SchWernerMtung
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35. Mittwoch, den 2. Mai 1900. 51. Jahrgang.
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------ . ------- - Postanstalten utd Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Das Unglück ruft große Bestürzung erfolgen bereits heftige Angriffe gegen
Deutsches Reich.
Berlin. Wie verlautet, wird der Kaiser noch in diesem Jahre einen Ausflug nach Essen unternehmen, um dem Geheimrath Krupp auf Villa Hügel einen etwa zweitägigen Besuch abzustatten. Der Zeitpunkt dieser Reise ist noch nicht festgesetzt, doch nimmt man an, daß sie kurz vor Antritt der Nordlandreise des Monarchen erfolgen werde.
Berlin, 27. April. Die Budgetkommission nahm mit 20 gegen 8 Stimmen den Centrumsantrag an, worin die geforderte Schlachtflotte voll bewilligt, die Vermehrung der Auslandflotte gestrichen, die Vermehrung der Materialreserve herabgemindert wurde. Als Deckungsmittel wurden die mehrfach gemeldeten Steuererhöhungen, respektive eine ergänzende, den Massenverbrauch nicht belastende Reichssteuer vergeschlagen.
— Die Finanzlage im Reiche wird von halbamtlicher Seite als sehr günstig geschildert. Es wird u. a. gesagt: Das Jstergebnis des Reichshaushalts für 1899 dürfte sich nm mehr als 60 Mill. Mk. günstiger stellen als der Etat vorgesehen hatte. — Minder günstig schneiden die Bundesstaaten ab. Zum Theil deshalb, weil der Minderbetrag des Getreidezolles den Ueber schuß der Ueberweisungssteuer gegenüber früheren Jahren empfindlich geschmälert hat. Vor allem aber deshalb, weil der ganze Mehrertrag der Ueberweisungs- steucrn über den Etatsansatz von mehr als 30 Mill. Mk. zur Verminderung des Anleihebedarfs mit Beschlag belegt worden ist. — Der Ueberschuß des preußischen Staatshaushalts ist bei Vorlegung des Etats für 1900 auf 85 Millionen Mark geschätzt worden. Diese Schätzung wird hinter der Wirklichkeit zurückbleiben. Schon der Mehrüberschuß der Eisenbahnverwaltung wird den im Januar geschätzten Betrag von 13 Millionen Mark sehr beträchtlich übersteigen.
— Vor einiger Zeit brachten wir die Mittheilung, daß versiegelte Postpackete von der Postverwaltung der Vereinigten Staaten von Amerika beanstandet werden weil ihr Inhalt von den Zollbeamten und den dazu bc rechtigten Postbeamten nicht leicht untersucht werden kann. Nach einer Bekanntmachung des Reichspostamtes werden nun nicht nur versiegelte Postpackete, sondern auch Kisten mit festgenageltem oder autgeschraubtem Deckel, sowie Packete mit zugenühter oder zugeklebte: Umhüllung nach Deutschland zurückgeschickt. Derartig verschlossene Postpackete werden bis auf Weiteres von den Postanstalten nicht mehr angenommen. Die Packete dürfen lediglich nach den Bestimmungen für Waaren- proben verpackt und verschlossen und nur durch eine Bindfadenumichnürung gesichert sein.
Konitz, 27. April. Der Minister des Innern hat 20,000 Mk. auf die Ermittelung des Mörders des Gymnasiasten Winter ausgesetzt. Die von der bisher ausgesetzten Summe noch übrigen 6000 Mk. sind für die Auffindung der Kleider des Winter und sonstiger Spuren bestimmt. — Der Schüchter der hiesigen isr. Gemeinde, Moritz Luchs, ber bei dem verhafteten Js- raelski wohnte, verzog ins Ausland, angeblich um der Ausweisung zu entgehen. Seine Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter stand unmittelbar bevor.
Mannheim, 27. April. Der am 17. Januar vom hiesigen Schwurgericht wegen Lustmords, begangen an der ttjährigen Thekla Hueßler, zum Tode verurtheilte Schreiner Aloys Link aus Londa ist, nachdem das Begnadigungsgesuch vom Großherzog abschlägig beschieden worden ist, heute Früh 5 Uhr hingerichtet worden.
Millerand, der auf der Eröffnung der Ausstellung bestanden hat. — Nach einer späteren Meldung sind neun Personen getödtel und ebenso viele verwundet.
Belgien. In der hiesigen Kammer sind furchtbare Anklagen erhoben worden gegen die Regierung des Kongostaates, welche sich die entsetzlichsten Gewaltthaten und Grausamkeitn hat zu Schulden kommen lassen. Die belgische Regierung hat dies ziemlich leicht genommen, aber die Mächte dürften von ihr doch Rechenschaft verlangen.
Algier. Der Geologe Henry Neuburger, der vom Generalgouverneur von Algerien mit Forschungen in Algerien beauftragt worden war, theilt in seinem Berichte mit, daß er im Westen von Algier 14 Petroleumbezirke entdeckt habe, die sich von der Nordwestküste nach Südosten in einer Länge von 200 Kilometer ausdehnen. Das Gelände habe viel Aenlichkeit mit dem von Baku und Galizien und verspreche eine reiche Ausbeute. Auch in der Provinz Constantine seien petroleumhaltige Gebiete
entdeckt worden.
Transvaal. Dem Feldmarschall Roberts ist neue Aktion geglückt, der Entsatz der von
Buren hart von Roberts abgeschickten den Erfolg,
bedrängten Garnison von Wepener. angeordneten Umgehungs-Bewegungen
eine den Die der
starken britischen Entsatz-Kolonnen hatten daß die Buren die Belagerung Wepeners
au'heben und sich nach Ladpbrand zurückziehen mußten. Die Gesamtverluste des in Wepener kommandierenden Obrsten Delgaty werden auf 33 Todte und 142 Verwundete angegeben. Mit dem Zurückweichen der Buren vor Wepener dürfte ihr kühner Versuch, die Verbindungen der Robertsschen Armee in Bloemfontein nach Süden
zu zerstören, dem westlichen ihrem Lager bardement der die Buren in
als gescheitert zu betrachten sein. Auf Kriegsschauplatze wurden die Buren aus bei Warenton durch ein heftiges Bom- Engländer vertrieben Dagegen haben der Nähe von Windsorten bei Kimber-f
Getöse der Explosion war furchtbar. Das zweistöckige Haus, von welchem aus das Verbrechen verübt worden, ist nur noch eine tiefe Grube. Die benachbarte deutsche Kirche ist vollständig verschwunden. Verschiedene Häuser sind eingestürzt. Der Besitzer der Fabrik Begbie, ein Engländer, ist verhaftet und des Mordes angeklagt worden. Er steht im Verdacht, selbst die Explosion der Fabrik, die 80 000 Pfund Werth hat, veranlaßt zu haben, um sich dafür zu rächen, daß er gezwungen worden war, Munition für den Feind seines Landes herzustellen. Einige Arbeiter sollen eine elektrische Vorrichtung gefunden haben, mittelst deren Nitroglycrin ent« zündet wurde.
Ein ungeheurer Brand vernichtete in Ottawa (Canada) eine Anzahl Schneidemühlen, Holzplätze und Mahlmühlen, ferner das Elektrizitätswerk und den Bahnhof der Canada-Parcisic Eisenbahn. Das Feuer, welches noch nicht gelöscht ist, droht bei dem herrschenden stürmischen Westwind einen Theil der Stadt zu vernichten. Die Regierung erbat sich Hülfe von Montreal, Torento und Brockville. Zur Bekämpfung des wüthenden Elements wurde die Miliz aufgeboten. Der Schaden ist schon jetzt auf mehr als 4 Millionen Dollars geschätzt. Das Parlament, in dessen Räumlichkeiten infolge Ausbleibens der elektrischen Beleuchtung Dunkelheit herrscht, hat sich bis Dienstag vertagt. Wie ferner die Londoner „Times" aus Ottawa vom 25. April melden, brach die Feuersbrunst in Hull, einem Vororte von Ottawa, um 11 Uhr Vormittags aus. Nachdem die öffentlichen Gebäude und zahlreiche Geschäftsläden ein Raub der Flammen geworden waren, sprang das Feuer über den Fluß und breitete sich in der Stadt aus. Gegen 6 Uhr Abends waren 2000 Familien obdachlos. Hunderte von Personen lagerten auf den Straßen. Es geht das Gerücht daß mehrere Personen das Leben eingebüßt haben, allein infolge der sehr großen Ausdehnung des vom Feuer ergriffenen Gebietes kann hierüber nichts Genaues festgestellt werden.
Bombay, 25 April. Zehntausende über Zehntausende von Soldaten sendet England in ungerechter Sache
Ausland.
Petersburg, 28. April. Die englische Abordnung ßUM Ankauf russischer Pferde für Südafrika ist nach der Surfet abgereist, da die russischen Pferdezüchter es ab« lehnten, der Deputation Pferde zu verkaufen.
Paris, 30. April. Gestern Nachmittag ist auf dem AuSstellungs-Terrain eine Fußgängerbrücke zusammen- gebrochen. Beim Einsturz befand sich Niemand auf der Brücke, dagen zahlreiche Personen unter derselben. Bis jetzt sind 6 Todte aufgefunden worden. Ferner wurden stwa 50 meist schwer Verletzte unter den Trümmern
ley ein neues Lager errichtet; es befinden sich dort die Aufständischen aus Prieska, Campbell und Griqualand. Nach sicheren Informationen sammelt die Transvaal- Regierung große Vorräthe im Distrikt von Lydenburg, weshalb angenommen wird, die Buren wollten die dortige Berggegend als letzte Stellung halten. Das Gelände rings um Johannesburg und Prätoria wird stark befestigt, in der Johannesburger Geschützgießerei werden wöchentlich 700 Geschosse hergestellt. Aus dem Umstände, daß die Buren Wepener aufgegeben und sich zurückgezogen haben, schließt man in London auf eine baldige vollständige Unterwerfung der Burenheere. Das ist natürlich ein ganz gewaltiger Trugschluß. Daß die Buren bei Wepener den englischen Truppen unter den Gereralen Rundle, French und Hart, die eine zehnmal so starke Soldaten-Anzahl darstellte, als sie selbst aus. machten, würden weichen müssen, war selbstverständlich. Aber schon aus der Thatsache, daß die Engländer die abziehenden Buren nicht verfolgten, ersieht man. daß der Rückzug keine Flucht war. Die Buren werden zweifelsohne nun bald eine andere engli'che Kolonne ebenso abschneiden, wie sie es mit der in Wepener wochenlang eingeschossenen gemacht haben. Das ist eben der Kleinkrieg. Die Buren fügen den Engländern Nach- theile zu und verschwinden dank ihrer stärkeren Beweglichkeit, ohne selbst Schaden zu nehmen, um ganz un« erwartet in einem anderen Distrikt daS gleiche Manöver auszuführen.
Johannesburg. Die Explosion in der Begbieschen Gießerei in Johannesburg, die als Arsenal benutzt wurde, ist zweifellos ein Werk der Engländer. Die Explosion erfolgte in einem von den Werken getrennt gelegenen Hause und dürfte 800 Pmnd Dynamit erfordert haben, während sich auf dem Terrain selbst nur 200 Pfund Dynamit befanden. Es ergab sich, daß die Missethäter einen unterirdischen Stollen von einem der Fabrik gegenüberliegenden Hause angetrieben haben. Die diesem Bubenstück zum Opfer gefallenen find meist Italiener. Die nächste Folge wird sein, daß die Buren nicht einen Engländer mehr in Transvaal dulden. Die Fabrik soll in den nächsten vierzehn Tagen wieder eröffnet werden, da die Maschinen merkwürdig wenig gelitten haben. Die äußeren Mauern des Gebäudes wur- '
^nach Südafrika; Millionen verschlingt dieser Beutekrieg, aber für die Linderung der entsetzlichen Nothstände in Indien hat die britische Regierung keine wirksamen : Mittel. Und dabei mußte am 1. Februar im englischen ; Unterhause der Staatssekretär zugeben, daß die Zahl derer, die in Indien unter der Hungersnoth leiden, 49 Millionen beträgt, eine Zahl, die sich seitdem sicherlich noch erheblich vergrößert hat. Der fünfte Theil der indischen Bevölkerung leidet untei der Hungersnoth. und die britische Verwaltung Indiens zeigt sich voll kommen unfähig, der entsetzlichen Noth zu steuern. Noch mehr: man weigert sich geradezu, zur Verbesserung der Verkehrswege und damit zur Erleichterung der Herbeischaffung von Lebensmitteln in solchen Bezirken etwas zu thun, in denen man nicht sofort auf reiche Rentable tät solcher neuen Verkehrswege rechnen kann. Erschwerend kommt der fernere Umstand hinzu, daß seit zwanzig Jahren der Nothsia, d bei jeder neuen Wiederholung immer furchtbarer geworden in und noch nie so furchtbar war wie sitz: wo bhtbt da der Charakter der Kulturmacht? Unkultur und Urmenschlichkeit sind die Hauptzüge britischer Herrschaft, nicht Kultur und christliche Nächstenliebe.
ist
Lokales und Provinzielles.
* Schlechter«, 1. Mai.
* — Herr Rentmeister Wiedemann in Ziegenhain ab 1. Juli d. Js. als Königlicher Rentmeister nach
Schlüchtern versetzt worden.
* — Der heutigen Nummer liegt der diesjährig« Sommerfahrplan für die Eisenbahnen im hiesigen Kreis und den Nachbarkreisen bei.
* — Lohnzahlungen. Am 1. Mai wird zum erstenmale den sämtlichen Bediensteten der preußischen StaatS- bahnen, soweit solche im Arbeitervcrhältnissc stehen, der verdiente Lohn für einen vollen Kalendermonat, also für die Zeit vom 1. bis 30. April, auSgezahlt werden und zwar auf Grund des Allerhöchsten ErlasseS vom 30. Januar dieses Jahres, wonach den Tienststellenvorstehern — Stations- und Expeditionsvorstehern, Güterexpedienten, Stationseinnehmern rc. — das Recht eingeräumt ist, die Lohnrechnung sofort zur Zahlung anzuweisen, ohne eine Revision abzuwarten. Die Revision erfolgt erst nach
den niedergeworfen und die ganze Fabrik und die Nach-, _
barschast wurden schnell eine Flammenmasse. Das! der Zahlung der Lohnbeträge. Der Erlaß des Kaisers