschen Getreidebau in Aussicht steht, so wird dadurch nicht nur die Voraussetzung für die Erhaltung desselben in seinem jetzigen Stande, sondern auch für eine dem ständigen Verbrauch an Brotgetreide entsprechende Erweiterung der heimischen Gctreidcproducüon geschaffen und es wird das volkswirthschaftliche ebenso wie vom Standpunkte der auswärtigen Politik höchst wünschenswerthe Ziel erreicht werden, daß nach wie vor der Schwerpunkt der Versorgung Deutschlands mit Brotgetreide in der inländischen Produktion liegt. Es ist daher auch durchaus mißlich, jetzt schon auf eine zu hoffende Vermehrung des Ertrages der Getreidezölle Pläne auf Erweiterung der mit Ausgaben verbundenen sozialpolitischen Thätigkeit des Reiches zu gründen. Wer aber schon jetzt sich mit dem Gedanken trägt, aus der bevorstehenden Erhöhung der Ge- trcidezölle den Anlaß zu einer so schwerwiegenden Erweiterung der sozialpolitischen Gesetzgebung wie der Durchführung der Wittwen- und Waisenversorgung zu nehmen, wird bei der im Gange befindlichen und noch bevorstehenden Revision der Arbeiterversicherungsgesetze darauf bedacht sein müssen, die Schultern der erwerbs- thätigen Kreise der deutschen Bevölkerung, welche doch zu einem guten Theil auch wiederum die Kosten der Wittwen- und Waisenversorgung zu tragen haben würden, für die Zwecke der bestehenden Arbeiterversicherung nicht über Gebühr zu belasten und so zur Uebernahme weiterer Ausgaben unfähig zu machen.
Kaiser diesem Wunsche gewillfahrt. Die Armee >ätzlt so nach jetzt außer dem Kaiser vier Generalstldmarschälle, den Grafen Blumenthal, den Prinzen Georg von Sachsen, den Prinzen Albrecht von Preußen und den Grafen Wälder- see. und daneben noch drei Generalobersten der Kavallerie mit dem Range eines Generolfeldmarsckalls: die Groß- hcrzoge von Baden und Weimar, sowie den Frhrn v Los.
— Zur Kohlenvertheuerung. Während sonst mit dem Mai jeden Jahres ein Herabgehen der Kohlenpreise zu bemerken gewesen ist, begegnet man in diesem Jahre der umgekehrten Erscheinung: es wird Sommer und die Kohlenpreise steigen doch. Daran ist, wie die „Soff Ztg." ausführt, der gewaltig angewachsene Verbrauch an Jndustriekohlen, insbesondere aber an Kohlen für die Eisenerzeugung schuld. Und so lange hierin kein Wechsel eintritt, muß auch die Nachfrage eine bedeutende bleiben, wenn auch immerhin eine gewisse Mäßigung durch die Verringerung im Hausverbrauch nach und nach zu gewärtigen ist. Vorläufig wird sich jedoch noch bei den meisten Verbrauchern das Bedürfniß erhalten, ihre völlig geräumten Vorräthe selbst zu den seligen theuren i Preisen zu vermehren, um sich nicht im Herbst wieder : der Gefahr ausgesetzt zu sehen, ihre Betriebe wegen Kohlenmangels zeitweilig zum Stillstand gebracht zu sehen. England ist mit seiner Stückkohlenproduktion von jährlich 220 Millionen Tonnen gegenwärtig noch immer das Land, welches eine etwa vorhandene Kohlennoth anderer Länder der Welt zu mildern und zu beseitigen im Stande ist. Da England überdies dank seiner günstigen Lage seine Kohle billig trausportiren kann, so muß es doppelt auffällig erscheinen, daß die Verkaufspreise des die Welt mit seinen Kohlen versorgenden England sich seit Jahres rist weit stärker elhöht haben als beispielsweise bei uns. AlS bedeut amstes Zeichen der herrschenden Kohlennoth, die namentlich in Rußland so groß ist, daß der Zoll auf Kohlenemfuhr zeitweilig aufgehoben werden mußte, ist der Umstand anzusehen, daß gerade die geringwerthigsten Sorten am meisten gestiegen sind. Bei uns in Deutschland leidet die gesummte Industrie schwer unter dem Kohlenmangel und der Kohlentheuerung, und es kann nur eine Frage der Zeit sein, wo dieser Zustand zu einem ernstlichen Hinderniß für die Fortdauer des wirthschaftlichen Aufschwungs
französbchc Hand tSM.un^r .iMueranb ist feiner Partei- iieUung nuch tuten.nmch Sozmloemokrat Er ist in diesem Jahre der reidibeiolbefte aller iran^ösitchen Minister, denn er bezieht: 601>0j Franks Ministergehalt, 170 000 Fr. Repräsentatioskosten bOuu Fr. Abgeordneten • Diäten, also in Summa 239 000 Fr. also baid 200 000 Mk., nochmal so viel fast, wie der deutsche Reichskanzler.
Neapel Der Vesuv, der seit nahezu 30 Jahren geschwiegen hatte, ist in voller Eruption. Weithin dröhnt ]cin grollendes Donnern. Mächtige Lavamassen entströmen seinem Krater. Obwohl den Ansiedelungen, die sich an den Abhängen des Berges hinziehen, im Augen- blich; Klo« Gefahr droht, sind die Landleute in größter Sorge um Leben und Gut. Im Jahre 1871 hatte sich nach einem Jahrzehnt verhältnismäßiger Ruhe — der gewaltige Berg schweigt nie völlig — ein großer AuS- bruch durch ähnliche Erscheinungen angekündigt, wie sie sich jetzt zeigen. Im April 1872 machte sich dieses Toben in einem Lavaausbruche Luft. Von allen Seiten strömte die glühende Masse hernieder. Die Ortschaften Massa und St. Sebastians wurden zum großen Theile zerstört 30 Meilen weit trug der Wind die Asche, eine 1300 Meter hohe Rauchsäule stieg zum Firmament.
Loudon, 10. Mai. Eine halbamtliche Depesche aus Pretoria über Lorenzo Marquez besagt, Präsident Krüger erhielt eine Kollektiv Note der europäischen Mächte, die sich auf dessen angebliche Absicht, die Minen von Johannesburg in die Luft zu sprengen, bezieht und ihn in offizieller Weise für eine iold)e Handlung verantwortlich macht. Die Mächte würden England unterstützen, wenn er Maßnahmen treffen sollte, um durch die Zerstörung eine Schadloshaltung zu erzwingen. — „Daily Mail" meldet aus Lorenzo Marquez, daß der neue portugiesische Gouverneur dieser Stadt die schärfsten Maßregeln getroffen hat, um die Einführung von Kriegs- Kontrebande zu Gunsten der Buren zu verhindern. Die Kaufleute der Stadt vernahmen mit größter Bestürzung. daß Konservenfleisch, Decken und Kleidungsstücke fortan als Kriegs Konterbande betrachtet werden. Wenn nicht alle Lebensrnittel als Kriegs-Kontrebande bezeichnet werden, so ist dies einzig und allein den gefangenen Engländern zuzuschreiben.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin haben sich in Be gleitung ihrer drei jüngsten Kinder nach Urville be- geben. Der Kaiser wird bis zum 16. d. Mts. in Ur« plUe verweilen, während seine Gemahlin mit den kaiser-
werden muß.
Mainz, 6. Mai. Der Versuch, kandwirthschaftliche Hilfskräfte aus Südungarn zu beziehen, der für Rheinhessen von dem landwirtschaftlichen Provmzialverein gemacht wurde, ist günstig ausgefallen und wird jetzt wiederholt. Die fließend deutsch sprechenden Leute werden für ein Jahr angeworben, und es erhalten Knechte von 220 bis 280, Mägde von 150 bis 160 Mark Lohn.
Waldbrände. Ein ungeheurer Waldbrand wüthete Sonntag und Montag bei Bären unweit Aachen. Die Feuerwehr erwies sich dem verheerenden Elemente gegenüber als machtlos. Montag Nachmittag erstreckte der Brand sich über den königlichen Forst, über die Waldungen mehrerer Gemeinden und Privateigenthümer. Verschiedene Personen entrannen mit größter Mühe dem Flammentode. Nach oberflächlichen Schätzungen büifte sich der
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchterv, 12. Mai.
* — Der RegierungSsekretär Reinhardt wurde zum Domänenrentmeister zu Hanau ernannt.
* - Beauftragt wurde der Generalsuperintendent Pfeiffer mit Versetzung der Superintendenturgeschäfte der Diöcese Fulda.
* — Ernannt wurde der Stellenanwärter Unger zum Gerichtsvollzieher beim Amtsgericht Schwarzenfels.
* — Für die Entdeckung von Schäden an den Bahnanlagen und Betriebsmitteln im Bezirk der Eisenbahn- direktion Frankfurt a. M. haben im Zeitraum vom l. Januar bis 31. März die nachfolgenden Bediensteten Prämien erhalten: aus dem Kreis Schlächtern der Wagenmeister Hohmann zu Elni, die Weichensteller F ö r ster-Flicden, Jestädt I zu Steinau, der Hilfs- mhnwärter L o tz zu Breitenbach und der Streckenarbeiter N- Müller zu Schlüchtern,