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,^ 36. Samstag, den 5. Mai 1900. 51. Jahrgany.
— An der Feier der Großjährigkeitserklärung des Kronprinzen wird auch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen theilnehmen. Der König von Dänemark entsendet seinen Enkel, den Prinzen Christian, der den Elefanten orden überbringt. Für den König von Schweden und Norwegen kommt Prinz Karl. Ferner haben ihren Besuch in Berlin angemeldet: Herzogregent Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, der Fürst von Waldeck Pyrmont, der Erbgroßherzog von Weimar und Prinz Ernst von Sachsen-Altenburg.
— Eine Hamburger Korrespondenz verbreitet die Nachricht, es solle am 18. Oktober d. Js. in Königsberg eine Krönungsfeier abgehalten werden und es giebt Zeitungen, die das nachdrucken, ohne ^u bedenken, daß eine Krönungsfeier nach zwölfjähriger Regierung so unwahrscheinlich wie möglich ist. Anscheinend liegt eine Verwechslung mit einer Gedenkfeier am 18. Januar 1901 an die dann zweihundertjährige Erhebung Preußens zum Königreich, zu Grunde.
— Die nächsten Cadettenhausabiturienten werden auf Autrag des Kriegsministers zum Studium der Medicin auf der Berliner Kaiser Wilhelms-Akademie zuge- ioffcn werden. Da die Reifeprüfung an den Cadetten- schulen derjenigen unserer Realgymnasien entspricht, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auch den Abiturienten dieser Anstalten gleichzeitig, das heißt von Ostern 1901 ab, das gleiche Recht gewährt wird.
In Köln ist die von Se. Maj. dem Kaiser dazu abgesandte Torpedoboot-Division auf der Fahrt den Rhein hinauf eingetroffen. Sofern der Wasserstau!) günstig bleibt, soll die Fahrt bis nach Straßburg fortgesetzt werden.
Clcve, 30. April. Die Polizeibehörden und Landgendarmen in den Grenzdistrikten haben strenge Anweisung erhalten, der Aufdeckung des Mädchenhandels, welcher anscheinend auch im preußischen Staatsgebiet immer mehr um sich greift, die größte Sorgfalt zuzuwenden und die Verfolgung konkreter Fälle mit allem Nachdruck zu betreiben. Zu diesem Zwecke sollen nicht nur alle verdächtigen Lokale und Personen fortgesetzt scharf überwacht werden, sondern vor allen Dingen soll eine dauernde Kontrole der Grenzübergangspunkte die Verschleppung von Mädchen verhindern. Die O"gane der Zoll- und Eisenbahnverwaltung haben, der ,.RH. Wests. Ztg." zu wlge, Anweisung erhalten, die Polizeibehörden hierbei nach Möglichkeit zu unterstützen Durch diese verschärften Maßnahmen hofft man auch, einer allem Anscheine nach vorhandenen internationalen Organisation, welche den Mädchenhandel betreibt, auf die Spur zu kommen. Ueber alle wichtigen Wahrnehmungen sollen die Behörden sofort ausführlich berichten.
Mainz, 29. April. Der Festzug des Gutenberg- Festes soll eine besonders glanzvolle Ausgestaltung erhalten. Er wird aus etwa 2500 Kostümirten bestehen. 40 Wagen werden sich im Zuge befinden und ca. 700 Pferde zur Verwendung kommen. Die Militärverwaltung zeigt sich sehr entgegenkommend, und sind auch verschiedene Gruppen militärischen Charakters von Offizieren der Garnison übernommen worden.
Straßburg. Hier ist eine in ärmlichen Verhältnissen lebende Frau über Nacht zur Millionärin geworden Vor vielen Jahren wanderte die Schwester der Frau mit ihrem Manne nach Mexiko aus, wo es die beiden Leutchen zu einem immensen Reichthum brachten. Beide starten, ohne Nachkommen zu hinterlassen. Durch Vermittelung des deutschen Konsulates ist die Frau nun als die glückliche Erbin entdeckt worden. Wie man saat, handelt es sich bei dieser Erbschaft um acht und eine halbe Million.
München. Die Oberammergauer Passionsspiele werden in diesem Jahre an jedem Sonntag in den Monaten Juni, Juli, August und September mit Ausnahme des 3. Juni (Pfingstsonntag), außerdem am 24. und 27. Mai, 4., 16. und 29. Juni, 15 August und 8. September (Feiertage), sowie am 18 Juli, 8. und 25. August (Werktage) als Hauptspieltage. Nachspiele finden an den Tagen nach den Hauptspielen statt, wenn eine gewisse Anzahl der zugereisten Besucher Billcte zum Hauptspiele nicht mehr erhalten kann. Jedes solche Nachspiel wird thunlichst schon am Vorabende des Hauptspieltages, spätestens aber in den Vormittagsstunden des Hauptspieltages, sqwohl in der Stadt als im Central- bahnhof München durch Plakatanschlag bekannt gegeben
R^Up!!«^^«>^ ^ bie -Schlüchterner Zeitung" «»vlIXUUHy&H werben nod) fortwährend von allen ; "-'■'l-!—........ — Postanstalten utd Landbriesträgern, r sowie von der Expedition entgegen genommen.
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Zur Weltlage.
Die letzten Jahre haben vier große Kriege gezeitigt: den chinesisch-japanischen, den türkisch-griechischen, den spanisch-amerikanischen und jetzt den südafrikanischen. Jeder dieser vier Kriege hat einen eigenartigen Charakter. Der Krieg zwischen Japan und China zeigte zum ersten Maie das Ringen zweier asiatischen Mächte mit allen modernen Mitteln des Land- und Seekrieges Er erwies die großen Fortschritte Japans, das unglaubliche Zürückbleiben Chinas und die gewaltige Ueberleg-m- Heit eines geschulten Heeres. Die weitere Folge des Krieges war das tiefe Eindringen der europäischen Mächte in den Landbesitz Chinas.
Der türkisch-griechische Krieg erwies einerseits die große Verwahrlosung des griechischen und die unter deutschem Einfluß gewonnene Trefflichkeit des türkischen Heeres. Er enthielt eine ernste Warnung an alle kleinen und großen Unruhestifter am Balkan, die Türken nicht zu einem Existenz Kampfe herausfordern. Die Lage auf Kreta führte zu einer europäischen Aktion, die im Grund genommen mehr die Uneinigkeit als die Einigkeit der Großmächte erkennen ließ, die aber doch ein weiters Umsichgreifen des Brandes verhinderte. Der spanischamerikanische Krieg zeigte ebenso wie der chinesisch japanische die Ueberlegenheit eines in fortschreitender Entwickelung begriffenen Staates über seinen im Rück- schritt und Verfall besindlichen Gegner. Die Entscheidungen fielen auf der See. Alle Seemächte haben daraus die Lehre gezogen, daß sich eine Vernachlässigung der Flotte rächen kann.
Der südafrikanische Krieg nimmt das militärische Interesse in hohem Grade in Anspruch. Es ist das erste Beispiel der Ueberführung einer starken Armee von Europa nach einem fernen Welttheil auf dem Seewege; beide Theile sind mit den modernsten Schußwaffen ausgerüstet und die Engländer im Besitz aller neueren Schöp ungen der Kriegstechnik. Von allen Staaten ist Deutschland der nächst interessirte, weil die künftige Gestaltung der Lage in Südafrika für unseren nachbarlich angrenzenden Kolonialbesitz nicht gleichgültig sein kann.
Namentlich der letztere Umstand hat zu Erörterungen darüber geführt, weshalb die deutsche Politik nicht eine zwischen beiden Gegnern vermittelnde Haltung eingenommen habe. Um das mit Erfolg zu thun, bedarf man entweder die Zustimmung beider Theile, die guten Dienste der vermittelnden Macht anzunehmen, oder man muß militärisch stark sein, daß Jeder der beiden Kriegführenden Bedenken trägt, den Vermittler zu verstimmen. England hat nun jede Intervention von vornherein abgelehnt; es hat seine gesammte Flotte, deren es für diesen Krieg nicht bedarf, zur freien Verfügung, um jede ihm nicht zusagende Intervention mit einer Bedrohung der kontinentalen Küsten zu beantworten. An ein Zusammengehen der drei Mächte Deutschland, Rußland und Frankreich ist aber nicht zu denken.
Unter solchen Umständen hat das Dcutlche Reich seine Politik so einzurichten, daß es schließlich, um ein Bismarcksches Bild zu gebrauchen, auf dem länger« Arm des Hebels sitzt. Noch haben wir nicht einmal eine heimische Schlachtflotte. Um überscei che Politik zu treiben, bedürfen wir jedoch einer starken Kriegsflotte von Linienschiffen und Kreuzern, wie sie in der Novelle zum Flottengesetze gefordert wird. Erst wenn wir über solche Mittel verfügen, brauchen wir nicht auf Rußland und Frankreich zu warten. Will man auf der See mit reden, muß man auch im Stande sein, sich die See, gemalt zu sichern, und so lange das ungleich seestärkere Frankreich eS vorzieht zu schweigen, hat Deutschland allen Grund, sich die Dinge ruhig zu betrachten und Herr seiner Entschließungen zu bleiben.
Deutsches Reich.
Verkitt. Die Ankunft des Kaisers in Schloß Ur- ville in Lothringen ist, wie man der „Voss. Ztg." aus Metz mittheilt, auf den 8. Mai festgesetzt wmden. Der Aufenthalt Sr. Majestät dauert bis zum 15. Mai; die Kaiserin bleibt mit den beiden jüngsten Prinzen und der Prinzessin Luise Viktoria einige Tage länger.
und wird hierüber auf Anfrage auch bei auswärtigen Stationen Auskunft gegeben. Die Aufführungen be- qinnen an den Hauptspiel- und Nachspieltagen um 8 Uhr Vormittags und enden gegen 5 Uhr Nachmittags. Kiel, 25. April. Im Trockendock befindet sich das Küstenpunzerschiff „Hagen" im Umbau. Der um sieben Meter verlängerte Panzer wird jetzt mit seiner Panze- rang versehen. Mittelst eines Gangspills windet man die 17,000 Kilogramm schweren Panzerplatten empor und bringt sie an die Schiffswandung. Beim Fieren löste sich ein in die Deckmauer eingelassener Augbolzen. Die Panzerplatte stürzte herunter und setzte das Gangspill durch ihr gewaltiges Gewicht von 17 Tons in eine rasende schnelle Bewegung. Die am Spill angestellten vier Schiffszimmerer Schütt, Gräbsch, Köhler und Meier wurden von den mit unheimlicher Schnelligkeit kreisenden Handhaben zu Boden geschleudert. Schütt erhielt einen furchtbaren Schlag gegen den Kopf, so daß die linke Seite eine blutende Wunde bildete. Gräbsch erlitt eine schwere Verletzung am Unterleib. Der Zustand dieser beiden Verunglückten ist bedenklich. Köhler und Meier wurden nicht |o schwer getroffen und klammerten sich am Boden fest. Die ununterbrochen kreisenden Bäume, die zum Theil zerbrachen, fausten über sie hinweg, so daß sie mit leichteren Verletzungen davonkamen.
Lou der ruffischen Grenze. Das russische Ministerium des Innern hat soeben eine Beringung erlassen, durch welchen allen Juden außer denjenigen, welche eine besondere ministerielle Genehmigüng erlangen, verboten wird, innerhalb eines Zwischenraumes von 40 Werft (etwa ebenso viel Kilometer) von der deutschen oder der österreichischen Grenze ansässig zu sein. Die Verordnung tritt, wie die „Schles. Ztg." berichtet, nach einer kurzen Gnadenfrist tn Kraft und soll mit aller Strenge durch- gc'u.-.t werben. Der Grund für diese Vorschrift sei in dem Bestreben zu suchen, dem systematischen und in ungeheurem Umfange betriebenen Schmuggel zu steuern, der in den letzten Jahren an der ganzen westlichen Grenze des russischen Reiches stärker als je zu Tage getreten. Juden seien zum größten Theile die Seele des Schmuggelgeschästs, den Rest des Geschäfts besorgten die Grenzbeamten. Die Regierung habe sich deshalb veranlaßt gesehen, diese Ausnahmemaßregeln zu ergreifen, wo gewöhnliche Mittel nicht ausreichen. Anzunehmen ist, daß die von der Maßregel betroffenen jüdischen Familien in größerer Menge nach Westen, also nach Preußen und Oesterreich-Ungarn, auswandern werden.
Ausland
Aus Lissabon wird gemeldet, daß sich in Oporto ein Regiment portugiesischer Freiwilliger für das Burenheer als Protest gegen die Erlaubniß der portugiesischen Regierung, britische Truppen in Beira zu landen, bildet. Gleichzeitig soll dies beweisen, daß die portugiesische Nation mit den Buren sympathisirt. Die Republikaner organisiren Burenmeetings, Kinder tragen Matrosenmützen mit den Worten „Boer" und „Krüger" in gdlde- nen Buchstaben.
Westindien. Auf Cuba wie auf Porto Riko besteht schon seit längerer Zeit eine Unzufriedenheit mit der Herrschaft der Vereinigten Staaten. Jetzt wird gemeldet, der ehemalige cubaniiche General Rabi habe sich an die Spitze einer aufständischen Bewegung gestellt, die sich gegen die Amerikaner richte und die Unabhängigkeit Cubas zum Ziele habe Bestätigt sich die Nachricht, dann kann es den Amerikanern auf Cuba bald so übel gehen, wie es ihnen immer auf den Philippinen ergeht.
Ncw-Nork, 2. Mai. Ein furchtbares Grubenunglück ereignete sich in Schofielt (Utah.) Wie gemeldet wird, sollen über 200 Menschen das Leben eingebüßt haben. 137 Leichen wurden bereits aufgefunden. DaS Unglück wird auf die Explosion einer Anzahl Pulverfäffer zurückgeführt.
Lokales und Proviazielles.
* Schlüchteru, 4. Mai.
* — Herr Domänenrentmeister Bell zu Hanau tritt mit dem 1. Juli in den Ruhestand.
— Die Waldbrände mehren sich gegenwärtig in unserer Provinz in bedenklicher Weise. Meistens scheint das unachtsame Wegwerfen von Streichhölzern rc. die Ursache zu fein. Darum: Vorsicht im Walde.
* — Diejenigen Herrn Bürgermeister, in deren Gemeinden eine Wasserleitung projectirt wird, und welche